Autor Thema: Erster Versuch mit Farbschalen  (Gelesen 573 mal)

Martin Lemke

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Erster Versuch mit Farbschalen
« am: 2021-10-02 21:34:19 »
Für 14 Tage (18.09.–2.4.2021) hatte ich vier Farbschalen in einem Trockenrasen stehen. Vor einem Monat hatte ich auf einem noch besseren Trockenrasen mit Bodenfallen viel weniger Fänge als hier mit den Farbschalen.

In dem stark von Wildschweinen frequentierten Terrain war es notwendig, Vorkehrungen gegen Wildschweine zu treffen. Einem Jägertipp folgend, habe ich um die Fallen herum gepinkelt (Frauen müssten sich dafür vorher etwas Urin in eine Spritzflasche füllen). Der Weg zu den Fallen war durch Schwarzkittel stark aufgebrochen, aber die Fallen waren unversehrt.

Es war nicht leicht, bezahlbare gelbe Schalen zu bekommen. Schlussendlich machten gelbe Müslischalen das Rennen. Als Fangflüssigkeit nutzte ich, wie für meine Bodenfallen, konzentrierte Kochsaltzlösung mit etwas Spülmittel. Das ist einerseits billig und anderersetis nicht umweltschädlich, falls man mal etwas verschüttet. Ich weiß, andere Leute finden diese Flüssigkeit nicht gut; warum, verstehe ich nicht.

Fundliste nachfolgend in folgender Notation: m/f/juv

Alopecosa sp. 0/0/42
Mangora acalypha 0/0/1
Clubiona diversa 4/1/0
Centromerus sylvaticus 0/1/0
Pardosa lugubris s.l. 0/1/0
Zelotes petrensis 1/0/0
Tenuiphantes tenuis 4/0/0
Trochosa terricola 1/1/0
Phalangium opilio 1/2/0

Fazit: Man muss nicht unbedingt Löcher graben, um Spinnen zu fangen. Farbschalen tun es auch, vielleicht aber sogar auch Schalen beliebiger Farbe, was die Beschaffung vereinfachen würde. Im Gegensatz zum Fang von Fluginsekten hatten meine Fallen ein Plexiglas-Dach gegen Regen (und Fluginsekten). Zum Beifang gehören leider auch kleine Kröten und eine Waldeidechse neben kleinen Fliegen und Käfern.

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Eine der Farbschalen im Gelände

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Fangergebnis einer Schale

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*IMG_20211002_161556.jpg (159.19 KB . 600x450 - angeschaut 101 Mal)
Gesamtfang aus allen 4 Farbschalen nach dem Aussortieren

Martin
« Letzte Änderung: 2021-10-03 10:48:21 von Martin Lemke »
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Viktoria Wegewitz

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Re: Erster Versuch mit Farbschalen
« Antwort #1 am: 2021-10-02 21:38:34 »
Hallo Martin,

postest du bitte Literatur, die die ganze Methodik mit den Farben erklärt? Es sieht sehr interessant aus. Wer hat damit angefangen, du?

Grüße Viktoria

Du kriegst das Mädchen aus dem Wald aber den Wald nicht aus dem Mädchen.

Simeon Indzhov

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Re: Erster Versuch mit Farbschalen
« Antwort #2 am: 2021-10-02 21:42:01 »
Farbschalen und Spinnen? Das ist interressant. Bei mir hatte ich einmal eine Heliophanus kochii in einer weißen Schale. Mich wundert übrigens, dass Du keine Hymenoptera oder Diptera erwischt hast, sondern lediglich Käfer (Ocypus?). Oder waren die Schalen die ganze Zeit so bedeckt?
Simeon

Martin Lemke

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Re: Erster Versuch mit Farbschalen
« Antwort #3 am: 2021-10-02 23:21:44 »
Literatur habe ich nicht, aber ich gebe Euch gern etwas Hintergrundinfo. 2020/2021 arbeite ich an einer Studie mit in welcher unterschiedliche Organismen und Pflanzen erfasst werden. Da werden z.B. Mücken in speziellen mit Trockeneis befüllten CO2-Fallen gefangen und eben Ameisen, Wanzen, Käfer, Wespen/Bienen und Spinnen/Opiliones. Eingesetzt wurden Bodenfallen, Malaisefallen, Lichtfallen und Farbschalen. Alle diese Fallentypen haben Spinnen erfasst! Ich bekomme die bereits aussortierten Spinnen der Fallenfänge.

Die erste Marge an Fängen habe ich jetzt fast geschafft durchzubestimmen, aber es kommt noch mehr Material. Bei der Bestimmung der Spinnentiere ist mir aufgefallen, dass Farbschalen für Spinnen sehr stark fängig sind. Aus diesem Grund habe ich das mal ausprobieren wollen. Dies ist jetzt in einen ersten Test geschehen und die Ergebnisse habe ich hier gerade mitgeteilt. Im Moment ist ja eher Nebensaison. Mit Centromerus sylvaticus habe ich bereits eine Winterart gefangen.

Es war gar nicht so einfach, geeignete und bezahlbare (!) Gelbschalen zu bekommt. Gelbe Müslischalen aus Kunsstoff machten schlussendlich das rennen (< 3 €/Stück). Passende Plexiglasscheiben gabe es bei Ebay. Allerdings habe ich zwischenzeitlich den Tipp erhalten, dass Plexiglasscheiben nicht sonderlich UV-resistent sind. Mal sehen, was ich für Erfahrungen damit mache. Polycarbonat-Platten sollen haltbarer sein, kosten aber doppelt so viel wie Plexiglas.

Nebeninfo: Auf einer Terrasse fand ich in einer wassergefüllten weißen (?) Keramikschale vor ein paar Wochen Scotophaeus blackwalli.

VG
Martin

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