Autor Thema: Megalepthyphantes nebulosus? => Linyphia cf. tenuipalpis  (Gelesen 1032 mal)

Lars Stoltze

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« Letzte Änderung: 2018-01-10 22:51:45 von Arno Grabolle »

Ulrich Kursawe

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Re: Megalepthyphantes nebulosus?
« Antwort #1 am: 2017-12-27 11:19:11 »
Hallo Lars,

gibt es einen speziellen Grund, warum Du M. nebulosus vermutest? Ich würde hier eher Linyphia sp. sehen, aufgrund der spärlichen Bestachelung der Femora I mit Tendenz zu L. tenuipalpis. Das scheint mir in Bezug auf die Opisthosoma- und Beinzeichnung auch etwas besser zu passen.

Viele Grüße, Uli

Lars Stoltze

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Re: Megalepthyphantes nebulosus?
« Antwort #2 am: 2017-12-27 12:05:10 »
Hallo Ulrich,
ich bin über die Fundortbestimmung (Hauswand) bei M.nebulosus hängen geblieben (auch wegen der ähnlichen Prosoma-Zeichnung). Allerdings hat mich die Opistosoma-Zeichnung irritiert und deshalb meine Frage.
L. tenuipalpis passt daher besser. Auch die Lebensraumbeschreibung "spärlich bewachsenen Lebensräumen zu finden, die sich schnell aufwärmen" passt, da wir am prallen Südhang wohnen. Nach der Reifezeit müsste es dann ein Weibchen sein?
Vielen Dank und Grüße,
Lars

Jürgen Peters

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #3 am: 2017-12-27 20:28:53 »
Hallo zusammen,

das interessiert mich jetzt auch. Das unten abgebildete Weibchen habe ich kurz vor Weihnachten, am 20.12.17, an unserer Hauswand (Südwand), oberhalb von Blumenkübeln fotografiert und ohne weiteres Nachdenken als Linyphia triangularis abgelegt. Stark bestachelt sind die Femora I allerdings auch nicht. Könnte das evtl. ebenfalls L. tenuipalpis sein? Kam mir für ein erwachsenes Linyphia-Weibchen recht kein vor.

Unser Beton-Innenhof ist quasi sowas wie ein künstlicher Steingarten. In den Ritzen zwischen den mehrere Quadratmeter großen Platten wachsen im Sommer u.a. Oregano, Salbei, Wasserdost und Kanadische Goldrute. Anders als die Gegend hier insgesamt, könnte man den Hof durchaus vom Mikroklima her als trockenwarmes, karges Steinhabitat bezeichen.
Viele Grüße, Jürgen

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Ulrich Kursawe

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #4 am: 2017-12-27 20:57:30 »
Hallo Jürgen,

ich weiß auch nicht genau, ob das ein  "hartes" Unterscheidungskriterium ist, ich habe mich lediglich auf dieses Vergleichsbild (und den zugehörigen Text) im Wiki bezogen:

http://wiki.arages.de/index.php?title=Linyphia_tenuipalpis#/media/File:Torner_Linyphia_triangularis_og_Linyphia_tenuipalpis_600.jpg

Danach wäre dann auch dein Weibchen eher bei L. tenuipalpis, aber mehr als ein "cf." hätte ich mir in beiden Fällen nicht zugetraut.

Viele Grüße, Uli

Jürgen Peters

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #5 am: 2017-12-27 21:33:26 »
Hallo Ulrich,

Danach wäre dann auch dein Weibchen eher bei L. tenuipalpis, aber mehr als ein "cf." hätte ich mir in beiden Fällen nicht zugetraut.

Ok, danke! Vielleicht haben ja noch andere Ideen zu beiden Spinnen.
Viele Grüße, Jürgen

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Martin Lemke

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #6 am: 2017-12-28 02:42:06 »
Eindeutiges Unterscheidungsmerkmal ist die Epigyne. Ich habe L. tenuipalpis erst einmal gefunden (im Norden Niedersachsens) und habe keine Erfahrungen, ob es eine Möglichkeit der non genitalen Unterscheidung gibt. L. tenuipalpis scheint mit 18 Nachweisen deutschlandweit (keiner aus BW!) im Gegensatz zu L. triangularis eine deutschlandweit sehr seltene Art zu sein.

Ich würde das vorliegende Tier also unter Linyphia sp. mit Tendenz zu L. triangularis einordnen. Lt. Phänogramm kommen Weibchen von L. triangularis bis in den Dezember vor, die von L. tenuipalpis lt. Wiki nur bis November – allerdings müssen diese Angaben nicht immer velässlich sein, schließlich haben wir einen Klimawandel. BTW: Ich habe auch schon mal ein lebendes Weibchen vor Argiope bruennichi im November gefunden.

Ob die Unterscheidung anhand der Bestachelung des 1. Beins (siehe Wiki) in Deutschland greift, konnte ich nie überprüfen. Den Bildern im Wiki nach, scheint es ja tatsächlich auf L. tenuipalpis hinzuweisen. Da steht die Frage im Raum, wie sicher dieses Merkmal ist.

Auf  L. tenuipalpis würde ich mich nicht festlegen wollen, wenn es um einen Erstnachweis für BW geht. Im Atlas sind zumindest derzeit überhaupt keine Nachweise für Süddeutschland dokumentiert. Eine genitale Bestimmung mit Belegtier in einem Museum ist daher wünschenswert.

Martin

Ref:
https://wiki.arages.de/index.php?title=Linyphia_triangularis
https://wiki.arages.de/index.php?title=Linyphia_tenuipalpis
Dies ist ein Bekenntnis

Lars Stoltze

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #7 am: 2017-12-28 10:18:43 »
Hallo Martin,
im Moment beruht die Unterscheidung zw. L. tenuipalpis / L. triangularis wirklich nur auf dem Wiki-Eintrag. Für einen Laien wie mich (der die Tiere nur fotografiert) sind solche makroskopischen Unterscheidungsmöglichkeiten immer sehr willkommen. Falls sie nicht korrekt ist (oder noch zweifelhaft), sollte man dies im Wiki eventuell anmerken?
Habt ihr als Administratoren nicht, die Möglichkeit den Autor des Eintrages zu ermitteln. Dann könnte man ihn auch um seine Meinung fragen?
Gruß, Lars
P.S. Das Vorkommen bis zum 6.12 anstatt 31.11 würde ich nicht als kritisch ansehen.

Jürgen Peters

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Re: Megalepthyphantes nebulosus? -> Linyphia tenuipalpis
« Antwort #8 am: 2017-12-28 15:52:56 »
Hallo Martin,

Eindeutiges Unterscheidungsmerkmal ist die Epigyne. Ich habe L. tenuipalpis erst einmal gefunden (im Norden Niedersachsens) und habe keine Erfahrungen, ob es eine Möglichkeit der non genitalen Unterscheidung gibt.

vielleicht sollten diejenigen, die Exemplare sammeln und genitalmorphologisch untersuchen, auch solch vermeintlich trivialen Spinnen wie L. triangularis öfter mal mitnehmen und begutachten - zumindest, wenn das (Mikro-)Habitat ein Vorkommen von L. tenuipalpis möglich erscheinen läßt. Vielleicht ist die Art ja nur unterregistriert, weil meist als vermeintliche triangularis links liegen gelassen. Mir als reinem Fotografen fehlt dazu leider die Möglichkeit. Wenn mehr Funde vorlägen und genitalmorphologisch verifiziert wären, könnte man sicher auch besser beurteilen, wie zuverlässig das Merkmal mit der Bestachelung ist.

Zitat
Ich würde das vorliegende Tier also unter Linyphia sp. mit Tendenz zu L. triangularis einordnen.

Wofür sich dann ja ein Linyphia cf. triangularis anbieten würde.

Zitat
Lt. Phänogramm kommen Weibchen von L. triangularis bis in den Dezember vor, die von L. tenuipalpis lt. Wiki nur bis November – allerdings müssen diese Angaben nicht immer velässlich sein, schließlich haben wir einen Klimawandel.

Und auch in warmen, geschützten, synanthropen Habitaten überlebende Tiere halten sich eh oft nicht an für Freilandbedingungen geltende Phänogramme und überleben länger als sie "dürften".

Zitat
BTW: Ich habe auch schon mal ein lebendes Weibchen vor Argiope bruennichi im November gefunden.

Ich ein altes Araneus diadematus-Weibchen im Januar (an einem Wärme ausstrahlenden Transformatorenhäuschen). Oder Anfang diesen Monats noch ein Parasteatoda lunata-Pärchen außen am Wintergarten bzw. abseits der Spinnenwelt z.B. 2015 zwischen Weihnachten und Neujahr Zitronenfalter, Erdhummeln und Schwebfliegen - oder Mitte Juli einen an einem Brombeerbusch fressenden (und verdauenden) Maikäfer...

Viele Grüße, Jürgen

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