Autor Thema: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?  (Gelesen 428 mal)

Martin Lemke

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Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« am: 2018-02-11 23:00:13 »
Ich meine hier


eine Lamella zu erkennen. Der Linyphenschlüssel (Stäubli) sagt aber, diese Art habe keinen.

Gucke ich falsch?

Martin

Rainer Breitling

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #1 am: 2018-02-13 09:17:10 »
Hallo Martin,
Welche Struktur hältst Du hier denn für die Lamella?

CaroritaLimnaeaPedipalp.jpg
*CaroritaLimnaeaPedipalp.jpg (376.51 KB . 800x534 - angeschaut 74 Mal)

Die rot markierte würde ich als Artefakt einordnen, vor allem weil ganz unklar ist, wo die eigentlich entspringen sollte.
Die grün markierte Struktur ist, je nach Autor, der Konduktor, die Embolusmembran, die Medianmembran oder die Suprategularapophyse. Anders als die Lamella characteristica entspringt diese Membran nicht von der Radix / Stützlamelle, sondern weiter proximal, von der Medianapophyse/dem Suprategulum.

Carorita hat einen ganz einfachen Endapparat, wo Embolus und Radix verwachsen sind, und keine Apophysen tragen, also auch keine Lamella characteristica. Von der anderen Seite, prolateral / mesal, wäre das wahrscheinlich besser zu sehen, und ein Foto aus dieser Richtung wäre auch deshalb interessant, weil es die charakteristisch pickelige Schwellung des Endapparats zeigen sollte, die auf den Abbildungen im Wiki nicht so recht deutlich wird.

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #2 am: 2018-02-13 10:42:26 »
Du hast die verdächtigen Strukturen schon ganz richtig erkannt. Danke für die Erläuterungen; die zeigen mir, dass ich hinsichtlich der funktionalen Strukturen sehr wenig Ahnung habe.

Es ist leider unendlich schwierig diesen winzigen Pedipalpus zu fotografieren. Erst hatte ich versucht, ihn in einem Hohlschliffobjektträger zu fotografieren, aber die minimale Alkoholmenge darüber verduntstete bei Zimmertemeperatur schneller als der Stack fertig durchfotografiert war.

Also musste ich ihn auf KY-Creme in einem Blockschälchen ausrichten. Mit einer 0,4 mm Kanüle geht das leidlich gut. Aber es trat ein weiteres Problem auf den Plan: Aufsteigende Gasblasen – woher die in ihrer Fülle auch kamen. Mit der Kanüle konnte ich in den Härchen verfangene Bläschen durch Ausstreichen leicht entfernen (fummelig, aber ohne weiteres machbar). Wenn alles fertig war, habe ich es unter der Fotoeinrichtung positioniert (mit etwas Übung bekommt man das auch bei so winzigen Objekten hin, ohne wahnsinnig zu werden). Mitten im Stack stiegen dann immer wieder neue Gasbläschen auf und zerstörten den Stack – möglichkerweise gab es irgend eine Reaktion mit der KY-Creme oder dem Alkohol, welche diese Bläschen erzeugte. Ich musste den Stack wegen dieser Bläschen 3 mal abbrechen und immer wieder Bläschen ausstreichen, den winzigen Palpus neu ausrichten, inzwischen abgebrochene Härchen weg schieben, neu ausrichten, Stack einrichten und starten.

Ich bin in der komfortablen Lage von dieser extrem seltenen Art 7 ♂♂ zu haben. Ich kann es also nochmal versuchen und hoffe, dass ich den abgetrennten Palpus in der Probe wieder finde. Auch wenn ich einige Exemplare habe, möchte ich sie doch nicht mehr zerschnippeln als notwendig. Als Objekt muss ein Männchen darunter herhalten, dem sowieso schon das Opisthosoma fehlt. Die anderen möchte ich gern komplett halten. Zwei davon gehen ohnehin in die GBOL-Sammlung am ZFMK.

Martin

Rainer Breitling

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #3 am: 2018-02-13 11:41:26 »
Erst hatte ich versucht, ihn in einem Hohlschliffobjektträger zu fotografieren, aber die minimale Alkoholmenge darüber verduntstete bei Zimmertemeperatur schneller als der Stack fertig durchfotografiert war.
Ein weiteres Argument zugunsten von Methylsalicylat/Wintergreen Oil :) Da verdunstet nichts, und evtl. bietet der Brechungsindex ja sogar Vorteile beim Bildkontrast, gerade bei so einem extremen Winzling.
Rainer

Martin Lemke

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #4 am: 2018-02-13 13:07:49 »
So ich den Palpus wieder finde, ist das eine Idee, die ich ausprobieren könnte. Allerdings gab es auf dem Hohlschliffobjekträger ein weiteres Problem, das aber wohl nur dem raschverdunstenden Alkohol zu schulden ist: Die KY-Creme bildet einen trockenen Film. Ganz ohne Einbettungsmedium geht es aber nun mal nicht. Mal sehen, wie sich Wintergreen oil und KY vertragen.

Martin

Rainer Breitling

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #5 am: 2018-02-13 17:42:36 »
Ganz ohne Einbettungsmedium geht es aber nun mal nicht.
Das wäre vielleicht einen Versuch wert. Holm, der die Methode wohl eingeführt hat, kam sicher ohne KY-Gel aus. Coddington beschreibt ja, wie man auch kleine Strukturen unter einem Deckglas positionieren kann, es klingt aber nicht einfach. Unter Umständen sieht man den Palpus dann halt nur von den zwei Normpositionen: prolateral und retrolateral, so wie er sich halt von selbst ausrichtet.
Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #6 am: 2018-02-14 10:26:50 »
so wie er sich halt von selbst ausrichtet.

Ich finde Abbildungen, auf denen nicht klar ist, wie der Pedipalpus ausgerichtet ist, nicht hilfreich. Es reicht oft eine minimale Abweichung und schon ist der Pedipalpus nicht mehr zu identifizieren. Da es bei den Abbildungen im Wiki darum geht, letztendlich bei der Identifizierung Hilfe zu leisten, sollten die Abbildungen in quasi genormter Weise erfolgen oder es muss bei Abweichung explitit darauf hingewiesen werden.

Von Carorita limnaea gibt es zum Glück ganz brauchbare Zeichnungen von Harald und auch in Roberts Linyphen-Band; gerade wegen der winzigen zahnförmigen Tibialapophyse konnte ich die Art ohne den Linyphenschlüssel relativ leicht identifizieren. Voraussetzung sind da aber Abbildungen in Normausrichtung. Roberts betreibt das allerdings bei einigen Familien manchmal zu konsequent (bei Gnaphosidae und Lycosidae ist die reine Lateralansich der Pedipalpen meist wenig hilreich). Da ist die retrolaterale Ansicht des  Palpus dringend nötig, aber nur bei eingen Arten illustriert.

Harald hat den Pedipalpus von Carorita limnaea aber auch retrolateral gezeichnet. Da hatte ich die Lage des Embolus abgeglichen. Das sollte zur Identifikation ausreichen – eigentlich reicht schon die Latearlansicht.

Martin

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Re: Carorita limnaea ohne Lamella characteristica?
« Antwort #7 am: 2018-02-14 12:41:20 »
Ich habe mein Glück heute nochmal versucht, aber der abgetrennte Pedipalpus war nicht mehr zu finden. Den rechten wollte ich nicht abtrennen, aber die Ausrichtung in KY war nicht möglich, ohne dass der Palpus in die Gleitcreme eintaucht. Somit keine Chance für das Greenwinder oil. Ich habe es dann abgebrochen und statt dessen ein Prosoma fotografiert. Die Zeichnungen von Harald sind ja da und somit die Fotografie nicht zwingend nötig.

Wenn es mir gelingt, den Sensor meiner Nikon zu reinigen, kann ich später mal versuchen, ein ganzes Tier zu fotografieren. Da besteht im Wiki mehr bedarf, weil das vorhandene Foto eines Weibchens nicht sehr gut ist.

Martin


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