Autor Thema: Lakatnik 26.05.2017 - Inermocoelotes cf inermis hat sich als karlinskii erwiesen  (Gelesen 542 mal)

Simeon Indzhov

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Ich habe Inermocoelotes inermis gefu... Nein, so fängt man nicht an.

Also, ich verwendete den freien Tag heute, um eine eintägige Exkursion zwischen Gara Lakatnik (Lakatnik-Bahnhof wortwörtl.), und dem nahen Dorf "nur" Lakatnik, beide im Balkan-Gebirge, erstere in der Iskar-Schlucht, zweitere zwischen den Bergen Richtung SO. Ich bin dann noch weiter SO gegangen (aber nicht viel).

Dort, neben den Grasflächen, herrschen  Laubwälder (statt die künstlich gepflanzten Kiefern), vorwiegend Buchen, aber auch Pappeln und näher an dem Fluss auch Linden. 

Simeon

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Blick auf den Zug

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Die Schlucht

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Berge

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Der Weg südöstlich von Lakatnik
« Letzte Änderung: 2017-06-07 01:01:57 von Simeon Indzhov »

Simeon Indzhov

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Re: Lakatnik 26.05.2017 - Inermocoelotes cf inermis
« Antwort #1 am: 2017-05-26 22:58:21 »
Das erste Foto zeigt den nördlichen Ausgang von Lakatnik-Dorf und dabei auch die Grasflächen. Dort war Agelena labyrinthica sehr massenhaft. Sas ist für mich interressant, weil sie in Sofia gar nicht zu finden ist - vermutlich erträgt sie Trockenheit nicht (wir haben aber Allagelena massenhaft).

Noch deutlich vorher, beim Ausgang von Lakatnik-Bahnhof, sammelte ich diese große Schönheit - Neriene radiata, Weibchen und Männchen. Die Spinnen sind aber sehr nervös und keine Fotos vom Weibchen sind deswegen entstanden.

Simeon Indzhov

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Re: Lakatnik 26.05.2017 - Inermocoelotes cf inermis
« Antwort #2 am: 2017-05-26 23:07:44 »
Im Dorf fand ich dazu eine junge Hogna (nicht gesammelt), Trachyzelotes (leider konnte ich die auch nicht fangen), massenhaft Drassodes

An einigen offenen Stellen mit erodierten zerbrochenen Felsen fand ich auch Haplodrassus und ich sammelte ein großes subadultes Titanoeca - Männchen.

Leider keine Fotos von diesen Habitaten

Simeon Indzhov

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Re: Lakatnik 26.05.2017 - Inermocoelotes cf inermis
« Antwort #3 am: 2017-05-26 23:28:11 »
Dann die Waldbewohner:
Euscorpius cf deltshevi war fast beim Ausgang von G.-L. zu finden (später wae sie abwesend). Hier ein Männchen und ein Weibchen.
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Auch diese schöne große weibliche Histopona
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An einigen Stellen gab es die üblichen Amaurobius pallidus (von denen habe ich kein Tier gesammelt, aber in diesem Gebiet mit diesem Habitus kommt nichts Anderes in Frage).

Ich habe übrigens von Maria Naumova eine Bestätigung bekommen, dass bei Lakatnik nur Euscorpius deltshevi zu finden sei

Es gab aber noch weitere Tiere unter den feuchten Steinen im Wald wie zB

Simeon Indzhov

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Re: Lakatnik 26.05.2017 - Inermocoelotes cf inermis
« Antwort #4 am: 2017-05-26 23:54:46 »
...Inermocoelotes. Diese große, elegante Art begleitete mich auf den ganzen Weg, wo es wäldig war: anscheinend lediglich eins der heute gesammelten Tiere ist eine juvenile weibliche I.falciger.
Ich hatte schon anfangs meine Verdachte, dass es sich um eine neue für mich Art handeln muss: subsubadulte männliche Tiere waren einfach zu groß, um jurinitschi oder selbst kulczynskii zu sein; falciger schied rein habituell aus, und einige Details sowie Statur und Größe (zu klein) sprachen gegen karlinskii - und dadurch entfielen alle Möglichkeiten, dass es eine mir bekannte Art mit passender Verbreitung ist.
Reife Tiere fand ich erst am Endpunkt meines Wegs, ein Wald vorwiegend aus Buchen. Ihre Epigynen waren vom karlinskii-Typ, was zusätzlich den Verdacht auf eine bestimmte Art verstärkte - obwohl ich nicht sicher sein konnte. Ich nahm zwei Weibchen (leider waren es zwei kokonbewachende, was ihre Jungtiere auf Hungertod verurteilt, da diese dort blieben) und beide wiesen dieselben Genitalmerkmale: breiter sklerotisierter Vorderrand der Epigyne; schmales Atrium; Stacheln, die über die Spermatheken gingen... Und mehr konnte ich nicht sehen wegen der schlechten Optik nicht sehen :) Auf jeden Fall waren die Basen der Stacheln mit großem Abstand dazwischen gerade hinter dem Atrium und nicht auf deren Seiten.

Hier:
Habitat von den reifen Weibchen und eins der Weibchen selbst

Simeon Indzhov

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Die Spinnen erwiesen sich doch als Inermocoelotes karlinskii; ich legte das zweite Tier in Alkohol und es war typisch; Christo Deltshev hat es dann auch bestätigt. Ein paar Tage später ist auch das abgebildete Weibchen gestorben: es sieht zwar aberrant aus (mit sehr schmalem Atrium), gehört aber anscheinend zur selben Art; die beiden wurden ja ein paar m voneinander entfernt gefunden

Simeon Indzhov

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Die Titanoeca hat sich heute reifeghäutet. Das sollte jetzt tristis sein (Maria Naumova sagt auch so)
Simeon

Arno Grabolle

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Cool! Die habe ich noch nie gesehen ...

Ein paar mehr Fotos (Ansichten) wären schön.

Arno

Simeon Indzhov

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Ich hatte auch ein paar weitere Fotos gemacht, aber mein Ziel waren immer die Palpen. Und danach habe ich das Tier nicht mehr fotografiert.

Simeon Indzhov

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Heute hat das E.deltshevi - Weibchen Jungen bekommen. Um Stress zu vermeiden, fotografiere ich nicht.

Übrigens scheint der ganze Rest der Inermocoelotes falciger zu werden: die drei subadulten Männchen haben dünne krumme Präcymbien entwickelt, die in ihrer Form die Cymbien keiner anderen Art ähneln, und zumindest die Hälfte der Tiere sind relativ groß geworden, die Weibchen auch dunkel

Simeon Indzhov

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Die Inermocoelotes haben mir doch eine nette Überraschung bereitet: zwei der drei kleineren helleren Tiere häuteten sich letzte Woche (leider beide nicht erfolgreich) und entpuppten sich als I.microlepidus. Das Männchen war schon am Anfang leider in der alten Haut stecken geblieben und beim Rausziehen dachte ich zuerst, es sei bloß nicht "entfaltet". Erst beim zweiten Blick wurde mir klar, was ich sehe (der Konduktor sollte sich ja nicht "entfalten" können, da sklerotisiert und nicht hohl?), die anderen Details wie Medianapophyse und dann später auch das Weibchen sicherten die Bestimmung

Tobias Bauer

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Aha, sehr interessant. Sehe ich auch so. Hast du mal daran gedacht, die Coelotinae-Funde zu publizieren? Ich habe jetzt keine Übersicht, wie viele Arten du schon aus Bulgarien zusammen hast, mir scheint das aber jetzt schon die Fünfte oder Sechste. Als kleine faunistische Publikation würde sich das bestimmt lohnen, mit Bildern von Arno als Zugabe wird das dann auch taxonomisch wertvoll. Ich denke, einige hier (ich auch) würden dir natürlich helfen. Über viele Arten ist ja kaum was bekannt.

Tobias

Simeon Indzhov

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Die Idee gibt es schon, mit Deltshev etwas darüber zu publizieren, wir warten aber für jetzt auf eine noch unbestimmte Zeit, da zT andere Sachen dringender ist, und wir auf weitere neue Daten warten (wie zB das noch unbekannte Weibchen von Inermocoelotes drenskii).
Danke natürlich für die Unterstützung, ich wende mich an Euch, wenn die Notwendigkeit besteht.

Bisher kenne ich 7 Inermocoelotes-Arten und Urocoras longispinus aus eigener Anschauung, wobei fast alle aus schon bekannten Fundorten, lediglich für inermis (nur 3-4 mal für das Land nachgewiesen) und microlepidus habe ich tatsächlich neue Verbreitungsdaten. Letztere hat eine sehr seltsame (bekannte) Verbreitung, die sehr lückenhaft ist. Inwiefern das an insuffizientes Material liegt, kann man im Moment nicht beurteilen, auf jeden Fall steht aber bei Deltshev 1990, es handele sich vermutlich um Reliktopulationen. Prinzipiell wäre auch Barcoding dort empfehlenswert, aber ich glaube nicht, wir schaffen es, Material aus dem ganzen Verbreitungsgebiet (Gardasee in Italien, Westalbanien, Bulgarien) zu vergleichen.

Arno Grabolle

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Der Gardasee ist von mir aus jetzt nicht mehr weit und eigentlich an einem (verlängerten) Wochenendtripp zu erledigen. Ich könnte mir auch weitere Funde im südlichen Alpenbogen (Meeralpen) vorstellen. Ich war ja schon einmal dort sammeln und es scheint eine große Dichte an Reliktarten dort zu geben.

Arno

Simeon Indzhov

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Gut. Dort sollte es auch Euscorpius geben, soweit ich hier erfahren habe.

Ich habe jetzt die Herkunft der itailenischen microlepidus in den Publikationen geschaut, das Holotyp, ein Weibchen, stammt aus Montecchio, Verona, was leicht östlich vom Gardasee laut Googlw Maps ist (s. De Blauwe 1973). Das Vergleichsmaterial von Deltshev stammt aus "Gardasee - Borgo".

Arno Grabolle

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Ja, Euscorpius kann man dort kaum verfehlen. In den Wäldern rings um den See, sitzt ein Exemplar unter jedem Stein (habe dort vor Jahren schon einmal gesammelt). Ich befürchte eher, dass da kaum noch Platz ist für Inermocoelotes ;)

Und an Dysdera ninnii und Segestia florentina erinnere ich mich.

Arno

Simeon Indzhov

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Ich war heute wieder dort und konnte 1f 1m Inermocoelotes microlepidus finden und sammeln.
Dazu auch ein frisch gehäutetes Harpactea saeva- Männchen, und ein alter Atypus-Schlauch, der von einer jungen Inermocoelotes als Unterschlumpf verwendet wurde.

Auch reife Inermocoelotes falciger gab es dort, ich habe ein frisch gehäutetes Männchen mitgebracht (aber noch nicht fotografiert)

Simeon Indzhov

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Die versprochene Inermocoelotes falciger (Fotos aus September, leider wurde das Männchen bei einem missglückten Paarungsversuch vom Weibchen getötet: wurde im Palpus gebissen und starb einen Tag später)
Das Tier aus dem Atypus-Schlauch häutete sich heute erfolgreich reif und ist ein Inermocoelotes microlepidus - Weibchen.