Autor Thema: Präparationstechnik bei Spinnen  (Gelesen 264 mal)

John Osmani

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Präparationstechnik bei Spinnen
« am: 2017-09-05 20:19:26 »
Ich habe selten solche fantastisch präparierten Spinnen gesehen wie beim Arachnoweekend

Sicher, für eine wissenschaftliche Sammlung eher ungeeignet, aber für eine Schausammlung einfach klasse


Sylvia Voss

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #1 am: 2017-09-05 23:25:07 »
Und was war das Fixationsmaterial ?
LG
Sylvia

John Osmani

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #2 am: 2017-09-06 20:44:16 »

Hi Sylvia!

Kann ich dir leider nicht sagen. Auf jeden Fall ist der Aufwand ziemlich groß wie ich am Rande mitbekommen habe.

Leider sind die Handbilder nicht so gut, und man sieht nicht wie perfekt diese Präparte sind.


Sylvia Voss

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #3 am: 2017-09-11 18:29:50 »
Hallo John
Kannst Du das irgenwie doch rausbekommen ? Die Eresus sind ja nicht gerade kleine Lebewesen ...
LG
Sylvia

ps hab Dein Bild mal aufgehellt

John Osmani

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #4 am: 2017-09-13 22:56:29 »

Hi Silvia!

Der hat sogar noch kleiner Spinnen präpariert-vornehmlich Salticidae

Wen ich ihn das nächste mal treffe werde ich ihn mal fragen


Tobias Bauer

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #5 am: 2017-09-13 23:58:11 »
Wissenschaftlich ist das mehr als schwierig (auch wenn im 18./19. Jahrhundert mitunter auch Typen bzw. Typenreihen genadelt wurden, welche nur sehr aufwendig rehydriert werden können), und vermittelt Laien auch den falschen Eindruck von den Präparationsmethoden in der Arachnologie. Klar, für die Präsentation einzelner Tiere kann man so etwas machen, hier scheint aber ein systematischer Ansatz vorzuliegen. Eine Schausammlung in diesem Umfang ist eigentlich abzulehnen. Es ist nicht nur schade ums Material, sondern auch immer schwieriger ethisch zu verteidigen, wenn die Sammlung an sich kaum wissenschaftlichen Wert hat.

Tobias

Jonas Wolff

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #6 am: 2017-09-14 01:58:41 »
Das sehe ich nicht so. Gerade fuer Schauzwecke ist das wesentlich attraktiver als Alkoholmaterial, zumal hier noch eine natuerliche Beinhaltung dargestellt werden kann. Alkoholpraeparate sind fuer Museumsbesucher von wenig Attraktivitaet und lassen dem Laien im Unklaren wie das Tier lebend aussieht. Fuer eine wissenschaftliche Sammlung sind Trockenpraeparate natuerlich kaum geeignet, das ist natuerlich keine Frage.
Aber klar, um die ganzen Eresusse tut's einem schon leid...

Ich denke, um die Tiere so in Form zu halten, muss man sie mit einem Epoxidharz ausfuellen. Ueber Fixierungs- und Trocknungsmethode kann man nur spekulieren. Wenn ich Spinnen fuer Elektronenmikroskopie ueber Ethanol-CO2 Substitution kritisch-Punkt trockne, bleiben auch die weichhaeutigen Teile in Form, aber die Farbe ist teilweise ausgeblichen und das Material ist extrem fragil.

John, wenn du so einen Thread eroeffnest, gib doch bitte naechstes Mal etwas mehr Hintergrundinformationen.

Tobias Bauer

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #7 am: 2017-09-14 09:38:11 »
Mag sein, dass es für Museumsbesucher weniger attraktiv ist, und gegen einzelne Tiere oder Kästen für Schauzwecke habe ich auch nichts einzuwenden. Ich bezweifle aber, dass neben dieser Trockensammlung ein Infoblatt hängt: "Achtung, eine wissenschaftliche Spinnensammlung wird eigentlich in Alkohol aufbewahrt", daher werden dem Besucher hier auch unbewusst falsche Tatsachen dargestellt. Dann zeige ich persönlich lieber lebende Tiere und Alkoholmaterial in Kombination.

Tobias

Martin Lemke

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #8 am: 2017-09-14 11:50:57 »
Ich denke, die meisten Museumsbesucher wissen gar nicht, dass es an Museen auch wissenschaftliche Sammlungen gibt und wie die aussehen. Und sicher besteht bei den meisten, die z.B. mit ihren Kindern dort hin gehen, kein Interesse daran, außer vielleicht der bloßen Erwähnung. Daher halte ich, der selber für sich selbst, auch nicht viel von solchen Schaukästen hält, es nicht für richtig, diese grundweg für wertlos zu erklären. Sie erfüllen einen musealen Zweck, aber keinen wissenschaftlichen. Also einen anderen Zweck.

Ich war im März 2017 im ZFMK und dort gab es ähnliche Kästen, die ich nur grob überflog. Das mag der eine oder andere hübsch oder schaurig finden – für mich ist es eher ein wenig interessantes Deko-Objekt. Allein schon diese wenig systematische Zusammenstellung.

Martin

Tobias Bauer

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #9 am: 2017-09-14 14:48:58 »
Ich weiß nicht, ob es richtig ist, "museal" und "wissenschaftlich" zu trennen, besonders auf der Objektebene. Das ist das grundlegende Problem, dass die Naturmuseen derzeit haben. Seitdem nur noch Besucherzahlen zählen, wird die Wissenschaft gerne ausgeklammert, um einen "Eventcharakter" zu erhalten und die Besucher bloß nicht zu langweilen. Das separiert auf der pädagogischen Ebene die Wissensvermittlung von den Methoden der Wissenserarbeitung.

Tobias

John Osmani

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #10 am: 2017-09-14 21:39:52 »
Mag sein, dass es für Museumsbesucher weniger attraktiv ist, und gegen einzelne Tiere oder Kästen für Schauzwecke habe ich auch nichts einzuwenden. Ich bezweifle aber, dass neben dieser Trockensammlung ein Infoblatt hängt: "Achtung, eine wissenschaftliche Spinnensammlung wird eigentlich in Alkohol aufbewahrt", daher werden dem Besucher hier auch unbewusst falsche Tatsachen dargestellt. Dann zeige ich persönlich lieber lebende Tiere und Alkoholmaterial in Kombination.

Tobias

Hi Toibas!

Das ist keine Trockensammlung. Die Tiere sind sehr aufwendig präpariert-und das ist eine wirkliche handwerkliche Kunst. Es gibt ja auch den Ausbildungsberuf des Präparators. Leider sind die Bilder nicht gut genug und detailgenau, denn sie zeigen nicht wie fantastisch originalgetreu diese Präparte sind. Und falsch sind die Tatsachen nicht, denn die Tiere sind ja wie im Original und auch beschriftet.

Aber ich gebe dir recht, es ist halt nicht üblich für eine wissenschaftliche Sammlung, und für einen Laien eben nur ein kleiner Einblick, denn der Aufwand eine ganze Sammlung so zu präparieren ist wohl zu hoch und auch nicht zweckmäßig

Martin Lemke

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #11 am: 2017-09-17 13:21:34 »
In Zeiten, in denen leider nur Geld (bzw. was sich finanziell rechnet) als wervoll betrachtet wird, können Besucherzahlen in die Wagschale geworfen werden. In Lübeck sollte vor ein paar Jahren sogar das Naturkundemuseum aus Kostengründen geschlossen werden. In Lübeck sind schon die Grünen auf FDP-Kurs und prädierten dafür, ein kommunales Altenheim zu schließen, weil es sich nicht rechne. Humanität und Fürsorge für Bürger, die nicht 3.000 € im Monat für einen Altenheimplatz ausgeben können, scheint als Wert nicht zu existieren. Das selbe gilt für Wissenschaft. – Nicht dass ich diese Entwicklung gut finde oder billige, ganz im Gegenteil!

Es erklärt nur, was Teil der monetären Symptomatik ist: Es zählen nur noch Besucherzahlen und Events. Und auch im Artenschutz, liest man immer wieder, dass sich der Schutz der Art XY ja auch rechnen würde...

Ich war gestern in der Natur spatzieren. Ich habe drei Rehe gesehen und nur 3 Vögel (einen Raubvogel in der Ferne und zwei Schwalben – keinen Spatz, Amsel, Finken oder Rotkehlchen oder was sonst noch früher allgegenwärtig war) und wenn ich eine Fliege in der Wohnung habe, schlage ich sie nicht mehr tot, weil die wirklich selten geworden sind. Aber Hauptsache, Glyphosat rechnet sich.

Und ja, es ist gerade Wahlkampf. Aber dies alles ist gar kein Thema.

Ja, ich schweife ab. Irgend wie komme ich (nur ich?) immer wieder darauf zurück, dass es außer Geld keine Werte mehr gibt. Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt sinnvoll ist, in Schleswig-Holstein Spinnen zu erfassen und zu erforschen. In 100 Jahren ist das, bis auf den Bungsberg, sowieso alles Meeresgrund.

Jonas Wolff

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #12 am: 2017-09-18 14:40:11 »
Du sprichst mir aus der Seele, Martin.
Aber man sollte sich von all dem nicht frustrieren lassen, da es noch andere Menschen gibt, die so denken, wie du.

Hier in Australien ist der kapitalistische Blick auf die Wissenschaft uebrigens noch viel extremer, aber ich denke die Entwicklung geht in Deutschland auch in die Richtung.

Davon ab, oder auch gerade deshalb, finde ich es sehr wichtig der Bevoelkerung den Wert dieser Wissenschaft zu vermitteln, v.a. im Zeitalter von "Fake-News", oder auch die Bevoelkerung in die Wissenschaft mit einzubeziehen - Citizen Science ist gerade wieder in! Das ist auch wieder eine Erfahrung aus Australien, wo auf Medienarbeit, Schulprojekte, Events und Digitalisierung viel mehr Wert gelegt wird, als bei deutschen Unis.

Dass Umwelt-, Klima- und Artenschutz in diesem Wahlkampf kaum eine Rolle spielen - selbst bei den Gruenen - finde ich auch extrem bedauerlich.

Sylvia Voss

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Re: Präparationstechnik bei Spinnen
« Antwort #13 am: 2017-09-18 22:19:39 »
Ja, mir auch. Spontan kam mir da das allseits bekannte aber leider unverändert sehr treffende Cree- "Wort" in den Sinn : Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann"... Die Monetarisierung des Gesundheitswesens und die politische Abschaffung der Daseinsvorsorge in den grundlegenden Lebensbereichen (Privatisierung der Wasserwirtschaft etc)   entspringt einem sehr kranken Denken und Handeln... das wird, wenn es keine wirkliche Kehrtwende gibt, diese Gesellschaft eines Tages zerstören.

Trotz allem Martin, Jonas hat Recht, dass man sich nicht entmutigen lassen darf. Auch wenn der Boden Schleswig Holsteins wirklich eines Tages wieder Meeresboden sein könnte, dann aber ist es für alle die dann leben und forschen vielleicht ein unendlich wichtiger Beitrag zu lesen und zu schauen, was damals dort lebte und von u.a. Martin Lemke gefunden wurde, es wäre auch ein bisschen so, wie wir heute durch Pompeji laufen... nicht nur für die Wissenschaft ist es wertvoll.

Da bin ich wieder beim Ausgangspunkt. Ich finde schon, dass auch Schaukästen die gut gemacht sind gerade für Museums- Publikum faszinierend und begeisternd wirken, was Alkoholpräparate nicht sind (sie dienen ja auch einem anderen Zweck). Ich bin immer wieder begeistert, wie in zB französischen Museen sehr lebendige und begeisternde "Techniken" zu Einsatz kommen, die selbst "trockenste " Themen unglaublich interessant rüber bringen.

Naturkundemuseen sollten meines Erachtens also beides bieten : z.B. unsere wichtigsten Spinnen-Arten in so fantastischer Präparation (besser statt so genadelt eher noch in einen dünnen klarsichtigen Epoxidharzblock gegossen, so dass man sie von oben und unten sehen kann), daneben Fotos von Netz, Kokon ggf auch kleine Videos zum Balztanz... und dann natürlich auch eine Darstellung, was hinter den Kulissen läuft, Kleine Schauvitrine mit einer Alkoholpräparatesammlung, Erklärungen zur Bestimmung mit Mikroskop, mit tollen Fotos zu den Stacks der Genitaluntersuchung  einzelner Arten usw. und wofür man welche Daten verwenden kann (Zeigerarten etc) Das alles kann man wirklich sehr lebendig gestalten. Es geht nicht um NICHT LANGWEILEN sondern um das BEGEISTERN.

Tobias, Du schreibst , dass Du dann lieber lebende Tiere und Alkoholpräparate in Kombination zeigen würdest. Das hat mich stutzig werden lassen: seit wann zeigen denn Museen lebende Spinnen? Ich kenne ein kleines aber feines Naturkundemuseum, für dessen Überleben ich in meiner Abgeordneten Zeit sehr gekämpft habe. Das hat ein Schau-Aquarium der Fische der Havelgewässer. Das Museum ist sehr gut, hat wunderbare Ausstellungen aber das Aquarium war und ist DER "Renner" übrigens neben einer ganzjährigen Veranstaltungsserie zu verschiedensten Themen für alle Altersklassen. 

Ich finde nicht, dass durch lebendige und begeisternde Darstellungen/Nähe wie sie auch solche guten Schaukästen bieten können ( diese dürften allerdings nur die wichtigsten größeren Arten enthalten, sonst wird es unübersichtlich und "zu klein" und eben nicht mehr begeisternd), Wissensvermittlung von Wissenserarbeitung separiert wird. Der museale und der wissenschaftliche Teil der Arbeit sind nun mal tatsächlich zwei nicht nur methodisch grundsätzlich verschieden angelegte Dinge mit auch ganz anderer Zielsetzung/ Zielgruppe.

Aber ich kann ja Besuchern beide Teile gut verknüpft zeigen (s.o.) und noch besser, ich kann zusätzlich zu Vitrinen und Artdarstellungen einen ganz geheimnisvollen Raum schaffen, in welchem ich viele Dinge darbiete, die Menschen sonst so nicht vermittelt bekommen wie zB :
Filmchen zu Fangtechniken, Netzbau, Kokonbau . Lebendige Darstellungen (Filme) des sozialen Verhaltens wie Balz , Fütterung, Verteidigung etc... bis hin zu den absolut faszinierenden Leistungen der Spinn"apparatur", über die Seidenarten, über Haftpunkte und vieles mehr... auch zu den Spinnenbissen und Giften... 
und ich kann sogar noch einen Raum der Märchen und Legenden schaffen mit Audio-Gide  Spinnen-Märchen aus aller Welt vermitteln, während sich die Besucher zum Zuhören z.B. in aus Seilen geknüpfte "Spinnen"-Netze setzen dürfen...
Entschuldigung, ich habe eben mal meiner Fantasie freien Raum gelassen... Aber so in etwa würde ich eine "Spinnen-Welt" im Museum vielleicht gestalten...

Frage an John immer noch: kannst Du den, den Du da erwähnst, bitte mal fragen wie er zB die Salticiden präpariert hat ? Sicher ist das die hohe Kunst eines genialen Präparators und vielleicht dem Prinzip der Plastination Gunter von Hagens entsprechend...
LG
Sylvia