Autor Thema: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen  (Gelesen 1083 mal)

Jonas Wolff

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"Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« am: 2014-05-13 16:38:04 »
Moin,
vielleicht hat der ein oder andere sowas auch schon mal gesehen: Nach dem Beutfang hält die Spinne die Beute mit den Cheliceren und dreht sich dann langsam im Kreis, während in Abständen die Spinnwarzen auf den Untergrund getippt werden und offenbar Seide abgegeben wird. Es entsteht also eine Art kreisförmiges Gespinst am Boden, wobei aber nicht die Beute umwickelt wird. Es ist mir schleierhaft, was das soll und kann es mir nur als rudimentäres Relikt eines Einwickel-Verhaltens erklären. Die richtige Wrap-Attack kennt man ja nur von Radnetzspinnen und Wolfspinnen, das oben geschilderte Verhalten konnte ich jedoch sowohl bei Cupiennius (Ctenidae) als auch (heute) bei Heteropoda (Sparassidae) beobachten. Ähnliches habe ich auch schon mal bei Vogelspinnen gesehen, wobei hier natürlich aufgrund der anderen Morphologie der Spinnwarzen und Seide eher eine Art feiner Teppich entsteht.
Was jemand etwas über dieses Verhalten, bzw. hat das auch schon mal jemand beobachtet oder eine Idee wozu das dienen könnte?

Jonathan Neumann

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #1 am: 2014-05-28 08:18:04 »
Guten Morgen Jonas,

ich hatte mal was anderes, mir unklares beobachtet:
http://forum.spinnen-forum.de/index.php?topic=9600.msg64650

LG,
Jonathan
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Jonas Wolff

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #2 am: 2014-05-28 12:17:44 »
Das, was du beschreibst, habe ich so noch nicht beobachtet. Aber vielleicht steht es ja in direktem Zusammenhang mit dem oben Geschildertem.

Cornelia Müller

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #3 am: 2014-05-28 20:24:30 »
Hallo Jonas,
eventuell ansatzweise?  (bei einem jungen Chei. mildei- Männchen)
Dann allerdings am Ende der Mahlzeit. Hatte mich gewundert, was er da macht.
Ich hab die Zufallsaufnahme grad vorübergehend in ein Webalbum gestellt, wenn du magst kannst du ja mal einen Blick auf das kurze Tänzchen werfen, die Qualität ist allerdings brutal schlecht.
Nachdem ich Wolfgang Schlegels Videos zur Paarung(sanbahnung) der Art gesehen hatte, fällt mir dazu ein: Vielleicht Evolution in Richtung Pisaura: "Brautgeschenk mitbringen", das könnte das Unterfangen möglicherweise etwas hektikfreier gestalten   
;)

VG,
Cornelia


https://picasaweb.google.com/110524778562731709260/CheiracanthiumMildeiM354602?authkey=Gv1sRgCNys6P3d6_HxZg#6018530481889137506

John Osmani

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #4 am: 2014-05-29 11:26:03 »

Ich habe kürzlich in einem Artikel in der Arachne gelesen, dass Spinnenseide antimikrobiell beschichtet ist.

Daraus könnte man schliessen, dass dieses weben dazu dient, quasi eine Art "Teller" herzustellen auf dem die Beute abgelegt werden kann.

Dieser "Teller" schützt dann die Beute vor mikrobieller Verunreinigungen.


Jonas Wolff

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #5 am: 2014-05-29 12:00:46 »
@ Cornelia: Ja, genau sowas meinte ich. Aha, Cheiracanthium macht das also auch. Bei meinen Beobachtungen fand das "Umspinnen" aber eher zu Beginn des Fressvorgangs statt.
Das machen aber nicht nur Männchen, sondern auch Weibchen. Ansonsten wäre das eine gute Hypothese.

@ John: Das kann ich mir nicht vorstellen. Diese Stoffe hemmen ja nur das Wachstum von Bakterien. Aber bevor da was wachsen kann, hat die Spinne die Beute ja schon gefressen.

Eine Idee wäre noch, dass es sich um eine Art Reviermarkierung handelt. Seide kann auch Signalstoffe enthalten. Vielleicht sind ja hier Botenstoffe im Spiel, die sagen: "Hau ab, ich fresse".

Tobias

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #6 am: 2014-05-29 12:56:42 »
Also ich beobachte das jedes Mal bei meinen großen Vogelspinnen. Bei großen Beutetieren wird die Beute mitunter sogar längere Zeit abgelegt (meist an der gleichen Stelle im Terrarium, das kann aber auch ein Artefakt sein) und mit einigen feinen Fäden überzogen, bevor sie wieder zielgerichtet aufgenommen wird. Wenn du magst, kann ich dir das Verhalten auch mal versuchen mit der Kamera aufnehmen. Ich habe mich schon oft gefragt, warum die Spinne wertvolle Proteine "verschwendet", denn auf den ersten Blick macht das Verhalten keinen Sinn. Mal aber ganz abstrus weiter gedacht: Hast du das bisher auch bei adulten Männchen beobachten können (für meine Vogelspinnen gilt das, Männchen sind meist total gierig und fangen sofort an zu fressen)? Vielleicht enthält die Seide Stoffe, die paarungsbereite Männchen vorwarnen, das hier gerade ein Weibchen am Fressen ist und keine Lust auf Paarung hat. Der Fressakt kann sich durchaus einige Stunden hinziehen.

Tobias


Jonas Wolff

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Re: "Pseudo-Einspinnen" bei Jagdspinnen
« Antwort #7 am: 2014-05-29 16:25:25 »
Hi Tobias,
ja sowas hatte ich auch vermutet. Die Cheiracanthium in Cornelias Video ist allerdings ein Männchen.
Hier habe ich nur eine Vogelspinne (Brachypelma smithi) zur Beobachtung und die ist ein Weibchen. Bei Cupiennius salei haben wir das bei Weibchen und Männchen beobachtet. Ein Heteropoda venatoria Männchen von der Taiwan-Exkursion habe ich noch, die hat das unlängst auch gemacht.  Bei kleineren Spinnen habe ich es bisher nicht beobachtet, aber Cornelias Posting zeigt, dass es auch hier auftritt.