Autor Thema: live aus Sansibar  (Gelesen 392 mal)

Siegfried Huber

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live aus Sansibar
« am: 2022-05-08 21:17:13 »
.. wenn ich schon den laptop dabei habe - ausnahmsweise - dann kann ich eigentlich auch eine Foto-Auswahl quasi 'live' zum besten geben. Allerdings ist die internet-Verbindung eher holprig, daher kann ich nicht ausschließen, dass ich doch die Lust verliere. Arachnologisch sollte es sein, jedenfalls mehrheitlich.
Spinnen sind gar nicht arg viel unterwegs (wegen Ende der Regenzeit?!), aber Springspinnen geben immer optisch was her, hier ein Eindruck (die letzten beiden Bilder zeigen dasselbe Exemplar, einmal nach erfolgreicher Jagd, und später im Hotelzimmer-Studio):
« Letzte Änderung: 2022-05-12 00:35:37 von Siegfried Huber »

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 2
« Antwort #1 am: 2022-05-08 21:20:29 »
ein Ausflug ins Herpetologische, nachts an der Gartenmauer, und eine Wurmschlange unterm Stein, und das Chamaeleon, einer meiner Favoriten..

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 3
« Antwort #2 am: 2022-05-08 21:29:38 »
Ausflug in den Affenwald:
der Jozani forest ist der letzte Rest des einst üppigen Regenwaldes der Insel. Entsprechend viele Touristen werden hier auf vielen, mehr oder weniger matschigen Trampelpfaden durchgeschleust. Die Colobus-Affen (eine endemische Art) sind daran gewöhnt. Am Rande für botanisch interessierte auch urtümliche Farn-Gewächse, die mich stark an Neukaledonien erinnern.

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 4
« Antwort #3 am: 2022-05-08 21:36:30 »
Sansibar ist ein alter Kalksteinfelsen, aus Korallenriffen natürlich. Der Regen hat aus dem Karst viele Höhlen in den Untergrund getrieben:
1) Euphrynichus amanica kommt dort nicht selten vor und wird den entsetzten Besuchern als ausgesprochen gefährlich präsentiert
2) eigentlich keine Höhlenbewohner, trotzdem etliche dieser Riesen-Schnurfüßer
3) hier gab leider der Akku meiner Makro-Kamera auf (auch der mitgeführte Ersatz-Akku), und die Handkamera verweigerte das Fokussieren - ärgerlich: eine hübsche netzbauender Scytodidae

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 5
« Antwort #4 am: 2022-05-08 21:41:39 »
zurück zu den Spinnentieren:
1+2) Weberknechte unter Steinen, Biantidae wie ich vermute
3) eine bunte Witwe (Latrodectus)
4) ein Luchsspinnen-Männchen an der Toilettenwand
5) etwas überraschend - nach heftigem nächtlichem Regen sogar ein Schizomide unter Totholz!

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 6
« Antwort #5 am: 2022-05-08 21:54:13 »
ein Ausflug in den Schmetterlingsbereich:
1) eine Raupe: Charaxes?
2) Straßenverkehrsopfer Papilio demodocus
3) hübscher Zipfelfalter..

Raffaele Falato

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Re: live aus Sansibar
« Antwort #6 am: 2022-05-08 22:08:13 »
Ciao,
the brown snake is probably a Lamprophis/Boedon, the worm imo is also a snake, a Tiphlopidae o blind snake.

Oops, I only now see that the automatic translator has translated your Wormschlange into worm.  >:(

Siegfried Huber

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@Raffaele
« Antwort #7 am: 2022-05-09 14:58:56 »
that's funny - and a reason for not using those strange translators..
btw I think you should spell it Typhlopidae instead of Tiphlopidae?!
greetings!

Raffaele Falato

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Re: live aus Sansibar
« Antwort #8 am: 2022-05-09 16:00:39 »
Yes, Typhlopidae. You are absolutely right Siegfried.
I'm a little rusty about snakes.

Michael Schäfer

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Re: live aus Sansibar
« Antwort #9 am: 2022-05-09 16:03:23 »
Beim zweiten Springer musste ich direkt mal ein wenig nachforschen, weil man so eine Farbgebung ja im Reiche der Springspinnen eher selten findet. Irre!

Es könnte sich m.E. um Natta horizontalis handeln, wenn Du das nicht schon wusstest :-)

Gruß
Micha
Meine neusten Foto-Projekte zeigen Springspinnen aus Fuerteventura und Kreta.

Siegfried Huber

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@Michael
« Antwort #10 am: 2022-05-09 16:13:50 »
Natta? nein - ich hab wirklich keine Ahnung, aber dass das eine ungewöhnliche Färbung ist, konnte ich immerhin erkennen..
Fortsetzung folgt

Raffaele Falato

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Re: live aus Sansibar
« Antwort #11 am: 2022-05-09 16:18:28 »
The drawing on the opisthosoma reminds me of one of those faces used in African totems and art.

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 7
« Antwort #12 am: 2022-05-09 17:47:02 »
Was mir hier besonders auffällt ist, daß es kaum größere Bäume gibt. Das ist wahrscheinlich der verbreiteten Unsitte des Brandrodens geschuldet. Einen der wenigen verbliebenen habe ich mir heute vorgenommen und folgendes entdeckt:
1) ein Scytodes (oder eine andere Gattung der Speispinnen)
2) netter rotbeiniger Diplopode
3) ein highlight: Migidae sind baumbewohnende Falltürspinnen, die ihre Wohnsäcke unter Borke oder in Rissen anlegen. Die Bauten sind kurz und plump, gut mit Rindenmulm getarnt und haben 2 Ein- bzw. Ausgänge. Hier ein Jungtier, adulte Tiere sind weniger kontrastreich gefärbt. Es könnte sich um Poecilomigas basilleleupi handeln.

Siegfried Huber

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Korrektur
« Antwort #13 am: 2022-05-10 16:41:51 »
Hallo,
nur so zwischendurch: bei den postulierten Migidae könnte es sich durchaus auch um Barychelidae handeln, da war ich vielleicht zu voreilig-euphorisch..
gleich gehts weiter

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 8
« Antwort #14 am: 2022-05-10 16:47:30 »
Fortsetzung des Borken-Festivals von gestern, aus einer extensiv bewirtschafteten Mango-Plantage:
1) etwas überraschend: Eresidae leben auch unter Rinde?!
2) noch überraschender: ein Mygalomorphen-Männchen (Barychelidae/Migidae)! allerdings ist es steril: beide Palpen fehlen, und es läuft auf nur noch sechs Beinen - offenbar geht es beim Liebesspiel sehr zur Sache!

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 9
« Antwort #15 am: 2022-05-12 00:39:48 »
kleiner Nachtspaziergang bei angenehmen Temperaturen. In Deutschland soll ja grade eine Hitzewelle herrschen, da kann ich nur lachen, hahaha..
1) vermutlich ein Ctenidae-Männchen
2) da bin ich etwas ratlos, klein, vermutlich Oonopidae
3) Corinnidae sollte das sein, eine Ameisenspinne
4) Sparassidae-Männchen, vielleicht Olios..

Simeon Indzhov

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Re: live aus Sansibar
« Antwort #16 am: 2022-05-12 00:48:00 »
2 iet entelegyn - eventuell Trachelidae?
Simeon

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 10
« Antwort #17 am: 2022-05-12 21:22:23 »
ein paar 'Erkenntnisse' von heute:
1) eine große Springspinne, Hyllus? es gibt jedenfalls eine Art namens Hyllus sansibaricus
2) Männchen einer Agelenidae, unglaublich flink
3) der bisher einzige Skorpion hier: Isometrus maculatus, ein zirkumtropisch verschleppter tramp
4) doch noch eine Theraphosidae: Heterothele, baut Netze ähnlich denen der Agelenidae

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 11
« Antwort #18 am: 2022-05-13 19:07:50 »
Es geht dem Ende entgegen. Heisst für mich morgen packen, also heute noch einmal eine kleine Wanderung:
1) weitere unbekannte Salticidae
2) sag noch einer, Asseln seien langweilig!
3) ein Männchen zum bereits erwähnten Eresidae-Weibchen (nach Russel-Smith 2020 kommt Dresserus in Frage)

Siegfried Huber

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live aus Sansibar 12
« Antwort #19 am: 2022-05-13 19:12:27 »
und last not least 2 weitere Mygalomorpae!
1-3) Deckel zu - Deckel auf, drin sitzt eine Idiopidae
4-5) wieder eine Baumfalltürspinne, diesmal Ctenizidae/Halonoproctidae wie ich vermute (Russell-Smith hat keinen Nachweis für diese Familien in Tansania?!)
Das erste Foto ist ein Suchbild - die Bauten sind wirklich sehr gut getarnt!
Nachtrag: das erste und das dritte meinte ich..
« Letzte Änderung: 2022-05-14 17:59:11 von Siegfried Huber »

Martin Lemke

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Re: live aus Sansibar 12
« Antwort #20 am: 2022-05-14 16:50:43 »
Das erste Foto ist ein Suchbild - die Bauten sind wirklich sehr gut getarnt!

Wenn man weiß, nach welcher Umgebung man suchen muss, geht es ja. Aber wie erkennt man das im Gelände? Geübtes Auge des Kenners, denke ich.

Danke für die Bilderflut! Es ist sehr interessant, was es anderswo so gibt.

VG
Martin
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DAS waren noch Zeiten: Norwegen 2011.

Siegfried Huber

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@ Martin
« Antwort #21 am: 2022-05-14 17:45:54 »
Wenn ich ein paar offenstehende Falltüren vergammelter Altbauten gesehen hätte, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, genauer hin zu sehen! Schwein gehabt.
jetzt gehts zurück, ein letzter Luchs.

Siegfried Huber

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@ Folge 5
« Antwort #22 am: 2022-05-18 11:13:58 »
Hallo,
nach Rückkehr habe ich mir etwas Literatur zusammengesucht...
Beim Schizomiden von Folge 5 könnte es sich um Schizomus hanseni handeln, die einzige bisher von Sansibar beschriebene Art dieser Gruppe.
Siegfried