Autor Thema: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?  (Gelesen 4128 mal)

Hermann Ulrich

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Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« am: 2013-04-25 13:23:19 »
Hallo,
Am Oster-Wochenende musste ich eine Tegenaria aus einem Waschbecken im Keller entfernen in dem Sie wohl schon längere Zeit saß.
Um der Furcht meines 7-jährigen Sohnes vor Spinnen entgegen zu wirken, habe ich sie seit dem im Terrarium. Mein Sohn macht immer noch einen Bogen um Spinnen, aber seine "Achtil" (Namensgebung kommt von meiner 6-jährigen Tochter) liebt er und beobachtet und füttert sie auch.

Ich habe ihr bisher Steppen-Grillen aus der Zoohandlung gefüttert. Sie scheint sich auch wohl zu fühlen, zumindest hat sie einen Kokon gewebt und schnappt sich beinahe jeden Tag ein Grillchen.
Gestern wollte ich ihr mal etwas Abwechslung in den Speiseplan bringen und habe ihr "Keller-Asseln" aus dem Garten rein geworfen. Sie kam auch sofort angeschossen, doch dann rannte sie wieder in ihren Schlupfwinkel. Diese Verhalten konnte ich zweimal beobachten und die Asseln waren nicht mal besonders groß.

Sind Kellerasseln als Beute ungeeignet? Sind die zu dick gepanzert oder ungenießbar? (Ich möchte sie ungern selbst probieren, da vertraue ich auf Eure Erfahrung! ;) )

Muss ich auf Abwechslung bei der Ernährung (der Spinne) achten?

Ich werde die Spinne in ein paar Wochen sowieso freilassen, aber sie sitzt jetzt immer bei ihrem Kokon und da möchte ich sie jetzt nicht aussetzen, falls sie so etwas wie "Muttergefühle" hat.

Nochwas: Kann ich als Laie die Art bestimmen? Ich denke es wird domestica oder atrica sein aber ich werde nicht recht schlau, wie man die beiden unterscheiden kann? (Ich kann grad keine Fotos machen, da ich nicht riskieren will den Kokon zu beschädigen, beim Versuch sie aus ihrem Schlupfwinkel zu fangen.)

Danke für Eure Hilfe und Ratschläge,

Hermann


Jonathan Neumann

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #1 am: 2013-04-25 22:00:44 »
Hallo Hermann,

wenn die Kellerassel klein genug ist, wird sie problemlos von Tegenaria gefressen.

Ich denke, das wird schon atrica sein. Hat sie mit Beinen etwa 5cm Größe?

LG,
Jonathan
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Hermann Ulrich

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #2 am: 2013-04-26 07:18:39 »
Guten Morgen,

Also ich hab eben versucht die Größe nochmal abzuschätzen. Ich denke sie hat mit den Beinen in normaler Stellung (also durchaus angewinkelt) 2.5 bis maximal 3cm Länge. Die KL würde ich aber schon auf 12-15mm schätzen.

Grüße
Hermann

Katja Duske

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #3 am: 2013-04-26 07:28:25 »
Zeig doch mal ein Foto.

Katja

Hermann Ulrich

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #4 am: 2013-04-26 22:29:14 »
N'Abend,

So hier endlich die Fotos:




So jetzt sagt mir mal was unsere Achtil ist und woran ihr das erkennen könnt!

Danke schon mal im Voraus!
Hermann

Tobias

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #5 am: 2013-04-26 23:51:29 »
Ja genau, T. atrica. T. domestica ist wesentlich kleiner und hat zumindest angedeutete Ringel auf den Beinen.

Zum Thema Asseln als Beute: Asseln sind ein für die meisten Spinnen schwer zu erjagendes Futter, weil nicht nur die harte Panzerung, sondern auch verschiedene chemische Abwehrstoffe innerhalb der Gruppe bei verschiedenen Arten vorhanden sind. Falls dich das interessiert, innerhalb der Gattung Dysdera (Sechsaugenspinnen) gibt es eine fein abgestufte Spezialisierung auf Asseln bei verschiedenen Arten. Der Wiki-Artikel im Forumswiki erläutert das ein wenig. Man sieht daran auch, wie weit eine Spinnenart ihre Morphologie abwandeln muss, um sich ausschließlich von Asseln zu ernähren. Tegenaria erbeutet zwar auch Asseln, meiner Erfahrung nach aber eher, wenn sie extrem hungrig sind und/oder die Asseln weniger als die Hälfte der Körperlänge der Spinne besitzt. Eine gute Abwechslung für deine Spinne wäre z.B. auch mal eine Motte, zwei drei Stechmücken oder eine Fliege. Käfer z.B. werden ebenfalls weniger von Tegenaria erbeutet, für diese sind innerhalb der Agelenidae Coelotes die besseren Jäger (kurze, stämmige Beine, kräftige Chelizeren sind besser für Käfer). Du kannst übrigens auch mehrere kleine Beutetiere zu deinem Tier reinwerfen, die Spinne macht sich daraus schnell ein kompaktes Fresspaket.

Tobias



Jonathan Neumann

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #6 am: 2013-04-27 10:42:52 »
Du kannst übrigens auch mehrere kleine Beutetiere zu deinem Tier reinwerfen, die Spinne macht sich daraus schnell ein kompaktes Fresspaket.

Danke für den Tipp! Das muss ich mal ausprobieren.

LG,
Jonathan

PS: Uloborus macht sowas auch!
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Hermann Ulrich

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #7 am: 2013-04-28 22:17:32 »
Vielen Dank Tobias,

das ist echt sehr interessant und spannend!
Unsere Spinne wird in einem Aquarium (40x60cm) gehalten, das dazu noch von den Kindern mit etwas Moos, Zweigen und Blättern "wohnlich" ausgestattet wurde. Das ganze ist daher recht unübersichtlich, aber ich habe die beiden Asseln nicht mehr gesehen. Heute hat sie auch eine relativ fette Grille endlich geschnappt, die ihr bisher wohl zu wehrhaft war.
Leider hab ich bisher noch keine anderen, kleineren Beutetiere gefunden, aber ich habe auch das Gefühl, dass wir hier wieder in den Winter katapultiert wurden. Ich glaub ich muss den Ofen wieder anfeuern...

Danke nochmals,

Hermann

Hermann Ulrich

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #8 am: 2013-05-17 18:25:13 »
Nachtrag:
Heute habe ich unsere Achtil (Tegenaria atrica) in die Freiheit entlassen. Nun hatte ich Gelgenheit den Kokon genauer zu betrachten und habe mit Freuden entdeckt, dass mindestens 30 winizige Spinnenkinder daran herumgeklettert sind!
Wir fühlen uns alle wie stolze Väter/Mütter und freuen uns an den winzigen weißen Kinderchen.
Kann es sein, dass die Babys immer wieder im Kokon Schutz suchen? Nach ein paar Minten konnte ich nämlich nur noch ca. 13 Spinnchen zählen, aber sie konnten noch nicht aus dem Aquarium entwichen sein.

Grüße
Hermann

Eveline Merches

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Re: Keller-Assel als Beutetier ungeeignet?
« Antwort #9 am: 2013-05-18 09:00:22 »
Hallo Hermann,
ich habe Deinen Beitrag mit Interesse verfolgt. Ich finde es toll, dass Du dieses "Projekt" mit Deinen Kindern gemacht hast. Viele andere Väter, meinen die Kinder "retten" zu müssen und töten oder entfernen das Tier einfach. Du hast den Kinder aber gezeigt, dass sie keine Angst haben müssen, das "rettet" sie viel mehr und vor allem dauerhaft!


liebe Grüße
Eveline
Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist Geduld.