Autor Thema: Kurzbericht aus dem Großstädtischen Forscherleben  (Gelesen 259 mal)

Martin Lemke

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Am letzten Sonntag wollt ich endlich mal wieder in Hamburg Spinnen suchen

Um die Fahrerei in Grenzen zu halten, wollte ich Feuchtwiesen in Autobahnnähe besuchen. Die zu sammelnden Daten sind für die geplante Rote Liste Hamburgs; da muss überall mal geschaut werden, nicht nur in NSGs. Also dachte ich an Stillhorn.

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Doch daraus wurde nichts! Schon an der Abzweigung nach Hamburg Rahlstedt war die Richtung geradeaus (Richtung Stillhorn) voll gesperrt. Ohne Navi irrte ich grob in die ungefähre Zielrichtung und landete schließlich in Moorfleet. Erstaunlich, wie sich so eine Stadt wandelt. Wenn man längere Zeit nicht mehr in Hamburg unterwegs war, helfen örtliche Erinnerungen nur bedingt.

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Stillhorn rot markiert, Moorfleet gelb

Die nächstgelegenen Grünflächen waren alle Naturschutzgebiet – und da ich mich mit den Mitarbeiterinnen der Hamburger der Naturschutzbehörde ganz gut verstehe, wollte ich mich an die Regeln halten. NSG ohne Genehmigung ist tabu.

Um überhaupt mal loslegen zu können, begann ich meine Nachsuche auf einer ruderalen Verkehrs-Restfläche, die zu meiner Unfreude, reichlich mit verschimmeltem Hundekot eingedeckt war. Das sind eben die Artefakte, die man bei Nachforschungen im urbanen Raum hinzunehmen hat.



Artenliste
Mangora acalyphia
Phlegra fasciata
Neottiura bimaculata
Pisaura mirabilis
Neon reticulatus
Pachygnatha degeeri
Tenuiphantes tenuis
Diplostyla concolor
Mermessus trilobatus
Troxochrus scabriculus
Clubiona subtilis
Neriene clathrata
Microlinyphia pusilla
Agyneta rurestris


Link => Atlas

Mermessus trilobatus ist anscheinend jetzt überall! Das ♀ von Troxochrus scabriculus hat mir etas Mühe abverlangt, weil ich diese Art seit langem nicht mehr gefunden hatte.

So am Saugen mit dem Benzinsauger tauchten plötzlich zwei Typen auf und fragten neugierig, was ich da so triebe. Ich mag es nicht so, dass Leute fragen, weil ich denke, das verstehen die Leute sowieso nicht. Aber die waren aufgeschlossen und der Hauptredner erklärte, bei ihm auf der Apfelwiese wimmelte es von Spinnen. Solche Momente sind wiederum Gold wert, wenn man mit Passanten spricht. Er führte mich zu einer Streuobstwiese, zu der, weil auf Privatgelände (seines Nachbarn) gelegen, ich sonst niemals Zutritt gehabt hätte.

Vielleicht kamen wir so einfach ins Gespräch, weil ich selber auch aus Hamburg stamme. Meine bisweilen etwas spröde Art, war da kein Problem. Anfangs hatte ich versucht, die neugierig fragenden, mit einsilbigen Antworten abzuwimmeln – ohne Erfolg. Für mich war dies ein Glücksfall.


Die Streuobstwiese, seit 14 Jahren ohne Mahd und ohne Obstbaumpflege

Artenliste
Pisaura mirabilis
Mangora acalypha
Neottiura bimaculata
Tetragnatha pinicola
Tiso vagans
Tenuiphantes tenuis
Walckenaeria unicornis
Erigonella hiemalis
Micrargus herbigradus
Neriene clathrata
Pachygnatha degeeri
Pachygnatha clercki
Clubiona stagnatilis
Pardosa amentata
Rilaena triangularis
Anyphaena accentuata
Lathys humilis
Platnickina tincta
Nuctenea umbratica
Synageles venator


Link: => Atlas

Methode: Sauger, die letzten braun markierten: Handfang unter Rinde von Totholz


Einige Bäume waren umgekippt andere hatten auch ohne umzukippen viel Totholzanteil

Noch so früh im Jahr, waren viele Tiere noch zu jung zum Bestimmen; Hypomma und Konsorten ...

Martin
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DAS waren noch Zeiten: Norwegen 2011.

Jonathan Neumann

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Re: Kurzbericht aus dem Großstädtischen Forscherleben
« Antwort #1 am: 2021-04-19 23:30:44 »
Das ist ja lustig, vielen Dank Martin!

ich kann mir richtig vorstellen, wie stoffelig/brummelig du versuchst hast die abzuwimmeln und dich dann aber am Ende wie ein kleines Kind gefreut hast.

Ohja STEHENDES Totholz ist extrem wichtig!

lg,
jonathan
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

Tinto von Matsieng, eines meiner Lieblingslieder