Autor Thema: Artensterben in Europa  (Gelesen 398 mal)

John Osmani

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Artensterben in Europa
« am: 2018-03-15 18:13:35 »
Nicht nur viele Insektenarten und Populationen sind in Europa massiv in ihren Beständen zurück gegangen, sondern auch viele Spinnenarten sind ganz sicher davon betroffen.

Mit ein Grund dafür wird wenig beachtet: die Eutrophierung und das dadurch verursachte Zuwachsen oder die Überwucherung von Biotopen durch Bäume, Büsche und andere Pflanzen.

Mein Freund Werner Kunz hat dazu einen interessanten Vortrag gehalten den ihr hier sehen könnt:

https://youtu.be/NWArqSuL5C4

Ich bin ganz sicher, auch viele Spinnenarten sind davon betroffen-aber es kümmert im Grunde niemanden


Martin Lemke

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Re: Artensterben in Europa
« Antwort #1 am: 2018-03-16 08:17:13 »
Nicht nur viele Insektenarten und Populationen sind in Europa massiv in ihren Beständen zurück gegangen, sondern auch viele Spinnenarten sind ganz sicher davon betroffen.

Diese Frage wurde letztes Jahr auch nach meinem Vortrag im Naturkundemuseum gestellt. Meine Antwort: Für ein Artensterben von Spinnen gibt es in Schleswig-Holstein keinerlei Anzeichen. Dabei bezog sich die Frage, wie auch meine Antwort auf die aktuelle jüngere Entwicklung. Ich erfasse Spinnen seit gut 10 Jahren in SH. Zu früheren Zeiten kann ich keine Vergleiche ziehen.

Zum Vortrag: Das kann ich nur heftigst unterstreichen. Ich bin ein großer Verfechter des Offenlassens ausgebeuteter Kiesgruben anstatt der "Renaturierung" (= Auffüllen mit Mutterboden), weil man in solchen Kiesgruben Sandspezialisten findet, die anderswo fehlen (Asagena phalerata, Steatoda albomaculata, Hypsosinga, Attulus, ...). Ebenso Abbruchkanten (Tegenaria agrestis).

Aber auch offen gelassene Kiesgruben sind von Sukzession bedroht. Nur solche, wo gelegentlich mal junge Leute mit Motorrädern durchfahren, haben längerfristige Perspektiven. Alles andere wird langfristig zu Birkenwald. Abschottung solcher Gebiete ist Gift für solche Habitate. In einem Übungsgebiet des BGS gab es vor 10 Jahren Massenvorkommen von Steatoda albomaculata, aber seit es NSG geworden ist, fehlt die mechanische Beanspruchung. Die offenen Sandstellen wachsen zu, Heide vergrast, ... Steatoda albomaculata ist erheblich seltener geworden, ebenso Pellenes tripunctatus. Seit ein paar Jahren werden große Teile mit Galloway-Rindern beweidet. Optisch sieht die Heidefläche schon besser aus, aber untersucht habe ich die Fläche noch nicht. Der Massive Elektrozaun sperrt mich aus.

Martin

John Osmani

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Re: Artensterben in Europa
« Antwort #2 am: 2018-03-17 07:36:16 »

Hallo Martin!

Deine Ausführungen sind sehr konkret und unterstreichen die Tatsache das "Naturschutz" nicht gleich Artenschutz ist.

Ich kenne hier in der Nähe eine alte Kiesgrube, die ebenfalls in den letzten 20 Jahren so zugewachsen ist, das dort sicher jetzt viel weniger Arten vorkommen als davor.

Bezüglich der Wechselwirkung vom Populations-und Diversitätszahlen zwischen Insekten und Spinnen ist es aber wohl sicher zwangsläufig so das eine Abnahme von Beutetieren auch eine Abnahme der Beutegreifer bedeutet. Diese Kettenreaktion ist unvermeidbar.

Der Artenschutz der Zukunft, auch für Spinnen, liegt in Europa ganz sicher auch an den Maßnahmen die ergriffen werden um eine weitere Sukzession zu verhindern.


Martin Lemke

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Re: Artensterben in Europa
« Antwort #3 am: 2018-03-17 13:21:20 »
Bezüglich der Wechselwirkung vom Populations-und Diversitätszahlen zwischen Insekten und Spinnen ist es aber wohl sicher zwangsläufig so das eine Abnahme von Beutetieren auch eine Abnahme der Beutegreifer bedeutet. Diese Kettenreaktion ist unvermeidbar.

Ich denke, das kann man so nicht undifferenziert annehmen. Das Insektensterben ist auffällig aufgrund auffälliger Arten wie Bienen, Fliegen und Schmetterlingen. Springschwänze kommen meinem subjektiven Eindruck nach noch massenhaft auf Wiesen vor. Wie es mit Käfern, Heuschrecken (Leibspeise von Argiope) usw. aussieht, weiß ich nicht. Dazu bin ich zu sehr Fachidiot. Aber ich finde auch noch viele Käfer und einige Arten in Massen. Ebenso Ameisen augenscheinlich verschiedener Arten.

Hier in Lübeck gibt es seit Jahren eine Wildblumen-Initiative, die sich dafür einsetzt, dass nicht jede Wiese der Stadt (z.B. neben öffentlichen Parkplätzen) konsequent kurz gehalten wird und dass auf Verkehrsrestflächen Blumen eingesät werden. Es ist sehr wichtig, Blütenangebote jenseits von Agrarflächen zu schaffen. Wenn man darüber Gedanken anstellt, wird man erkennen, dass es dafür mehr Möglichkeiten gibt, als man im ersten Moment denkt.

Anfangs hatte ich die Wildblumeninitiative belächelt, aber inzwischen muss ich anerkennen, dass es ein Projekt mit Weitblick war und ist.

Martin