Autor Thema: Manueller Stacktisch  (Gelesen 6555 mal)

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #60 am: 2017-08-13 19:50:04 »
Ist mir schon klar Martin, dass hier die Ästhetik im Vordergrund steht, aber man kann ja das Gute mit dem Nützlichen verbinden ;)
Ich werde mir diese Technik auf jedem Fall mal näher ansehen und hoffe, dass ich beide Komponenten vereinigen kann.

Jürgen

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #61 am: 2017-08-14 22:28:41 »
Ich würde auch gerne mal wissen, was man aus dem besagten Lupenobjektiv herauskitzeln kann. Es ist ja ein Mehrlinsen-Fotoobjektiv mit Blende usw. und kein Mikroskopobjektiv. Aber es beherrscht ja schon von Natur aus 5:1 – ich habe das wahrscheinlich noch nie ausgereizt. Und ein paar Zwischenringe könnte ich auch noch dazwischen setzen. Vielleicht probiere ich das mal. Ich habe allerdings keinen Schlitten + Schrittmotor.

Arno

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #62 am: 2017-08-15 18:17:19 »
Ich habe allerdings keinen Schlitten + Schrittmotor.

Ich spiele gerade mit ziemlich konkreten Gedanken, mir genau zu diesem Zweck (Lupenobjektiv ausreizen) einen zweiten Schlitten + Steuergerät anzuschaffen. Ich könnte Dir einen mit bestellen. Für das Lupenobjektiv bräuchte man die Extended-Version. Zu den $625 (533 €) käme noch Fracht, ein Kabel $39 und Zoll. Alles zusammen knapp unter 800 €, schätze ich.

Ich hab auch andere Szenarien durchgespielt, etwa Reprostativ, aber das kostet annähernd das selbe ohne motorische Steuerung. Das Steuergerät ist schon ein großer Komfortfaktor.

Magiclatern kann zwar focusstacking, aber zum einen geht es nicht mit dem rein manuellen Lupemobjektiv, zum anderen läuft es nicht auf meiner Canon 1D Mark III. Wie ich es auch drehe und wende, die Cognisys-Lösung ist nicht nur am komfortabelsten, sondern trotz Zoll auch am preiswertesten.

Martin

Ed: Ich vergaß: + Mehrwertsteuer 19%


Übersicht: https://www.cognisys-inc.com/store/focus-stacking.html
« Letzte Änderung: 2017-08-15 20:46:45 von Martin Lemke »

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #63 am: 2017-08-16 00:28:38 »
Aber ich wollte nicht generell mit dem Lupenobjektiv Trocken- oder Nasspräparate fotografieren. Dafür scheint ein Mikroskopobjektiv die wesentlich bessere Lösung zu sein. Das ist doch hier nun schon hinreichend erprobt worden und LMscope zeigt wies geht. Auch die Trockenpräparat-Profies arbeiten so (siehe http://microsculpture.net).

Ich wollte eigentlich nur die Grenze aufzeigen – das, was herkömmliche Fototechnik noch kann und was man mit der Supermakro-Technik erreichen müsste, damit sich der Aufwand lohnt.

Für meine Lebend-Spinnenmakros komme ich ganz gut ohne Stackschlitten aus.

Arno

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #64 am: 2017-08-16 04:10:47 »
Aber ich wollte nicht generell mit dem Lupenobjektiv Trocken- oder Nasspräparate fotografieren. Dafür scheint ein Mikroskopobjektiv die wesentlich bessere Lösung zu sein

Für Totalaufnahmen weniger, weil die Vergrößerung zu stark ist, finde ich. Der Autor von microsculpture.net setzt daher mehrere gestackte Fotos zu einem Gesamtfoto zusammen. Trockenpräparate wie Käfer liefern da viel imposantere Ergebnisse als Spinnen in Alkohol. Ich hatte mir daher im Frühjahr von Olympus ein Angebot für eine automatische Stackvorrichtung an meinem Olympus-Bino machen lassen. Wenn man bedenkt, dass die Binotechnik nicht primär zum Fotographieren entwickelt wurde, erscheinen mir die zu erwartenden Nachteile dieser Technik nicht angemessen, dafür ein Mehrfaches dessen auszugeben, was die Cognisys-Lösung kosten würde.

Im Gegensatz zu Dir bin ich kein Tüftlertyp und beherrsche PS auch nicht annähern so virtuos wie Du. Ich brauche einfach eine andere Lösung. Du hattest mir ja mal gezeigt, wie Du mit dem Lupenobjektiv arbeitest. Das sah ganz easy aus, aber zu Hause konnte ich das nicht im geringsten nachmachen. Viele seltene Arten, die ich finde, fließen deshalb fotographisch nicht ins Wiki ein, was mich sehr ärgert.

Ich werde die Stacking-Lösung daher nicht an meinem Bino nachrüsten (allein die in den PC einzubauende Platine kostet schon 700 €); wenn es um Nachrüstung geht, eher die Koaxialbeleuchtung (Beleuchtung des Objektes durch das Objektiv des Binos), weil mich die Schwanenhälse beim Arbeiten sehr häufig stören.

Martin

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #65 am: 2017-08-16 07:19:56 »
@Martin, kannst du noch 1-2 Wochen mit deiner Bestellung warten?
Wir fahren am Freitag für eine Woche in den Urlaub, mal schauen was von der Portokasse übrig bleibt ;)
Ich liebäugle auch schon eine geraume Zeit auf den Schlitten.

Jürgen

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #66 am: 2017-08-16 09:20:51 »
@Martin, kannst du noch 1-2 Wochen mit deiner Bestellung warten?

Klaro!

Martin

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #67 am: 2017-08-16 21:29:09 »
Ich habe immer noch nicht ganz verstanden, was du machen willst. Willst du seltene Linyphiiden in Alk im Ganzen fotografieren? Dafür ist das sicher eine gute Lösung. Ich habe so etwas auch schon ab und zu gemacht, dann mit einem normalen Stativ. Die Schärfentiefe war bei mittelgroßen Spinnen noch so groß, dass man kaum stacken brauchte. Ich glaube, ich habe mit der Kurbel des Stativs arbeiten können und drei-vier Bilder gestackt.

Panoramen kann man in PS völlig selbstständig und zuverlässig zusammenrechnen lassen. Dafür benötigt man keine besonderen Tiefenkenntnisse. Allerdings habe ich bisher nur 1dimensional gestitcht (also z.B. Landschaften von links nach rechts oder von oben nach unten). Ich müsste erst ausprobieren, ob der PS-Automatismus auch in 2 Dimensionen stitchen kann.

Koaxiales Licht ist bestimmt sehr praktisch beim Hantieren. Für Fotos ist es aber viel schlechter geeignet, als seitliches Licht. Es kommt natürlich aufs Objekt, Lichthärte usw. an, aber generell werden bei etwas seitlich auftreffendem Licht (Winkel zur Fotoachse 45–100°) die fotografieren Dinge plastischer und kontrastreicher, was sich in empfunden brillanteren Bildern niederschlägt.

Arno

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #68 am: 2017-08-16 23:17:11 »
Das sind ja interessante Nachrichten, Arno. Bei Multigehirn kommt eben mehr heraus, als wenn sich nur einer Gedanken macht ;-)

Die Panoramafunktion zu nehmen, ist eine gute Idee, auf die ich gar nicht gekommen bin. In dem Video macht der Typ das manuell; ein Perfektionist eben. Ich bin da eher arbeitsökonomisch orientiert. Wenn ich erst vier Bilder machen muss, vervierfacht sich aber so oder so der Aufwand und wenn man bedenkt, dass das Resultat hinterher wieder auf 800x400 vekleinert werden muss, steht die Frage im Raum: Wozu der Aufwand?

Ich habe es auch schon mit einem normalen Stativ versucht, aber das ist mir in meiner Wohnung zu wackelig und das Objektiv liegt nie senkrecht zum Objekt. Senkrecht sehe ich zur Dokumentation als ideal an. Klar ginge das auch mit einer Kurbel und sicher brauche ich nicht 25 bis 50 Stackebenen, sondern vielleicht zwei oder drei. Allerdings wiegen Kamera und Objektiv zusammen nicht gerade wenig. Da kommen ein paar Kilo zusammen. Für ein gutes Kaiser-Reprostativ, das 4 Kg tragen kann, bin ich dann auch locker 500-600 € los (nur für das Repro-Stativ!). Der kleine Schritt zum Mehrwert mit dem Stackautomaten erscheint mir da gering, aber mit universellerer Aussicht und nicht zuletzt bei geringeren Abmessungen – ich habe hier nun mal nicht so viel Platz. Wo für es aber vermutlich nichts taugt, ist zum Knipsen lebender Tiere, aber die habe ich eh nur sehr selten zu Hause.

Meine Bino-Fotos sind allesamt ziemlich schlecht. Die Koaxialbeleuchtung wünsche ich mir ausschließlich zum Mikroskopieren, nicht zum Fotografieren. Von der Idee, durchs Bino zu knipsen, entferne ich mich immer mehr. Ich könnte den Strahlenteiler einfach ausbauen und statt dessen einen Zeichentubus einbauen, den ich mal bei Ebay vor einiger Zeit günstig geschossen hatte und der seither in einem Karton schlummert. Würde ich ihn zusätzlich einbauen, würde sich mein Abbildungsmaßstab um den Faktor 1:1,5 vergrößern und ob das nur Vorteile hätte, da bin ich mir nicht sicher. Das wird doch bestimmt mit irgend etwas erkauft. Z. B. verringertem Arbeitsabstand, den ich aber benötige.

Martin

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #69 am: 2017-10-18 15:43:58 »
hier mal nach langer Zeit mein erster Versuch mit der EOS M3 und einem Mikroskopobjektiv CZJ 3,2 auf dem Stacktisch. Die Beleuchtung besteht aus zwei LED-Nachttischlampen seitlich platziert und einem LED-Baustrahler von oben. Abgeschottet habe ich die tote Agreca brunnea mit weissem Styroporverpackungsmaterial um die Lichtspiegelungen in Schach zu halten.
Das Platzieren der Spinne ist das eine, dass sie dann in der Ausrichtung so hält das andere. Die Beine bewegen sich immer wieder leicht, so dass hier noch etwas Unschärfe festzustellen ist.
Ansonsten funktioniert es technisch schon ganz gut, Luft nach oben ist allemal noch.
Der Stack besteht aus 146 Einzelbildern.
Zweites Bild ist das making of

Gruß Jürgen

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #70 am: 2017-10-18 21:56:37 »
Kannst du (entfesselt) blitzen? Ich finde die Belichtung noch zu „spitz“ (zu strahlend, zu ungedämpft). Wenn du das weiter abschirmst, hast du sicher irgendwann zu wenig Licht (zu lange Belichtungszeiten). Deshalb muss man wohl doch irgendwann blitzen (v.a. wenn du noch näher ran willst).

Da ja alles unbewglich ist in deinem Aufbau (einschließlich der Spinne ;) ), kannst du sie doch fast komplett umschließen mit weißem Dämpfer-Material. Lichtzelte für professionelle Objekt-Fotografie kommen meist auch mit einer Front-Abdeckung, mit der man den Kubus komplett schließen kann und nur noch ein kleines Loch für das Kameraobjektiv bleibt. Das ist für mich ein Hinweis, dass es wichtig ist, den Lichtraum möglichst komplett zu schließen.

Manchmal gibt es so Deko-Kugeln aus weißem transluzentem Kunststoff, oder Lampenschirme. So etwas, geschickt zurechtgesägt, könnte einen praktischen kleinen Lichtdom bilden, der sich mit einem Handgriff nach dem Positionieren der Spinne, darüber stellen lässt. Vielleicht reicht auch ein Joghurtbecher, oder sowas aus der Abteilung Einweggeschirr.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #71 am: 2017-10-19 09:35:07 »
Servus Arno,
zu dieser Kamera habe ich noch keine externen Blitze, steht aber auf der Einkaufsliste.

Ich probiere momentan noch mit den unterschiedlichsten Materialen zum dämpfen, getestet habe ich weiße Kunststofftrinkbecher, und diverses Verpackungsmaterial, entgültig bin ich noch nicht zufrieden. Aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Deine Tips werde ich mit einfliesen lassen.
Der Blaustich auf dem Foto ist ebenfalls inakzeptabel, liegt aber wahrscheinlich an meiner Bearbeitungsgabe in PS :o

Werde weiter testen, irgendwann kommt schon noch ein Knallerfoto dabei raus. ;)

Jürgen

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #72 am: 2017-10-19 09:57:58 »
Transluzent ... das Wort kannte ich gar nicht. :-)

Bei so einer Apparatur braucht man keine Funkblitze, da geht auch eine Kabellösung und spielt damit im low cost-Bereich.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #73 am: 2017-10-19 22:34:59 »
... ja, klar. Deshalb hatte ich „entfesselt“ in Klammern gesetzt. Sie sollten nur nicht direkt auf der Kamera montiert sein und ein wenig mobil im Raum. Solche Blitze mit Infrarot-Auslöseeinheit kosten zwar ein bisschen mehr, aber sie sind in vielen Bereichen sehr flexibel einsetzbar. Man hat halt keinen Kabelsalat. Auch am Mikroskop, draußen etc.

Zum Blaustich: Der theoretische Workflow sieht so aus:
1. man fotografiert mit der entsprechenden Kamera und gewünschter Belichtungssituation eine Graukarte (neutralgrauer Karton, den man für ein paar Euro im Fotofachhandel kaufen kann).
2. dann fotografiert man seine Motive.
3. Beim „rausrechnen“ der Roh-Fotos (z.B. im PS RAW-Konwerter, der sich automatisch öffnet, wenn man ein RAW Format in PS öffnen will), öffnet man zu erst das Bild von der Graukarte. Auf dieses klickt man mit der sogenannten „Neutral-Pipette“ (so ein pipettenartiges Werkzeug, dass in vielen Grafikprogrammen existiert, oft mit einem „N“ oder so gekennzeichnet). Dadurch werden die Parameter für die Bild-Farbtönung so angepasst, dass das Grau auf dem Foto neutral wird. Alle anderen Farben werden entsprechend mit angepasst.
4. diese Prameter für die Tönung wendet man jetzt auf alle Fotos der Serie an (z.B. kann man die Einstellung speichern unter „Setting_mit_2IkeaL_u_Baustrahler“). Dann müssten alle Fotos aussehen, als wären sie bei neutralem Licht aufgenommen.

Die schöne Theorie funktioniert aber nur, wenn man kein Mischlicht hat. Mischlicht heißt, dass eine Lampe wärmer/kälter ist als die andere. Mit der Graukarte kann man nur eine der beiden Lichtquellen ausgleichen, oder einen Punkt dazwischen. An einer anderen Stelle im Bild, wo nur das Licht der anderen Lichtquelle hin kam, hat man dann wieder einen Farbstich.
Mischlicht ist so mit das schlimmste, was es gibt (schlimmer noch, als eine garstige Schwiegermutter ;) ). Auch deshalb ist es wichtig, z.B. zwei baugleiche, ordentliche Blitze für die Belichtung zu benutzen, statt irgendwelcher Lichtquellen, die gerade so zu greifen waren (sorry, das soll nicht böse klingen – zum Experimentieren ist das ja völlig OK) ;)

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #74 am: 2017-10-20 10:07:52 »
Das klingt überhaupt nicht böse, ich bin dankbar für jede Anregung!
Hier noch ein Stack von gestern, mit Kopierpapier als Diffusor und den genannten drei Lichtquellen. Die Aufnahme ist aus 120 Einzelbildern gestackt.
Photoshop ist mein Hauptproblem ???

Gruß Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #75 am: 2017-10-20 10:41:41 »
Hallo Jürgen,

ich will da Arnos Antwort nicht vorgreifen. Aber wenn du die Graukarte als Hintergrund hättest bräuchtest du ja nur das fertige Bild in Helligkeit und Farbe an Hand des Hintergrundes manipulieren, bis der mittelgraue Ton stimmt. Danach stimmt auch die Objektfarbe.

LG aus GR Lothar
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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #76 am: 2017-10-20 11:15:29 »
Servus Lothar,
schön von dir zu hören.

Ich hab jetzt mal den Baustrahler als Beleuchtungsquelle weggelassen.
Leider hat sich ein Bein der Spinne unschön verstellt, dass ich aber erst nach der Fotoarbeit bemerkt habe, so zeigt dieses Bild nur einen Ausschnitt. Beschnitten um ca. 20-25% von der Originalaufnahme. Es besteht aus 362 Einzelaufnahmen.
Was meint ihr, geht´s in die richtige Richtung?

Grüße Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #77 am: 2017-10-20 11:42:52 »
Lieber Jürgen,

nach wie vor stören mich die vielen Einzelaufnahmen. Es ist mir bis heute nicht gelungen, da eine Beweisführung zu finden, dass man mit deutlich mehr Aufnahmen als nötig, eine Qualitätsverbesserung bekommt. Liegt auch daran, dass so viele Objektive in den Schubladen lauern, dass man eigentlich gar nicht weiß, wo anfangen. Ich meine aber, das hätten wir schon durch ?

LG Lothar
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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #78 am: 2017-10-20 12:14:38 »
Für mich ist das ein einfache Rechnung.
Wenn ich davon ausgehe, dass ich von diesem Tier ca. 5 mm aufnehmen möchte, der Hinterteil ist ja nicht sichtbar und ich z.B. Schritte von 0,02 mm fahre, kommen hier bei genauer Einhaltung des Weges vorausgesetzt  250 Schritte dabei raus, damit ich alles aufgenommen habe. Bei Schritten von 0,01 mm (was mein mechanischer Maschinenschraubstock lt. Skala an geringstem Vorschub leistet) komme ich auf 500 Aufnahmen pro ganzer Aufnahmeabdeckung von 5 mm.
Da mein mechanischer Vorschub aber von meiner Feinmotorik abhängt, wird es manchmal mehr, manchmal weniger. Das hier so manches Objektiv an seine Grenzen stößt ist mir schon klar (wahrscheinlich auch mein CZJ hier) siehe beim letzten Bild das linke vordere Bein, das müsste wegen seiner Auflösungsleistung gescheitert sein. Leider habe ich den Adapter Canon-Rodenstock Rodagon noch nicht erhalten, bin aber überzeugt, dass dieses Objektiv um einiges besser auflöst als das Mikroskopobjektiv, dafür sind sie einfach nicht geschaffen.
Ich hoffe ich kann dir den Beweis noch erbringen ;)

Grüße nach Griechenland

Jürgen

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #79 am: 2017-10-20 12:34:54 »
   Hier mal eine Tabelle, wie sich Blendenzahl, Abbildungsmaßstab, Schärfentiefe und die daraus ergebenen Schritte verhalten.
Bei einer Apertur von 10, was mein CZJ hat wurde hier die Schärfentiefe bei 0,0550 berechnet. Wenn man davon ausgeht, dass man mind. 1 aber besser 3 Aufnahmen pro Schärfeneben machen soll, bin ich noch bei weitem unter der vorgegebenen Anzahl.
Gruß Jürgen
      
Vergrößerungs-Objektiv         
Blendenzahl   ABM   Schärfentiefe   Schritt  (Tiefe/3)
2,8   2   0,0840   0,0280
4   2   0,1200   0,0400
5,6   2   0,1680   0,0560
8   2   0,2400   0,0800
2,8   3   0,0498   0,0166
4   3   0,0711   0,0237
5,6   3   0,0996   0,0332
8   3   0,1422   0,0474
2,8   4   0,0350   0,0117
4   4   0,0500   0,0167
5,6   4   0,0700   0,0233
8   4   0,1000   0,0333
2,8   5   0,0269   0,0090
4   5   0,0384   0,0128
5,6   5   0,0538   0,0179
8   5   0,0768   0,0256
         
         
Mikroskop-Objektiv         
Apertur   Schärfentiefe   Fotos pro Tiefe   Schrittlän
0,10   0,0550   3   0,0183
0,15   0,0244   3   0,0081
0,16   0,0215   3   0,0072
0,25   0,0088   3   0,0029
0,30   0,0061   3   0,0020
0,40   0,0034   3   0,0011
0,55   0,0018   3   0,0006
0,95   0,0006   3   0,0002
0,12   0,0382   3   0,0127

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #80 am: 2017-10-20 14:04:23 »
Von der Farbe und der Licht-Weichheit läuft das in eine sehr gute Richtung jetzt.

Ich finde, wenn das Licht schön weich ist, kommen die plastischen Details der Objekte besser zur Geltung. Bei zu hartem Licht, stehlen ihnen die Glanzlichter die Show.

Ich halte alles um 100 bis 200 Schritte auch für zu viel. Aber ich durchschaue diese ganzen optischen Berechnungen auch nicht. Bei meinen Bino-Aufnahmen mache ich oft aus Vorsicht zu viele Einzelaufnahmen. Später wähle ich zum Rendern in Helikon dann nur jede 2. aus. Dann habe ich maximal so 20 bis 30 Aufnahmen ... aber das ist ja eben auch eine andere Technik.

Ich bin da Lothars Meinung: Mehr ist nicht unbedingt besser.

Arno

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #81 am: 2017-10-21 18:17:51 »
Grüße dich Arno,

da gibt es ja auch noch den doofen Spruch: Weniger ist mehr.  Wenn wir recht haben, dann könnte der hier gelten. Aber ich will das echt noch herausarbeiten. Dazu brauche ich aber sehr spezielle Proben, die eine Beurteilung in der Y-Achse zulassen. Ich denke, dass dazu ein Target aus der Mineralogie nötig wird. Oder man könnte ein minderwertigeres Objektiv, dessen Auflösung bei etwa 1, 5 µm am Ende ist mit so einer 0,5µm Struktur tackern lassen.
@Jürgen, lasse dich damit nicht beeinflussen, sondern gehe deinen Weg. Wir sind bei dir.

LG Lothar
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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #82 am: 2017-12-19 17:19:20 »
Nach längerer Pause mal wieder ein Versuch mit dem Stacktisch.
Man kommt hier schnell aus der Übung und macht dann immer wieder die gleichen "Anfangs"-Fehler. Das Tier ist nicht ganz durchgestackt, an der rechten Schere sind ein paar Stellen, die darunter leiden.
Es handelt sich um dieses Tier hier.Es ist mir gestern aus nicht ersichtlichen Gründen verstorben. Entweder habe ich es zu trocken gehalten, oder der Temperaturunschied draußen/drinnen war zu groß?
Das A und O der ganzen Stackerei ist aber die Lichtsetzung, Spiegelungen sind fast immer vorhanden und zerstören so den Gesamteindruck. Diese eine Aufnahm ist eine von 5 und die einzige die brauchbar ist, alle anderen Aufnahmen waren für die Tonne. Insgesammt habe ich mit dieser Serie um die 1000 Aufnahmen gemacht, mit einer spiegellosen Kamera jedoch ohne Magenschmerzen, da ja der Spiegelmechanismus nicht vorhanden ist und somit kein Verschleiß auftritt. Unten mal die Daten.

Kamera: Canon EOS M3
Objektiv: CZJ 8/0,20 160/--
Blende:
Belichtungszeit: 1/10
Beleuchtung: 2 LED-Nachttischlampen
ISO: 100
Dateiformat RAW/JPG: RAW
Beschnitt in % (Breite und Höhe): minimal zw. Randartefakte
Abbildungsmaßstab: ?
Anzahl der Schritte: 192
Länge der Schritte: per Hand am Maschinenschraubstock gekurbelt
Stacking-Software: Helicon Focus Methode C
Artenname: Neobisium sp.?
Aufnahmedatum: 18.12.2017
Sonstiges: 45 min. Zeitaufwand für ein Bild

Vielleicht kann ja der eine oder andere etwas damit anfangen.
Die Stackschritte von 192 sind hier zumindestens bei der rechten Schere zu grob bzw. zu wenig (für meinen Geschmack) @ Lothar und Arno, ich lass mich da aber auch eines Besseren belehren ;)

Mir bereitet dieses Arbeiten auf jedem Fall "Spass"  und man kann den Objekten mit dieser Arbeitsmethode doch so einige Geheimnisse entlocken.
Ich bleib auf jedem Fall drann...
Über Kritik, Verbesserungsvorschläge, etc.. bin ich sehr dankbar.

Grüße Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #83 am: 2017-12-19 18:03:13 »
Hallo Jürgen,

es ist schade, dass du alles von Hand kurbeln mußt. Aber du könntest ja durch Abschätzen des Drehwinkels anstatt 190 Bilder mit meinetwegen 1/1oo stel Umdrehung mal nur 70 Aufnahmen mit ca. 3/100 stel Vorschub machen. Die Winkeländerungen mußt du selbst rechnen. Das soll nur ein Erklärmodell sein.
Ich habe gestern mit 73 Bildern ein etwa gleich großes Objekt gestackt und bins zufrieden. Zufällig mit einem CZJ 8x/0.10 was ein longworkingdistance Teil ist aber die Vergrößerung wie deines hat. Vielleicht "überschmiert" man in der Software die Details bei so vielen Einzelaufnahmen.?

Ansonsten ist das doch ein schönes Stackfoto !

LG Lothar
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Rainer Breitling

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #84 am: 2017-12-19 18:37:09 »
Hallo Jürgen,

Ich wäre sehr neugierig, wie die Resultate wohl aussähen, wenn Du nur jedes zehnte Bild für den Stack verwendest (oder jedes zweite, fünfte oder zwanzigste). Das müsste sich doch leicht ausprobieren lassen, ohne neue Fotos zu machen, oder? Und dieses Exemplar, mit den zahlreichen klar definierten Details, wäre perfekt für so ein Experiment. Dann haben wir einen fairen Vergleich.

Als Optik-Laie kann ich mir immer noch nicht vorstellen, wie gering die Tiefenschärfe bei diesen Bildern ist, und wie zuverlässig die Stacksoftware die Schärfenregionen identifizieren kann, wenn soviele Bilder zur Verfügung stehen. Ich habe da rein aus dem Bauch heraus den gleichen Verdacht wie Lothar, dass hier weniger vielleicht mehr sein könnte.

Beste Grüsse,
Rainer

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #85 am: 2017-12-19 21:03:40 »
Nunja, es ist ein relativ tiefes Objekt. Man darf das nicht unterschätzen. Mir geht es bei Spinnen-Makros auch immer wieder so. Bei Draufsichten benötige ich 3–5 Bilder, wenn ich dann mal eine Frontalansicht schieße und eine gewisse Tiefenschärfe will, werden das schnell 4 bis 5 mal so viele.

Aber Rainers Vorschlag ist gut. Bei vielen meiner Mikroskop-Stacks gehe ich so vor. Aus Vorsicht schieße ich sehr viele Bilder, wähle dann aber fürs Stacken nur jede zweite aus. Wenn ich das Ergebnis dann mal vergleiche mit einem „Vollstack“ wird es nicht besser (aber auch nicht schlechter).

Mich würde auch mal ein Einzelbild (ungestackt) interessieren. Hat dein System wirklich so eine geringe Schärfentiefe?

Übrigens gefällt mir die Belichtung schon gut! Ich habe neulich auch wieder Erkenntnisse zu den Thema gewonnen, weil ich wegen des Ausfalls eines meiner Slaveblitze zum Experimentieren gezwungen war. Mein Fazit: Licht bzw. leuchtende Fläche möglichst nah ans Objekt und sphärisch drumherum formen. Je weiter weg das Licht steht (auch wenn es flächig und soft ist) desto härter werden die Reflexe. Und die harten Reflexe sind nur ein Indiz für schlechte Ausleuchtung (es geht hier weniger um Ästhetik).

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #86 am: 2017-12-20 08:12:51 »
Danke für eure Rückmeldungen und Ideen. Hier mal die Aufnahmen mit reduzierten Einzelbildern. Die Beschriftung = die Anzahl der verwendeten Bilder. Ein einzelnes Bild kann ich leider nicht zeigen, da ich immer noch nicht mit der Umformatierung der EOS-Kamera-Bilder klar komme, Helicon wandelt im Stackingprozess die Datein automatisch um.
Die Bilder sind jetzt alle unbehandelt und nicht beschnitten.

Anbei noch eine andere Aufnahme mit einem 10er Objektiv, hier ist die Lichtsetzung total daneben gegangen. Ich gebe hier Arno recht, je näher der Diffusor platziert wird, umso gleichmäßiger funktioniert die Ausleuchtung.

Wie fällt euer Meinung aus?

Gespannte Grüße
Jürgen

Rainer Breitling

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #87 am: 2017-12-20 09:54:04 »
Sehr interessant. Vielen Dank! Der Stack aus zwei Einzelbildern zeigt die Tiefenschärfe sehr schön; wenn man pro Tergit etwa ein bis zwei Abbildungen braucht, dann sollte sich das gesamte Tier mit 20-30 Einzelaufnahmen vollständig abdecken lassen. Dass man trotzdem eine deutliche Zunahme der Qualität sehen kann, wenn mehr Einzelbilder verwendet werden, scheint nicht an optischen Phänomenen zu liegen, sondern vielleicht eher daran, dass die Qualität der Einzelbilder variiert, und vor allem daran, dass sie manchmal erstaunlich gegeneinander verschoben sind. Mit mehr Bildern kann der Algorithmus die zueinander passenden Aufnahmen besser auswählen. Ein extremes Beispiel zeigt der Vergleich des 2-Bild-Stacks mit einer der anderen Varianten:

PseudoskorpionStackingShift.jpg
*PseudoskorpionStackingShift.jpg (302.28 KB . 900x600 - angeschaut 122 Mal)

Man sieht eine Verschiebung um etwa 10 Pixel (in der verkleinerten Aufnahme, also vermutlich etwa 40 Pixel im Original). Wenn man die drei anderen Bilder übereinanderlegt, kann man auch dort faszinierende lokale Verschiebungen sehen. Ich habe ein "animated GIF", das den Effekt sehr schön zeigt, aber leider gehört das hier nicht zu den erlaubten Dateiarten.

Ein weiteres Beispiel, das illustriert, warum die optische Auflösung längst nicht so wichtig ist, wie der Stackingalgorithmus, zeigt das rechte Vorderbein (links im Bild): beim 2-Bild-Stack sind auch die distalen Partien beinahe perfekt im Fokus, in allen anderen Versionen verschwinden sie im Nebel, obwohl die Region weiterhin im Blickfeld sein sollte.

Beste Grüsse,
Rainer

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #88 am: 2017-12-20 13:41:00 »
Ich glaube, Jürgen könnte noch etwas an den Helikon Einstellungen arbeiten. Ich schaue mir das heute Abend oder später mal genauer an und übermittle mal meine Einstellungen ...

Arno

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #89 am: 2017-12-21 08:41:14 »
Ich denke mal, dass der Idee von Rainer folgend eine Verdopplung auf 50 bis 60 Bilder, die dann mit einer natürlichen Überlappung der einzelnen Tiefenschärfenebenen einhergeht, zielführend sein wird. Respektive der Stackingsoftware das passende Material zur Verfügung stellt. Ich nutze übrigens seit Jahren den Zerene Stacker.
LG Lothar
Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben. Konfuzius