Autor Thema: Chemische Spielereien  (Gelesen 2047 mal)

Rainer Breitling

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Chemische Spielereien
« am: 2018-01-16 13:09:46 »
Beim Bestimmen von Harpactocrates ravastellus aus den Zentralpyrenäen, wo sich zwei molekulargenetisch verschiedene Zwillingsarten / Unterarten begegnen, habe ich ein bisschen mit den chemischen Bestimmungshilfen herumgespielt, die beim Mikroskopieren evtl. entscheidende Details ans Licht bringen können: die Färbung von mazerierten Genitalpräparaten mit Chlorazol-Schwarz (Proszynski hält sie für unerlässlich) und die Aufhellung mit Methylsalicylat. Zur Bestimmung hat der Aufwand zwar nichts beigetragen, aber ich finde die Ergebnisse trotzdem erstaunlich: gerade bei diesen recht merkmalsarmen Genitalien kamen Details zum Vorschein, die ich in keiner der Abbildungen zu dieser Gattung bei araneae.unibe.ch entdecken kann. Da gibt es sicher noch viel Raum zum weiteren Experimentieren.

Die weiblichen Genitalien in situ:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentralInSitu.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentralInSitu.jpg (217.11 KB . 800x467 - angeschaut 437 Mal)

Nach dem Präparieren:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentral.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentral.jpg (142.27 KB . 536x422 - angeschaut 389 Mal)

Nach Mazerieren in Kalilauge über Nacht:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalCleared.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalCleared.jpg (390.71 KB . 800x646 - angeschaut 391 Mal)

Nach dem Färben mit Chlorazol Schwarz:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedStained.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedStained.jpg (250.38 KB . 343x800 - angeschaut 391 Mal)

Und in Ventralansicht:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentralClearedStained.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaVentralClearedStained.jpg (410.73 KB . 800x723 - angeschaut 398 Mal)

Ein Beispiel der unerwarteten Details sind die lateralen Drüsen an der Spermathek:
HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedDetail.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedDetail.jpg (204.13 KB . 800x369 - angeschaut 393 Mal)
HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedStainedDetail.jpg
*HarpactocratesRavastellusGenitaliaDorsalClearedStainedDetail.jpg (483.92 KB . 1524x970 - angeschaut 400 Mal)

Beim Pedipalpus war keine destruktive Mazerierung nötig; nach einer Stunde im Methylsalicylat waren die internen Strukturen in unerwarteter Klarheit zu sehen:
HarpactocratesRavastellusPedipalp.jpg
*HarpactocratesRavastellusPedipalp.jpg (337.78 KB . 800x643 - angeschaut 401 Mal)
HarpactocratesRavastellusPedipalpCleared.jpg
*HarpactocratesRavastellusPedipalpCleared.jpg (305.18 KB . 800x612 - angeschaut 792 Mal)

Vielleicht hat ja angesichts der Abbildungen sogar jemand Anmerkungen zur Identifizierung der Art. Auch Erfahrungsberichte zu diesen oder ähnlichen Methoden wäre ich sehr interessiert, nicht nur bei Anwendungen an haplogynen Arten. Proszynski hält sie, wie gesagt, auch bei Salticiden für unentbehrlich...

Beste Grüsse,
Rainer

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #1 am: 2018-01-16 17:25:32 »
Zur Artidentifizierung kann ich leider nicht beitragen, aber ich finde die unterschiedlichen Ergebnisse Klasse. Bei den Botanikern ließt man öfters was von Methylenblau und anderen chemischen Substanzen und die unterschiedlichen Bearbeitunsmethoden dazu, deine Fotos sprechen für sich. Die hervorgetretenen Strukturen am/im Pedipalpus sind schon atemberaubend. Die Kalilauge wirkt in etwa so wie Milchsäure, oder täusche ich mich da?

Kannst du kurz was zur Bearbeitungstechnik sagen, wie funktionieren diese Techniken, durch einlegen, injizieren.....der Flüssigkeiten etc..

Danke fürs Zeigen!
Gruß Jürgen

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #2 am: 2018-01-17 01:22:23 »
Ich nehme an, dass solche Hilfmittel nur bei kniffligen Fällen nötig sind, aber dann eben entscheidend sein können.

Was sind denn das für Chemikalien und wo bekommt man sie nötigenfalls? Ich sehe gerade, Chlorazolschwarz gibt es bei Bioform; 3 g für 12,90 € mit dem Hinweis 'kanzerogen'. Da wünsche ich mir dann doch ungiftigere Alternativen.

Walter Pfliegler hatte vor ein paar Jahren auch schon mal ein paar Rezepturen vorgestellt. Mir war das Procedere damals aber zu kompliziert (umständlich) und hatte mich deshalb dafür nicht weiter interessiert. Ich bin sowieso Präparationsmuffel.

Martin

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #3 am: 2018-01-17 09:36:27 »
Hallo Jürgen und Martin,

Kalilauge und Methylsalicylat teilen sich die Aufgaben von Milchsäure:

Einlegen in ein paar Tropfen 10-20% KOH löst Gewebereste auf (bei Zimmertemperatur über Nacht) und hellt das Präparat etwas auf. In Deutschland ist Kalilauge zum Beispiel bei Morphisto recht günstig zu erhalten. Man braucht keine grossen Menge und kann sie auch ein paar Mal wiederverwenden. Nach dem Mazerieren habe ich das Präparat zum Neutralisieren kurz in 70% Alkohol mit einem Tropfen Milchsäure gewaschen, und danach in reiner Milchsäure mikroskopiert, bevor es in die Färbelösung überführt wurde.

Chlorazolschwarz ist nicht gesundheitsfördernd, wird aber auch für Insektengenitalien regelmässig verwendet und scheint der Langlebigkeit der Entomologen nicht zu schaden. Es ist ein extrem effizienter Farbstoff, von dem minimale Mengen ausreichen. Die Färbung in 1%iger wässriger Lösung ist in wenigen Sekunden abgeschlossen (ich habe übrigens 70% Alkohol als Lösemittel verwendet; das schien auch zu funktionieren). Man muss nur sehr aufpassen, dass man das Präparat nicht in der tiefschwarzen Färbelösung verliert (das passiert unglaublich leicht ;)) -- ich muss noch herausfinden, wie man das am besten vermeidet; vielleicht indem man die Färbung auf einem Objektträger oder Uhrglas durchführt, nicht in einem Probenröhrchen. Die Untersuchung erfolgte danach wieder in Milchsäure, nach kurzem Waschen in 70% Alkohol.

Methylsalicylat (Wintergreen Oil) hat einen hohen Brechungsindex und führt nicht nur zu besserem Kontrast am Mikroskop, sondern macht das eingelegte Objekt auch transparent, so dass interne Strukturen sichtbar werden. In diesen Fall funktioniert das zerstörungsfrei, ist also milder als KOH oder Milchsäure. Es wirkt wie Nelkenöl und ist genauso zum Beispiel bei Amazon zu bekommen. Hiervon braucht man noch kleinere Mengen als vom KOH, nur ein-zwei Tropfen pro Präparat. 50m reichen also eine kleine Ewigkeit. Bevor ich das Objekt ins Methylsalicylat einlege (direkt auf dem Objektträger), entwässere ich es kurz in absolutem Alkohol, je nach Objektgrösse und Geduld für ein paar Minuten oder eine Stunde. Danach kommt das Objekt direkt auf einen Objektträger, ein Tropfen Methylsalicylat darauf,  und nach ein paar Minuten, oder im Fall der grösseren Dysderiden-Palpen nach einer guten Stunde, ist das Objekt transparent (das erste Foto des Harpactocrates-Palpus entstand sofort nach dem Einlegen, das zweite ein paar Stunden später).

Beste Grüsse,
Rainer

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #4 am: 2018-01-17 10:18:41 »
Hier noch ein Vergleich verschiedener Dysderiden-Palpen in Methylsalicylat:

DysderidaePedipalpsClearedComparison.jpg
*DysderidaePedipalpsClearedComparison.jpg (334.32 KB . 800x1866 - angeschaut 379 Mal)

Zumindest auf Gattungsebene scheinen die internen Strukturen sehr divers zu sein. Ob es auch artspezifische Unterschiede gibt, weiss ich natürlich nicht, und auch nicht, wie sehr sich Individuen innerhalb einer Art unterscheiden. Aber diese Experimente sollen ja auch nicht nur zur Artbestimmung dienen, sondern ich hoffe, dass ich auf diese Weise auch ein besseres Verständnis entwickele, wie diese komplexen Miniaturmaschinen eigentlich funktionieren, was am Ende vielleicht auch der Bestimmung zugutekommen würde.

Die Dysderiden sind da natürlich nur ein Anfang: bei Linyphiiden und Araneiden wird es nochmal Welten komplizierter). Die Art, wie Proszynski auf der Notwendigkeit von aufwändigen Genitalpräparaten herumreitet, nach dem Motto "Trau keinem ohne Färbung", lässt mich aber vermuten, dass es auch bei Gruppen mit relativ simplen Strukturen noch einiges zu entdecken gibt, was einem beim Routinebestimmen entgehen würde.

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #5 am: 2018-01-18 06:18:25 »
Da in meinem Umfeld gar nicht so wenig Menschen fortgeschrittenen Alters (ü 50) von Krebsleiden betroffen sind, möchte ich Methylenblau nicht verwenden. Hast Du Ahnung von den anderen Färbemitteln, die bei Bioform angeboten werden?

Eosin-Rot Pulver ca. 5 gr.-Röhrchen
Zur Herstellung einer ca 1%-igen Lösung in Ethanol 96 %, für Genitalpräparation Insekten. Alkohol- und wasserlöslich.
Gefahrenklassifikation: X = reizend; Reizt die Augen.

Methylenblau nach Loeffler alkalisch Pulver 5gr.-Röhrchen
Zur Herstellung einer ca 1%-igen Lösung in Ethanol 96 %, für Genitalpräparation Insekten und für Bakterienfärbung.
Gefahrenklassifikation: X = reizend: Gesundheitsschädlich beim Verschlucken.

Methylenblau, 25 ml Lösung Euromex
Für Genitalpräparation und Bakterienfärbung.

Ich habe jetzt mal Methylenblau-Lösung bei Bioform bestellt. Das Grünöl probiere ich auch mal aus.

Martin

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #6 am: 2018-01-18 07:14:10 »
Hallo Martin,
Ich hatte gestern ein bisschen herumgesucht, ob es zu den anderen Farbstoffen arachnologische Erfahrungsberichte gibt, konnte aber nichts finden. Ich bin also gespannt, wie Deine Experimente ausgehen werden. Eine weniger gesundheitsschädliche Alternative wäre natürlich zu bevorzugen.
Beste Grüße,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #7 am: 2018-01-25 12:56:52 »
So, hier mal der Pedipalpus von Ero furcata nach einer Nacht in Green Oil in 70% Alkohol auf Gleitcreme fotografiert; Hintergrund eine Neutralgrau-Karte. Natürlich fehlt hier der direkte Vergleich zu 'ohne Einweichvorgang'. Auch wenn die Aufnahme ganz schick geworden ist und (im 3. Versuch) auch perfekt ausgerichtet ist, scheint mir der Unterschied zu nicht eingelegten Pedipalpen (z.B. auf den Seiten von Pierre), wenn überhaupt erkennbar, marginal zu sein. Da muss ich warten, bis ich einen geeigneteren Kandidaten mit weniger signifikanter Struktur finde. Z. B. Segestria.

Das Methylen Blue ist auch eingetroffen. Da muss aber erst schauen, dass ich eine präparationswürdige Epigyne finde. Vielleicht nehme ich einfach das Weibchen von E. furcata. Heute wird es damit jedoch nichts mehr.

Martin

Ero_furcata_Pedipalpus-links_2017-10-14.jpg
*Ero_furcata_Pedipalpus-links_2017-10-14.jpg (74.18 KB . 800x534 - angeschaut 340 Mal)

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #8 am: 2018-01-25 18:01:48 »
Hallo Martin,
Das Foto ist, wie Du schon sagst, durchaus zeigenswert, aber einen Unterschied zu den traditionellen Alkoholbildern bei Pierre sehe ich auch nicht. Das hat aber wohl einen einfachen Grund: sobald man das Präparat aus dem Wintergreen Oil in wässrigen Alkohol überführt, wird es wieder genau so trüb wie zuvor. Man muss also direkt im Öl fotografieren. Das Ausrichten wird dann natürlich ein bisschen schwieriger, aber die Standardansichten funktionieren mit einem Objekträger mit Vertiefung nicht schlecht (Blockschälchen sind natürlich keine Option, bei diesen edlen, aber übelriechenden Extrakten), und wer's genauer braucht, liest bei Coddington nach.
Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #9 am: 2018-01-26 08:41:17 »
OK, lecker riecht das Öl nicht, aber dafür ist es nicht so penetrant wie Nelkenöl. Unter einem Hohlschliff-Objektträger hatte ich den Pedipalpus über Nacht im Öl eingeweicht; so war er leicht wieder zu finden. Zum Ausrichten auf Gleitcreme benötige ich aber etwas mehr Raum, als es mir der Objektträger anbietet. bei 15 € für 50 ml Öl will man natürlich sparsam damit umgehen.

Allerdings hatte ich oben etwas nicht richtig geschrieben. Ich hatte nicht in 70 % Alkohol fotografiert, sondern in 99%. Da trübt sich kaum etwas ein. Zum Fotografieren nehme ich inzwischen immer 99%.

So, num muss ich die Epigyne raus schnippeln, damit ich morgen das Färben testen kann.

Martin

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #10 am: 2018-01-26 09:53:53 »
Hmm, das ist interessant: der absolute Alkohol mischt sich natürlich trübungsfrei mit dem Öl, aber ich habe den Verdacht, dass der Transparenzeffekt trotzdem verloren geht. Der beruht ja auch dem hohen Brechungsindex des Mediums, und der ist beim Alkohol viel geringer. Wenn Du den Palpus noch hast, wäre es interessant, ihn nochmal direkt im Öl auf dem Objektträger zu untersuchen. Nicht perfekt ausgerichtet, sondern nur um zu sehen, ob er wirklich nicht durchsichtiger wird, als auf dem Foto. Das kann man zum Beispiel an der Tibia testen, wo man die Haare auf der Gegenseite sehen müsste.

Auf die Färbungsresultate bin ich sehr gespannt. Am Wochenende hatte ich nochmal einen Versuch mit einer Hersiliola-Epigyne gemacht, habe sie aber zu lange in der Färbelösung gelassen. Die fast schwarzen Strukturen waren danach kaum besser zu interpretieren, als das ungefärbte Objekt. Da muss man sich wohl langsam an die richtigen Inkubationszeiten herantasten und auch ein paar Fehlschläge einkalkulieren. Vielversprechend sind sicher vor allem Epigynen mit fein membranösen internen Gangsystemen. Haplogynae natürlich, aber auch Wiehle erwähnt einige Arten, wo selbst er mit seinen scharfen Augen Schwierigkeiten hatte, den Verlauf zu verfolgen.

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #11 am: 2018-01-26 13:59:56 »
Ich hatte eben, die Epigyne von Ero furcata und den Pedipalpus von Dicymbium tibiale in Öl gelegt; da kann ich natürlich auch gleich mal Tibia 1 von zweiterer einlegen1. Wenn es hier schon nach Mineralöl stinkt, kommt es auf einen Tropfen mehr auch nicht an.

1: Das schaffe ich jetzt nicht mehr vor dem Dienst.

Bis morgen!

Martin

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #12 am: 2018-01-26 23:56:04 »
Das Benetzungsvermögen des Green Oil ist wirklich miserabel; das muss ich wirklich sagen. Es ist kaum möglich, darin etwas einzulegen – etwas drauf schwimmen zu lassen, ist dagegen sehr einfach. Mit Alkohol lässt es sich nicht mischen, wohl aber mit Nelkenöl, dessen physikalisches Verhalten weit aus besser ist. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man dann nicht gleich Nelkenökl nimmt – und die gängige Praxis zeigt, dass die meisten ohnehin Nelkenöl nehmen. Der Nachteil ist: Nelkenöl ist leicht gelblich, Green Oil kristallklar.

Wo wir schon mal bei den Ölen sind. In der Küche fand ich noch ein Fläschchen Pfefferminzöl (100 ml für 4,99 € von Aldi; Markenname: St. Christoph Japanisches Heilpflanzenöl). Es fließt ähnlich wie Nelkenöl und ist kristallklar. Mit Glück ist das billigere das beste. Mit Wintergreen Oil lässt es sich nicht so gut mischen; es erzeugt sichtbare Schlieren; aber wie es scheint, verschwinden die Schlieren nach kurzer Zeit. Vielleicht macht es auch der Mix! Es bleibt spannend.

Martin

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #13 am: 2018-01-27 10:32:27 »
Über Nacht wurden die Weichkomponenten der Pedipalpus von Dicymbium tibiale nahezu vollständig durchsichtig. Eigentlich wollte ich den Pedipalpus auf KY umbetten, aber ich bekam ihn mit der Pinzette nicht zu Fassen. Da dachte ich, ich könne ihn auch einfach dort fotografieren.

Während des Umlagerns des Blockschälchens unter die Fotoeinrichtung muss es zu Erschütterungen gekommen sein und das Bein lag nun auf dem Pedipalpus. Vorsichtig friemelte ich die beiden Teile mit einer Pinzette auseinander. Erst nach dem Stacken bemerkte ich, dass sich der Pedipalpus dadurch umgedreht hatte und ich ihn praktisch von der Rückseite gestackt hatte.

Dicymbium_tibiale_LP.jpg
*Dicymbium_tibiale_LP.jpg (75.58 KB . 800x534 - angeschaut 313 Mal)

Soweit erstmal. Weiteres später.

Gruß

Martin

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #14 am: 2018-01-27 10:33:13 »
Das Problem mit dem mangelnden Benetzungsvermögen hatte ich noch nicht. Vielleicht liegt es an einem kleinen Unterschied im Arbeitsablauf: ich lege das Material nicht im Öl ein, sondern lege es auf den Objektträger und tropfe das Öl darauf. Zum Schwimmen kam es da noch nie. Ein anderer Faktor ist vielleicht auch der Zwischenschritt in 100% Alkohol, aber den lasse ich auch manchmal weg, ohne weitere Probleme.
Beste Grüße,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #15 am: 2018-01-27 10:36:56 »
Der Zwischenschritt ist nicht 99 % Alk, sondern nun wieder 70 %, weil ich die Tiere in 70 % sammle und aufbewahre. Aber eine kleine Beigabe Pfefferminzöl eliminiert das Problem.

Die Teile von D. tibiale lagen nach einer Nacht aber perfekt eingebettet und das Öl erschien mir dünnflüssiger. Vielleicht spielen Restanhaftungen von Alk tatsächlich eine Rolle? Andererseits sehe ich aber auch, wie schlecht unverdünntes Wintergreen Oil am Glas haftet.

Wie ich es mit dem Färbungsmittel anstellen muss, da habe ich noch keine Idee. Schließlich liegt es in wässriger (?) Lösung vor. Sein Etikett gibt nicht viel her; darauf steht:

"euromex MICROSCOPES-HOLLAND
PB:5297
METHYLENE BLUE
COLORING FLUID"

Martin

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #16 am: 2018-01-27 17:26:16 »
Ich finde das alles hier extrem spannen, bitte weiter berichten.

Jürgen

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #17 am: 2018-01-27 20:59:48 »
Nur kurz zum Methylen Blau: Eingefärbt werden praktisch nur die Gewebereste eingefärbt, welche durch das Mazerieren ja eigentlich verschwinden sollen. Zumindest nach Einwirkzeit von wenigen Minuten. Das ist dann sozusagen eine negative Erfolgskontrolle.

Ero_furcata_Epi_methylenblue.jpg
*Ero_furcata_Epi_methylenblue.jpg (87.66 KB . 800x534 - angeschaut 304 Mal)

Das Bild der Epigyne von Ero furcata ist daher nicht so besonders hitverdächtig.

Martin
« Letzte Änderung: 2018-01-28 05:25:48 von Martin Lemke »

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #18 am: 2018-01-29 07:09:11 »
Ich habe heute keine Mühe gescheut, die Epigyne von Notioscopus sarcinatus zu präparieren. Die Epigyne ist samt ihrem rausoperiertem Haut- und Gewebefetzen ganze 2/10 mm breit und entsprechend schwierig zu handhaben. Meine feinste Dumont-Pinzette ist dafür zu grob.

Die einzige Möglichkeit, dieses Objekt aufzunehmen, besteht darin, umgebende Flüssigkeit so weit es geht weg zu nehmen und die Epigyne mit einem kleinen mit der Pinzette gehaltenes Stückchen Papier quasi anzusaugen und umzubetten. Zunächst überführte ich die Epigyne auf diese Weise auf einen mit Milchsäure benetzten Holhlschliffobjektträger. Danach entzündete ich im Alu-Schraubdeckel einer Mineralwasserflasche ein mit 99% Spiritus geträngktes Stückchen Zellstoff (Klopapier); über diesem rußfreien Minibrenner hielt ich den Objektträger und erhitzte die Milchsäure mit der winzigen Epigyne ein paar Sekunden lang. Diese wurde sofort klar.

Operationen von Epigynen erledige ich seit geraumer Zeit mit 0,4 mm dünnen Kanülen (Gr. 20), die ich auf einen Pinselstiel stecke. Die sind fein, elastisch steif und an der Spitze sehr scharf. Damit bekomme ich auch sehr kleine Epigynen heraus operiert. Ungeschickterweise hatte ich eben diese Nadel irgendwo in den Staub gelegt und habe mir prompt Probleme dadurch eingehandelt. Als ich nach dem Säurebad einen Objektträger auf der nicht hohlgeschliffenen Seite mit Wintergreen Oil benetzte und die Epigyne mit dem oben vorgestellte Verfahren darauf transferierte, stellte ich fest, dass die Vulva-Seite oben lag. Ich wollte aber die Epigyne oben liegen haben. Als ich versuchte, mit der Kanüle die Epigyne umzudrehen, schwärmten mikroskopisch kleine Schmutzpartikel und ein Fussel von deren Spitze aus ... *grrr*. Ich habe dann eine neue Kanüle genommen (Lehrgeld!); ich konnte die Epigyne umdrehen, aber eine daran anhaftenden Fussel bekam ich nicht weg.

Danach legte ich ein Deckgläschen auf die Epigyne. Daraufhin bildete sich eine Luftblase um die Epigyne herum (siehe unscharfes vorab-Foto):

NSarciEpig.jpg
*NSarciEpig.jpg (28.89 KB . 600x400 - angeschaut 268 Mal)
Links ein Schmutzpartikel, die Epigyne mit Fussel in einer Luftblase umgeben von Wintergreen Oil

Bei so kleinen Objekten, kann man gewissen physikalischen Effekten nicht immer ausweichen. Um Blasen zu vermeiden, bräuchte ich ein Vakuum, aber wie sollte ich innerhalb dessen, so ich denn eines herstellen könnte, hantieren? Da sehe ich allenfalls die Möglichkeit, in Euparal einzubetten, in welchem, soweit ich mich entsinne, Luftblasen von selbst verschwinden.

Nachher versuche ich mal ein besseres Foto der Epigyne zu machen. Obiges war unscharf durchs Mikroskop ohne Vibrationsprotektion und ohne richtiges Scharfstellen bei 126facher Vergrößerung.

Martin

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #19 am: 2018-01-29 08:10:28 »
Notioscopus_sarcinatus-2018-01-28_Segrahner_moor-Epigyne-manuellerstack.jpg
*Notioscopus_sarcinatus-2018-01-28_Segrahner_moor-Epigyne-manuellerstack.jpg (107.88 KB . 800x534 - angeschaut 283 Mal)

Automatik-Stack hat zu keinem akzeptablen Ergebnis geführt. Manuell aus 3 Bildern ist nun dieses. Kein WOW!-Bild, sondern eher ein Arbeitserfolg.

Mal sehen, ob sich mit dieser winzigen Epigyne noch weitere Experimente anstellen lassen. Das Wintergreenoil kam ja nicht wirklich zum Zuge.

Martin

BTW: Ich glaube fast, dass ich ungewollt doch die Vulva fotografiert habe; die Ähnlichkeit zu Haralds Vulva-Zeichnung ist frappierend:

https://wiki.arages.de/index.php?title=Datei:Notioscopus_sarcinatus_vulva_do_HLovbrekke.jpg

Aber es wird die Epigyne sein. Die gekrümmten Samenleiter liegen bei meinem Foto deutlich im Hintergrund.

PPS: Beim Versuch die Epigyne mit Ethyleblau zu färben, wurden wieder nur Gewebereste blau. Zudem habe ich beim Hantieren versehentlich das Präparat zerstört.

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #20 am: 2018-02-17 20:51:22 »
Heute wollte ich den Pedipalpus von Pardosa sphagnicola fotografieren, aber da sich beim Mikroskopieren ein paar Schmutzkrümel in den Haaren verfangen hatten, sollten die erstmal weg. Da ich nicht alles mit meiner Mikrokopiernadel beseitigen konnte, gab ich den Pedipalpus kurzerhand in ein kleines Flachbodengläschen mit 70 % Alk und verschloss es. Diese legte ich in meinen mit Wasser gefüllten Ultraschallreiniger (den hatte ich vor Jahren zum Brillenreinigen angeschafft). Als das Gerät fertig war, drückte ich ungeprüft den Startknopf einfach nochmal.

Als ich später das Resultat kontrollierte, stellte ich fest, dass ich gerade noch Glück hatte; der Lamellensstopfen war fast draußen. Unterm Bino staunte ich: Der Pedipalpus sah sehr stark geklärt aus, fast wie über Nacht in Öl eingelegt. Mit 99% Alkohol und KY-Creme traten wieder störende Gasblasen auf. Also besann ich mich auf Rainers Tipp: Das Teil in Greenoil einfach so hinlegen, wie es sich ausrichtet. Glücklicherweise (und weil ich den Palpus vorausschauend vor seiner Krümmung abgeschnitten hatte) lag er perfekt im Öl.

Hier der erste Stackversuch nach Ultraschallbehandlung und in Greeen Winteroil:
Pardosa_sphagnicola_PL_NSG_Aalbekniederung.jpg
*Pardosa_sphagnicola_PL_NSG_Aalbekniederung.jpg (88.38 KB . 518x776 - angeschaut 208 Mal)

Möglicherweise war der Stack etwas zu kurz. Der Kontrast ist für meinen Geschmack sehr überzeugend.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #21 am: 2018-02-17 21:57:27 »
Ja, sieht gut aus. Aber der Stack liegt zu tief.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #22 am: 2018-02-18 04:59:53 »
Bei so kleinen Objekten, kann man gewissen physikalischen Effekten nicht immer ausweichen. Um Blasen zu vermeiden, bräuchte ich ein Vakuum, aber wie sollte ich innerhalb dessen, so ich denn eines herstellen könnte, hantieren? Da sehe ich allenfalls die Möglichkeit, in Euparal einzubetten, in welchem, soweit ich mich entsinne, Luftblasen von selbst verschwinden.
Mit Euparal habe ich diesbezüglich meistens gute Erfahrungen gemacht, die Luftblasen verschwinden sozusagen über Nacht aus dem Präparat. Das problematische an dieser Technik ist jedoch nicht die Ausrichtung der Epi oder des Palpus sondern das anschließende Auflegen des Deckglases. Hierbei verschiebt man oft die Komposition wieder in eine willkürliche Stellung und wenn das Deckglas mal aufliegt ist es vorbei mit der Ausrichtung. Man kann noch etwas Gegensteuern indem man das Deckglas vorsichtig auf dem Objektträger verschiebt, die Klebekraft von Euparal ist nicht zu verachten. Die Klarheit verbessert sich von Tag zu Tag im Rahmen der Trockenphase.

Die Technik mit diesem Greenöl interessiert mich sehr!

Jürgen

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #23 am: 2018-02-18 19:34:52 »
Ja, sieht gut aus. Aber der Stack liegt zu tief.

Dabei hatte ich im eindeutig unscharfen Bereich mit dem Stack begonnen. Vielleicht hätte ich doch kürzere Schritte nehmen müssen.

Leider stinkt die Bude Tage lang nach Greenoil. Das bremst etwas den Experimentiereifer.

@Jürgen:
Beim Fotografieren in Greenoil verwende ich kein Deckglas. Das Blasenproblem scheint nur bei Verwendung von KY-Creme mit Alkohol aufzutauchen. Den Palpus von P. sphagnicola hätte ich gern von hinten genkipst, weil man durch das Öl (oder die Ultraschallbehandlung) die inneren Sturkturen sehen konnte. Leider war innen drinnen eine Gasblase ... so wurde nichts daraus.

Martin


edit: Ich habe heute versucht, einen Pedipalpus von P. amentata in Greenoil zu fotografieren. So haarige Teile sind problematisch. An der Spitze des Cymbiums hatte sich Luft in den Haaren verfangen. Beim Versuch diese mit einer Pinzette herauszustreichen, habe ich den Pedipalpus total zerstört. Erst riss die Spitze des Cymbiums ab, dann ein weiterer Teil. Das Greenoil macht anscheinend nicht nur transparent, sondern auch mechanisch empfindlich.

Aber vielleicht bietet das Greenoil durch Sichtbarmachen der inneren Palpenstrukturen die Möglichkeit, ähnlich Pardosa-Pedipalpen etwas besser unterscheidbar zu machen? Im Moment muss man bei einigen Arten (z.B. P. monticola) sehr kleine Details beachten. – Ich sollte lieber Methylsalicylat anstatt Wintergreenoil sagen.

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #24 am: 2018-02-25 09:00:46 »
Seit gestern bin ich auch Besitzer von 50 ml Wintergreen Oil, werde es bei Gelegenheit testen, den Geruch finde ich gar nicht mal so schlimm.

Jürgen

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #25 am: 2018-02-25 14:31:10 »
Hier mal mein erstes Ergebnis mit dem Wintergreen Oil. Was mir Probleme bereitet, der Palpus (Leptypantes leprosus) bewegt sich bei der kleinsten Erschütterung, sprich wenn ich mit dem Feintrieb am Mikro zw. stacken drehe, wackelt der Palpus schon und ich produziere nur Ausschuss. Kann man das Öl mit was "zähflüssigen" z.B. Gleitgel strecken? Das Ausrichtigen wird dadurch ebenfalls sehr erschwerrt!
Fürs erste bin ich sehr positiv überrascht, die Transparenz des Palpus ist überwältigend, unterm Bino noch besser als am Foto zu erkennen.


Gruß Jürgen


Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #26 am: 2018-02-25 18:03:28 »
Und hier nochmal der selbe Palpus von Lepthypantes leprosus in einer anderen Ansicht. Beim ersten Foto hatte ich keine bewusste  Lageänderung durchgeführt, er ist  im Gegensatz zum ersten Beitrag einfach etwas "weitergeschwommen".

Jürgen

Rainer Breitling

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #27 am: 2018-02-27 08:56:49 »
Hallo Jürgen,

Sehr schöne Bilder. Das Zittern im Öl ist mir noch nicht aufgefallen. Verwendest Du denn ein Deckglas? Ich hätte gedacht, dass der Palpus darunter festgeklemmt würde, auch wenn man einen Hohlschliff-Objektträger verwendet.

Es überrascht mich übrigens nicht, dass der transparente Palpus unter dem Mikroskop beeindruckender aussieht, als auf dem gestackten Foto. Ich könnte mir vorstellen, dass die Technik da an ihre Grenzen stösst: bei einem transparenten Objekt sind ja per Definition mehrere überlappende Ebenen gleichzeitig scharfzustellen. Ich habe schon überlegt, ob da vielleicht ein Animated GIF (oder Video?) des Focus-Stacks einen besseren Eindruck von den tatsächlichen Verhältnissen geben würde. Hat das schon mal jemand probiert?

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #28 am: 2018-02-27 10:59:01 »
Kann man das Öl mit was "zähflüssigen" z.B. Gleitgel strecken?

Auf diese Idee bin ich bislang nicht gekommen. Das ist auch nicht der Sinn des Gels.

Das Gel soll ja dickflüssig bleiben und daher eben nicht verdünnt (=vermischt = gestreckt) werden. Du gibst eine geringe Menge Gel in Dein Probengefäß, so dass er derade so dessen Boden bedeckt (z.B. mit einen Zündholz oder Pinselstiel eintupfen). Dann legst Du das Präparat darauf, wobei es zu einem gewissen Grad darin eintaucht. So richtest Du es wie gewünscht aus. Erst dann füllst Du mit Alkohol oder Öl auf bis nichts mehr durch die Oberfläche heraus ragt. Auf ein Deckglas würde ich verzichten.

Ich habe schon überlegt, ob da vielleicht ein Animated GIF (oder Video?) des Focus-Stacks einen besseren Eindruck von den tatsächlichen Verhältnissen geben würde.

Diese Idee hatte ich, als ein lose im Öl liegender Pedipalpus während des Stackens zu wandern begann. Allerdings fehlte mir die Kenntnis, wie ich so einen Stack mit PS in ein animiertes GIF/PNG umwandeln kann. Meinen Intention war allerdings, das Missgeschick zu illustrieren.



Martin

edit: Hier noch ein richtiger Stack als animiertes GIF (externer Link) 6,6 MB (50 Einzelbilder – an den Beinen kann man die Stacktiefe am besten verfolgen)
« Letzte Änderung: 2018-02-27 19:27:20 von Martin Lemke »

Jürgen Guttenberger

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Re: Chemische Spielereien
« Antwort #29 am: 2018-03-01 18:09:17 »
@Rainer, Ich hab für diese Aufnahmen kein Deckgals verwendet, wäre aber mal ein Versuch wert. Dieser Palpus liegt in einem Hohlschliff-Objektträger, wobei ich mir bei so einer Palpusgröße vorstellen kann, dass ein "normaler Objektträger" auch passen würde.
@Martin, ich will das Öl ja nicht verdünnen, sondern verdicken, sprich zähflüssiger machen, da ich dadurch die Verwacklungen, Schwimmungen, vermeiden möchte. Momentan genügt schon mein Atem in 30 cm Abstand um Bewegungen zu erzeugen.
Hier noch eine Aufnahme mit dem 10er Objektiv, die anderen Aufnahmen entstanden mit einem 3,2 er. Das 10er ist grenzwertig, da die Vergrößerung doch erheblich ist.
PS. der Palpus liegt jetzt seit Sonntag im Öl, die Klarheit verändert sich mit der Zeit nicht mehr ins positive, bleibt gleichbleibend "gut".
Gruß Jürgen