Autor Thema: epigyneal hoods? <=  (Gelesen 640 mal)

Viktoria Wegewitz

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epigyneal hoods? <=
« am: 2018-02-16 13:19:27 »
Hallo,

hier die Ventralansicht eines adulten Männchens von Pholcus phalangioides. Wenn 1 die rechte Bücherlunge ist und 4 die Struktur ist, wo das Sperma durch eine kleine Öffnung in der Epigastralfurche nach außen abgegeben wird, was sind dann 2 und 3?

Das zweite Bild zeigt ein adultes Weibchen. Könnte die Struktur, worauf der Pfeil zeigt, homolog zu 2 und 3 von oben vom Männchen sein?

Simeon hat folgende Vermutung aufgestellt: "Das haben die meisten Spinnen, X-P Wang nennt diese Struktur bei Coelotes und verwandte "epigynal hoods" (wenn es wirklich dieselbe ist)."

Was für eine Funktion könnten diese Strukturen haben? Sinnesansammlungen?

Viktoria
« Letzte Änderung: 2018-03-29 20:52:58 von Katja Duske »

Viktoria Wegewitz

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Re: epigyneal hoods? <-- korrekt
« Antwort #1 am: 2018-03-27 15:00:56 »
Hallo,

ich habe mit Prof. Dr. Gabriele Uhl von der Universität Greifswald gesprochen. Sie schreibt:

"Ja, es handelt sich hier um die sogennannten „anterior epigyneal hoods“. Was deren Funktion ist, ist nicht ganz klar. Seitlich scheinen innen Muskeln anzusetzen."

Grüße Viktoria

Viktoria Wegewitz

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Re: epigyneal hoods? <-- korrekt
« Antwort #2 am: 2018-03-27 19:43:48 »
Vielleicht sind es ja Führungsvertiefungen für die Palpen, die bei der Begattung helfen.

Rainer Breitling

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Re: epigyneal hoods? <-- korrekt
« Antwort #3 am: 2018-03-27 23:22:04 »
Hallo Viktoria,
Bei Spinnen mit Retrolateralapophyse dienen die "epigynal hoods" tatsächlich als Führungsstrukturen bei der Paarung. Bei Pholcidae ist mir der Begriff aber noch nicht begegnet. Auf den Fotos wird mir auch nicht ganz klar, ob es sich überhaupt um Vertiefungen ("hoods") handelt, die irgendetwas führen oder verankern könnten. Die Paarung von Pholcus phalangioides wurde ja so detailliert untersucht, wie bei kaum einer anderen Art, durch Gerhardt, Uhl, Huber, Senglet, und keine dieser Arbeiten erwähnt solche anterioren Strukturen oder eine mögliche Funktion. Auch auf Fotos der Paarung ist kein Kontakt in dieser Region zu sehen. Sollte er stattfinden, dann wohl am ehesten mit den Trochanter-Apophysen des männlichen Palpus, um Gegendruck bei der Einführung der Palpen zu erzeugen, ähnlich wie Senglet das für Ph. opilionides beschreibt. Wenn das der Fall ist, dann scheint es bisher übersehen worden zu sein. Wieder einmal eine Aufgabe für aufmerksame Beobachter hier im Forum...
Beste Grüße,
Rainer

Martin Lemke

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Re: epigyneal hoods? <-- korrekt
« Antwort #4 am: 2018-03-31 10:36:38 »
Auf den Fotos wird mir auch nicht ganz klar, ob es sich überhaupt um Vertiefungen ("hoods") handelt, die irgendetwas führen oder verankern könnten.

Leo.org gibt als Übersetzung für „hood“ im Wesentlichen an: Kapuze, Haube, Kappe, Klappe – „Vertiefung“ ist nicht darunter (leo). Wenn dem ein Muskel ansitzt, ist die Bedeutung „Klappe“ am wahrscheinlichsten.

Allerdings hilft uns das nicht weiter, weil sich ein funktionaler Sinn auch dann nicht aufdrängt, wenn man das Thema Kopulation außer Acht lässt – zumal diese Struktur geschlechtsübergreifend vorhanden ist. Vielleicht ein Relikt? Aber mit solchen Annahmen muss man vorsichtig sein1. Wenn man bedenkt, dass Spinnen innerhalb weniger Generationen ihre Augen verlieren, wenn sie in Dunkelheit leben (z.B. in Höhlen), muss man annehmen, dass diese Struktur sehrwohl benötigt wird.

Ich muss für mich sagen, dass ich nicht alle sichtbaren Strukturen funktionell hinterfrage. Das Thema Spinnen kann so vielseitig betrachtet werden, dass es seine Faszination nie verliert.

Martin


1: In meiner Kindheit dachte man noch, der Blinddarm sei überflüssig (ebenso die Mandeln) zum Nachteil solcher, denen letztere anlässlich einer Mandelentzündung leichtfertig entfernt wurden.