Autor Thema: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)  (Gelesen 647 mal)

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Es gibt ein paar klar abgrenzbare Arten, die nicht wirklich einen eigenen Namen haben. Mich nervt das besonders bei sehr häufigen Arten, mit denen ich oft zu tun habe.

Vielleicht kann es mir jemand schlüssig erläutern?

1. Warum heißt Dicymbium nigrum brevisetosum nicht einfach Diycymbium brevisetosum?
2. Warum heißt Erigone arctica maritima nicht einfach Erigone maritima1?

Bzw. was braucht es, um die Arten offiziell umzubenennen?

Bevor die Frage aufkommt, was mich daran stört: Unnötige Diskussionen. Bei der letzten Roten Liste Schleswig-Holsteins (Lemke et al. 2013) konnte ich mich gegenüber Prof. Irmler nicht durchsetzen und die entsprechenden Arten wurden darin (in meinen Augen falsch!) als Dicymbium nigrum und Erigone arctica gelistet.

1: Hier hat vor Jahren mal jemand einen entsprechenden Artikel angefangen, aber nie fertiggestellt (BLICK in. litt.).

Martin

Jürgen Guttenberger

  • ****
  • Beiträge: 2446
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #1 am: 2018-04-03 09:37:31 »
Vielleicht hilft dir hier ein wenig?

Gruß Jürgen

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #2 am: 2018-04-03 09:53:53 »
Vielleicht hilft dir hier ein wenig?

Nur geringfügig. Theo geht davon aus, dass alle Nachweise im Norden D. n. brevisetosum sind; allerdings mischen sich beide Arten bereits in NRW. In sofern kann man zumindest in Schleswig-Holstein D. n. brevisetosum-Weibchen bestimmen (zu Deiner Frage in dem verlinkten Thread).

Meine Frage ist aber grundsätzlicher Natur – weshalb definiert man überhaupt Unterarten für klar abgrenzbare Arten? Für mich als jemandem, der nicht Biologie studiert hat, ergeben sich manchmal solche Fragen weil mir das notwendige Grundlagenwissen fehlt und ich hoffe, sie können beantwortet werden. Ähnlich wie mit dem Aufräumen mit Phantomarten finde ich es sinnvoll, (in meinen Augen) unnötige Unterarten zu einem eindeutigen Artstatus zu verhelfen. Es sei denn, mir kann jemand schlüssig erklären, weshalb die Definition als Unterart sinnvoll und richtig ist. – Im Moment sehe ich nur Nachteile.

Es gibt ja auch andere klar getrennte Arten, bei denen man im Regelfall die Weibchen nicht voneinander unterscheiden kann; z. B. Philodromus albidus/rufus, bzw. überhaupt nicht Pardosa lugubris/saltans.

Martin

Simeon Indzhov

  • ****
  • Beiträge: 1719
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #3 am: 2018-04-03 10:19:19 »
Rainer wird dir sicherlich mehr helfen, aber ich glaube, dass das Problem bei Dicymbium nigrum s.l. war, dass die Weibchen beider Formen ununterscheidbar sind - was in der Vergangenheit Argument für Unterartstatus war (siehe auch Alopecosa fabrilis trinacriae). Das Konzept hat sich mittlerweile verändert (Kraus 2001, "Why no subspecies in spiders"), aber der taxonomische Status der Formen nicht. Grundsätzlich muss man eine Publikation veröffentlichen, wo sich überzeugende Argumente (Sympatrie (oder auch Vikarianz?), morphologische Unterschiede in beiden Geschlechtern, Genetik) befinden.

Simeon

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1659
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #4 am: 2018-04-03 12:51:53 »
Ob ich da weiterhelfen kann, weiss ich nicht.

Was spricht denn dafür, dass es sich bei D. nigrum brevisetosum um eine gute Art handelt, und nicht nur um eine Männchenform? Eine Unterart ist es ganz sicher nicht, wie ich schon oft erklärt habe: echte Unterarten können nicht gemeinsam vorkommen, sondern nur vikariant, es sind sozusagen "Arten in der Entstehungsphase" (https://de.wikipedia.org/wiki/Allopatrische_Artbildung). Um davon ausgehen zu dürfen, dass es sich um zwei gute Arten handelt, auch wenn die Genitalien identisch sind, müsste man zeigen, dass es trotzdem zwei getrennte Fortpflanzungsgemeinschaften sind. Das wäre zum Beispiel möglich, wenn sie im Überlappungsbereich klar ökologisch getrennt sind, oder wenn ihre Barcodes (wiederum im Bereich gemeinsamen Vorkommens) verschieden sind, oder wenn sie Unterschiede im Paarungsverhalten zeigen, oder wenn Hybride unfruchtbar oder anderweitig benachteiligt sind. Männchen-Dimorphismus gibt es bei Zwergspinnen ja häufiger, das wäre also erstmal nicht unerwartet. Und die unterschiedliche Häufigkeit der einen oder anderen Form in verschiedenen Gegenden spricht auch nicht dagegen; die Häufigkeit der brevisetosum-Gene kann ja geographisch variieren.

Bei Erigone arctica sieht es ähnlich aus: was ist denn das Argument dafür, dass es sich bei maritima nicht um eine geographisch Variante (in diesem Fall vikariant, deshalb möglicherweise eine Unterart) handelt? Die Experten, die sich das bisher angeschaut haben, sind sich da nicht so sicher (z.B. Tanasevitch 2013). Genetisch sind sich selbst die morphologisch gut zu unterscheidenden Erigone-Arten so ähnlich, dass ich nicht erwarten würde, dass es sich bei den "Unterarten" von E. arctica (es gibt da ja noch einige mehr) um kryptische gute Arten handelt. Aber vielleicht hast Du ja auch hier zusätzliche Informationen?

Unabhängig von Artstatus und Nomenklatur wäre es natürlich gut, wenn Rote Listen, Verbreitungsatlanten und Kataloge ein sauberes Verfahren entwickelten, Unterarten und andere Varianten zu dokumentieren. Das bisherige Vorgehen, das nicht zwischen Art und nominotypischer Unterart unterscheidet, führt zu Verwirrung und Informationsverlust. Die Verbreitungskarten von E. arctica bei araneae.unibe.ch sind ein gutes Beispiel: sie sind völlig unsinnig, denn natürlich kommt die Art in Deutschland vor, in der Unterart E. a. maritima; nur die nominotypische Unterart (E. arctica arctica) gibt es da nicht. Diese fehlt aber in ganz Europa -- die Pedipalpen-Abbildungen auf derselben Seite schmeissen die Unterarten ebenfalls bunt durcheinander; die SEM-Abbildungen gehören ausdrücklich zu einer Form, die es in Europa nicht geben sollte... Alles ein grosses Chaos, und bloss, weil irgendjemand in der Urzeit der Arachnologie das Unterartkonzept nicht ganz verstanden hatte (Roewer?). Für Hintergrundinformationen siehe auch: https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/rasse/55694

Beste Grüsse,
Rainer

PS: Und noch ein bisschen mehr Diskussion gibt es hier: https://forum.arages.de/index.php?topic=22553
PPS: Und für die Fans englischsprachiger Fachliteratur ist vielleicht auch diese Arbeit interessant: http://journals.plos.org/plosone/article/file?id=10.1371/journal.pone.0172349&type=printable
« Letzte Änderung: 2018-04-03 14:32:53 von Rainer Breitling »

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #5 am: 2018-04-04 01:22:30 »
Was spricht denn dafür, dass es sich bei D. nigrum brevisetosum um eine gute Art handelt, und nicht nur um eine Männchenform?

Nach meinem Verständnis die Tatsache, dass in den Nordstaaten (ab dem Niedersächsischen Tiefland nordwärts) nur die eine Form vorkommt. Wenn es nur eine Variation ist (ähnlich wie bei den Kopfformen einiger Oedothorax-Arten, die ja auch nicht namentlich unterschieden werden), warum heißt diese Art dann nicht einfach D. nigrum und rechtfertigt damit die Gleichmacherei?

Ich habe Deinen Hinweis nicht überlesen, dass die verschiedenen Formen nicht überall in gleicher Häufigkeit vorkommen müssen. In den Nordstaaten kommt sie allerdings nach derzeitigem Erkenntnisstand gar nicht vor; das ist etwas anderes als 'seltener'.

Bei boldsystems.org gibt es leider nur einen einzigen Datensatz zu D. nigrum brevisetosum  und zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass alle von mir bei GBOL eingereichten D. nigrum brevisetosum allesamt unter D. nigrum abgelegt wurden. Das Vernichten von Daten ist anscheinend leider weit verbreitet. Ich könnte allenfalls anhand der Sammlungsnummern nachsehen, welche von meinen Proben ich als D. nigrum brevisetosum eingereicht hatte. Eine andere Frage ist es, ob solche Proben überhaupt sequenzeiert wurden.

Zitat
Eine Unterart ist es ganz sicher nicht, wie ich schon oft erklärt habe: echte Unterarten können nicht gemeinsam vorkommen

So weit habe ich es nicht analysieren können. Ich weiß nur, dass D. nigrum brevisetosum und D. nigrum nigrum in NRW vorkommen. Um zu unterscheiden, ob sie in identischen Biotopen vorkommen, fehlt es im Atlas an Daten. Biotope werden ja erst neuerdings angegeben, ebenso konkretere Koordinaten. Mit dem Atlas kommen wir in dieser Frage nicht weiter und eine andere Quelle kenne ich nicht. Ökologische Angaben zu den unterschiedlichen Arten sind in der Literatur ja auch spärlich gesäht. Selbst bei möglicherweise grundsätzlicher Besiedelung ähnlicher Habitate kann man ja nicht grundsätzlich ausschließen, dass tatsächlich unerschiedliche Biotope ähnlicher Beschaffenheit bedieselt werden und somit die fraglichen Arten evtl. tatsächlich nicht auf den geographisch selben Standorten vorkommen.

Zu Erigone arctica maritima habe ich nur die Info von Theo. Nämlich dass er bedauert, dass diese argumentativ gut aufgebaute Arbeit nicht fertiggestellt wurde. Die Inhalte kenne ich nicht.

Um nicht missverstanden zu werden. Mir geht es in erster Linie darum, zu verstehen. Aber wie es aussieht, sind die Fälle eigentlich unklar.

PS: Und noch ein bisschen mehr Diskussion gibt es hier: https://forum.arages.de/index.php?topic=22553

Au weia! Ich habe das schon mal gefragt und den Thread wieder vergessen. :-(

Aber es zeigt, dass ich mit diesen Fragen noch nicht voran gekommen bin. Wenigstens macht der WSC nicht aus zwei eins. Wie ich sehe, gibt es keine einfach nachvollziehbare Erklärung.

Martin

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1659
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #6 am: 2018-04-04 08:58:46 »
Nach meinem Verständnis die Tatsache, dass in den Nordstaaten (ab dem Niedersächsischen Tiefland nordwärts) nur die eine Form vorkommt.
Eine Nord-Süd-Trennung kann ich in der bekannten Verbreitung aber nicht sehen. D. (n.) brevisetosum scheint auch in Österreich und der Tschechischen Republik vorzuherrschen, in Irland dagegen die nominotypische Unterart. Also vielleicht ein Ost-West-Gradient?

Zitat
Wenn es nur eine Variation ist (ähnlich wie bei den Kopfformen einiger Oedothorax-Arten, die ja auch nicht namentlich unterschieden werden), warum heißt diese Art dann nicht einfach D. nigrum und rechtfertigt damit die Gleichmacherei?
Die "Art" heisst doch schon einfach D. nigrum; das ist ja gerade das Problem. Viele neuere Arbeiten führen D. brevisetosum weiterhin als gute Art, und wahrscheinlich hätte das weniger Konfusion zur Folge.

Zitat
Bei boldsystems.org gibt es leider nur einen einzigen Datensatz zu D. nigrum brevisetosum  und zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass alle von mir bei GBOL eingereichten D. nigrum brevisetosum allesamt unter D. nigrum abgelegt wurden. Das Vernichten von Daten ist anscheinend leider weit verbreitet. Ich könnte allenfalls anhand der Sammlungsnummern nachsehen, welche von meinen Proben ich als D. nigrum brevisetosum eingereicht hatte. Eine andere Frage ist es, ob solche Proben überhaupt sequenzeiert wurden.
Leider würde das auch nicht weiterhelfen, weil man ja nie weiss, ob die von anderen Sammlern als D. nigrum gemeldeten Exemplare wirklich zu der langhaarigen Form gehören.

Zitat
So weit habe ich es nicht analysieren können. Ich weiß nur, dass D. nigrum brevisetosum und D. nigrum nigrum in NRW vorkommen.
Das ist mir neu. Kreuels und Buchholz waren noch 2009 der Meinung, dass dort nur brevisetosum vorkommt. Hast Du neuere Daten?

Zitat
Um zu unterscheiden, ob sie in identischen Biotopen vorkommen, fehlt es im Atlas an Daten.
Ich dachte, der Atlas folgt dem WSC und unterscheidet D. nigrum nigrum gar nicht von D. nigrum s. lat.?

Zitat
Wenigstens macht der WSC nicht aus zwei eins.
Nein, viel schlimmer: er macht aus zwei anderthalb. Ein grosses Kuddelmuddel, das (ich habe nachgeschaut) bereits auf Bonnet und Roewer zurückgeht. Auch die unterscheiden in ihren Katalogen nicht zwischen der Art und der nominotypischen Unterart. Das ist das eigentliche Problem bei der ganzen Sache, und bis das gelöst ist, wäre es tatsächlich aus ganz pragmatischen Gründen besser, wenn man brevisetosum (und ähnliche Fälle) nomenklatorisch als gute Art behandelte, ganz egal ob das zur Biologie passt. Auf die Weise ginge wenigstens keine Information verloren.

Beste Grüsse,
Rainer

Michael Hohner

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4577
  • Wo ist nun der versprochene Wurm?
    • Meine Spinnenfunde in Bayern
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #7 am: 2018-04-04 13:11:07 »
Nur zum Atlas: Im Atlas gibt es Dicymbium nigrum s. l., Dicymbium nigrum (= Dicymbium nigrum nigrum) und Dicymbium nigrum brevisetosum.

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1659
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #8 am: 2018-04-04 15:38:16 »
Nur zum Atlas: Im Atlas gibt es Dicymbium nigrum s. l., Dicymbium nigrum (= Dicymbium nigrum nigrum) und Dicymbium nigrum brevisetosum.
Das ist aber so leider nicht ganz konsistent. Dicymbium nigrum ist nun einmal nicht "= Dicymbium nigrum nigrum", solange man gleichzeitig Dicymbium nigrum brevisetosum als Unterart führt. Woher soll denn ein Nutzer wissen, dass sich der Artname nur auf eine der beiden Unterarten beziehen soll? Bei manchen Quellen bezweifle ich auch, dass der ursprüngliche Nachweis diesen Unterschied gemacht hat. Melden die wirklich alle ausdrücklich die langhaarige Unterart oder gebrauchen manche den Namen vielleicht doch "s.lat."? (Eine Ausnahme sind natürlich Fälle, wo die Quelle beide Unterarten meldet, aber selbst dann bleiben manchmal Zweifel, z.B. bei Martins D. nigrum (nigrum?) aus SH. Die soll es da nach seinen Angaben ja überhaupt nicht geben.) Es bleibt schwierig...
Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #9 am: 2018-04-05 10:36:54 »
Zitat
So weit habe ich es nicht analysieren können. Ich weiß nur, dass D. nigrum brevisetosum und D. nigrum nigrum in NRW vorkommen.
Das ist mir neu. Kreuels und Buchholz waren noch 2009 der Meinung, dass dort nur brevisetosum vorkommt. Hast Du neuere Daten?

Ich beziehe mich da auf den Atlas.

Allerdings stelle ich gerade fest: Unglücklicherweise gibt es auch von mir Nachweise von D. nigrum für SH und MV – das kann eigentlich so nicht korrekt sein:
Dicymbium_nigrum_Atlas.PNG
*Dicymbium_nigrum_Atlas.PNG (120.42 KB . 471x333 - angeschaut 112 Mal)

Ich kann mich nicht entsinnen, jemals die reine D. n.-Form bestimmt zu haben.

Nach meinem Verständnis die Tatsache, dass in den Nordstaaten (ab dem Niedersächsischen Tiefland nordwärts) nur die eine Form vorkommt.
Eine Nord-Süd-Trennung kann ich in der bekannten Verbreitung aber nicht sehen. D. (n.) brevisetosum scheint auch in Österreich und der Tschechischen Republik vorzuherrschen, in Irland dagegen die nominotypische Unterart. Also vielleicht ein Ost-West-Gradient?

Es ist eine Aussage von Theo, die sich wohl nur auf die Vorkommen in DE bezeiht. Er geht davon aus, dass alle im Norden geleldeten Nachweise von D. n. als D. n. b. zu verstehen sind.

Martin

Michael Hohner

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4577
  • Wo ist nun der versprochene Wurm?
    • Meine Spinnenfunde in Bayern
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #10 am: 2018-04-06 16:01:13 »
Woher soll denn ein Nutzer wissen, dass sich der Artname nur auf eine der beiden Unterarten beziehen soll?

Weil das auch so auf der Startseite erklärt wird:

Zitat
Bei Spezies mit Unterarten ist, wenn nichts anderes angegeben ist, die Nominatform gemeint.

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #11 am: 2018-04-06 23:26:16 »
Ich habe nochmal in meinen origninalen Bestimmungsunterlagen nachgesehen. Ich habe die Machweise aus Greifswald tatsächlich als Dicymbium nigrum abgelegt, aber in einer Notiz "D. n. b." notiert – ich kann nicht mehr nachvollziehen, warum ich da so verfuhr. Ich habe diesen Eintrag jetzt in Dicymbium nigrum brevisetosum geändert. Dies betrifft im GBOL-Projekt die Proben der Nummern ZFMK-TIS-2587754 und ZFMK-TIS-2587759 und wurden auch sequenziert.

Die anderen beiden Einträge habe ich jetzt auch geändert.

13.12.2015: Bliestorfer Wald ZFMK-TIS-2569730 (sequenziert)
03.10.2016: südlich Klempau (ohne GBOL-Probe)

Mal sehen, was ich sonst noch habe:
27.10.2012: Lübeck, Lauer Holz, ZFMK-TIS-7100 nicht sequenziert
23.04.2016: Lübeck, Genin, ZFMK-TIS-2569800 (sequenziert)
09.06.2016: Wüsten-Vahrnow, Brandenburg, ZFMK-TIS-2583964 (sequenziert)
04.09.2017: Henstedt, Niedersachsen, ZFMK-TIS-2598720 nicht sequenziert
24.07.2017: Pevesdorf, Niedersachsen, ZFMK-TIS-2599765 (sequenziert)
24.07.2017: Pevesdorf, Niedersachsen, ZFMK-TIS-2599766 nicht sequenziert
nicht von mir:
05.06.2013: Rügen, ZFMK-TIS-18335 (sequenziert)

Martin

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1659
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #12 am: 2018-04-07 10:51:23 »
Woher soll denn ein Nutzer wissen, dass sich der Artname nur auf eine der beiden Unterarten beziehen soll?

Weil das auch so auf der Startseite erklärt wird:

Zitat
Bei Spezies mit Unterarten ist, wenn nichts anderes angegeben ist, die Nominatform gemeint.

Ich hatte mir zwar vorgenommen, das Atlasprojekt nicht mehr zu kommentieren, aber hier kann ich mich (mal wieder) einfach nicht zurückhalten: 1. Um diese Angabe zu interpretieren, muss ein Benutzer zuerst wissen, dass eine Art anerkannte Unterarten hat. 2. Und er muss dann diesen Disclaimer finden, der sich im Kleingedruckten auf einer Seite versteckt (im Wortsinne), die man normalerweise überhaupt nicht anschaut, und schon gar nicht, um nach solchen Erklärungen zu suchen. Zumal ein Durchschnittsbiologe, der nicht mit den Gepflogenheiten des WSC bekannt ist, nie erwarten würde, dass der Artname hier bewusst falsch verwendet wird, nämlich um exklusiv eine einzelne Unterart zu bezeichnen.

Eigentlich seltsam, dass sich da keine besssere Lösung finden lässt. Ich verstehe, dass es im WSC und bei araneae.unibe.ch nicht so einfach zu korrigieren ist, weil dort Angaben für die Art im Allgemeinen mit den Angaben für die nominotypische Unterart kombiniert werden, aber im Atlas könnte man doch automatisch identifizieren, welche Arten Unterarten haben, und dann für die nominotypische Unterart das korrekte Trinomen anzeigen. In der Datenbank änderte das nichts, aber die Ausgabe von irreführenden Informationen ("die Art kommt hier nicht vor, die Unterart aber schon") würde vermieden.

Beste Grüße,
Rainer

Michael Hohner

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4577
  • Wo ist nun der versprochene Wurm?
    • Meine Spinnenfunde in Bayern
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #13 am: 2018-04-09 19:27:03 »
Ich hab's geändert, die Nachweise für die Nominatform werden jetzt auch unter diesem Namen angezeigt.

Warum das nicht noch auffälliger erklärt wird? Weil sich andere schon über "Bleiwüsten" beschwert haben. Aber man kanns halt nicht allen recht machen.

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13999
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #14 am: 2018-04-11 01:09:06 »
Ich hab's geändert, die Nachweise für die Nominatform werden jetzt auch unter diesem Namen angezeigt.

Ist es wirklich nötig, Dicymbium nigrum unter Dicymbium nigrum nigrum us.w. abzulegen? Das macht das ganze Wiki-Gefüge kaputt. So funktioniert z.B. der Link zu araneae nicht mehr ...

Martin

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1659
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #15 am: 2018-04-11 10:03:46 »
Ist es wirklich nötig, Dicymbium nigrum unter Dicymbium nigrum nigrum us.w. abzulegen?
Wie und ob man das technisch lösen kann, weiss ich nicht, aber dass eine Lösung wünschenswert ist, scheint mir überdeutlich.

Wenn ein Atlas oder eine Checkliste der Brutvögel Deutschlands behaupten würde, dass hierzulande keine Dohlen (Coloeus monedula), Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) oder Blaukehlchen (Luscinia svecica) brüten, würde man sie ja auch nicht ernst nehmen. Auch hier kommen, wie im Fall von Erigone arctica, in Deutschland keine Populationen der nominotypischen Unterart vor, sondern die Unterarten europaeus, spermologus und cyanecula.

Es gehören nun einmal alle Unterarten einer Art unter dasselbe Binomen; Dicymbium nigrum schliesst also immer auch D. n. brevisetosum mit ein, solange letztere als Unterart aufgefasst wird, und die Dohle findet sich als Coloeus monedula wohl auf allen deutschen Brutvogellisten, auch wenn die lokalen Tiere zur Unterart C. m. spermologus gehören.

Wenn die Arachnologen das anders handhaben wollen, scheinen Missverständnisse und Unklarheiten vorprogrammiert.

Beste Grüsse,
Rainer

Michael Hohner

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 4577
  • Wo ist nun der versprochene Wurm?
    • Meine Spinnenfunde in Bayern
Re: Taxonomiefrage: Suborder (Dicymbium n./Erigone a.)
« Antwort #16 am: 2018-04-11 10:32:30 »
Ist es wirklich nötig, Dicymbium nigrum unter Dicymbium nigrum nigrum us.w. abzulegen?

Nun, wenn man dokumentieren will, welche Unterart genau nachgewiesen wurde, dann muss man das wohl. Weil nachträglich bekommt man das kaum noch getrennt.