Autor Thema: Manueller Stacktisch  (Gelesen 5930 mal)

Jürgen Guttenberger

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Manueller Stacktisch
« am: 2017-01-14 14:45:31 »
Sturm Erik hat mir etwas Freizeit geschenkt und so habe ich mich mal an der Verwirklichung eines Stacktisches herangemacht.  Das Gestell besteht aus Item-Aluprofile 40 x 40 mm die ich mir von einem metallverarbeitendem Betrieb aus dem Nachbarort besorgt habe (Kosten 60 Euro) Einige Verbindungswinkel, nochmals 60 Euro dazu, M8 Gewinde in die Stirnseiten geschnitten und den Rahmen zusammengeschraubt. Auf den Rahmen habe ich einen x-y Kreuztisch angebracht, den man in beiden Richtungen in Schritten von 0,01 mm bewegen kann. Der Schlitten hat ein Eigengewicht von 12 kg und hat somit genügend Masse um keine Vibrationen zu erzeugen. Momentan habe ich den Tisch nur in der waagrechten Position getestet, da ich noch keinen Metallrahmen für die Wand habe. Ich werde mir noch einen Rahmen schweißen, danach kann ich den Tisch an die Wand in waagrechter und senkrechter Position aufhängen und somit auch Aufnahmen von Pedipalpen in Alkohol durchführen.
Die Blitzhalterungen sind zwei Magnethalter für Drehbänke,/Fräsmaschinen , einfach in den Blitzschuhhalter in das ursprüngliche Zollgewinde ein M6 geschnitten und schon sitzen die Blitze drauf. Übrigens habe ich meinen Ural-Metz-Blitz aus analoger Zeit ausprobiert, er funktioniert als Masterblitz sehr gut, der Nikon SB 910 wird über die Remotesteuerung  kabellos synchron dazu gezündet. Jetzt bin ich auch auf das Problem der Blitzaussetzer gekommen, dass wir in einem anderen Thema ausführlich diskutiert haben. Die Fehlerquelle der Aussetzer ist der integrierte kleine Blitz in der Kamera, dieser wird durch die Belastung der Dauerbeanspruchung zu warm und setzt aus, der Remoteblitz bekommt somit auch kein Signal. Habe jetzt ca. 15 Versuche mit Stackts von 58 -280 Aufnahmen pro Stack durchgeführt und mit dem Metz als Master hatte ich noch keinen einzigen Aussetzer.

Der Laborboy dient dazu dass ich meine Objekte darauf ausrichte und noch in der Höhe anpassen kann (aus der Bastelkiste von Lothar, danke nochmals! )
Ein paar  kurze Tests habe ich schon durchgeführt und musste feststellen, dass die Dimensionen etwas zu üppig ausgefallen sind 100 x60x50 mm (Länge, Höhe, Breite). Wenn ich wieder Luft habe, werde ich den Tisch auf ca. 50x50 x50 mm  kürzen, da mehr Raumbedarf  beim stacken von so kleinen Objekten wie Spinnen oder Insekten nicht notwendig ist.
Das Mikroskopobjektiv, ein CarlZeisJena 3,2/0,10 160/- habe ich mir zu Weihnachten gegönnt, 29 Euro bei ebay, ein klasse Objektiv. Es ist keine Zwischenoptik nötig. Aus Mangel an einem RMS-Adapter habe ich es provisorisch mit Tesaband an einen M42 Adapter geklebt, fürs Erste reichte es mal, muss aber noch eine feste Verbindung her. Das Blitzlicht wird durch Diffusoren aufgeweicht, habe sie nur für "das Zeigen" entfernt, ohne "Weichmacher" werden die Fotos nichts.
Hier mal ein paar Fotos der Eigenkonstruktion, Ergebnisse folgen auch noch.

Gruß Jürgen

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #1 am: 2017-01-14 14:55:28 »
Erste Ergebnisse!

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #2 am: 2017-01-14 15:08:01 »
Und noch ein paar Tests,
der Eikokon stammt von einer Parasteatoda tepidariorum, die Mutter ist der großen Kälte letzter Woche zum Opfer gefallen. Die Eratigena atrica von oben war ein Opfer von ihr. Sie war jetzt fast ein halbes Jahr im Netz als Zierde.
Ach ja, die Technik eignet sich nicht  oder nur sehr bedingt für lebende Tiere, da eine gewisse Statik beim stacken so vieler Einzelbilder nötig ist.
So wurde der Kopf der Hauswinkelspinne aus 208 Einzelbildern zusammengefügt, der offene Kokon hier mit 108, der geschlossene mit 112 Aufnahmen gestackt, Die Wanze ist ein Ergebnis aus 183 Einzelbildern.

Jürgen

Sylvia Voss

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #3 am: 2017-01-14 17:45:00 »
Aber sieht toll aus!
Besonders bewundere ich immer wie Du das alles so selbstverständlich selber zusammenbastelst. Das erinnert mich ein bisschen an meine weit aufgerissenen Augen als mein Sohn mit 11 Jahren begann aus lauter gekauften Einzelteilen für alle seine Freunde PCs zusammen zu bauen . So etwas was Ihr da zusammenfriemelt sind für mich "Bücher mit sieben Siegeln" ;-) Glückwunsch
LG
Sylvia

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #4 am: 2017-01-15 10:53:16 »
Es erschließt sich mir nicht ganz, wofür diese riesige Konstruktion nötig ist. Es reich doch ein Stativ. Konsequenterweise wäre doch ein Schrittmotor für automatisierten Vortrieb zu erwarten.

Martin

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #5 am: 2017-01-15 12:11:38 »
Ich bin eben ein Bastler  ;)
Wenn ich ein Stativ verwende, kann ich nur vertikal stacken, mit meiner Konstruktion ist es möglich vertikal und horizontal zu arbeiten. Der x-Y-Kreuztisch war in meiner Werkstatt schon vorhanden, da hat es sich ergeben dass ich ihn mal ausprobiere, funtionieren tut es ja. Sicherlich ist ein automatischer Schrittmotor das non+ultra, kostet aber auch einen stolzen Preis. Daher mein Versuch vorab mit den vorhandenen Materialien und Mitteln. Mein "riesiges Konstrukt" ist wirklich zu groß geraten, wie oben schon geschrieben. Übrigens habe ich mich mit den Längenangaben um eine 10ner Stelle vertan, es sind natürlcih keine mm sondern cm. Ich werde mir einen Würfel daraus bauen, der eben auf die Schnelle von waagrechter auf senktrechter Aufnahmeposition umgebaut werden kann. Die momentanen Verwacklungen kommen meiner Meinung nach vom wackeligen Unterbau sprich Tisch.

 Einen automatischen Schrittmotor kann man ja immer noch integrieren. Erfahrungen kann man aber so auch schon machen u. ggf. auf eine passende Lösung hinarbeiten. Es gibt ja unterschiedliche Anbieter solcher Motoren, dieser Hersteller wurde hier noch nicht gezeigt. hier.

Hier mal eine Aufnahme, die in vertikaler Ausrichtung nicht so leicht umzusetzten ist. Den Kerl möchte ich heute noch bestimmen (P. lugubris-Gruppe)  Jetzt eben für dich auf die Schnelle geschossen, 141 Einzelbilder.
Mein Hauptproblem liegt immer noch in der Bildbearbeitung mit Photoshop.

Jürgen
Ps.  Verbesserungsvorschläge und/oder Kritik immer her damit.

Jörg Pageler

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #6 am: 2017-01-15 14:36:54 »
Moin Jürgen,

interessante Konstruktion! Je kleiner die Tiere, desto größer der Aufwand ...  ;)

Mich stören bei Deinen Probeaufnahmen allerdings die vielen metallischen Reflexe auf den Tieren. Vielleicht sollte man die Konstruktion mattschwarz anpinseln?

Viele Grüße,
Jörg

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #7 am: 2017-01-16 19:30:06 »
Hallo Jürgen,

Krasse Konstruktion. Aber nachdem du uns auf das Extrem-Makro-Stacker-Forum verlinkt hast, schockiert mich das nicht mehr so sehr ;)

Deinen Bildern fehlt im Allgemeinen etwas die Tiefe (Tonwertkorrektur -> Schwarzpunkt setzen) und etwas kühl kommt mir zumindest die Pardosa vor. Um den digitalen Workflow einzurichten, sollte man mal eine Graukarte fotografieren und anhand dieses Fotos die Farb-Ausrichtung des Roh-Konverters einstellen. Diese Einstellung kann man sich dann speichern (z.B. unter dem Namen „Krassse-Stackmaschine_2017“) und immer wieder darauf zurückgreifen, solange man an den Lichteinstellungen nichts ändert (z.B. andere Blitze anbaut).

Unbenannt-1.jpg
*Unbenannt-1.jpg (130.48 KB . 800x780 - angeschaut 467 Mal)

Generell geht es bei solchen Fotos jetzt (mMn) um das richtige Licht und Sauberkeit.
zu 2. Natürlich sieht deine Pardosa nicht so geil aus, wie die Fliegen-/Mottenköpfe von den Profis, v.a. weil die schön bunt sind und weil es frischtote bzw. noch lebende Trockenpräparate sind. Bei solchen extremen Vergrßöerungen sieht man halt jede Fussel und alle verklebten Härchen.
zu 1. ich würde versuchen, eine Lichtkammer zu bauen. Also nicht die Blitze diffisieren (das wäre ein add on), sondern einer kleinen Raum um das Objekt zu konstruieren, aus weißem, transluzentem Material. Dadurch wird sich das Licht besser um das Objekt herum verteilen und es wird so aussehen, als hättest du bei diffusem Tageslicht von quasi überall her fotografiert. Dann ist es auch egal, welche Farbe das Gestänge hat (trotzdem wahrscheinlich eine gute Idee von Jörg).

Das Buch ist heute übrigens angekommen und ich habe schon kurz reingeschaut. Sieht schon sehr professionell aus. Wie kommst du jetzt ohne das klar? Hast du dir eine Kopie gemacht? ich habe das Gefühl, du könntest es gerade gut gebrauchen(?)

Arno

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #8 am: 2017-01-17 09:49:49 »
Schrittmotoren sind nicht wirklich teuer (ca. 20 €) und eine Schrittmotorsteuerung (Elektronik) mit auch nicht. Gerade für Bastler. Für die Ansteuerung einen Raspberry ...

Versuche mal eine Lösung, Spinnen in Alkohol zu fotografieren. An diese tollen Käferbider kommen wir nie ran. Dafür sind Spinnen einfach zu haarig.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #9 am: 2017-01-17 23:54:37 »
Dafür sind Spinnen einfach zu haarig.

Das würde ich so nicht unterstreichen wollen! Die Behaarung vieler Spinnen ist ja auch sehr schön. Aber man muss für solche High-End-Qualität eben schon genau darauf achten, welches Tier man fotografiert und in welchem Zustand es ist. Gerade die farbigen Schuppenhaare vieler Spinnen reiben sich bei mechanischer Beanspruchung leicht ab und das sieht man bei älteren Exemplaren in diesen extremen Vergrößerungen. Diese Extrem-Makrofotografie ist eben in vielen Bereichen extrem, nicht nur in der Konstruktion drumherum und den eingesetzten Objektiven. Bei der Aufbereitung der Objekte muss man sicherlich mit präparatorischer Genauigkeit und Geduld vorgehen.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #10 am: 2017-01-21 05:48:16 »
Der Umbau wurde gestern realisiert, jetzt muss ich nur noch Winkel anbringen, damit ich meinen Würfel an die Wand montieren kann. Ein weiterer Arbeitsschritt wird sein, dass ich für die Mikroskopobjektive eine passende Aufnahme (RMS-Gewinde) drehe, damit mein Klebstoffprovesorium ausgetauscht werden kann. Die Stabilität leidet hier noch erheblich. Außerdem muss ich mir noch eine andere Befestigungsweise für die Blitze überlegen. Ich denke mal, dass sie beim Auslösen Schwingungen auf die ganze Konstruktion ausüben. Hier mal ein paar Aufnahmen der modifizierten Konstruktion und zwei erste Probeaufnahmen. Morgen werden ich mal Alc-Spinnen vertikal stacken.
Wie schon geschrieben, mein Hauptproblem liegt in der Bildbearbeitunge mit Photoshop.

Jürgen

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #11 am: 2017-01-21 07:11:36 »
Dein Stacktisch sieht aus wie ein 3D-Drucker. Weshalb sollten Deine Blitzgeräte Erschütterungen auslösen? Photonenrückstoß?

Martin

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #12 am: 2017-01-22 10:04:02 »
Deine Blitzgeräte Erschütterungen auslösen? Photonenrückstoß?
Das Problem liegt in den Magnethalterung, die geben kleinste Verwackelungen/Schwingungen an die Blitze weiter (oder umgekehrt?), evtl. durch den Spiegelschlag? oder durch meinen manuellen Vorschub?, so wackelt das ganze System.  Hier ist eine gewaltige Hebelwirkung festzustellen.  Arno beschreibt sie in einem anderem Zusammenhang als Mensch-Ärgere-Dich-Nicht Männchen. Ich werde diese Halterungen ausserhalb meiner Konstruktion anbringen ggf. an eine zusätzliche Aluschiene, damit ich sie wiederum an die gegebenen fotografischen Ansprüche anpassen kann. Jedes Objekt erfordert anders Licht!

Jürgen

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #13 am: 2017-01-22 16:02:11 »
Interessant, die neuen Aufnahmen sehen schon wesentlich professioneller belichtet aus. So ein Mini-Lichtzelt ist doch etwas anderes als bloß „diffusierte“ Blitze.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #14 am: 2017-01-22 16:19:48 »
So eine Küchenrolle hilft nicht nur beim "Dreck wegwischen  :)" Die Profis arbeiten teilweise mit 3-4 Blitzen, mein alter Metz schlägt sich wacker.
 Ich bin gerade über einer neuen Testserie, Aufnahmen/Dateils kommen bald.
PS. mein kleiner Sohn hat vom Christkindl einen neuen PC bekommen, ich seinen Alten, der steht jetzt bei mir in meinem Foto-Laborzimmer, so was von Arbeits-Zeitersparniss ;)

Jürgen

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #15 am: 2017-01-22 18:49:24 »
Hier die neuen Testergebnisse!
Im zweitem Bild hatte ich zu wenig Ethanol in der Schale, darum die Verzerrungen um 9:00,12:00 und 17:00 Uhr. Die Ausrichtung dauert immer etwas, daher verflüchticht sich der Alkohol, bis man fotografieren kann. Etwas mehr Alkohol tut gut :o. Zweites Bild aus 119 Einzelaufnahmen gestackt, nur mit meinem aus der analogen Zeit vorhandenem Metz-Blitz, 3te Aufnahmen aus 148 Einzelbildern zusammengesetzt.
Frage, kann man diese Spinne mit solchen Aufnahmen bestimmen?
Meiner Meinung nach eine Theridion mystaceum.
Das Objektiv war ein Olympus MPlan5n ohne Zwischenlinse, also 5fache Vergrößerung

Martin hat irgendwan/irgendwo von seiner neuen Anschaffung geschrieben, hier glauben ich, war ein 10 er im Spiel?
Auf Antworten gespannt!
Jürgen

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #16 am: 2017-01-22 19:31:22 »
Schöne Bilder und der Würfel sieht jetzt ziemlich kompakt und praktisch aus.

Du könntest die Fotos von Alkoholpräparaten auch in Wasser machen.

T. mystaceum gehört zu seiner Artengruppe mit mindestens drei weiteren Arten, die sich nur nach ihrer Vulva (neben Pedipelpus) unterscheiden lassen.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #17 am: 2017-01-22 19:54:45 »
In Wasser, geht das auch?  Ich dachte immer, dass sie dann nicht mehr zur Bestimmung taugen!

Das mit T. mystaceum dachte ich mir schon, grrrrrrrrrrr. Ich probier bei Gelegenheit ein Vulvabild mit dieser Konstruktion, denke aber, dass man ohne Zwischenoptik mit einem 20er arbeiten muss (darum eben meine Frage an Martin).

Der Aufwand erscheint enorm, ist er aber nicht, nur die Grundkomposition ist es!

Jürgen

Martin Lemke

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #18 am: 2017-01-23 00:32:25 »
In Wasser, geht das auch?  Ich dachte immer, dass sie dann nicht mehr zur Bestimmung taugen!

Ich schwöre auf Alkohol. Mit Wasser hatte ich bezüglich Schwebteilen schlechte Erfahrungen gemacht. Ich nehme zum Fotografieren inzwischen 99% Alkohol. Allerdings verbringe ich nicht Stunden mit einem Foto. Sobald es eingerichtet ist, dauert ein automatisierter Stack ein paar Minuten.

Nun verstehe ich auch den Zweck der Würfelkonstruktion. Du kippst das Ganze um 90°, wenn anstatt von seitlich von oben gestackt werden soll. Die Belichtung sieht schon gut aus, aber die Vergrößerung ist noch zu gering, um die Bilder für Diagnostik zu nutzen. Von der Epigyne ist gar nichts zu erkennen.

Ich bewundere Deinen Schaffenseifer, aber auch die improvisierten Details. Da baust Du mit Aluprofilen (ich wusste gar nicht, dass man die so lose kaufen kann) ein Ding, das aussieht wie eine Profimaschine und dann muss ein Bücher-Doppelband und ein Kartei(?)kasten mit rein gestellt werden, um auf die erforderlichen Abstände zu kommen. Das ist schon alles ziemlich spannend.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #19 am: 2017-01-23 08:32:37 »
Na, ich nehme an, da ist noch viel provisorisch. Meyers Konversationslexikon Band 1 und 2 wird bestimmt noch gegen den Brockhaus ausgetauscht ;)

@Jürgen: Du sollst die Spinnen ja nicht in Wasser lagern. Nur für die Fotos für ein paar Stunden aus ihrem Ethanolbad in Wasser überführen. Martin hat Recht, dabei kann es zu osmotischen Effekten kommen und irgendwelche Flüssigkeit aus dem Präparat gedrückt werden, was zu Strömungen und Verwirbelungen führen kann. Das passiert aber ziemlich selten und verschwindet nach einigen Minuten meist wieder. Ansonsten muss man Schwebteilchen genauso vermeiden wie in Ethanol.

Probier es einfach aus. Vielleicht ist es ja ein entspannteres arbeiten mit Wasser.

Arno

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #20 am: 2017-01-25 18:33:59 »
Bei den wenigen Aufnahmen, die ich in Flüssigkeit gemacht habe, verwendete ich halb und halb Wasser und Alkohol, weil im reinen Alkohol durch die erhöhte Verdunstung starke Oberflächenbewegungen zu Stande kommen.

LG Lothar
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Arno Grabolle

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #21 am: 2017-01-25 23:01:21 »
Na jetzt hat Jürgen ja alle Varianten zur Auswahl ;)

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #22 am: 2017-02-03 07:37:44 »
Bei der Theridion sp. habe ich nur nicht "sauber" gearbeitet, die Beinchen streckten sich durch die Alkoholoberfläche, Augen auf beim Fotografieren  8). An sich ist es mit dieser Einrichtung auch möglich "Trockenfotos" zu erarbeiten, diese Aufgabe reizt mich an der ganzen Sache.
Ich habe jetzt mal 3 unterschiedliche Arbeitsmethoden, die ich anwenden kann.
-Outdoor mit den beiden Macroobjektiven Sigma 150 mm u. Tamron 90 mm.
-Trockenbilder, Alkbilder als Übersichtsaufnahme am Stacktisch mit unterschiedlichen Objektiven, hier habe ich noch einiges zum ausprobieren. Ich habe mir letzte Woche ein hochwertiges Vergrößerungsobjektiv von Rodenstock für kleines Geld bei ebay ersteigert. Ein Rodenstock Rodagon1:2,8 f=50 mm. Dieses Objektiv soll in Retrostellung sehr gute Bilder machen und eine hohe Vergrößerung ergeben, muss ich aber erst irgendwie adaptieren.
-Genitalbilder weiterhin am Mikroskop mit unterschiedlichen Mikroskopobjetiven (ich hab aber auch schon wieder eine andere Idee).

Mit diesen 3 unterschiedlichen Methoden kann ich dann sämtliche bestimmungsrelevanten Abbildungen abdecken.

Weitere Tests und Neuerungen folgen......

Gruß Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #23 am: 2017-02-03 08:59:35 »
HALLO JÜRGEN,

guten Morgen aus Griechenland. Der Wechsel zum Mikroskop muß nicht sein, wenn du dir erst mal bewußt wirst,dass ein Mikroskop nichts anderes ist, als ein langgezogenes schwarzes Loch mit teuren Glasteilen an beiden Enden. Das in deinem Aufbau nachzuempfinden ruft nur nach einem Balgengerät und bei der Verwendung von unendlich korrigierten Mikroskopobjektiven einer Zusatzlinse wie zum Beispiel 100.er bis 200,er Tele vor der Kamera. ( Die Originallinse aus einem solche Objektive nutzenden Mikroskop steht ja nur äußerst selten zur Verfügung)Die Entfernungseinstellung in Richtung unendlich ist am besten geeignet. Bei den normalen Objektiven ist man versucht die angegeben Fokuslänge von 160 oder 170 mm einzuhalten, was aber für solche Einzelanwendungen unwichtig ist. Längerer Auszug bringt stärkere Vergrößerung.

Hilfreich bei Einstellarbeiten ist dabei allemal eine kleine Mattscheibe am Stiel. Man schaut sich damit im Tubus/Balgengerät die jeweilige Abbildung an und lernt Verstehen. Dass die Qualität des verwendeten Objektives eine der Hauptrollen spielt, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ein Objektiv, welches nur 3 µm auflöst, kann keine µ-Strukturen abbilden und bestimmt auch über die Restschärfe, wie ich sie mal nennen will. Hierzu helfen allerdings nur bekannte Abbildungen wie geätzte Muster auf einer IC-Maske oder ähnliches. Ich kann so bis 0,7 µm darstellen. Darunter wird es von mehreren Seiten kritisch. Solange dein Würfewl keinen Platz stiehlt ist der OK. Dass das UFOMI die Fläche des Leitz Metalloplan braucht ist der Basis desselben geschuldet und wie du dich vielleicht erinnerst Raumhöhe nutzend. Anstatt Büchern und Holzkästchen solltest du besser eienen Stein verwenden und bei allen solchen Maßnahmen an den Temperaturausgleich denken, sonst verstellt sich das am laufenden Band. (beim stacken gut verwendbar aber langweilig)
Reicht erst mal für heute.

LG Lothar

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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #24 am: 2017-02-03 15:01:44 »
Schön von dir zu hören Lothar,
was würdest du für ein Fotoobjektiv zwischen Kamera und Mikroskopobjektiv empfehlen?
Festbrennweite- Zoomobjektiv
Brennweite eher Weitwinkel oder Telebereich? Und was für eine Anfangslichtstärke?

Wer sich für diese Extremstackerei noch interessiert, hier mal ein link, der Mann versteht was von der Fotografie und seinem Handwerk.
http://www.focus-stacking.ch/Focus_Stacking_PDF.pdf

Gruß Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #25 am: 2017-02-03 18:59:25 »
Hallo Jürgen,

ideal wäre ein gutes 100er Festbrennweite wie das "Trioplan". Kannst aber wie ich auch ein 135.er nehmen. Vorteilhaft wäre ein Objektiv welches an deine Kamera passt um den Unendlichpunkt nicht wegen einem Adapter zu verlieren. Die Lichtstärke ist meiner Meinung nach an dieser Stelle unwesentlich. Was für ein unendlich Objektiv willst du denn verwenden?

LG Lothar
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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #26 am: 2017-02-05 10:43:48 »
@Lothar
Ich bin noch am testen, im Augenblick probiere ich ein CarlZeisJena  Planachromat 6,3x/0,12 unendlich Objektiv, habe aber noch keine guten Ergebnisse damit erziehlen können????
Ein Traumobjektiv wäre so etwas http://coinimaging.com/nik10lwd.html

Gruß Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #27 am: 2017-02-05 17:53:47 »
Hi Jürgen,

so etwas ähnliches wie dein Traumobjektiv habe ich mit deinem Schweizer Vorbild gegen ein 40 mm Luminar getauscht. Er hat offensichtlich die passende Korrekturlinse und arbeitet auch erfolgreich damit. Bei mir war da kein Blumentopf damit zu gewinnen. Deswegen habe ich bisher auch noch keine von den teuren hochgelobten Dingern erworben.Zumal die meist extrem überteuert gehandelt werden. Ein komplettes Orthoplan mit Metalloplankopf für ein einzelnes 50.er U.L.W.D. zu vertauschen, das habe ich ja schon gemacht. Ebenso ein weiteres System gegen einen kompletten Satz Luminare. Ganz selten gelingt einem mal ein Schnäppchen bei ebay, was dann auf Unkenntnis des Verkäufers zurückzuführen ist.

Ich habe das Testen meines Bestandes bislang vernachlässigt. Habe aber vor das nun sobald einsatzfähig succesive voranzutreiben. Ich bin glücklicherweise im Besitz einer IC-Maske, welche im Randbereich die Strukturen um damit Objektiv-Auflösung testen zu können trägt. Wird gehütet wie ein Augapfel und hat den Transport gut überstanden. Dazu wurde auch eine LED- Zielvorrichtung erfunden um mit einem winzigen Lichtpunkt das sichtbar zu machende Objektdetail anzustrahlen. Das ist bei Objektiven mit hohem Arbeitsabstand und großer Vergrößerung inzwischen unumgänglich geworden.
Das läßt sich auch leicht nachvollziehen.  Ein Objektiv mit etwa 3cm Durchmesser und etwa 2,5 cm Abstand bei 500 facher Vergrößerung dort hin zu positionieren, wo es gebraucht wird führt zum Verdruss. Der Lichtpunkt macht es zum Kinderspiel. Das und weitere Innos stelle ich gelegentlich detailiert vor. So auch den 3D gedruckten Reflektor für durchlichtgesteuerte  Auflichtbeleuchtung. Nun will ich auch selbst in den Genuss des Gerätes kommen und nur im Ausnahmefall Technik weiterentwickeln.Schau mer mal.

Grüße an die Familie und schönen Restsonntag

Lothar
LG Lothar
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Jürgen Guttenberger

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #28 am: 2017-02-26 08:49:31 »
Neue Versuchsreihe:

Vorab die Daten.
Dauer der Aufnahmezeit: 23 min.
Einzelbilder: 582
Ladezeit auf dem PC: 12 min.
Bearbeitungszeit durch Helicon Focus: 36 min.
Bildgröße: 69,9 MB

Dieses subadulte Männchen, ich vermute mal Haplodrassus cognatus, wollte ich eigentlich aufziehen um eben den Artstatus zu überprüfen, doch es verstarb mir aus unbekannten Gründen nach 5 Tagen. Vielleicht an den Termperaturunterschieden zwischen Fundort  am 11.02.2017 unter Baumrinde bei Minusgraden und Schneedecke und meinem Hobbykeller mit ca. 18 C°?
Auf jedem Fall wollte ich einen „Trockestack“ ausprobieren um mein neues Mikroskopobjektiv zu testen.
Irgendwie erscheint es mir „milchig“ kann aber keine Erklärung dafür finden. Der PC hatte bei dieser Datenmenge auch ganz schön zu arbeiten. Ich habe drei Testserien durchfotografiert und es traten immer wieder andere Probleme auf. Helicon Focus hat Mühe, die einzelnen Ebenen zu trennen. Schaut euch mal auf dem zweiten Bild die Beine an, hier schimmert der Untergrund durch?

Weitere Tests folgen

Gruß Jürgen

Lothar Gutjahr

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Re: Manueller Stacktisch
« Antwort #29 am: 2017-02-26 10:41:08 »
Guten Morgen Jürgen,

582 Bilder ist irgendwie unrealistisch. Du kannst schon etwas überbestimmen, was die Schrittweite anbelangt und ein 50.er oder 100.er Objektiv verwendet wird. Das höchste was ich jemals mit maschinellem Antrieb realisiert habe waren etwa 150 Aufnahmen zu 2µm Abstand im Augenbereich einer Wanze mit einem 50.er Objektiv. Anwendungsnah für die kleine Spinne schätze ich mal wären 120 Aufnahmen zu 40 µm Abstand um bei etwa 5 mm zu landen. Danach könntest du mal die doppelte Aufnahmezahl bei halbiertem Abstand testen um zu sehen, ob sich da stille Reserven locken lassen. Hast du jetzt so ein Stackshot oder ähnliches ? Von Hand durchzukurbeln wäre dabei ja eine Arbeit für jemanden der Vater und Mutter erschlagen hat, grins.

Schönen Sonntag nach Deutschland!

Lothar

Als Beispielstack mit etwa 70 Aufnahmen zu vermutlich 6 µm und 50.er U.L.W.D. Objektiv
http://www.transistornet.de/download/file.php?id=4226&mode=view
trockene mehrwöchig tote Feldwanze. Ich wars mit der Aufnahme zufrieden. Man hätte zum Vergleich mal die Anzahl verdoppeln können. Die Wanze ist leider nicht mehr vorhanden, sonst hätte man da noch mal testen können.
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