Forum europäischer Spinnentiere

Praktisches und Organisatorisches (Other topics) => Rund ums Sammeln und Bestimmen (Other aspects of collecting and determination) => Thema gestartet von: Florian Fischer am 2009-02-09 15:41:38

Titel: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Florian Fischer am 2009-02-09 15:41:38
Hallo,

ich bin auf der Suche nach literarisch validierten Definitionen für Stacheln, Borsten und Haare.
Komme da unter dem Stereomikroskop bisweilen ins Schleudern.

Im Voraus besten Dank,

Flo
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Arno Grabolle am 2009-02-09 19:40:12
Ich fürchte ja, sowas gibt es nicht ...

Meine Meinung? ... Die Übergänge von Haaren zu Borsten und Stacheln am Spinnenkörper sind fließend. Wahrscheinlich auch evolutionär gesehen. Die feststehenden einfachen Haare an den Beinen der Spinnen können sehr fein sein, oder dicker und zu richtigen Monster-Spießen werden. Was sich davon relativ gut unterscheiden lässt, sind die gelenkig gelagerten Trichobothrien. Diese sind sehr dünn (dünner als die dünnsten Haare) und stehen deutlich über den Haarpelz heraus (solln ja die Luftsrömungen registrieren.) Und sie stehen eher senkrecht vom Körper ab und liegen nicht flach an, wie die meisten Haare oder Stacheln.

Es gibt aber auch gelenkig gelagerte Stacheln (z.B. an den Unterseiten der Vorderbeine einiger Spinnen), die hydraulisch ausgeklappt werden können.

Daneben gibt es noch ein paar spezialisierte Haare am Spinnenkörper, z.B. die Scopula-Haare, die am Ende fein aufgefächert sind. Und die Schuppenhaare der Springspinnen und einiger anderer schillernder Spinnen (z.B. Micaria). Die sind flachgedrückt und schuppen- oder pinselförmig.

Naja, das wars sicherlich noch nicht ...

Arno
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Florian Fischer am 2009-02-10 13:26:43
Danke schonmal für die schnelle Antwort.
Mein Problem ist aber die Bestimmung von Linyphiidae.
Im Wesentlichen hangel ich mich da am Heimer&Nentwig entlang.
Die Bestimmung der Stellung von Trichobothrien und Stacheln am MTar I stellt da nichtmal das Problem dar.
Je kleiner die Spinnen sind, desto schwerer fällt mir da die Unterscheidung zwischen Haaren und Borsten an den Tarsen.

Gruß,

Flo
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Florian Fischer am 2009-02-10 13:48:21
Vielleicht kennt ja auch jemand einen besseren Bestimmungsschlüssel für diesen Zweck...
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Arno Grabolle am 2009-02-10 14:06:59
Hallo Florian,

Roberts verwendet in seinem Linyphiiden-Band ein ähnliches System. Nur dass es da in Tabellen aufgelistet wird, was noch schwieriger ist, meine ich. Das Probelm ist das gleiche: man muss es gut erkennen.

Ich habe es eigentlich bisher immer hinbekommen mit dem Schlüssel in den SpiMi. Meist war es sehr eindeutig. Entweder da sind Stacheln oder Trichobothrien. Alles andere liegt am Bein an und spielt keine Rolle.

Arno
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Florian Fischer am 2009-02-10 15:35:25
Naja, den Roberts benutze ich höchstens zur Kontrolle...
Als Schlüssel find ich den auch nicht so gelungen.
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: pfeiffer am 2009-02-10 19:36:11
Je kleiner die Spinnen sind, desto schwerer fällt mir da die Unterscheidung zwischen Haaren und Borsten an den Tarsen.

Hmmm, Für mich ist der Unterschied ziemlich deutlich, aber das könnte daran liegen, dass meine Linyphiiden bis jetzt noch zu groß sind. Die Borsten tendieren eher weiter herauszuragen oder? Und die Haaren tendieren eher naher am Bein zu liegen... (?)

Levi, in seinem Araneid-Bestimmmungsschlüssel bietet kurze (wenn auch englischsprachige -- ganz nebenbei, er kann fließend Deutsch) Definitionen...

"spine" - "a pointed, cone-shaped, immovable protrusion" ("cone-shaped" fand ich gut)

"macroseta" - "a large, often immovable seta" (hah, was ist denn eine "seta")

hoppla, "Haar" fehlt noch.

-K
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: pfeiffer am 2009-02-11 09:15:08
"SONA" ("Spiders of North America") hat viele Informationen zu diesem Thema. Jetzt ist es mir klar -- "seta" sind die Haaren. "Macroseta" ("leg spines") sind die Borsten, denke ich. (Was ist denn der Unterschied zwischen "Stacheln" und "Borsten"?)

Unten ein Bild vom Oecobius cellariorum, wo die drei (Setae, Macrosetae, und Trichobothryium) deutlich zu unterscheiden sind oder? Hier sieht man auch die "Kamm" auf Metatarsus IV, denke ich.

Mein Problem mit den Linyphiiden ist es, aufzupassen, dass ich die Borste die man häufig auf der Patella findet, nicht mitzuzählen.

-K
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Bastian Drolshagen am 2009-02-11 11:00:38
hi Kevin,
ich erkenne auf deinem Bild Stacheln und Macrosetae. Trichobothrien und Setae erkenne ich keine.
Setae ist für gewöhnlich ein Polster aus kurzen, sehr dicht stehenden Haaren und wenn man ganz pingelig sein will sind Setae in extremer Vergrößerung an den Spitzen mehrmals gespalten (gibt da schöne Bilder in "Leben am seidenen Faden" von Kullmann und Stern).
Trichobothrien lassen sich von normalen Haaren dadurch unterscheiden, dass sie viel dünner sind und aus einem kleinen Tuberkel entspringen (welcher verschiedene Formen haben kann). Am besten sieht man sie unterm Bino wenn man die betreffende Stelle scharfstellt (min. 35-40 X) und dann mal kurz auf den Alkohol/das Wasser (oder worin auch immer das Präparat liegt) pustet: Durch die Bewegung des Einschlussmediums bewegen sich die Trichobothrien hin und her, wohingegen Haare "steif" bleiben.

EDIT: Mal ein Bild angehängt auf dem die Trichobothrienbasen markiert sind. Der Typus ist leider etwas älter (1871), daher sind die Trichobothrien an sich nur noch teilw. vorhanden.
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Bastian Drolshagen am 2009-02-11 11:42:23
hi,
ich hab mal grad noch paar Bilder gemacht auf denen man alles erkennen kann.

Auf der rechten Bildseite, sieht man schwarze Borsten in der Setae (ventral am Tarsus). Es handelt sich dabei um 2 parallele Reihen von Borsten (im Vergleich zu den schwarzen Haaren lateral und dorsal am Tarsus sind diese Borsten viel kleiner und steifer), welche die Setae mittig teilen.

Nebenbei: Es handelt sich um den Tarsus I von Linothele megatheloides Paz & Raven, 1990 ( KLICK MICH FÜR DIE ERSTBESCHREIBUNG! (http://www.americanarachnology.org/JoA_free/JoA_v18_n1/JoA_v18_p79.pdf)) und man kann relativ gut die Pseudosegmentierung erkennen, welche den Tarsus sehr biegsam macht - vermutlich eine Anpassung an die Lebensweise des Tiers in einem bis zu 2 m2 Flächen/Trichternetz.

Schwarzer Balken jeweils 1 mm

FEHLER: Mir ist gerade ein Fehler aufgefallen! Ich hab was verrafft: Was bei mir als Setae markiert ist, ist Scopula. Setae sind per Definition einfach nur Haare!
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: pfeiffer am 2009-02-11 12:09:00
Also, ein Stachel ist ein "Mega-Macroseta" (extra-large leg spine). Unten wieder mal mein Bild mit Etiketten. Wie Du siehst will ich Trichobothrium gesehen haben. Ob die tatsächlich so sind, weiß ich nicht -- ich habe nicht nach Beweglichkeit geschaut (aber auch keine Bewegung zufällig gemerkt). Da sie ungefähr 90 Grad zum Bein stehen und extrem fein sind, hatte ich angenommen, dass sie Trichobotrium sind.

-K
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Bastian Drolshagen am 2009-02-11 13:04:58
hi Kevin,
möglich, dass das Trichobothrien sind, aber imo machen die auf der Beinunterseite eigentlich wenig Sinn.
Mein Blick auf die Sache ist aber auch getrübt von den Eindrücken, die ich von Mygalomorphae hab ;-)
Titel: Re: Stacheln, Borsten und Haare
Beitrag von: Fritz Geller-Grimm am 2009-04-19 17:54:04
In der Entomologie gibt es leider auch keine eindeutigen Definitionen. Zumindestens wird im Deutschen meist folgendermaßen unterschieden: Borsten sind zumindestens etwas beweglich und sitzen in einer Grube. Haare sind an der Basis unbeweglich und entstammen keiner Grube. Verschiedene Definitionen aus entomologischen Wörterbüchern hatte ich einmal am Ende folgender Seite zusammengetragen: http://www.geller-grimm.de/morph/morph09.htm (http://www.geller-grimm.de/morph/morph09.htm)
Beste Grüße