Autor Thema: Sammeln Allgemein  (Gelesen 1987 mal)

Martin Lemke

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Sammeln Allgemein
« am: 2009-07-02 10:09:55 »
Über das Lausen haben wir eigentlich alles erörtert. Ich habe aber noch ein paar Fragen zum Sammeln ganz allgemein.

Bei verschiedenen Exkursionen mit anderen ist mir aufgefallen, das prinzipiell ganz unterschiedlich gesammelt wird (hier ist jetzt nicht die Technik gemeint). Ich meine, was an Tieren mitgenommen wird. Gelegentlich werde ich in Zusammenhang Fundauswertungen nach Fangzahlen der einzelnen Arten gefragt.

Wenn ich also beispielsweise im Wald mit dem Klopfschirm unterwegs bin, habe ich keine Lust, sämtliche, der gerade sehr zahlreich auftretenden Enoplognatha ovata mitzunehmen, die mir in den Schirm fallen. Aber ich könnte zu Fangzahlen nur dann etwas sagen, wenn ich genau so verführe.

Im Gegensatz zu früher, nehme ich inzwischen auch augenscheinliche Jungtiere mit, weil sich unterm Bino nicht selten zeigt, dass man eine sehr kleine adulte Art mitgenommen hat. Z. B. das Männchen von Paidiscura pallens.

Wie seht Ihr das?

Unter dem Hintergrund der wohl jetzt jährlich stattfindenden Forumsexkursionen wäre es vielleicht ohnehin sinnvoll, ein einheitliches Verfahren anzustreben.

Martin

Michael Hohner

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #1 am: 2009-07-02 11:03:16 »
Mir ist bei der Exkursion aufgefallen, dass ich wohl der einzige mit Lupe im Feld war. Die hilft ungemein, unbestimmbare Jungtiere von adulten kleinen Arten zu unterscheiden. So kann man noch besser eine Vorauswahl treffen. Wenn ich zu dem Schluss komme, dass die Art auch mit dem Bino wohl nicht zu bestimmen ist, dann nehme ich sie nicht mit. Ebenso hilft die Lupe, ein adultes Tier von einem subadulten zu unterscheiden. Wenn ich dann z.B. eine offensichtliche Art wie Mangora acalypha finde, dann kann ich im Zweifelsfall auch im Feld ein subadultes Weibchen von einem adulten unterscheiden, und dann nehme ich das Tier auch nicht mit, sondern nur die Notiz dazu im Notizbuch.

Generell nehme ich nur Tiere mit, die nicht oder nur unsicher im Feld zu bestimmen sind, und bei denen ich davon ausgehen kann, dass die Bestimmung unter dem Bino gelingen kann. Alles andere (unbestimmbar oder sicher im Feld bestimmbar) kommt nicht mit. Das schont nicht nur die Populationen, sondern erspart auch Arbeit.

Bastian Drolshagen

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #2 am: 2009-07-02 11:34:11 »
hi,
es kommt drauf an wofür man sammelt. Will ich einfach nur Nachweise erbringen, so reicht ein Exemplar pro Art vollkommen aus - wo ein Tier ist, da sind auch mehrere. Will ich aber Untersuchungen zur Populationsdichte o.ä. machen, dann reicht das natürlich nicht aus.
Ich nehme auch leicht bestimmbare Arten mit, einfach aufgrund der Verifizierbarkeit der Funde/Nachweise.

Arno Grabolle

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #3 am: 2009-07-02 20:12:04 »
Wir sammeln deshalb verschieden, weil wir ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Mir geht es vorrangig darum, neue (für mich) Arten zu finden, die mein Repertoire (oder das des Wikis) erweitern. Nebenbei kann ich natürlich auch einen Lebensraum inventarisieren, weil ich mir ja eh jede Spinne anschauen muss.

Allerdings ist das Nachweisen möglichst vieler Arten für ein Suchgebiet inzwischen mehr in den Vordergrund getreten, weil ich eben schon viele Arten kenne und nur noch selten wirklich neue finde. In unbakannten Gegenden (Ungarn z.B.) trat dann wieder das alte Muster hervor und ich habe nur mitgenommen, was mir interessant erschien (sonst würde ich das ja nie schaffen).

Ich mache das deshalb eher wie Michael: Art angucken. Wenn sofort sicher bestimmbar -> aufschreiben, Wenn nicht sicher bestimmbar -> einschnapsten, Wenn neu -> lebend mitnehmen für Fotos, Beobachtungen usw. Übrigens habe ich auch eine Lupe (10x Biologen-Klapplupe) dabei. Ich muss die aber nur selten konsultieren, um zu erkennen, ob eine Spinne adult ist, oder nicht (bei Spinnen unter 3 mm). Wenn ich mir unsicher bin und es handelt sich um etwas interessantes, nehme ich die Spinne lieber lebend mit (evtl. großfüttern).

Fangzahlen ermitteln sollten lieber Leute machen, die einfach nur alles mitnehmen müssen, weil sie es draußen nicht zuordnen können. Ich habe mich in vielen Jahren Spinnensuchens darauf trainieren müssen, einige Spinnen regelrecht auszublenden, um die Konzentration für die interessanten Sachen aufrecht zu erhalten. Ich erkenne in einem kurzen Augenblick, ob ich die Art schon kenne, schon eingesteckt/aufgeschrieben habe und suche automatisch weiter. Fangzahlen zu ermitteln, müsste ich mir als gesonderte Aufgabe stellen, die eine ganz andere Herangehensweise erforderte.

Man könnte die Abundanz einer Art nach einer Exkursion vielleicht ganz gut einschätzen, aber zählen ... nur bei seltenen Arten (1–3 Funde).

Was für einen Sinn haben denn die Fangzahlen, wenn die (wie in anderen Beiträgen schon erörtert) so stark von der Fangmethode abhängig ist? Auf das tatsächliche Mengenverhältnis der Arten eines Lebensraums kann man so doch nicht schließen.

Arno

pfeiffer

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #4 am: 2009-07-02 21:30:08 »
Was für einen Sinn haben denn die Fangzahlen, wenn die (wie in anderen Beiträgen schon erörtert) so stark von der Fangmethode abhängig ist?

Weil die dafür eingesetzten Fangmethoden sachlich beschrieben werden und daher reproduzierbar bzw. vergleichbar sind. Danach kann man eine Art Soll-Ist-Vergleich machen: "Lemke, Grabolle et al zu folge (2010) hätten wir mit der eingesetzten Methode eine höhere Menge von diesen Arten finden müssen, aber unsere Ergebnisse im Biotop waren anders; wir vermuten folgende Grunde dafür" usw.

Aus diesem Grund hätte ich Interesse an einen wissenschaftlichen Vergleich zwischen deinem "Lausen" und z.B. einer standardisierten Bodenfallmethode. Wenn man "die gleiche Wiese" (je eine Hälfte oder so) mit zwei verschiedenen Methoden untersucht, werden die Ergebnisse wahrscheinlich nicht gleich sein. Das zu wissen könnte nicht nur von Interesse sein, sondern auch nützlich: "Wir gehen davon aus, dass die folgende Art hier doch in großeren Mengen anwesend ist und haben deswegen die 'Grabolle-Methode' eingesetzt. Im Vergleich zu den Bodenfallproben aus dem letzten Jahr waren unsere Ergebnisse -- wenn nicht ganz unerwartet -- beeindruckend" usw.

(So sehe ich das...)

-K
« Letzte Änderung: 2009-07-02 23:12:57 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #5 am: 2009-07-02 22:46:01 »
Ja, du hast schon recht.

Innerhalb der Methode lassen sich natürlich Vergleiche ziehen. „Was, du hast geklopft und trotzdem nur drei Dingsbuns dinstbums gefunden?“

Arno

Martin Lemke

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #6 am: 2009-07-04 08:53:12 »
Also, ich habe auch immer eine Lupe dabei. Die benutze ich aber selten. Eigentlich nur, wenn ich mal ein besonderes Tier gefunden habe. Der Rest wird eingeschnapst. Michael hat, soweit ich mitbekommen habe, in Weimar ausschließlich Handaufsammlung betrieben. Da liegt es nahe, jedes Tier auch mit der Lupe zu betrachten. Ich bevorzuge Methoden, bei denen ein wenig mehr Arten zusammen kommen (Streifkescher, Klopfschirm und gelegentlich Reittersieb). Da wird nur grob visuell vorsortiert und das natürlich ohne Lupe.

Arno hat natürlich Recht, was die Ziele an geht. Zumindest für die Forenexkursionen sollten wir Fangzahlen außenvor lassen und allenfalls berücksichtigen, ob eine Art von mehreren Leuten gefunden wurde. Wenn man andere Ziele verfolgt, etwa Methodenvergleich, ist das eine andere Sache.

Kevins Idee, Wiesenabschnitte mit verschiedenen Methoden zu untersuchen und die Ergebnisse zu vergleichen, ist eigentlich nicht schlecht. Vielleicht sollten wir das wirklich mal machen? Die deutliche Dominanz der Bodenfallenerfassung führt vermutlich zu einer Schieflage in allen Roten Listen. Vielleicht wenn wir die Forumsexkursion in der Nähe von Berlin machen? Kevin kann 2 Wochen vorher in einem geeigneten Habitat drei ähnliche Areale auswählen und abstecken. Auf einem setzt er Bodenfallen, die dort bis zur Gemeinschaftsexkusion bleiben und die anderen beiden untersuchen wir im Rahmen der Exkursion mit a) Streifkescher und b) Lausen.

Nach der Exkursion vergleichen wir die Ergebnisse und veröffentlichen das Ergebnis in den Arachnol. Mitt.

Martin
« Letzte Änderung: 2009-07-04 08:54:44 von Martin Lemke »

pfeiffer

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #7 am: 2009-07-04 09:27:17 »
Kevin kann 2 Wochen vorher in einem geeigneten Habitat drei ähnliche Areale auswählen und abstecken.

Ach, Martin, was du für mich alles planst -- schlimmer als meine Frau. ;-) Vor 2 Jahren hätte ich wahrscheinlich gleich "gesagt, getan" geantwortet. Heute freue ich mich wenn ich mal am Abend Zeit habe, das Mikro überhaupt einschalten zu können.

Solch ein Experiment ist lieber was für einen jungen/eine junge eifrigen Postdoc (o.Ä.), denke ich.

-K

Martin Lemke

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #8 am: 2009-07-04 21:48:08 »
Ach, Martin, was du für mich alles planst -- schlimmer als meine Frau. ;-)

Ich habe nur eine Idee formuliert.

Zitat
Heute freue ich mich wenn ich mal am Abend Zeit habe, das Mikro überhaupt einschalten zu können.

Karaoke? *g*

Spaß beiseite. Das aufstellen der Fallen ist doch nicht viel Aufwand; den Rest kannst Du Deinen Kollegen aufhalsen.

Ich habe heute mal gelaust. Aber meine Ausdauer ist da sehr begrenzt. Ich glaube, ich habe höchstens einen halben qm untersucht (wenn überhaupt), bis ich das nächste Ameistennest aufgerissen hatte und die Viecher eifrig ihre Eier retteten. Ausbeute: 2 Spinnen. Mal sehen, ob ich heute noch dazu komme, die zu bestimmen.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #9 am: 2009-07-05 09:47:36 »
Ja, Ameisen sind z.Z. ein Problem. Das nervt mich auch.

Arno

Martin Lemke

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #10 am: 2009-07-05 11:22:07 »
Ja, Ameisen sind z.Z. ein Problem. Das nervt mich auch.

Dass Du mit den selben Widrigkeiten zu kämpfen hast, beruhigt mich ein wenig.

Die Ausbeute meines Bemühens liegt nun auf dem Tisch: Eine juvenile cf. Tenuiphantes und eine juvenile Trochosa. Nichts, das wirklich anspornt.

Aber ich kann mir vorstellen, dass unter manchem Moospolster von Kiefernwäldern noch Atypus auf mich wartet.

Martin

Bastian Drolshagen

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #11 am: 2009-07-05 11:25:06 »
Das mit den Ameisen kenn ich auch - ich hab bisher zwar nicht "gelaust", drehe aber gerne mal Steine und Holzstücke um und schau was drunter hockt (meist lohnenswert).
Man kann noch froh sein wenn es sich bei den "ausgehobenen" Ameisen um Lasius sp. (L. niger hatten vor kurzem bei uns Schwärmzeit, die ganze Stadt ist voll mit dicken runden Königinnen) und nicht um Camponotus sp. handelt.

Lars Friman

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #12 am: 2009-07-05 18:19:51 »
Moin Martin,
ja das ist mir gerade passiert: Atypus-Kolonie!
(Siehe Bericht oben)
Grüße
Lars Friman

Martin Lemke

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Re: Sammeln Allgemein
« Antwort #13 am: 2009-07-06 07:31:23 »
ja das ist mir gerade passiert: Atypus-Kolonie!

Alle Achtung!

Martin