Autor Thema: Positionierung von kleinen Präparaten  (Gelesen 3298 mal)

Bastian Drolshagen

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Positionierung von kleinen Präparaten
« am: 2009-02-13 12:39:06 »
hi,
ich hab eben mal versucht ein Präparat in Sand zu positionieren um ein Foto zu machen, Ergebnis: Möglich, aber trotzdem wackelig (finde ich). Außerdem immer wieder Teilchen, die durchs Bild schwimmen.
Ich hab also nach Materialien gesucht, in denen man Präparate einbetten kann um Fotos zu machen. Im Bad wurde ich fündig - eine alte Dose Haarwachs (gott weiß wem die gehört/gehört hat).
Kleiner Test ergab folgendes: Ein 5 X 5 mm "Stück" Haarwachs braucht etwa eine viertel Stunde um sich in Alkohol zu lösen, das Material ist frei formbar und glasklar. Meiner Meinung nach Eigenschaften für ein optimales Einbettungsmedium. Vor allem der Umstand, dass es sich zwar löst, aber das eben nur sehr langsam ist ein Vorteil wie ich finde, man muss nur warten und das Präparat ist wieder vollständig sauber. Außerdem lassen sich im Wachs Präparate einfach besser (fester) einbetten, als in Sand o.ä.
Einfach mal an nem alten Präparat probieren (irgendwer hat son Zeug schon - also erstmal fragen und probieren bevor man sich ne Dose kauft ^^).

Beispielbilder: Bulbus im Wachs (man kann die Ränder des "Klumpens" erkennen), Bulbus im Wachs Nahaufnahme - beides S. grossa, die ich noch draussen hatte.

Jerome Christ

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #1 am: 2009-02-16 19:58:36 »
...verdammt gute Idee !, Bastian.

VG JC !

Arno Grabolle

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #2 am: 2009-02-16 22:33:05 »
ach ja, dazu wollte ich auch noch was sagen ...

Die Idee finde ich auch gut. Ich komme allerdings gut mit dem Vogelsand zurecht und möchte zu Bedenken geben, dass es recht Zeitaufwändig sein könnte, viele Präperate nach dieser Art anzufertigen. In der Blockschale mit Sand bestimme ich ja auch. Und wenn mir eine Art interessant erscheint, positioniere ich kurz, schalte auf Fototubus um und mache Bilder. Dann drehe ich den Palpus z.B. zu Seite und mache die nächste Serie. Wenn ich mir vorstelle, da jedes mal Haarwachs raufgießen zu müssen, den dann wieder entfernen usw ... ich komme ja so schon kaum durch.

Aloys ist da glaube ich noch fixer. Er fotografiert gleich, während er das Präperat noch mit der Pinzette hält (schafft wahrscheinlich auch 20 Spinnen in der Stunde) ...

Ich war im Mai vergangenen Jahres drei Tage mit Zelt und Fahrrad auf „Extrem-Exkursion“. In den letzten Wochen habe ich es geschafft, die Alkoholleichen von einem dieser Tage aufzuarbeiten. Wo soll das hinführen, wenn ich jeden Palpus auf diese Art fixiere.

Arno

Bastian Drolshagen

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #3 am: 2009-02-16 23:33:46 »
hi Arno,
glaube du verstehst das falsch. Das Präparat wird nicht mit Wachs übergossen, sondern auf die Oberfläche des Wachsklumpens gedrückt. Also genauso wie beim Sand, nur, dass sich die Oberfläche dem Präparat besser anpasst.
Ich machs normalerweis auch so, dass ich das Präparat mit der Pinzette festhalte, aber bei wirklich kleinen Präparaten wackelt man bei min. 6 Tassen Kaffee pro Tag und max. Zoom am Bino doch zu sehr ;-)

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #4 am: 2009-02-17 08:57:24 »
Vor kurzem habe ich einen Artikel von Levi gelesen in dem er von Paraffin(wachs) gesprochen hat. Für irgendeine komplizierte Bestimmung/Beschreibung brauchte er einen dunklen und einen hellen Hintergrund und wollte die mühsame "Umladung" vom einen Behälter zum anderen usw. vermeiden. Er hat dann mit Hilfe eines Stückes Papp an der eine Seite schwarzes Paraffin (vom Laborhändler) eingegossen und auf der rechten Seite Wachs von der Drogerie (oder sonst irgendwo). Als das Wachs fest geworden ist, hat dann verschiedene Probendelle eingedruckt, wo er dann die Proben einlegen konnte.

Vielleicht probiere ich es mit Wachs. Mit dem Sand bin ich nicht zufrieden -- zu hell für meine USB-Kamera und die kleine Körner finde ich dann überall. Vielleicht kaufe ich einfach eine dunkle Kerze und lass einige Tropfen in den Probebehälter rein. Mal sehen. (Arno, du hast Recht -- wenn man diese Arbeit vernünftig machen will, muss es ein effizientes System haben. Das habe ich noch nicht -- 2 Exemplaren reichen für meinen ganzen Abend.)

-K
« Letzte Änderung: 2009-02-17 13:18:49 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #5 am: 2009-02-17 22:20:03 »
@Bastian: das hatte ich tatsächlich falsch verstanden. Geht das ganze dann unter Wasser? Und unter Alkohol löst sichs wieder auf, wenn ich das richtig verstanden habe ...

@Kevin: Naja, mit Fotografieren, messen, Notieren, Fotos vom Chip laden, in PS die RAWs zu TIFs wandeln (und dabei nachkorrigieren), Helicon die Bilder zusamensetzen lassen und im Forum oder Wiki reinstellen, komme ich auch nicht zu mehr.

Arno

Bastian Drolshagen

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #6 am: 2009-02-17 23:29:49 »
hi Arno,
ich habs nicht unter Wasser getestet, nur unter 75% Alkohol.
Es löst sich sicher unter Wasser, die Frage ist nur wie schnell. Kann ich morgen mal ausprobieren.

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #7 am: 2009-03-10 08:56:57 »
Bastian,

deine Methode habe ich gestern Abend kurz ausprobiert und fand ich gut. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, die Probe "im Griff" zu haben.

Nur mein Wachs war eigentlich ein "Shine Gel Wax" und hat sich ein bisschen zu schnell aufgelöst. Also morgen gehe ich noch ein mal zur Drogerie (so einfach ist das nicht, wenn man kein Ungarisch lesen kann). Das (langsamere) Auflösen hat natürlich den Vorteil, dass die Probe nachher wieder so gut wie sauber ist.

Hier mein Beispiel (Theridion melanurum Hahn --- das Wachs hat schon angefangen sich aufzulösen)...
« Letzte Änderung: 2009-03-10 08:59:23 von Kevin Pfeiffer »

Bastian Drolshagen

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #8 am: 2009-03-10 11:10:35 »
hi Kevin,
freut mich, dass dir die Methode gefällt :-)
Will keine Schleichwerbung machen, aber ich glaube mein Wachs war von Studio Line - Loreal (sagt meine Freundin). Genau kann ichs aber nicht sagen, da das Etikett fehlt - die Dose ist anscheinend schon uralt. Der Deckel ist silbern, soviel kann ich genau sagen.
Liegt dein Präparat in Alkohol (wenn ja welche Konzentration), oder in Wasser? Anscheinend werden hier im Forum ja beide Medien benutzt. In Wasser löst sich der Wachs natürlich schneller und in Alkohol ists denk ich mal abhängig von der Konzentration: Je mehr Wasser, desto schneller löst sich der Wachs. Habe meinen Versuch in 70% Ethanol gemacht.

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #9 am: 2009-03-10 11:40:22 »
Liegt dein Präparat in Alkohol (wenn ja welche Konzentration), oder in Wasser?

Es war 55% Isopropanol, also mehr Wasser als bei Dir. Ich brauche wahrscheinlich ein Wachs (statt "Gel-Wachs") mit einer festeren Konsistenz. (Und/oder zur Untersuchung nehme ich eine höhere Konzentration von Alkohol. Das wäre eventuell auch eine Möglichkeit.)

-K

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #10 am: 2009-03-10 15:02:05 »
G.B. Edwards ("Herr Phidippus") schreibt dass ich ein kleiner Tupfer Vaselin nehmen soll.

-K

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #11 am: 2009-03-12 23:30:50 »
G.B. Edwards ("Herr Phidippus") schreibt dass ich ein kleiner Tupfer Vaselin nehmen soll.

Und das habe ich heute Abend für einen kleinen Linyphiidenpedipalpus probiert -- hat sehr gut funktioniert. Spricht irgendwas dagegen einfach Vaselin zu verwenden?

-K

Bastian Drolshagen

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #12 am: 2009-03-13 10:51:57 »
hi,
dagegen spricht imo die Löslichkeit von Vaselin.
Vaselin ( H22 C46 oder H23 C48) ist ein normales Alkan - unpolar. Unpolares löst sich in unpolarem und polares in polarem. Da es sich bei Ethanol (C2 H6 O) und 2-Propanol (Isopropanol) (C3 H8 O) um polare Lösungsmittel handelt dürfte sich Vaselin nur schwer darin lösen und restlos vom Präparat entfernen lassen.

Sagen deine Erfahrungen etwas anderes?

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #13 am: 2009-03-13 11:05:58 »
hi,
dagegen spricht imo die Löslichkeit von Vaselin.
[...]
Sagen deine Erfahrungen etwas anderes?

Ah, das habe ich vermutet. Mir fehlen noch die ausführlichen Erfahrungen, aber ich habe schon überlegt wie das gehen soll. Wenn das Zeug nur Kontakt mit der Patella bzw. Femur oder dem hinteren Bereich des Cymbiums hat, dürfte das keine Schwierigkeiten machen oder? Mal sehen. Meine einzige Probe habe ich noch fest stehen lassen, da ich den Palp noch mal inspizieren will (ich warte auf die Literatur).

-K

Gernot J. Bergthaler

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #14 am: 2009-03-13 15:47:35 »
Nun Bastian,

ich finde dies eine interessante Alternative! Bzgl. Sand bevorzuge ich Fluss- oder Meersand, weil Vogelsand immer irgendwelche mehr oder minder langsam lösliche Zusatzstoffe beinhaltet, die man zuerst ausschwemmen muss.

Also Danke fürs Testen und Berichten,
Gernot

pfeiffer

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #15 am: 2009-03-13 22:12:02 »
dagegen spricht imo die Löslichkeit von Vaselin.

(Habe fast vergessen -- deine Kenntnisse der Chemie sind beeindruckend!)

Wie wäre es mit Naptha? ;-) Vielleicht ist der Sand gar nicht so schlecht, nur dann brauche ich eine neue Kamera.

-K

Bastian Drolshagen

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #16 am: 2009-03-14 12:47:57 »
hi Kevin,
der Dank gebührt hier meiner Freundin, die erst kürzlich für ihr Studium (Umweltwissenschaften) eine Böllerklausur in Cemie schreiben musste :-D
Ist das diese Brennpaste? Habe keine Struktur/Summenformel dafür finden können. Wenn es sich um gerade Ketten ohne spezielle Substituenten handelt (also keine polare Verbindung ist), dann dürfte es sich nicht in Alkohol lösen - dann ist allerdings wieder das Problem mit der Reinigung des Präparats gegeben. Handelt es sich um einen polaren Stoff, so löst er sich in Alkohol, dann gilt es zu testen wie lange es dauert bis es gelöst ist.
Ich würds einfach mal probieren - einfach mal nen Klecks in Alkohol legen und schaun was passiert, allerdings vorerst mal ohne Präparat. Wenns sich langsam genug löst kann man ja immernoch testen wie es sich auf ein Präparat auswirkt.

Man kann natürlich Vaselin benutzen und das Präparat danach davon reinigen, immerhin löst sich Vaselin ja in bestimmten Stoffen. Ist halt die Frage wie sich diese Lösungsmittel auf das Präparat auswirken...

Michael Hohner

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Re: Positionierung von kleinen Präparaten
« Antwort #17 am: 2009-04-06 09:22:54 »
Ich hab das auch mal getestet, aber mangels Haarwachs mit Haargel. Das enthaelt selbst Alkohol. Ich habe angenommen, dass das dann einigermassen geeignet sein koennte. Leider reagiert das Gel mit dem Ethanol langsam, so dass es mit der Zeit undurchsichtig und "faserig" wird, fast so wie denaturiertes Eiweiss. Die Anfaenge sind auf diesem Bilder zu erkennen:



(s. Augenbereich)

Ansonsten fixiert das Gel ganz gut, fast schon zu gut. Wenn das Praeparat drin ist, dann ist es mitunter wieder schwer in eine andere Stellung zu bekommen.