Autor Thema: Fototechnik: neues Spielzeug  (Gelesen 2540 mal)

Arno Grabolle

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Fototechnik: neues Spielzeug
« am: 2009-02-18 00:30:28 »
Ich habe wieder etwas aufgerüstet und mir endlich (aus Frust über das in der Canon-Welt nicht vorhandene drahtlose Doppelblitz-System) zwei Blitzgeräte und einen Fernauslöser zugelegt. Eben habe ich die ersten Probeaufnahmen gemacht und ich bin  b e g e i s t e r t !

Die zwei Canon Speedlite 430EX II machten schon beim Auspacken einen sehr guten Eindruck: modernes Design, solide Verarbeitung, gute Funktionen. Kein Vergleich mit ähnlichen Produkten von Metz, die ich bisher kannte. Die Blitze kommen mit einem kleinen Standfuß zum Aufstellen auf den Tisch, der gleichzeitig Schraubadapter für ein Stativ ist, sodass man sie damit auf einen Standard-Stativkopf befestigen und neben dem Tisch sehr flexibel aufstellen kann. Sie sind von natur aus slaveblitztauglich.

Der Auslöse-Transmitter ST-E2 (auch von Canon) kommt oben auf den Blitzschuh der Kamera. An diesem kann man wie bei meinem Ringblitz die beiden Blitze ganz einfach per Tastendruck wichten. Entweder blitzen beide gleich hell oder einer mehr, als der andere (bis Verhältnis 1:8). Zusammen mit der freien Positionierbarkeit der Blitze (in einem Winkel von 80° vor der Kamera) hat man nun unendlich viele Möglichkeiten für die Lichtmodulation.

Bei meinem kurzen Testlauf erzielte ich die besten Ergebnisse, wenn ein Blitz ziemlich von oben aber nur ca. 1/3 des Lichtes abgab, während die anderen 2/3 des Lichtes ziemlich tief und von hinten auf das Objekt auftrafen. Aber ich hatte jetzt kaum eine Stunde Zeit zum Experimentieren.

Das ganze System funktioniert auf ETTL-Basis, die Lichtmenge wird also automatisch ermittelt. Das klappte bei verschiedenen Untergründen sofort ganz hervorragend (während ich meinen Ringblitz immer nachkorrigieren musste).

Das schöne ist: Durch die Abkopplung der Belichtung vom Fotoapparat ist nun echte Stereo-Macrofotografie möglich (habe es probiert – sieht echt geil aus ;-)). Mit dem Ringblitz wanderte mit dem bewegen der Kamera ja auch die Belichtung mit, was dem 3-D-Eindruck so sehr schadete, dass es unsinnig war.

Die beiden Blitze und der Transmitte zusammen kosteten mich ca. 650 Euro. Ich habe aber jetzt schon das Gefühl, dass sich das gelohnt hat und mein Ringblitz in Zukunft am Mikroskop bleiben kann.

Sorry für die großen Fotos. Da es um die Qualität geht, musste es diesmal so sein (ganz untern ein 100% Ausschnitt)...

Arno

Arno Grabolle

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #1 am: 2009-02-19 22:02:52 »
Noch ein paar Bilder ...

Das erste zeigt (wie die beiden folgenden) Argyroneta aquatica an Land. Die letzten beiden Bilder sind Stereo-Fotos für Kreuzblick.

Arno

pfeiffer

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #2 am: 2009-02-19 22:30:35 »
Die beiden Blitze und der Transmitte zusammen kosteten mich ca. 650 Euro.

Aua... mit dem Geld würde ich mir wahrscheinlich eine echte Binobeleuchtungssystem (mit 2 Halsen) kaufen (oder dein Fotoapparat -- wofür das Geld wahrscheinlich nicht ausreicht).

Tolle 3-D-Bilder! (Hmmm, ein 3-D-Kalender...)

pfeiffer

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #3 am: 2009-02-19 22:36:32 »
Und nicht zu übersehen -- die A. aquatica Bilder sind fantastisch!

-K

Arno Grabolle

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #4 am: 2009-02-19 23:43:01 »
... danke,

Ja, sie lebt noch. Ich weiß zwar nicht wovon sie sich ernährt, aber sie hat sogar ein wenig zugenommen. Ich habe sie heute mal von unten angeschaut. Es ist scheinbar schon ein Weibchen.

Arno

Martin Kreuels

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #5 am: 2009-02-21 15:19:44 »
Moin Arno,

schön, gefällt mir gut. Sach mal, wie beurteilst Du die Tiefenschäfe gegenüber einem Ringblitz?

Gruß Mat
AraDet - Arachnologischer Dienstleister

Arno Grabolle

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #6 am: 2009-02-21 23:50:24 »
Rein technisch verändert die neue Blitztechnik nichts an der Tiefenschärfe. Ich blende nach wie vor auf 10 ab und belichte mit 1/200tel. Bei mehr Blende wird die Beugungsunschärfe zu groß.

Arno

Martin Lemke

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #7 am: 2009-03-06 11:41:09 »
Ich habe wieder etwas aufgerüstet und mir endlich (aus Frust über das in der Canon-Welt nicht vorhandene drahtlose Doppelblitz-System)

Da habe ich Dich wohl inspiriert.

Was ist zuletzt mit meinen drei Slaveblitzen knipste, war nur meine alte Kaffeemaschine.

http://pix.maaaddin.de/Krups_1 mit zwei abgesetzten Blitzen und hässlichem Schatten oben. http://pix.maaaddin.de/Krups_2 das selbe Ensemble mit zusätzlichem Blitz von oben.

Da ich keine Terrarien habe, kommt der Stereoblitz erst zum Einsatz, wenn es draußen was zu fotografieren gibt. Zuletzt war es ja so sonnig, dass ein Blitz überflüssig war.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #8 am: 2009-03-06 23:23:45 »
Das Problem all dieser ringblitzartigen Konstruktionen (auch dein Stereoblitz ist im Grunde ein Ringblitz mit etwas größerem Blitzabstand – solange du die Blite nicht vom Ring nimmst und woanders positionierst) ist, dass die Blitze mehr oder weniger dicht am Objektiv (also Blickpunkt) sitzen. Bei sehr kleinen Objekten, an die man nah ran muss, stehn die Blitze dann schon relativ seitlich. Das geht ganz gut. Bei größeren Objekten, von denen man weiter entfernt ist, verringern sich die Winkel und es kommt eine annähernd frontale Belichtung zustande.

Meine entfesselten Blitze stehen an ganz anderen Stellen im Raum. Einer befindet sich fast direkt über der Szene (stärkeres Licht) und imitiert damit das Sonnenlicht, egal, wo ich mich mit der Kamera befinde. Der andere steht bei vielen Fotos seitlich und leicht hinter dem Objekt. Es hellt die Schlagschallen des stärkeren Blitzes auf und gibt dem Objekt Plastizität.

Mein Chef (der Fotograf in unserem Büro), sagt immer wieder, man sollte versuchen mit dem künstlichen Licht die natürliche Belichtungssituation nachzubilden. In unserer Welt gibt es nur eine Sonne und die ist stärker als alle andern Lichtquellen. Die zweite große Lichtquelle ist das sogen. Umgebungslicht oder Streulicht (Multi-Reflektionen des Sonnenlichts an Wolken und allen möglichen anderen Flächen). Das kommt sehr diffus von überall her.

Der Blitz von oben könnte also relativ scharf kommen, der seitliche müsste eigentlich einen starken Diffusor passieren, oder sogar indirekt über einen Schirm auf die Szene treffen. Auf jeden Fall aber sollte man die beiden Licher nicht gleich gewichten. Eins sollte immer das deutlich stärkere sein und dieses sollte irgendwie von oben kommen.

Keines der oben gezeigten Fotos ist in einem echten Terrarium entstanden. Ich habe inzwischen eine kleine Sammlung von Utensilien: Steinen, Laub, kleine flache Schalen mit Sand oder Moos drin, die dann als Untergründe dienen können (wenn der weiße Teller zu langweilig ist).

Arno
« Letzte Änderung: 2009-03-06 23:28:13 von Arno Grabolle »

Martin Lemke

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #9 am: 2009-03-08 00:12:47 »
Meine entfesselten Blitze stehen an ganz anderen Stellen im Raum. Einer befindet sich fast direkt über der Szene (stärkeres Licht) und imitiert damit das Sonnenlicht, egal, wo ich mich mit der Kamera befinde. Der andere steht bei vielen Fotos seitlich und leicht hinter dem Objekt. Es hellt die Schlagschallen des stärkeren Blitzes auf und gibt dem Objekt Plastizität.

Bei den Aufnahmen der Kaffeemaschine habe ich die beiden Blitze auf die mitgelieferten Füßchen gestellt und links und rechts seitlich vor der Kaffeemaschine positioniert. Bei Nikon kann man die Macroblitze also auch abnehmen. Die Blitzsteuerung erfolgt über Infrarot. Mit dem Blitzsteuergerät (SU-800) kann ich beliebig viele Slaveblitze ansteuern. Bei dem besseren Kaffeemaschinenbild habe ich einen dritten Blitz ins Spiel gebracht.

Zitat
Mein Chef (der Fotograf in unserem Büro), sagt immer wieder, man sollte versuchen mit dem künstlichen Licht die natürliche Belichtungssituation nachzubilden.

Damit hat er fraglos Recht, denn von der Farbtemperatur her ist das Blitzlicht ja eigentlich ideal. Trotzdem sehen BLitzlichtaufnahmen oft unnatürlich aus, denn die Sonne kommt eben im Regelfall nicht frontal. Mit entfesselten Blitzen hat man deshalb bessere Möglichkeiten. Im Gelände schrumpfen solche Überlegungen aber wieder wegen der gnadenlosen Realität, dass

a) Lebende Tiere nicht warten, bis man ein paar Stative aufgebaut hat
b) Wir nicht sechs Arme haben

Zitat
Keines der oben gezeigten Fotos ist in einem echten Terrarium entstanden. Ich habe inzwischen eine kleine Sammlung von Utensilien: Steinen, Laub, kleine flache Schalen mit Sand oder Moos drin, die dann als Untergründe dienen können (wenn der weiße Teller zu langweilig ist).

Ich habe hier ein sehr schönes Bucht mit fotografien von Spinnen. Auf einem Foto ist der immense technische Aufbau zu sehen, den der Autor treibt, um diese natürlich erscheinenden Bilder zu machen. Alles Schmu!

Martin

Arno Grabolle

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #10 am: 2009-03-08 01:07:06 »
Zitat von: Martin Lemke
Bei Nikon kann man die Macroblitze also auch abnehmen. Die Blitzsteuerung erfolgt über Infrarot.
Ja, ich weiß. Das ist es ja, was mich fasziniert hat. Nun habe ich sowas ähnliches – eben nur viel teurer ;)

Zitat von: Martin Lemke
b) Wir nicht sechs Arme haben
Das Beste wäre ein Fotoassistent, der immer mitdenkt und die Blitzlichte so hält, dass sie ideal belichten.

Zitat von: Martin Lemke
Ich habe hier ein sehr schönes Bucht mit fotografien von Spinnen. Auf einem Foto ist der immense technische Aufbau zu sehen, den der Autor treibt, um diese natürlich erscheinenden Bilder zu machen. Alles Schmu!
Ich wollte das auch immer vermeiden, weil ich befürchtete, es würde unecht wirken und man würde den Stein oder das Blatt irgendwann wiedererkennen. Mit der Zeit macht man sich evtl. mehr Gedanken um den passenden Hintergrund, als um die zu fotografierende Spinne. Und irgendwie ist es halt auch unecht.
Meine letzten Versuche mit den neuen Blitzlichten haben mich allerdings sehr positiv überrascht und beginnen mich langsam umzustimmen.

So groß ist der Aufwandt gar nicht. Oft ist es nur ein Stück Rinde oder ein trockenes Blatt von einem Baum. Bei sehr kleinen Spinnen (Linyphiiden, Hahniiden) stecke ich eh vor Ort immer ein bisschen Moos oder Laubstreu mit ins Sammelgefäß (für die Luftfeuchtigkeit). Daran spinnen sie oft ein paar Fäden an und wenn man das Stück vorsichtig auf einen hellen Untergrund legt, bleibt die Spinne daran sitzen und man kann gleich mit lebensechtem Untergrund losfotografieren.

Arno

Schei**! Jetzt habe ich nicht aufgepasst und habe anstatt Zitieren, Editieren gedrückt und einen Teil Deines Artikels gelöscht! Das ist in der neuen Software wirklich schlecht gemacht. Der zweite Edit-Button ist nicht  bezeichnet.

Zum Glück hatte ich den selben Artikel noch ein einem zweiten Tab offen und konnte den Text restaurieren.

Martin



« Letzte Änderung: 2009-03-08 08:17:46 von Martin Lemke »

Martin Lemke

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Re: Fototechnik: neues Spielzeug
« Antwort #11 am: 2009-03-08 08:05:10 »
Das ist es ja, was mich fasziniert hat. Nun habe ich sowas ähnliches – eben nur viel teurer ;

Viel teurer? Mein System kostet derzeit je nach Anbieter 600 bis 640 Euro. Ich denke, preislich gibt sich der Unterschied nicht viel.

Martin
« Letzte Änderung: 2009-03-08 08:10:27 von Martin Lemke »