Autor Thema: Kokon => Schmetterlingspuppe + Enoplognatha latimana/ovata  (Gelesen 2486 mal)

Klaus Engelstädter

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Hallo miteinander,
habe an einem Waldweg auf 800-900m Höhe im Erzgebirge diesen Kokon entdeckt. Zunächst hielt ich das für einen Schmetterlingskokon, aber die Experten des Lepiforum meinen, es sei von einer Spinne. Der Kokon ist geschlossen, also kein Schlafnest. Nun bin ich mal gespannt, was hier dazu gesagt wird. Vielen Dank!
Herzliche Grüße
Klaus
« Letzte Änderung: 2009-08-29 22:35:44 von Katja Duske »

Arno Grabolle

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Re: Kokon
« Antwort #1 am: 2009-08-27 13:33:55 »
Das sieht sehr nach Cheiracanthium aus.

Warum schließen sich „geschlossen” und „Schlafnest” aus?

Arno

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon
« Antwort #2 am: 2009-08-27 22:11:11 »
Ihr seid die Experten, ich kenne gerade mal das Schlafnest der Eichenblattspinne. Danke für die Bestimmung!
Klaus

Alexandra

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #3 am: 2009-08-28 08:00:22 »
@Arno: Wahrscheinlich, weil ein Schlafnest bei einer tagaktiven Spinne am hellichten Tag offen sein sollte... so der Gedankengang - oder?

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #4 am: 2009-08-28 12:45:42 »
Richtig erkannt, so denkt der Wanderer. Schläft sie nicht herrlich? (2 Sunden später lag sie auf der anderen Seite)

Aloys Staudt

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #5 am: 2009-08-28 12:57:58 »
...an einem Waldweg auf 800-900m Höhe im Erzgebirge...

Hallo,
das sieht doch sehr nach Cheiracanthium punctorium aus. Und dann wäre das
eine sehr interessante Beobachtung:

1) ist die Art im Erzgebirge noch nicht nachgewiesen und
2) vor allem die Höhe wäre der Hammer, weil das zu einer thermophilen
Art nicht so recht passt.

________
Aloys

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #6 am: 2009-08-28 18:29:15 »
Klingt gut, ich geh noch Mal hin! Aber müsste es nicht eine "nach unten offene Gespinstglocke" sein, wie ich inzwischen bei Google gelesen habe? Ich habe mir das lange angesehen, eine Öffnung hatte das Gespinst nicht. Spinnen die sich tagsüber auch ein?
vg
Klaus

Aloys Staudt

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #7 am: 2009-08-28 19:23:11 »
...Spinnen die sich tagsüber auch ein?
Klaus

natürlich vor allem tagsüber, da die Tiere ja nachts auf die Jagd gehen.

----------------------
Ich muss gestehen, dass ich darauf noch nicht geachtet habe, obwohl ich schon Tausende
von Kokons gesehen habe.
Jedenfalls gibt es nach unten offene Kokons und es gibt geschlossene Kokons. Wenn
die Weibchen die Eier abgelegt haben sind die Kokons (wohl) geschlossen und auch wenn
sie eine Zeitlang mit dem Männchen zusammenwohnen. Die Männchen sind nämlich etwas
früher reif und warten dann schon in einem gemeinsamen Kokon auf die Mitbewohnerin, dass auch
sie geschlechtsreif wird.

____
Aloys
Mein bisher höchster Fundort ist 530 m: http://www.spiderling.de/arages/Fotogalerie/species_fg.php?name=Cheiracanthium%20punctorium
Das ist für unsere Verhältnisse im Südwesten bereits montan und die Vegetationszeit ist dort min.
1 Monat kürzer als in den Wärmegebieten.




Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #8 am: 2009-08-28 19:55:03 »
Tolle Fotos, tolle Seite, danke, Aloys! Ob mein Gespinst wirklich Dornfinger enthält, ist aber nicht raus. Wir werden es wohl kaum erfahren. Oder kann man die zum Ausmarsch bewegen?
« Letzte Änderung: 2009-08-28 19:58:03 von Klaus Engelstädter »

Arno Grabolle

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #9 am: 2009-08-28 21:22:08 »
... natürlich. So sind die ganzen von Arachnologen dakumenteiren Beißunfälle zustande gekommen ;)

Ich glaube schon, dass es sich um einen Chairacanthium handelt. Ob es der von Aloys vermutete Ammendornfinger (Ch. puctorium) ist, müsste man herausfinden. Ich hatte auch schon daran gedacht, weil das Gespinst denen der Art wirklich sehr ähnlich sieht (das Nest schein allerdings relativ klein zu sein für die Art). Allerdings weiß ich nicht, ob die Gespinste der anderen ca. 10 Ch.-Arten in De. nicht genauso aussehen können. Für Ch. punctorium wäre der Fundort natürlich eine kleine Sensation.

Wenn du das Gespist vorsichtig ein wenig zusammendrückst (vielleicht nicht unbedingt mit den bloßen Fingern), dann müsste die Spinne herauskommen. Dann kann es natürlich sein, dass sie abspringt und auf nimmer Wiedersehen im Gras verschwindet. Sicherer wäre, das ganze Ding aus dem Grashalm herauszuschneiden und in ein Gefäß zu legen und zuhause versuchen ihn herauszulocken (wenn er das Gespinst nicht schon von allein verlassen hat).

Arno

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #10 am: 2009-08-28 22:08:17 »
Ich bin morgen dort - mal sehen, ob der Kokon überhaupt noch da ist, denn es gab schwere Regenfälle da oben.

Lars Friman

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #11 am: 2009-08-29 14:47:31 »
Man kann die Gespinste auch leicht mit beiden Händen etwas auseinander zerreißen.
Wenn es eine Ch. sein sollte, springt die Spinne keineswegs sofort heraus,
sondern versucht dort im Gespinst zu bleiben, im Schutz. Dann mit einem Grashalm
die Spinne etwas "aktivieren" und hoffen, dass sie doch herauskommt. Wenn nicht,
dann "Methode-Garbolle".
Lars Friman

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #12 am: 2009-08-29 20:11:52 »
Die Sensation ist ausgeblieben - das Gespinst war noch da, aber es ist deutlich eine Schmetterlingspuppe darin zu sehen. Habe die Höhe gemessen - 904m, das wäre was gewesen!


Der Weg hat sich trotzdem gelohnt, denn ich habe in der Nähe eine echte Gespinstglocke gefunden.


Der Bewohner darin war so winzig, dass ich ihn nur verletzt hätte. Ich hoffe, Ihr könnt ihn auch so bestimmen, denn jetzt habt Ihr mich auf Spinnen  neugierig gemacht!



Arno Grabolle

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #13 am: 2009-08-29 20:18:57 »
Ha, so kann man sich irren ;))

Das andere ist eine Theridion-Art (oder was ähnliches), eine Kugelspinne.

Arno

Lars Friman

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #14 am: 2009-08-29 20:31:05 »
Das ist doch Enoplognatha sp.?

Lars Friman

Klaus Engelstädter

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #15 am: 2009-08-29 20:39:48 »
Danke, habe gleich gegoogelt - die ersten Bilder der E. ovata auf dieser Seite haben die gleiche Zeichnung wie meine. Die unterschiedlichen Färbungen der E. ovata sind für mich als Laien aber ziemlich verwirrend.

Arno Grabolle

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Re: Kokon => cf. Cheiracanthium
« Antwort #16 am: 2009-08-29 22:31:59 »
Das ist doch Enoplognatha sp.?

... war eigentlich auch mein erster Gedanke. Habe mich dann aber wieder verwirren lassen. Wird schon stimmen. Enoplognatha latimana/ovata.

Arno

Michael Hohner

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Re: Kokon => Schmetterlingspuppe + Enoplognatha latimana/ovata
« Antwort #17 am: 2009-08-30 17:03:49 »
Ich würde hier auch auf Enoplognatha tippen.