Autor Thema: Peucetia Männchen?  (Gelesen 1124 mal)

Reto Ehrler

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Peucetia Männchen?
« am: 2013-11-28 20:17:19 »
Hi!

Gefunden im Khao sok Nationalpark Thailand. Körperlänge 10mm.
Peucetia sp. oder nur Oxyopidae sp.?


Gruss Reto
« Letzte Änderung: 2013-12-23 13:04:55 von John Osmani »

John Osmani

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #1 am: 2013-11-29 14:07:41 »

Hi Reto!

Also die Gattung Peucetia dürfte stimmen

Mal sehn was andere noch dazu sagen

LG John

Gordon Ackermann

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #2 am: 2013-12-04 20:01:16 »

Also die Gattung Peucetia dürfte stimmen


Woran erkennst du das? Das wäre dann die erste Peucetia Art aus Thailand...

Reto Ehrler

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #3 am: 2013-12-04 20:43:50 »
Hi!

Schon? Was ist dann mit denen Beiden? Die sehen schon eher nach Peucetia aus. Auch am selben Ort gefunden.

Gruss Reto

Rainer Breitling

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #4 am: 2013-12-04 20:52:32 »
Hallo Reto,
Die beiden sehen zumindest deutlich nach Oxyopidae aus. Auf die Gattung würde ich mich nicht festlegen wollen, denke aber eher an Oxyopes sp. (O. lineatipes?). Das ursprünglich angefragte Exemplar ist  eher ein Pisauridae-Männchen, vielleicht eine Hygropoda-Art. Davon gibt es einige in Thailand.
Beste Grüße,
Rainer

Tim L. Heller

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #5 am: 2017-11-19 02:11:11 »
Hallo zusammen,

Tut mir Leid, dieses alte Thema wieder aufzuwärmen.

@Gordon. Es gibt Peucetia spp. in Thailand. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Peucetia sp. Thailand im Hobby. Siehe Bild: 16992149_849297601877504_2226455372989626119_o (Small).jpg
*16992149_849297601877504_2226455372989626119_o (Small).jpg (64.38 KB . 809x480 - angeschaut 149 Mal)

Dem Rest kann ich Rainer Breitling eigentlich vollkommen zustimmen. Ich bin aufgrund der Morphologie und Augenstellung relativ sicher, dass es Oxyopes sp. ist, werde es jedoch bei der Gattung lassen.
Und Hygropoda ist m.E. auch korrekt.

Grüsse,
Tim

Gordon Ackermann

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #6 am: 2017-11-19 08:45:44 »
Hallo Tim

Mit den Namen der "Hobby-Spinnen" muss man immer vorsichtig sein. Die Tiere werden irgendwo gesammelt, kommen dann zu den Händlern in Europa und die geben den Tieren irgend einen Namen damit sie was auf die Dosen drauf schreiben können. Da hab ich in meinen 20 Jahren als Spinnenhalter schon viele haarstreubende Sachen gesehen. Meist basieren diese "Bestimmungen" wohl auf einer Google Bildersuche und nicht auf einer wissenschaftlich korrekten Bestimmung.
Laut dem World Spider Catalog ist für Thailand nach wie vor keine Peucetia Art gelistet. Was natürlich nicht heisst, dass es keine gibt...

Gruss
Gordon

Tobias

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #7 am: 2017-11-20 17:29:39 »
Gordon hat mit allem Recht, allerdings sollte man bei Peucetia davon ausgehen, dass die Art auch in Thailand vorkommt. Ws gibt viele unsystematische Meldungen bzw. Neubeschreibungen der Gattung aus Südasien bis Südostasien. Dieses ganze Chaos hat viel mit der Unordnung und der Art und Weise zu tun, wie vor allem Indische Arachnologen diese Gattung behandelt haben. Kaum eine der Beschreibungen aus Indien kann als gelungen bezeichnet werden und gipfelt in so obskuren und auch handwerklich einfach schlechten Erstbeschreibungen wie Peucetia phantasma. Dadurch traut sich kaum ein Westlicher Arachnologe an die Gattung heran, zumal man aus Indien keine Holotypen bekommt. Da es meines Wissens nach kaum aktive Thailändische Arachnologen gibt, die sich derzeit mit Oxyopiden beschäftigen, werden auch keine Arten aus Thailand gemeldet, da weitverbreitete Arten kaum zu erkennen sind und wahrscheinlich zig jüngere Synonyme haben, und wirklich neue Arten kaum abzugrenzen sind.

Wenn wir noch 50 Jahre warten, können wir die ganzen indischen Arten wahrscheinlich auf einmal in die Mottenkiste packen.

Tobias

Simeon Indzhov

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #8 am: 2017-11-20 19:11:00 »
@Tobias:
Das klingt sehr traurig, und leider beweisen die ersten zwei Publikationen, die Beschreibungen indischer Arten enthalten, Deine Worte. Die Abbildungen von Peucetia phantasma sind schlimm, also nur "irgendwelche" Fotos, wogegen sich ja Peter Jäger in seinem Artikel äußert. (Ich hatte vor einigen Monaten über Facebook mit J. Ahmed ein wenig kommuniziert, und machte ihn aufmerksam - Deiner Worte wegen - darauf, dass er bei der Neubeschreibung der Eriovixia keine Zeichnungen geliefert hat. Seine Antwort war im Sinne: "Die Unterschiede kann man leicht von den Fotos sehen, daher sind keine Zeichnungen nötig"). Zumindest liefern aber Ahmed et al eine Diagnose in diesem Fall.
Der groteskere Fall ist aber Peucetia betlaensis. Ist das nicht ein subadultes Tier? Die Autoren behaupten in der "Remarks"-Sektion, die Art sei von allen Arten unterschiedlich (außer P.latikae), geben aber weder in der Beschreibung noch unter "Remarks" eine Diagnose anhand der Genitalmorphologie (im Gegensatz zu Ahmed et al), nur die Somatik wird diskutiert. Ich frage mich hier, ob das Tier überhaupt als subadult erkannt wurde
Simeon

Rainer Breitling

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #9 am: 2017-11-21 09:26:17 »
Fototaxonomie ist sicher ein Problem, aber besonders faszinierend finde ich die Zeichnungen der "Indischen Schule". Die sind seit Tikaders Zeiten von gleichbleibend grauenvoller Qualität. Ich habe in den letzten Wochen selber ein bisschen versucht, meine Spinnenzeichenkünste zu erweitern, und es ist mir deutlich geworden, wie enorm schwierig es ist, korrekte und ansprechende Zeichnungen zu produzieren. Man muss nicht nur ganz genau hinschauen, sondern auch die Funktion der Organe wirklich im Detail verstehen. Da muss ich noch viel lernen, und auch die wenigsten Abbildungen bei araneae.unibe.ch sind in dieser Hinsicht perfekt. Aber die indischen Zeichnungen sind eine Welt für sich. Peucetia betlaensis ist da nur ein Beispiel von vielen, und ich frage mich ersthaft, wie es möglich ist, so konsistent so schlechte Zeichnungen zu produzieren. Und ich meine das nicht sarkastisch, sondern als echte Frage. An der Qualität der Mikroskope kann es ja nicht liegen; ein Zeiss SV11 (unter dem P. betlaensis betrachtet wurde) ist mindestens so gut wie meine Ausstattung, und Peucetia-Palpen sind vergleichweise riesig. Auch an einem einzigen untalentierten Zeichner kann es nicht liegen, denn die Abbildungen sind über Jahrzehnte hinweg im gleichen Stil gehalten, als hätte sie ein Blinder auf Zuruf gezeichnet. Hat jemand eine Idee wie sich das erklären lässt?
Beste Grüsse,
Rainer
PS: Und natürlich gibt es auch Anlass zu Hoffnung, denn in letzter Zeit gibt es auch eine Reihe ganz hervorragender Arbeiten aus Indien. Nur ein paar Beispiele: Talwar et al. 2017, Sudhin et al. 2017, Sankaran et al. 2017. Vielleicht müssen wir also doch nicht 50 Jahre warten, bevor die Spinnenfauna des Subkontinents mal ordentlich aufgeräumt wird.

Tobias

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Re: Peucetia Männchen?
« Antwort #10 am: 2017-11-21 09:48:54 »
Die gleichbleibende "Qualität" der Zeichnungen kann ich mir auch nicht erklären. Auch, warum diese mitunter konsistent in mikroskopischen Größen abgedruckt werden (Tikader war da noch die Ausnahme). An der Technik glaube ich auch nicht dass es liegt, gerade Inder haben oft sehr gute Geräte zur Verfügung in Universitäten oder Forschungszentren.

Mir fällt vor allem auf, dass diese immer sehr zweidimensional aussehen. Gerade Peucetia-Palpen sind in der dritten Dimension sehr schwierig zu fassen (vor allem durch eine oft vorhandene abstehende Apophyse), in den indischen Zeichnungen scheinen mir diese aber oft wie mit einem Hammer plattgedrückt. Eventuell hat das Tikader auch begründet, und er wird nur viel imitiert.

Tobias