Autor Thema: Miau...  (Gelesen 3227 mal)

pfeiffer

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Miau...
« am: 2009-02-26 00:09:50 »
Die niedlichste (und "pluschigste") Spinne die ich seit langem gesehen habe...
 


Wir sind zur Zeit in Los Angeles und waren heute morgen früh im Stadtpark (Griffith Park) unterwegs. Sehr klein, etwa 5mm und noch ein Jungtier, denke ich, das dürfte Hamataliwa grisea sein, ein Mitglied der Oxyopidae.

-K


Martin Kreuels

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Re: Miau...
« Antwort #1 am: 2009-02-26 08:12:22 »
Hast Du die vorher gekämmt ;-)
Gruß Mat
Dr. Martin Kreuels
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Arno Grabolle

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Re: Miau...
« Antwort #2 am: 2009-02-26 08:27:35 »
Sehr schön! Ich dachte in der Tat im Ersten Moment an eine Springspinne.

Tiere dieser Gattung sieht man ja seltener. Mal keine der üblichen Oxyopes und Peucetias.

Ich frage mich bei Luchsspinnen immer, wofür die diese langen Stacheln an den Beinen brauchen. Ich hatte immer den eindruck, sie dienen irgendwie der Tarnung oder zumindest Verunklärung der Körpersilhouette. Aber diese Art hat sie auch, obwohl sie „Fell“ hat für die Tarnung (die leben glaube ich auf Baumrinde?). Hier scheinen die Stacheln aber so zu stehen, dass sie in Tarnhaltung mehr oder weniger flach anliegen. Sie hallen auch nicht so sehr auf zwischen den anderen Haaren. Aber sie sind eindeutig vorhanden. Warum haben die diese Stacheln? Bei keiner anderen Spinnenfamilie sind die so ausgeprägt vorhanden.

@Kevin: Hast du noch mehr Fotos, aus anderen Perspektiven?

Arno

pfeiffer

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Re: Miau...
« Antwort #3 am: 2009-02-26 16:12:11 »
Sehr schön! Ich dachte in der Tat im Ersten Moment an eine Springspinne.
[...]
@Kevin: Hast du noch mehr Fotos, aus anderen Perspektiven?

Als ich sie im Klopfschirm gesehen habe, dachte ich zuerst an die Philodromidae. Ich habe aber gemerkt wie sie herumspringen konnte und die ausgeprägte Augenregion und habe dann auch an eine Springspinne gedacht. Mein "Spickzettel", eine Liste von den "common spiders of Los Angeles", erwähnt tatsächlich diese Art, aber nur nebenbei: "one other art [in der Fa. Oxyopidae], Hamataliwa grisea, is small, very cryptically colored and resembles a twig bud [kleine Knospe], hence is seldom seen." Das Wort  "grisea" hat mich auf die Idee gebracht, dass es eventuell diese Art sein könnte -- ich kenne das Wort Grisaille, grau, aus der Kunstgeschichte.

-K

« Letzte Änderung: 2009-02-26 16:14:12 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

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Re: Miau...
« Antwort #4 am: 2009-02-27 08:23:14 »
Sehr cool. Die gefällt mir. Der gesamte Körper lässt sich unten zu einer flachen Scheibe zusammenfalten sodass oben nur noch der Augenhügel rausguckt. Sie ist ein Lauerjäger oder?

Arno

Martin Lemke

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Re: Miau...
« Antwort #5 am: 2009-02-27 08:30:27 »
Zitat von: Arno
Ich frage mich bei Luchsspinnen immer, wofür die diese langen Stacheln an den Beinen brauchen. Ich hatte immer den eindruck, sie dienen irgendwie der Tarnung oder zumindest Verunklärung der Körpersilhouette.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dienen Stacheln der Reizwahrnehmung und nicht etwa der Tarnung.

Martin
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Arno Grabolle

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Re: Miau...
« Antwort #6 am: 2009-02-28 10:49:32 »
Das habe ich mir auch schon versucht vorzustellen. Nur diese dicken, starren Stacheln ... was für Reize sollen die denn wahrnehmen?

Wo hast du denn etwas darüber gelesen?

Arno

Martin Lemke

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Re: Miau...
« Antwort #7 am: 2009-02-28 12:25:01 »
Wo hast du denn etwas darüber gelesen?

Barth, Friedrich G. (2001) Sinne und Verhalten aus dem Leben einer Spinne, Springer-Verlag, 424 Seiten, ISBN 3-540-67716-X (Link)


Als „Packend geschrieben“ wie es über dieses Buch auf der Springer-Seite geschrieben steht, würde ich dieses Buch nicht bezeichnen. Es ist sehr wissenschaftlich geschrieben und deshalb teilweise recht anstrengend zu lesen. Die zugrunde liegende Forschung basiert auf Cupiennius salei, aber es werden auch heimische Arten erwähnt (z. B. Philodromus aureolus); aber eben nur erwähnt. Es ist eben ein Grundlagenbuch. Und ganz billig ist es auch nicht.

Trichobothrien (Becherhaare) dienen zumindest dem Erfassen von Luftströmungen. Das sind aber anscheinend nicht die Stacheln. Man müsst sich das genau ansehen. Ich gehe aber davon aus, dass die Stacheln auch einen rezeptorischen Zweck erfüllen. Die Oberflächen dieser Tiere sind übersät mit Sinnesrezeptoren vielfältigster Bauart.

Martin
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Arno Grabolle

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Re: Miau...
« Antwort #8 am: 2009-02-28 18:25:27 »
Ja, Trichobothrien dienen der Wahrnehmung von Lufterschütterungen. Das leuchtet mir ein. Ich nehme an, dass die Luchsspinnen nicht so viele davon am Körper haben, weil sie ja eher Fernwirkungs-Optik-Spinnen sind. Aber diese Stacheln müssen eine andere Bedeutung haben. Vielleicht sind sie auch zur Abwehr von Angreifern ...

Naja, wenn ich mal eine Oxyopes in die Finger bekomme, muss ich mir das mal genau anschaun.

Arno

pfeiffer

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Re: Miau...
« Antwort #9 am: 2009-03-01 19:05:54 »
Ich nehme an, dass die Luchsspinnen nicht so viele davon am Körper haben, weil sie ja eher Fernwirkungs-Optik-Spinnen sind. Aber diese Stacheln müssen eine andere Bedeutung haben. Vielleicht sind sie auch zur Abwehr von Angreifern ...

Ich glaube, die sehen nicht so gut wie die Salticids, und diese Hamataliwa-Art noch weniger gut. Brady (1964) hat geschrieben, dass wenig über das Verhalten dieser Art bekannt ist, da 95% im Kescher gefunden sei. Die haben angeblich zwei Fangmethoden. Die erste ist vom Faden zu hängen bis eine Motte o.ä. vorbeifliegt: http://bugguide.net/node/view/64762/bgimage

Die andere Methode ist mit den beiden Vorderbeinen freiausgestreckt auf Beute zu warten:
http://bugguide.net/node/view/67201/bgimage

Ob die nur seine (Jeff Hollenbecks) Beobachtungen sind, oder Brady oder sonst jemand schon was darüber veröffentlicht hat, weiß ich nicht. Die Sitzhaltung und Tarnung der Art erinnert mich schon ein bisschen an Motten -- ob das eine Zusammenhang (da die Motten fressen) haben könnte?

-K
« Letzte Änderung: 2009-03-01 19:21:09 von Kevin Pfeiffer »