Autor Thema: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica  (Gelesen 362 mal)

Jürgen Guttenberger

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Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« am: 2021-03-21 18:52:34 »
Servus,

heute hätte ich mir bald die Zähne ausgebissen.
Zwei Tiere hatte ich aus einer Eklektorenfalle vom Mai-Juni 2020 an einer Buche.
Das eine Tier konnte ich sofort als A. rurestris ansprechen, beim zweiten Tier wusste ich zuerst nicht so recht, der Palpus hatte doch leichte Abweichungen, das Tier ansich war dunkler als das erste Tier. Nach stundenlangen Vergleichen zwischen A. rurestris, A. ressli und A. alpica bin ich ursprünglich bei A. alpica gelandet, obwohl der Fundort in der Oberpfalz und nicht im Alpenraum liegt.
Ich hab mir dann die Aufnahmen auf Pierre´s Seite angesehen und kam immer mehr ins Zweifeln.
Agyneta alpica
Ich nahm Kontakt mit Theo auf und er meinte, dass ich zur Sicherheit die Lamella genauer unter die Lupe nehmen sollte.
Die Operation war dann doch ein schwieriges Unterfangen aber es hat nun Klarheit gebracht. Das abweichende Tier ist ebenfalls A. rurestris.

Für mich eine wirklich schwierige Determination gewesen.

Hat hier wer ähnliche Schwierigkeiten oder verlässt man sich zu sehr auf den Fundort?

Gruß Jürgen

Martin Lemke

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Re: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« Antwort #1 am: 2021-03-21 21:49:21 »
Moin!

Ich bin noch so ein Spezi für die Bergwelt.

Das mit Agyneta alpica untertitelte Foto: https://arachno.piwigo.com/picture?/34574/search/153429 hätte ich ohne weiteres, hier im Norden gefunden, als A. rurestris bestimmt.

Ich meine in Erinnerung zu haben, dass es bei Ressli auf die Gestalt der Stridulationsrillen ankommt: https://wiki.arages.de/index.php?title=Agyneta_ressli

HTH
Martin

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Simeon Indzhov

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Re: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« Antwort #2 am: 2021-03-21 23:09:03 »
Großer lateraler Lappen der Lamella und dünne, als ob longitudinal gefaltete Spitze -> rurestris, würde ich sagen.
Simeon

Bei mir hat es aus diesem Komplex soweit nur rurestris gegeben, auch vom Gebirge (die aber in großen Mengen), der laterale Lappen ist stets gut sichtbar gewesen. Lediglich einmal ließ ich einen Palpus eines Gebirgexemplares in Milchsäure expandieren. Farbe ist variabel, einige Tiere sind grau, andere schwarz.

Jürgen Guttenberger

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Re: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« Antwort #3 am: 2021-03-22 07:23:24 »
Der Blick auf die Lamella ist nicht immer einfach, erst nach der Präparierung wurde die Struktur eindeutig. Und bei meinem beiden Tieren war eines gräulich, das andere eher rötlich. Also für mich bleibt dieser Artenkomplex schwierig.
Da sich die Tiere über den Luftweg verbreiten, finde ich die Idee gar nicht so abwägig, dass sich reine Gebirgsarten auch mal 100 -200 km durch die Luft nach Ostbayern verdrifften lassen.

Gruß Jürgen

Simeon Indzhov

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Re: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« Antwort #4 am: 2021-03-22 08:19:46 »
Da sich die Tiere über den Luftweg verbreiten, finde ich die Idee gar nicht so abwägig, dass sich reine Gebirgsarten auch mal 100 -200 km durch die Luft nach Ostbayern verdrifften lassen.

Das stimmt - ich habe in meinem Garten schon einmal Araniella alpica gefunden, eine Art der mittleren/höheren Gebirgslagen bei uns (und die ist größer als eine Agyneta!), und auch einige Linyphiidae, die aber normalerweise keine Gebirgarten waren.

Tobias Bauer

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Re: Agyneta rurestris-Agyneta ressli-Agyneta alpica
« Antwort #5 am: 2021-03-22 10:42:43 »
Genau, bei alpica fehlt die Beule an der Lamella. Agyneta sind meine Bodenfallennemesis. A. rurestris, affinis, mollis und eine einzelne fuscipalpa über das Jahr auf einer einzelnen Fläche... da muss man jedes Tier genau anschauen.

Tobias