Autor Thema: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett  (Gelesen 2860 mal)

Jonas Wolff

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@ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« am: 2014-10-31 15:32:03 »
An alle digital Zeichnenden (Arno?):
Gibt es Empfehlungen für ein Zeichentablett? Ich würde gern von Bilder abzeichnen bzw. nachzeichnen. Ich habe einmal so ein Tablett getestet. Was mich irritierte, war, dass man nur dann den "Cursor" sieht, wenn man das Tablett berührt, dabei malt man aber bereits. Ist das immer so? Günstig wäre ja, wenn man den Pinsel auf dem Bildschirm bewegen kann, bevor man malt, damit man auch weiß, wo man hinmalt.
Wie ist der generelle Workflow (Benutzung direkt im Layout-Programm oder Import aus einem speziellen Zeichenprogramm)? Ich arbeite normalerweise mit CorelDraw für Vektorgraphiken, ist es besser AdobeIllustrator oder ganz was anderes zu nehmen?
Ist es auch möglich einen Tablett-PC als Zeichentablett zu verwenden?

Über Auskünfte wäre ich dankbar! (Interessiert vielleicht auch noch andere)

Arno Grabolle

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #1 am: 2014-10-31 21:19:52 »
hallo Jonas,

ich benutze einen Tablett-Bildschirm von Wacom, im Büro etwa dieses Modell, zu Hause einen Vorläufer. Da sieht man direkt, was man zeichnet und kann Vorlagen direkt als Photoshop-Ebene drunter legen. Das ist natürlich sehr bequem, so ein Zeichen-Bildschirm ist allerdings auch eine kostspielige Anschaffung für Illustratoren. Evtl. kann man mit einem gebrauchten, älteren Modell ein Schnäppchen machen, müsste man recherchieren.

Günstigere Varianten davon (Intous) bieten denke ich nicht die Genauigkeit, die man benötigt, um wirklich effektiv nachzeichnen zu können. Das ist eher Spielerei bzw. für kreative Experimente (so werden die Dinger auch verkauft).

Auch die „blinden“ Tabletts halte ich nicht für geeignet, effektiv nachzeichnen zu können. Dann empfehle ich die wesentlich günstigere Investition in einen Lichttisch. Damit habe ich früher auch gearbeitet. Mit Drucker, Flachbrettscanner, Kopierpapier und Finelinern hat man alle Werkzeuge, um gute wissenschaftl. Grafiken herzustellen. Besser werden die nicht, nur weil man sie mit teurer Technik digital herstellt. Es ist etwas (zeit)effizienter und man hat mit einem Tablett mehr Möglichkeiten im künstlerischen Bereich, der meiner Meinung nach hier nicht gefragt ist (?).

Wie sich diese Tabletts so anfühlen, was und wie man mit denen Arbeiten kann, kann man sich wie ich finde ganz gut bei Youtube anschauen (einfach entsprechende Begriffe eingeben).

Arno

Jonas Wolff

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #2 am: 2014-10-31 21:48:48 »
Danke, das hat mir schon sehr geholfen. So hatte ich mir das gedacht. Digital Zeichnung wäre schon gut, zwecks Skalierung und Linienanpassung. Von den Verlagen werden auch immer Vektorgrafiken bevorzugt.
So ein Tablett mit Bildschirm wäre natürlich der Burner, aber das ist natürlich schweineteuer. Mal schauen, ob es günstigere Varianten gibt.
Tablet-PC ist dann wahrscheinlich auch zu ungenau, oder?

Gabriele Wolf

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #3 am: 2014-11-01 05:54:38 »
Hallo Jonathan,

mit ein bischen Übung kann man auch mit der Maus Linien nachzeichnen. Ich zeichne seit Jahren Vektor-Grafiken mit der Maus, allerdings zeichne ich aus dem Gedächtnis und selten nach Fotos.
Mit Illustrator kannst du ein Foto auch in eine Vektorgrafik umwandeln lassen (Interaktiv abpausen). Das nutze ich aber eigentlich nie darum kann ich nicht viel dazu sagen.
Die Konturen musst du so oder so nacharbeiten, egal ob du mit der Maus oder mit einem Tablett arbeitest.

LG Gabriele

Martin Lemke

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #4 am: 2014-11-01 06:29:04 »
Ich hatte mal (gebraucht) Wacom Inkling angeschafft, aber ob das für wiss. Zeichnungen geeignet ist, weiß ich nicht. Es erfordert zumindest was Du forderst und kostet ganz erheblich weniger als eine Lösung, wie sie Arno als Grafiker verwendet, nämlich unter 100 €.

Links:
Youtube
Amazon

Nebenbei: Das Produktdesign finde ich genial.

Martin
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Arno Grabolle

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #5 am: 2014-11-01 17:35:47 »
Ich denke, der Preis der Produkte steigt mit ihrer Genauigkeit, also mit ihrer Eignung für ernsthaftes Nachzeichnen. Selbst die teuren Zeichenbildschirme von Wacom aus den früheren Generationen lassen da noch Wünsche offen. Hinzu kommt, dass das haptische Gefühl beim Zeichnen auf der Padoberfläche ein ganz anderes ist, als beim Zeichnen auf Papier. Es ist leider niemals so griffig. Damit ist es schwieriger ruhige, genaue Linien zu setzen, wodurch das Nachzeichnen noch mal anspruchsvoller wird.

Man zeichnet mit solchen Pads üblicherweise pixelbasiert. Man kann auch Vektoren zeichnen, aber das ist sehr viel aufwendiger und anspruchsvoller. Zudem schränkt man sich an vielen Stellen ein, z.B. beim Korrigieren und es dauert länger. Die Vorteile sind unendliche Skalierbarkeit und geringere Datenmengen. Beide Vorteile halte ich für weniger Wichtig in Bezug auf wissenschaftliche Grafiken.

Ich kann mir vorstellen, dass Vektorgrafiken den scheinbaren Vorteil bieten, schneller stilisierter auszusehen, glattere Linien und Konzentration auf das Wesentliche, weil es einfach extrem Umständlich ist, mehr als das Wesentliche zu machen. In meinen Augen kann man sich aber auch bei einer pixelbasierten Grafik auf das Wesentliche konzentrieren und sauber arbeiten.

Wenn man sich ein wenig im ziehen von sauberen, glatten Linien mit einem Fineliner übt, ist man mit einer handgezeichneten Grafik (über Lichttisch+Scanner) wesentlich schneller. Solche Grafiken sind leicht einzuscannen und bei Bedarf nachzubearbeiten (z.B. Säbern, Korrigieren, Flächen füllen).

Einfache lineare Nachzeichnungen (z.B. von mikroskopischen Details) sind ohne Tabletts oder ähnliches mit etwas Übung schnell mit der Maus zu erstellen. Ich kenne jetzt nur den Adobe Illustrator. Da kann man Bildvorlagen reinladen und dann die gewünschten Strukturen nachzeichnen. In den neueren Versionen gibt es sogar ein Tool, mit dem man die Linienstärke sehr effektives modulieren kann (z.B. dick beginnend und dünn auslaufend, ähnlich einem Pinselsrtich). Damit ist es nun auch endlich möglich Haare und Borsten realistisch darzustellen. Aber die Möglichkeiten zur Darstellung von komplexeren plastischen Strukturen sind mir immer noch zu eingeschränkt. Aber solange es rein linear bleiben soll, ist diese Methode wahrscheinlich die effektivste.

Arno

Martin Lemke

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #6 am: 2014-11-02 00:41:02 »
Keine Ergänzung: https://inkscape.org/de/ ist ein Open source-Programm für Vektorgrafik.

Martin
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Jonas Wolff

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #7 am: 2014-11-02 20:24:08 »
Freihandzeichnen mit der Maus finde ich ziemlich unkomfortabel. Ich habe für Abbildungen Objekte daher oft aus Bezier-Kurven aufgebaut. Das wären allerdings immer schematische Darstellungen von z.B. Versuchs-Aufbauten.

Ich bin jetzt etwas verwirrt: Pixelgrafiken sind unendlich skalierbar und weniger speicherintensiv? Ich dachte immer das wäre gerade der Vorteil von Vektor-Grafiken???

Jonas Wolff

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #8 am: 2014-11-03 09:57:23 »
Mal ein Beispiel. Diese Grafiken benutze ich für verschiedene Abbildungen. Da sie aus Vektoren aufgebaut sind, kann ich sie beliebig rauf- und runter-skalieren und Linienstärke und -farbe entsprechend anpassen, ggf. auch Flächen füllen, etc.

Martin Lemke

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #9 am: 2014-11-03 10:04:14 »
Mal ein Beispiel.

Hast Du die erstellt? Wenn ja, wow!

Ich bin jetzt etwas verwirrt: Pixelgrafiken sind unendlich skalierbar und weniger speicherintensiv? Ich dachte immer das wäre gerade der Vorteil von Vektor-Grafiken?

Nein, das bezieht sich auf Vektorgrafik. Arno schrieb lediglich, dass er für seine Zwecke trotzdem oft mit Pixelgrafik arbeitet, weil es auf dem Pad einfacher geht und meint, dass wahrscheinlich auch für wiss. Grafiken Pixelgrafik ausreicht.

Martin
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Jonas Wolff

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #10 am: 2014-11-03 11:08:59 »
Mal ein Beispiel.

Hast Du die erstellt? Wenn ja, wow!

Danke.

Ich bin jetzt etwas verwirrt: Pixelgrafiken sind unendlich skalierbar und weniger speicherintensiv? Ich dachte immer das wäre gerade der Vorteil von Vektor-Grafiken?

Nein, das bezieht sich auf Vektorgrafik. Arno schrieb lediglich, dass er für seine Zwecke trotzdem oft mit Pixelgrafik arbeitet, weil es auf dem Pad einfacher geht und meint, dass wahrscheinlich auch für wiss. Grafiken Pixelgrafik ausreicht.

Martin

Ach so, dann habe ich das falsch verstanden. Ich habe natürlich nichts gegen Pixelgrafiken. Verlage wünschen aber oft für sogenannte "line art" editierbare Vektorgrafiken im eps-Format. Das gewährleistet auch eine gute Abbildung bei Publikationen in Fach-Journalen, da man dort keinen Einfluss auf das finale Layout hat.

Michael Hohner

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #11 am: 2014-11-03 13:15:24 »
Die Intuos sind auch sehr präzise. Es fehlt dort nur der integrierte Bildschirm, so dass das Feedback schlechter ist. Mit "Spielzeug" meint Arno wohl eher die Bamboo-Serie von Wacom.

Nachtrag: Wacom hat offenbar ihre Produkte umbenannt. Die frühere Bamboo-Serie heißt jetzt auch Intuos, und die frühere Intuos-Serie ist jetzt Intuos Pro.

Arno Grabolle

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #12 am: 2014-11-03 23:24:03 »
Genau, danke Martin. So war das gemeint. Habe mich da vielleicht im Satz zu sehr verschachtelt.

Die Grafiken von Jonas sind wirklich nicht schlecht. So meinte ich das. Für solche linearen Grafiken eignen sich Vektoren sehr gut. Die per digitalen Zeichenstift herzustellen ist meiner Erfahrung nach nicht sonderlich effektiv. Man muss sehr viel korrigieren. Am Ende denkt man immer, man hätte das auch gleich per Maus machen können.

Etwas anderes ist das bei Freiformen, die einen künstlerischen Strich haben sollen (Skizzen, Comics usw.). Aber hier geht es ja speziell ums nachzeichnen und dafür lohnt sich meiner Meinung nach die Anschaffung teurer Hardware nicht.

Allerdings kommen diese Vektor-Zeichnungen – wie oben schon erwähnt – bei plastischen Objekten schnell an ihre Grenzen. Durchscheinende Vulvenstrukturen oder das Zeichnungsmuster einer Wolfspinne sind so nur sehr abstrakt darstellbar. Ein paar Verläufe, Übergänge von weniger zu stärker sklerotisierten Bereichen, transparente Lamellae charakteristicae an den Pedipalpen der Linyphiiden – dafür eignen sich Pxelgrafiken wiederum besser.

Arno

Jonas Wolff

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #13 am: 2014-11-04 09:51:55 »
Genau, danke Martin. So war das gemeint. Habe mich da vielleicht im Satz zu sehr verschachtelt.

Die Grafiken von Jonas sind wirklich nicht schlecht. So meinte ich das. Für solche linearen Grafiken eignen sich Vektoren sehr gut. Die per digitalen Zeichenstift herzustellen ist meiner Erfahrung nach nicht sonderlich effektiv. Man muss sehr viel korrigieren. Am Ende denkt man immer, man hätte das auch gleich per Maus machen können.

Etwas anderes ist das bei Freiformen, die einen künstlerischen Strich haben sollen (Skizzen, Comics usw.). Aber hier geht es ja speziell ums nachzeichnen und dafür lohnt sich meiner Meinung nach die Anschaffung teurer Hardware nicht.

Allerdings kommen diese Vektor-Zeichnungen – wie oben schon erwähnt – bei plastischen Objekten schnell an ihre Grenzen. Durchscheinende Vulvenstrukturen oder das Zeichnungsmuster einer Wolfspinne sind so nur sehr abstrakt darstellbar. Ein paar Verläufe, Übergänge von weniger zu stärker sklerotisierten Bereichen, transparente Lamellae charakteristicae an den Pedipalpen der Linyphiiden – dafür eignen sich Pxelgrafiken wiederum besser.

Arno

Ok, super. Genau das wollte ich wissen.
Für schematische Zeichnungen werde ich demnach mit der alten Methode besser fahren.
Ich muss mal einiges noch ausprobieren und schauen, wie schnell ich an die Grenzen stoße. Da ich kaum taxonomisch arbeite, spielen klassische Zeichnungen bei den mesiten Arbeiten eine weniger große Rolle, aber das kann sich evtl. auch mal ändern. Zudem zeichne ich im Privaten auch mal ganz gern, dann aber lieber auf Papier. Allerdings wäre so ein Tablett für die Foto- und Bildbearbeitung (v.a. zum Maskenziehen) äußerst hilfreich.

Arno Grabolle

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Re: @ v.a. Arno: Digitales Zeichnen / Zeichentablett
« Antwort #14 am: 2014-11-04 19:55:37 »
Ich glaube für taxonomische Zeichnungen per Hand ist ein gut gespitzter Bleistift auf Papier die effektivste Methode. Wenn man das einigermaßen unter Kontrolle hat und mit Scanner und Bildbearbeitungssoftware umgehen kann, kann man ganz vorzügliche anatomische Zeichnungen anfertigen (siehe z.B. Hubers Pholciden oder Haralds Genitalzeichnungen). Es geht schnell und die Möglichkeiten (von geschummerten Verläufen über Schraffuren bis zu klaren Linien) sind groß.

Klarer und noch etwas sauberer wäre der klassische schwarze Fineliner (Roberts). Aber dann muss man Flächen immer auspunktieren und das ist auf dauer sehr sehr zeitraubend (habe ich früher auch gemacht).

Arno