Autor Thema: cf. Coelotes terrestris? <= Färbung passt nicht  (Gelesen 2176 mal)

Alex

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cf. Coelotes terrestris? <= Färbung passt nicht
« am: 2015-02-09 13:55:09 »
Hallo zusammen,

ich arbeite mich gerade in die Spinnen-Bestimmung ein indem ich mich durch etliche Bodenfallen kämpfen muss. Dabei stolpere ich in regelmäßig Abstände über eine Spinne die mit ihrer Merkmalskombination quasi 1:1 auf Coelotes terrestris passt, auch die Epigyne sieht genauso aus, wie man sie auf eurer Wiki-Seite sieht. Das einzige was so gar nicht passen will ist die Färbung des Opisthosomas, dass weiß/gräulich ist. Gibt es Arten mit denen man C. terrestris leicht verwechseln kann, v.a. was die Epigyne angeht? I. inermis und C. atropos möchte ich auf Grund der Epigynenform eigentlich ausschließen.. Neigen Alkoholtiere dazu "aufzuhellen"? Die Spinne stammt aus der Eifel aus einem Buchenwald und ist etwa 10mm lang.

Ein besseres Foto kann ich momentan leider nicht liefern, da ich momentan nur meine Handykamera zur Hand habe.. Falls benötigt kann ich aber morgen auch mal mit einer gescheiten Kamera Bilder machen.

Danke schonmal und viele Grüße,

Alex
« Letzte Änderung: 2015-02-10 20:43:41 von Alex Back »

Michael Hohner

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Re: cf. Coelotes terrestris? Färbung passt nicht
« Antwort #1 am: 2015-02-09 14:55:58 »
Im Alkohol verblassen die meisten Spinnen. Die Farbe ist im Zweifelsfall sowieso das schwächere Merkmal. Wenn die Epigyne nach C. terrestris aussieht, dann ist sie es auch.

Arno Grabolle

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Re: cf. Coelotes terrestris? Färbung passt nicht
« Antwort #2 am: 2015-02-09 18:53:28 »
Hallo Alex, (Alex-ander oder Alex-andra)?

Herzlich willkommen im Forum!

Ja, wie Michael schon sagt. Die Alkoholleichen werden bei Spinnen oft heller. Ich kenne das auch gut von den Coelotinae. V.a. erinnere ich mich an eine extrem aufgehellte I. inermis (siehe Foto im Wiki). Ich würde noch mal die Epigyne genau anschauen. Aber es kann gut auch C. terrestris sein.

Arno

Alex

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Re: cf. Coelotes terrestris? Färbung passt nicht
« Antwort #3 am: 2015-02-10 08:57:59 »
Hallo ihr beiden,

vielen Dank für eure Einschätzung! Aber die Epigyne sieht wirklich C. terrestris ähnlicher als I. inermis, sie sieht mit dieser schwarzen "Abgrenzung" (sorry, ich bin noch nicht so ganz firm was das Spinnen-Vokabular angeht.. ;)) wirklich aus wie ein Viereck, wie es halt auch im wiki abgebildet ist.

Das man sich so 100%ig auf die Färbung bei Alkoholleichen nicht verlassen kann war mir zwar bewusst aber ich fand das jetzt bei diesem Exemplar doch schon recht krass. Ich hatte auch schon die Forensuche bemüht in der Hoffnung das irgendjemand auch schonmal ein Alkoholtier mit so einer Färbung abfotografiert hat, aber dem war leider nicht so.

Vielen Dank und viele Grüße,

Alex(-ander) ;)

 

Arno Grabolle

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Re: cf. Coelotes terrestris? Färbung passt nicht
« Antwort #4 am: 2015-02-10 13:02:49 »
Bei den recht ähnlichen Amaurobius-Arten beobchte ich regelmäßig, dass sich im Leben sehr dunkle (z.B. A. ferrox) nach einigen Tagen im Alkohol nicht nur heller werden, sondern regelrecht auflösen.

Macht nix, wir kennen das Vokabular oft auch nicht so richtig (bis auf wenige Cracks) und behelfen uns mit slchen Umschreibungen. Meist gibt es auch keine einheitliche Nomenklatur für die anatomischen Details.

Arno

Tobias

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Re: cf. Coelotes terrestris? Färbung passt nicht
« Antwort #5 am: 2015-02-10 13:19:19 »
Bei den recht ähnlichen Amaurobius-Arten beobchte ich regelmäßig, dass sich im Leben sehr dunkle (z.B. A. ferrox) nach einigen Tagen im Alkohol nicht nur heller werden, sondern regelrecht auflösen.

Das ist auch bei Coelotes s.l. häufig der Fall. Ungefähr 80% der Tiere, die ich aus Bodenfallen bestimmt habe, sind schon ziemlich mazeriert gewesen. Mitunter war nur noch die Cuticula des Hinterleibs und die Epigyne/Spinnwarzen vorhanden. Der Inhalt hatte sich entweder aufgelöst oder herausgelöst.

@Alex
Dein Tier sieht eigentlich noch ganz gut aus. Tiere aus Bodenfallen verändern mitunter noch drastischer die Farbe. Arbeitet man mit rot eingefärbtem Ethylenglykol, werden Xysticus-Arten leicht rot und alle helleren gelben Tiere sehen plötzlich nach X. lanio aus.

Tobias

Rainer Breitling

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Re: cf. Coelotes terrestris? <= Färbung passt nicht
« Antwort #6 am: 2015-06-30 16:40:19 »
Beim Lesen eines kürzlich erschienenen  Artikels im Journal of Arachnology fiel mir diese etwas ältere Diskussion wieder ein. Es geht in dem Artikel um die aktive Selbstauflösung von Spinnenmüttern, die anschliessend von ihrem Nachwuchs gefressen werden (Zusammenfassung hier). In der Studie wird Stegodyphus lineatus untersucht, aber unter den heimischen Spinnen sind Amaurobius und Coelotes bekannte Beispiele für ein ganz ähnliches Verhalten. Es ist also vielleicht kein Zufall, dass sich ausgerechnet diese Arten in der Bodenfalle zersetzen, sondern ein Hinweis auf diese ganz ungewöhnliche biologische Anpassung. Daher die Frage: gibt es auch von anderen Arten solche Beobachtungen? Und: findet man solche mazerierten Exemplare auch unter den Männchen im Fallenmaterial?
Beste Grüsse,
Rainer