Autor Thema: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten  (Gelesen 6062 mal)

Martin Lemke

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #30 am: 2018-08-18 23:41:55 »
...  (ich dachte anfangs an amentata, aber Somatik widerspricht dies)

Geht es konkreter? Amentata ist möglich, aber ich würde mich da nicht festlegen wollen.

Zitat
Übrigens: Drassodes orientalis muss raus der Liste oben; die ist jetzt Haplodrassus orientalis (syn Haplodrassus isaevi)

Die Liste sollte ausschließlich Rainer pflegen.

Martin
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Simeon Indzhov

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #31 am: 2018-08-19 01:02:47 »
Zeichnung ist bei Pardosa überraschend konservativ und wichtiger als Du denkst - die Zeichnung des Carapaxes vor allem (bei P.danica dünner Medianband, ununterbrochene Lateralbänder, die bis zum Augenregion gehen) sowie der Beine - breit geringelte Femora.

Bei Pardosa amentata ist der Medianband sehr breit, die Lateralbänder unterbrochen, die Femora sehr dicht geringelt.

Eigentlich sieht P.danica einiger Arten as de monticola-Gruppe gleich (siehe P.paludicola zB), aber die Epigyne ist entweder zu unterentwickelt (subadult, daher Lateralprojektionen über die Öffnungen nicht entwickelt?), deformiert, oder ich liege ganz falsch. Ich bin bisher nicht fündig geworden

Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #32 am: 2018-08-19 21:25:28 »
Hallo zusammen,

Ich habe Drassodes orientalis aus der Liste entfernt.

Das Pardosa danica-Foto ist sehr interessant. Ich würde auch sagen, dass das keine normale Epigyne ist. Mein Verdacht wäre, dass es sich um eine Missbildung handelt, vielleicht durch Parasitenbefall. Das Tier ist ja nach der Erstbeschreibung die grösste dänische Pardosa-Art, mit 9mm Gesamtlänge, also wahrscheinlich nicht subadult, und eine so deutliche Prä-Epigyne kenne ich von Lycosiden auch nicht.

Was die Art angeht, scheint P. amentata natürlich naheliegend. Das einzige, was offensichtlich dagegen spricht, wäre, dass Sörensen eine solche Allerweltsart eigentlich hätte erkennen müssen. Aber wenn das Tier frisch gehäutet war und ein bisschen ungewöhnlich gefärbt, und noch dazu besonders gross und genital abartig, war die Ähnlichkeit vielleicht nicht ganz deutlich.

Simeons Gegenargumente verstehe ich nur zum Teil: die Beschreibung sagt doch, dass die Beine kaum oder gar nicht geringelt sind, von breiten Ringeln lese ich da nichts. Auch das Mittelband ist ziemlich breit (sat lata) und nur nach vorne verjüngt. Die Seitenbänder sind durchgehend verbunden, aber das gibt es bei P. amentata auch schon mal, und dass sie die Augenregion erreichen, kann ich nirgends lesen (aber vielleicht übersehe ich das in dem langen lateinischen Text).

Der Lebensraum, eine sonnenbeschienener heidebewachsener Hügel, spricht nicht gegen diese weitverbreitete Art. Aber es stimmt schon, auch Arten der P. monticola-Gruppe würden passen, auch wegen der gelben Beine, und in der Tat noch besser vielleicht P. paludicola, die ich eher in der Verwandtschaft von P. amentata platzieren würde, und die auch von der Grösse her passen würde. Und da Sörensen aus Dänemark nur ein einzelnes Exemplar kannte, wäre es noch weniger verwunderlich, dass er die Affinität nicht erkannt haben würde. Alles zusammengenommen, wäre das mein Favorit, aber eine sichere Identifizierung ist in diesem Fall wohl nicht möglich.

Beste Grüsse,
Rainer

Simeon Indzhov

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #33 am: 2018-08-19 21:59:20 »
In diesem Fall habe ich keine Beschreibungen gelesen (was sich stets als nachteilhaft erweist, natürlich)
 Ich habe lediglich nach diesem Foto meine Kommentare formiert. (Die entsprechende Ventralsicht bei Google images bestätigt, dass die merkwürdige Epigyne diesem Exemplar gehört). Es ist natürlch möglich, dass das Exemplar etwas an Behaarung verloren hat und somit der weiße Streifen etwas schmäler geworden sind.


Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #34 am: 2018-08-20 08:20:52 »
In diesem Fall habe ich keine Beschreibungen gelesen (was sich stets als nachteilhaft erweist, natürlich)
 Ich habe lediglich nach diesem Foto meine Kommentare formiert.
Das ist natürlich geschummelt. Aber die Bestimmung wird dadurch nicht einfacher. Es bleibt wohl dabei, dass es sich hier um ein Monster handelt.
Es wäre schön, wenn alle Museen ihre Phantomarten so hervorragend dokumentieren würden – dann wären die meisten Fälle schnell gelöst.
Beste Grüße,
Rainer

Martin Lemke

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #35 am: 2018-09-01 19:12:44 »
Neuer Fall? Pelecopsis denisi Brignoli, 1983; die auf araneae abgebildete 'Epigyne' schreit danach.

Aus Zeitgründen kann ich das aber im Moment nicht weiter recherchieren. Lt. WSC wurde die Art nur noch von Denis aufgegriffen.

Weitere verdächtige Pelecopsi sp.:
Pelecopsis eminula (Simon, 1884)
Pelecopsis mutica  Denis, 1958
Pelecopsis partita Denis, 1954

Und:
Trichopterna krueperi (Simon, 1884)

Martin
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Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #36 am: 2018-09-03 09:33:59 »
Hallo Martin,

Ich denke, man könnte alle von Denis aus Europa beschriebenen Arten, soweit sie später nicht wiederbeschrieben oder neu gefunden wurden, in die Liste der Verdachtsfälle aufnehmen. Seine Abbildungen sind viel zu schematisch, um ein Wiedererkennen ohne Vergleich mit den Typen zu erlauben. Falls also mal jemand Zeit hat das umfangreiche Gesamtwerk von Denis auf solche Fälle durchzugehen...

T. krueperi steht bereits in der Liste.

@Tobias: Alopecosa edax habe ich wieder entfernt. Der Fall wurde von Buchar bereits ausgiebig behandelt. Dazu gibt es nichts weiter zu sagen, denke ich (das Typusmaterial kommt wahrscheinlich aus Ostasien, wie auch im Fall von Lycosa taczanowskii in der gleichen Arbeit; die Meldung aus Warschau ist ein Versehen des Beschreibers).

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #37 am: 2018-09-03 10:21:56 »
Ok. Ich melde dass dann noch der Araneae. Ich bin in dem Fall leider davon ausgegangen, dass das nachgeschaut wurde.

Würdest du Uloborus rufus Schmidt & Krause, 1995 auch mit aufnehmen oder nicht, weil nicht unbedingt europäisch? Ich habe in dem Fall schon auch recherchiert. Die Typen sind weder bei Peter Jäger im Senckenberg noch in Hamburg bei Danilo Harms zu finden. Für mich ist das einfach eine genitale Variation, die Unterscheidung (breitere epigynale Zapfen an einem einzigen Weibchen) ist nicht stichhaltig. Und rötliche Tiere gibt es ja immer wieder bei U. plumipes (z.B. diese hier http://srs.britishspiders.org.uk/portal.php/p/Picture/s/Uloborus+plumipes+2).

Tobias

Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #38 am: 2018-09-04 08:52:06 »
Ich habe jetzt die Denis-Arten in die Liste eingefügt, und auch gleich die des Grafen von Dalmas. Insgesamt etwa 60 neue Fälle. Einige davon hat Pierre Oger inzwischen wohl wiedergefunden, aber sie wurden noch nicht nachbeschrieben und sind ohne Vergleich mit Typusmaterial kaum sicher zu identifizieren. In einigen Fällen (z.B. Trichoncus und Habrocestum) ist wahrscheinlich eine umfassende Revision der ganzen Gattung nötig, um Klarheit zu schaffen. Andere Arten wurden zwar in der Literatur nachbeschrieben, aber mit Fragezeichen versehen; auch die habe ich als species inquirendae in der Liste belassen. Es kann sich dabei durchaus um legitime Arten handeln, aber ein Anfangsverdacht besteht erst einmal. Beim Durcharbeiten der Denis-Liste wurde deutlich, dass er zwar eine ganze Reihe gut etablierter Formen beschrieben hat (z.B. Pseudomaro aenigmaticus, Xysticus bonneti), aber der grösste Teil seiner neuen Arten wurde nach der Beschreibung noch nie revidiert (vor allem auch viel Material aus Nordafrika), und wo spätere Autoren genauer hingeschaut haben, wurde ein auffallend grosser Anteil in die Synonymie verwiesen.

@Tobias: Uloborus rufus würde ich nicht mit aufnehmen wollen. Auch Arten von Madeira und den Kanarischen Inseln habe ich nicht berücksichtigt. Diese Gebiete erfordern eine eigene gründliche Überarbeitung, die sicher auch wieder einiges an Phantomen zutage fördern wird (wie auch viele andere aussereuropäische Regionen).

Beste Grüsse,
Rainer


Tobias Bauer

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #39 am: 2018-09-04 13:06:01 »
Na gut. :-[ Dann ein sinnvollerer Vorschlag:

Phlegra loripes Simon 1876

Auch wenn es einen neuen Nachweis gibt*, die Art ist anhand der Zeichnung und Beschreibung kaum zu erkennen. Ich habe sie schon in die Liste gepackt.

*Gouveia, A.F. ( 2004 ) Araneofauna (Arachnida: Araneae) do Parque Natural da Serra de Sao Mamede: faunistica e metodos de avaliacao de riqueza especifica . Relatorio de Estagio, Universidade de Lisboa

Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #40 am: 2018-09-04 16:46:51 »
Dann ein sinnvollerer Vorschlag:
Phlegra loripes Simon 1876
Ja, das passt prima. Erstaunlich, dass jemand diese Art wiedergefunden haben will. Sie wurde nach einem subadulten Männchen beschrieben, und die später zur gleichen Art gestellten Weibchen würde ich nach den Abbildungen in Heciaks Doktorarbeit ohne viel Zögern als Ph. bresnieri einordnen. Sind die von Simon angegebenen diagnostischen Unterschiede wirklich überzeugend?

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #41 am: 2018-09-04 17:34:41 »
Naja, eines seiner wichtigsten Merkmale ist: Pattes de la 4° paire seulement un peu plus longues que les
autrPs, non annelées


Der Rest bezieht sich, soweit ich es in der jüngeren Arbeit verstehe, vor allem auf die Färbung. Die Epigynenzeichnungen dazu sind natürlich sehr schematisch.

btw: Kannst du mir sagen, was Simon mit "Patte" meint? Ist das der Tarsus oder die Tibia, eventuell auch das ganze Bein? Ich kenne das nur als Pfote/Tatze wie in "Patte du chat"  ;D (eine Springspinne mit richtigen Tatzen wäre natürlich sehr auffällig), jetzt heißt das aber scheinbar auch noch "Haxe". Ich finde Simon's Texte durch seine etwas eigenen Formulierungen oftmals sehr schwer zu lesen.

Tobias

Pierre Oger

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #42 am: 2018-09-04 18:49:52 »
'Patte' ist das ganze Bein   ;)

Wolfgang Schlegel

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #43 am: 2018-09-04 18:51:54 »
   Hallo Tobias,

"patte" kann nach meinen Erfahrungen mit Simon stets als "Bein" übersetzt werden. Die Übersetzung "Haxe" trifft hier im Sinne von "Bein eines Tieres" zu; "patte" kann auch als Bezeichnung für ein menschliches Bein verwendet werden, hat dann aber scherzhaft-derben Beiklang - wenn ein Poet die Eleganz der Stelzen seiner Freundin preisen will, wird er einen anderen Ausdruck wählen.

   Gruß aus Stuttgart

Edit - Pierre war schneller.
Nach stundenlangem Besinnen
Ähneln sich alle Spinnen.

Tobias Bauer

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #44 am: 2018-09-04 18:54:06 »
Danke euch zwei.

Tobias

Martin Lemke

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #45 am: 2019-01-29 10:08:28 »
Araneae sagt schon alles, das gesagt werden muss: "No illustrations provided by the author" betreffend Oonops hasselti  Strand, 1906

Die eigentliche Beschreibung stammt von Hasselt (1884) und ist auf Niederländisch und Latein verfasst; vielleicht kann das jemand übersetzen (translate.google ist nicht überzeugend)? Hasselt spricht von einem beschädigten Tier.


Die Version im WSC ist nicht sehr gut. Ich habe nochmal neues OCR drüber gejagt. Ergebnis im Anhang.

Martin
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Rainer Breitling

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #46 am: 2019-01-29 13:11:48 »
Der Artikel, in dem der Name vergeben wird, ist super. Strand sagt dort: "die Lokalität der Oonops-Art ist obendrein so unbestimmt angegeben, daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß die Art überhaupt nicht in der arktischen Region gefunden worden ist"! Er meint aber trotzdem, einen Namen vorschlagen zu müssen, ohne das Tier auch nur gesehen zu haben.

Und es wird noch schöner, wenn man in der Originalbeschreibung liest, dass Hasselt das Tier eindeutig als nicht zu Oonops gehörig bezeichnet, denn es sei nicht sechsäugig. Die Augenstellung der vier kleinen Augen sei schwierig zu erkennen, denn das Tier sei ausgerechnet in der "Stirnpartie" beschädigt. Die vier Mittelaugen formen ein Parallelogramm, das hinten etwas breiter ist; die zwei Seitenaugen berühren sich und liegen jederseits in der Mitte zwischen vorderen und hinteren Mittelaugen.

Nach Oonopidae klingt das wirklich nicht, aber in der Beschreibung sehe ich auch sonst nicht viel Charakteristisches. Es soll sich um ein ausgewachsenes weibliches Winzlingsexamplar handeln, strohweiss, mit feinem schwarzen Prosoma-Rand, kurzen schwarzen Haaren, langen Pedipalpen, sehr langen bräunlichen Chelizeren, einem herzförmigen Sternum, Beinformel 4-1-2-3, wenig behaarten Beinen, sehr kurzen Spinnwarzen und einer rundlichen Epigyne, mit verdunkeltem Vorderrand und davor beiderseits schwärzlichen Schrägstreifen.

Beste Grüsse,
Rainer
« Letzte Änderung: 2019-01-29 16:34:11 von Rainer Breitling »

Martin Lemke

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Re: Liste noch zu bearbeitender Phantomarten-Kandidaten
« Antwort #47 am: 2019-01-29 13:33:40 »
Der Artikel fehlte im Wiki. Ich habe Phantomart schon mal reingeschrieben.

https://wiki.arages.de/index.php?title=Oonops_hasselti

Martin
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