Autor Thema: Einbettungen mit Euparal  (Gelesen 2723 mal)

Jürgen Guttenberger

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Einbettungen mit Euparal
« am: 2015-09-30 11:17:56 »
Servus,
ich hab in der letzten Zeit mehrere Versuchsreihen mit dem Einschlussmittel "Euparal" durchgeführt. Grundsätzlich bin ich damit zufrieden, habe aber einige wenige Probleme damit.
Manche Präparate härten auch nach Monaten nicht richtig aus. Unter hohem Druck lässt sich das Deckglas immer noch verschieben.
Ein unangenehmes Gefühl (kratzen) im Hals überkommt mich beim Arbeiten mit E.

Sehr positiv empfinde ich, dass Präparate z.B. Epygine und Vulva fixiert bleiben, will heißen, die Position verändert sich beim drehen nicht. Ich kann also zuerst die Epygine abfotografieren, den Objektträger Drehen und augenblicklich die Vulva in der selbigen Position ablichten.
Nur ein kleiner Hacken ist an der Sache dran.
Ich verwende Normobjektträger mit der Größe  76x26x1 mm, Deckgläser mit der Größe 18x18x0.13-017 mm. Somit habe ich beim abfotografieren beider Seiten immer eine andere Glasstärke/Lichtbrechung. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Fotos die durch das Deckglas fotografiert werden "besser" werden als durch den Objektträger.
Hat schon mal wer versucht, Präparate zwischen zwei Deckgläsern zu fixieren?

Ich hänge mal zwei Bilder an, die so entstanden sind. Die Ergebnisse habe auch einen leichten Gelbstich. Dies wird meiner Meinung ebenfalls duch das Euparal erzeugt.

Ps. kann man dieses Präparat einer einzelnen Art der Pardosa lugubris-Gruppe zuordnen?

Gruß Jürgen

Martin Lemke

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #1 am: 2015-09-30 13:26:26 »
Ich habe mit Euparal noch nicht viel gemacht und dass es ewig braucht, um zu härten (wenn überhaupt), nervt mich auch. Die Möglichkeit von beiden Seiten zu fotografieren, ist ein unbestreitbarer Vorteil.

Geruchlich ist es für meinen Geschmack angenehm und giftig ist es anscheinend nicht. Wenn es in Deinem Hals kratzt, hat es vermutlich andere Ursachen. Der Brechungsindex soll gut sein (was immer das heißen mag). Dies Seite von Klaus Henkel kennst Du? Die optischen Eigenschaften sind sicher gut, aber dass es in 12 Stunden haushärtet, kann ich nicht bestätigen – das gilt vielleicht nur für dünne botanische Schnitte von Dr. Henkel.

Weil es so zäh und klebrig ist, finde ich, ist Euparal schlecht zu handhaben; allein schon, um es von der Flasche auf den Objektträger zu bekommen. Da habe ich oft viel zu viel auf dem Objektträger. Vielleicht sollte ich es mit Alkohol verdünnen, der dann raus verdunstet? Oder mal das Schnelleinschlussmittel Entellan (ca. 8 € bei Bioform) ausprobieren?

Martin
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Michael Schäfer

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #2 am: 2015-09-30 13:39:30 »
Zitat
Wenn es in Deinem Hals kratzt, hat es vermutlich andere Ursachen.

Mein Hals kratzt bei/nach der Arbeit damit genauso. Das hat keine andere Ursache als die Dämpfe vom Euparal - ob die nun giftig sind oder nicht, spielt für mich nur eine untergeordnete Rolle. Reizung ist Reizung.

Lies doch einfach mal im Datenblatt nach. Da steht deutlich:

- Verursacht Hautreizungen.
- Verursacht schwere Augenreizung.
- Kann die Atemwege reizen.

Gruß
Micha
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Sylvia Voss

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #3 am: 2015-09-30 20:19:49 »
Das finde ich schon bemerkenswert im Datenblatt :
"Bei der Arbeit nicht essen, trinken, rauchen, schnupfen.
Von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fernhalten.
Beschmutzte, getränkte Kleidung sofort ausziehen.
Vor den Pausen und bei Arbeitsende Hände waschen.
Gase/Dämpfe/Aerosole nicht einatmen.
Berührung mit den Augen und der Haut vermeiden"

Und das finde ich bedenklich, (denn Euparal enthält laut Datenblatt ein Trioxan), die genauen Angaben zu den Trioxanen findest Du aber so natürlich NICHT im Datenblatt: (folgende Zitate aus Wikipedia) :
"Trioxan ist sehr leicht entzündlich. Die Dämpfe sind im Gemisch mit Luft im weiten Konzentrationsbereich von 3,6 bis 29 Volumen-% explosiv.[1] Trioxan reizt Haut, Schleimhäute und Augen und kann beim Einatmen der Dämpfe die Atemwege und das Zentralnervensystem schädigen."

Interessant, warum wahrscheinlich Campher darin enthalten ist (vermute ich jedenfalls): " In der Bienenpflege findet Campher als von der EU zugelassener Wirkstoff gegen Milbenbefall eine Anwendung und wird oftmals auch in entomologischen Sammlungen zur Desinfektion und zum Schutz vor Sammlungsschädlingen genutzt" .

Naja, hat halt gesundheitlich alles irgendwie seinen Preis ;)
LG
Sylvia

Arno Grabolle

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #4 am: 2015-09-30 22:44:50 »
Meinen Hals reizt es auch. Die Probleme beim Aushärten habe ich auch, aber die sind mMn. zu verkraften.

Die Präparate sehen darin schon sehr schön aus und sind leicht zu händeln. Man wird das aber wohl nicht mit dem Erstfund einer seltenen Art machen. Der Zugriff für spätere Untersuchungen ist doch eingeschränkt. Man kann nicht mehr drehen und wenden, was für genauere Analysen in Grenzfällen oft nötig ist.

Also ist es wohl eine Technik für die zweite/dritte Probe einer Art und eher zum Ausstellen. bzw. Vergleichen. Ob ich jemals die Zeit haben werden, das im großen Stil auch noch zu machen, halte ich für fraglich.

Arno

Martin Lemke

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #5 am: 2015-10-02 09:20:58 »
Hat von Euch jemand das Datenblatt zu Entellan?

Martin
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Katja Duske

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #6 am: 2015-10-02 09:44:03 »

Sylvia Voss

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #7 am: 2015-10-02 20:54:46 »
Hallo Martin
Hier ist es auch in deutsch
https://www.der-hedinger.de/fileadmin/sicherheitsdatenblaetter/M%207961%20Entellan.pdf

Lies  auch mal dies zum Vergleich der verschiedenen  Einschlussmittel:
http://www.klaus-henkel.de/balsame.html

und dies:
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16998.0;wap2
=> Zitat daraus:
"Entellan enthält Xylol und ist deshalb auf die Dauer recht ungesund. Blasen während der Präparation bleiben leider bei diesem Eindeckmittel nach der Aushärtung bestehen. Die Aushärtezeit ist recht kurz, schon nach wenigen Minuten ist das Entellan fest.
Entellan-Präparate sind mir nach einigen wenigen Jahren schon ein paar kaput gegangen ( Deckglasablösung).
Bei Fluoreszenz-Präparaten verwende ich es allerdings hin und wieder, wegen der geringen oder fehlenden Eigenfluoreszenz.
Euparal ist nach meiner Meinung komfortabler und stabiler. An den Geruch habe ich mich gewöhnt und rieche es inzwischen sehr gerne (Geschmacksache).
Der Schwund ist bei Entellan deutlich geringer als bei Euparal."

Und das für Dich als Info -Zitat aus DocCheck in Kürze zu Xylol:
Bei längerer Exposition und Aufnahme über die Atemwege und Schleimhäute wirken Xylole in mehrer Hinsicht gesundheitsschädigend. Es kommt zu:
Kopfschmerzen
Schwindel
Atemnot
Kognitive Störungen
Erhöhung des Krebsrisikos

Aber das haben wir ja eigentlich alle mal in Chemie zu den Aromaten gelernt...
Ich sagte ja schon: es hat alles irgendwie gesundheitlich "seinen Preis" was wir tun...
LG
Sylvia


Martin Lemke

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #8 am: 2015-10-03 14:30:42 »
Xylolhaltige Mittel kommen für mich nicht in Betracht. Entellan ist hiermit gestrichen.

Gibt es nicht etwas gesundheitlich unbedenkliches, das Luftblasen eliminiert und schnell aushärtet? Wenn nicht, muss ich für Euparal wohl einen Aushärte-Ofen bauen (30° C) oder einen Brüter kaufen.

Martin
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Sylvia Voss

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #9 am: 2015-10-03 22:06:03 »
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2186.0

wir hatten vor kurzem die Diskussion um die Probleme der Erhältlichkeit von Eischlussmitteln wie Malinol. Euparal u.a. Ich hatte versprochen, mich des Themas anzunehmen und dies mit Bernd Heim ( Fa. Chemlab) zu diskutieren. Hier das Ergebnis: Die Grundsubstanz des Malinols ist ein synthetisch hergestelltes Harz, das mit Canadabalsam chemisch identisch ist. Dieses Harz ist hart, kann aber in geeigneten Lösungsmitteln aufgelöst werden und härtet dann wieder aus, wenn das Lösungsmittel verdunstet. Chroma verwendet zu dieser Konfektionierung Toluol, welches als giftig gilt und deswegen nicht in den freien Verkauf gelangen darf (Chemikalien-Abgabegesetz). Chemlab wird das gleiche Harz in Butylacetat gelöst als Includal CB anbieten. Dieses Lösungsmittel ist völlig unbedenklich und daher kann das so konfektionierte Harz frei angeboten werden.

Die Eigenschaften sind hervorragend. Der Brechungsindex liegt etwas über 1,5. Der Schwund durch das Verdunsten des Lösungsmittels ist gering. Die Lösung erscheint im Vorratsgefäß ganz leicht gelb; im Präparat ist aber keinerlei Färbung erkennbar. Die Aushärtung erfolgt innerhalb von ca. 2 Tagen so weit, dass das Präparat senkrecht gelagert werden kann.

Chemlab wird jeder Auslieferung eine ausreichende Menge an Lösungsmittel beifügen, damit der Benutzer die Zähigkeit nach Belieben selbst einstellen kann.

Die Überführung der Präparate kann direkt aus Isopropanol erfolgen, ohne, dass Trübungen auftreten.

Ich werde in den kommenden Tagen Fotos entsprechender Präparate hier vorstellen. Außerdem wird zum K-6-Treffen eine ausreichende Menge zur Verfügung stehen.

Bestellungen können ab sofort unter http://www.chemlab.at (Seiten sind noch nicht vollständig) aufgegeben werden.

Herzliche Grüße

Detlef Kramer
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2186.0

Vergleich der verschiedenen  Einschlussmittel: Malinol !
http://www.klaus-henkel.de/balsame.html
LG
Sylvia

Martin Lemke

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #10 am: 2015-10-04 04:04:44 »
Bei Bioform gibt es Verdünner für Euparal. Das werde ich bei der nächsten Bestellung mit bestellen.

@Sylvia: Mann könnte Dein Posting besser lesen, wenn nicht die Hälfte Deines Postings unterstrichen wäre.

Martin
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Sylvia Voss

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #11 am: 2015-10-04 08:38:37 »
Hm, hatte es unterstrichen, weil es das Wichtige der "Botschaft" war und somit der Text "überfliegbar"  und dennoch zu erfassen für die, die zugegeben nicht gern lange Texte lesen... Egal,nächstes Mal dann eben ohne Unterstreichen ;-)
LG
Sylvia

Jürgen Guttenberger

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #12 am: 2015-10-04 12:57:10 »

Weil es so zäh und klebrig ist, finde ich, ist Euparal schlecht zu handhaben; allein schon, um es von der Flasche auf den Objektträger zu bekommen. Da habe ich oft viel zu viel auf dem Objektträger. Vielleicht sollte ich es mit Alkohol verdünnen, der dann raus verdunstet? Oder mal das Schnelleinschlussmittel Entellan (ca. 8 € bei Bioform) ausprobieren?

Ich tauche hierfür eine Metallnadel mit einem kugeligem Endstück/Spiitze in die Flasche. Das Dosieren funktioniert hiermit (bei mir) gut.
Die Erfahrung (immerhin schon ca. 30 Versuche) hat mich geleehrt, dass "lieber zuviel als zuwenig" der bessere Weg ist. Im Mikroskopie-Forum habe ich mal gelesen, dass man an den Rändern des Deckglases Nagellack zum Versiegeln verwenden kann, damit keine "Ausdünstungen" von Euparal im Laufe der Zeit stattfindet.
Ausprobieren?

Jürgen

Guido Gabriel

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #13 am: 2015-11-12 21:31:04 »
Xylolhaltige Mittel kommen für mich nicht in Betracht. Entellan ist hiermit gestrichen.

Gibt es nicht etwas gesundheitlich unbedenkliches, das Luftblasen eliminiert und schnell aushärtet? Wenn nicht, muss ich für Euparal wohl einen Aushärte-Ofen bauen (30° C) oder einen Brüter kaufen.

Martin

Also ich lege die Objektträger einfach zwei drei Tage auf die Heizung, wozu soviel Aufwand mit Brutautomat etc.?

LG Guido

Martin Lemke

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #14 am: 2015-11-13 05:42:46 »
Also ich lege die Objektträger einfach zwei drei Tage auf die Heizung, wozu soviel Aufwand mit Brutautomat etc.?

Energiekosten. Die Hauptfaunenzeit liegt bei mir nicht in der Heizperiode.

Martin
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Rudolf Lukes

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Re: Einbettungen mit Euparal
« Antwort #15 am: 2019-03-04 17:35:08 »
@Sylvia Voss

Gibt es schon Erfahrungen zu Includal CB?
Bilder, Haltbarkeit, Handling?