Autor Thema: Norwegen Oktober 2009  (Gelesen 7058 mal)

Arno Grabolle

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Norwegen Oktober 2009
« am: 2009-10-18 23:19:15 »
Hallo,

Wie schon erwähnt war ich vom 5. bis 15. Oktober mit 12 Kollegen, Anhängen und Freundeskreis in Norwegen und wohnte in einer Holzhütte in Risnes am Rande des Sognefjords (ca. 100 km nördlich von Bergen -> Maps). Ich unternahm natürlich einige Spinnenexkursionen und sammelte auf Wanderungen nebenbei.

Im wesentlichen könnte man die besuchten Biotope in dre Gruppen unterteilen:
1. Die kleine Insel, auf der ich wohnte (ca. 1x2 km/höchste Erhebung 60 m) mit waldartigen Bereichen, warmen, besonnten Felsen, offenen Sumpfigen Flächen und Kiesstrand/Meeresküste.
2. Die Berghänge des 780 m hohen Felsmassivs (Liesten) auf dem gegenüberliegenden Festland. Ebenfalls mit Wald und offenen trockenen und feuchten Bereichen. Es gab verschiedene Arten von Blockhalden und sehr viele Bäche. Hier durchwanderte man in kürzester Zeit Wald- und Latschenkieferzone und gelangte über die Baumgrenze mit montanen Rasen.
3. Das Hochplateau des Felsmassivs von 600 bis 780 m Höhe, dass nur noch teilweise von Gras und Heide bewachsen war mit vielen kleinen Seen. Hier schneite es bereits.

Das Wetter und die Temperaturen waren wider erwartend ganz angenehm. Auch wenn es zu Anfang dauerregnete, war es nicht kalt. Wir waren mit allerlei Regenbekleidung gut gewappnet. Die letzten Tage wurde es dann richtig sonnig und schön. Die klimatisch ausgleichende Wirkung des Golfstroms ist hier extrem. Erst hier in Deutschland zurück registriere ich so richtig, den Unterschied zwischen atlantischem und kontinentalem Wetter. Hier ist es richtig kalt :(( Das Wasser hatte dort immerhin 14°C.

Meine vorläufige Artenliste enthält ca. 70 Arten. Durch die unübersichtlich vielen Linyphiiden, die ich eingesammelt habe, könnten noch ein paar dazu kommen. Ich kann schwer schätzen, wie viel Prozent schon/noch reif/bestimmbar sind.



Fotos:
1. Die Insel Risnesoyna von der Spitze des Felspmassivs (Risnesnipa) aus fotografiert
2. Der Risnesnipa mit der einzigen anwesenden Person
3. etwas verhangender Blick auf Risnes
4. Beim Aufstieg auf den Risnesnipa
5. Blockhalden in Wäldern gibt es häufiger. Diese sind mit trockenerem Moos überwachsen. Hier habe ich zum ersten Mal Aloys „Baumlausen“ eingesetzt (Klopfschirm unten anhalten und mit der Hand das Moos durchkännen und -schütteln). Dabei habe ich überaus viele Spinnen gefunden.
6.+7. Weberknechte
8.+9. Linyphiiden-Pärchen aus der unmittelbaren Meeresufer-Nähe (Kiesstrand)
10.+12. weitere Linyphiiden
13. Diese große, kräftig gebaute Art war auf dem kargen Hochplateau des Liesten (Felsmassiv) überaus abundant. Unter Steinen, meist an feuchten Stellen, fand ich sie immer wieder und noch viel häufiger ihre weißen Kokons, die unter den Steinen angelegt werden. Auch auf Schneefeldern war die Art aktiv.
14. Ich fand in der ganzen Zeit nur zwei Clubiona-Exemplare.
15.-16. Recht häufig, v.a. im Moos auf den Blockhalden: Cryphoeca cf. silvicola. Die Art dringt aber auch bis weit über die Baumgrenze vor.
17. Überrascht hat mich der Fund einer Micaria-Art an sonnigem Felsen
18. Auch diese stattliche Zelotes fand ich auf sonnigem Felsen.
19. Diese Trochosa-Männchen waren überall zu finden
20. Pseudeuohrys erraticus, eine der wenigen Springspinnen hier, lebt auch in Flechten an Felsen oberhalb der Baumgrenze.
21. Der Liesten in voller Pracht.

Arno
« Letzte Änderung: 2009-10-18 23:21:52 von Arno Grabolle »

Martin Lemke

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #1 am: 2009-10-19 00:01:29 »
In 3D sieht die Gegend gleich ganz anders aus. Via maps.google hatte ich an ein kleines flaches Eiland gedacht.

Ich bin gespannt, was Deine Auswertung ergibt.

Martin
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pfeiffer

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #2 am: 2009-10-19 15:32:37 »
13. Diese große, kräftig gebaute Art war auf dem kargen Hochplateau des Liesten (Felsmassiv) überaus abundant.

Ja, schön kräftige Beine, und gleichzeitig schlank. Nur kurz überlegt, ob das Macrargus sein könnte?

-K

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #3 am: 2009-10-19 21:43:48 »
Nein, Macrargus hat kräftige Cheliceren, aber im Vergleich zu dieser Art noch wahnsinnig dünne Beine. Wenn man sich bei meiner Art mal auf den Unterschied zwischen Vorder- und Hinterbeinen konzentriert, wird man erkennen, dass da jemand ein wenig im Fitnessstudio war.

Von der Größe und der Dunkelheit her passt Macrargus aber gut. Auch Lebensraum und Phänologie sind nicht ganz unähnlich. Ich wede die Art jetzt mal bestimmen ...

Arno

pfeiffer

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #4 am: 2009-10-19 21:46:39 »
Nein, Macrargus hat kräftige Cheliceren, aber im Vergleich zu dieser Art noch wahnsinnig dünne Beine.

Ja, du hast Recht. Solche kräftige Vorderbeine auf einer Linyphiid habe ich nie gesehen (denke ich).

-K

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #5 am: 2009-10-19 23:14:25 »
... war ein wenig kniffelig ... Es ist Leptothrix hardyi, eine in Nordeuropa (und mit einigen Funden auch Norddeutschland) beheimatete Spinne. Sie soll nicht häufig sein. Interessanterweise beschreibt Roberts das mit den Beinen auch (-> S. 104).

Dr interaktive Bestimmungsschlüssel hat mir wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mein Männchen (eines der größeren) hatte eine Prosoma.-L. von 2,1 mm. Ich habe im IntKey 2 mm eingegeben. Die Art war aber nicht dabei, denn sie ist mit 1,6 mm eingetragen.
Irgendwie habe ich das Gefühl, die haben für die Daten in dem Schlüssel immer nur ein einziges Exemplar aufgenommen. Die Prosoma.-Länge wird z.B. nie als Wertspanne angegeben (z.B. 1,6–1,8 mm) sondern immer nur als ganz konkreter Wert.

Arno

pfeiffer

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #6 am: 2009-10-19 23:34:32 »
Ich freue mich auf das Pedipalpenbild, aber jetzt gehe ich ins Bett. Vielen Danke für die Rückmeldung.


-K

Martin Lemke

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #7 am: 2009-10-20 02:00:20 »
... war ein wenig kniffelig ... Es ist Leptothrix hardyi, eine in Nordeuropa (und mit einigen Funden auch Norddeutschland) beheimatete Spinne.

Diesen Namen habe ich noch nie gehört. Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas überhaupt bestimmen kann.

Martin
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pfeiffer

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #8 am: 2009-10-20 07:55:24 »
Diesen Namen habe ich noch nie gehört. Es ist mir ein Rätsel, wie man so etwas überhaupt bestimmen kann.

Und hier in Europa ist das -- dank Roberts -- tausendmal einfacher. Im schlimmsten Fall könnte man die dorsalen Abbildungen von Roberts durchsuchen (wenn auch nicht jede Art dabei ist) und wo das Habitusbild zu passen scheint (er ist dabei), den entsprechenden Text anschauen (wie Arno sagt, die kräftigen Vorderbeine werden erwähnt). Und das alles zuerst ohne Pedipalpen anzuschauen. Auswendig wäre das, ist aber eine Möglichkeit. Dieser Linyphiidenschlüssel, den Arno erwähnt ist eine viel bessere Methode, aber anscheinend noch nicht ganz aufgereift.

In den USA, gibt es Abbildungen und Gattungsschlüssel nur für die männlichen Linyphiiden. Die Beschreibung (und Habitusbilder, in den meisten Fallen) muss man in den Literatur finden.

-Kevin
« Letzte Änderung: 2009-10-20 08:10:37 von Kevin Pfeiffer »

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #9 am: 2009-10-20 23:28:20 »
@Martin: ich auch nicht ... als IntKey kein Ergebnis brachte blieb mir nur wieder die althergebrachte Methode: Roberts von vorn bis hinten durchblättern. Da ich den Palpus vorher fotografiert hatte und gut angschaut, erkannte ich ihn sofort, als ich auf der Seite war. Auch die Kopfregion ist recht charakteristisch.

Hier die Bilder:

Arno

Glenn Halvor Morka

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #10 am: 2009-10-21 12:15:57 »
Fantastic report, Arno!:)

Beautiful pictures!

Glenn.
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Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #11 am: 2009-10-23 00:00:32 »
Thanks Glenn!

hier die Detailbilder von Centromerita concinna (Oben Bild 10 und 11):

Arno

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #12 am: 2009-10-24 23:10:50 »
Weiter gehts:

1+2: Eine Pardosa-Art, die dort sehr häufig war.
3+4: Besonders erfreut bin ich über Scotina cf. gracilipes. Man sieht deutlich das Muster auf dem Opisthosoma, welches die Art von der ähnlichen G. palliardi unterscheidet. Das wäre dann die dritte der drei mitteleuropäischen Arten der Gattung.

Und noch einige Linyphiiden ...
5. bis 7. stammen auf Blockschutt unterhalb eines Gletschermauls im Landesinnern
bei der Art auf den Bildern 8 und 9 könnte es sich um die von Glenn hier vorgestellten Art handeln. Die Bestachelung der Unterseiten der Tibien 1+2 sieht zumindest ähnlich aus.
10+11 sollte Macrargus rufus sein.

Arno
« Letzte Änderung: 2009-10-24 23:12:37 von Arno Grabolle »

Glenn Halvor Morka

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #13 am: 2009-10-25 00:46:48 »
Nice pictures again, Arno! How long can you keep them in capture before photographing?

Interesting finding of the Scotina gracilipes. Have you got a picture of the epigyne? The drawings of this species epigyne are so different from eachother on the Unibe.

http://www.araneae.unibe.ch/Bestimmung/familienschluessel/liocranidae/scotina/Scotina_gesamt.htm


Glenn.
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Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #14 am: 2009-10-25 08:59:14 »
Thanks Glenn.

Its different from species to species. Some of this are very sensitive and dies some days later (i.e. little Linyphiids). I try to photograph this species at first. Others are very resistant (Thomisidae, Gnaphosidae) and are able to alive some month in dry containers.

After a excursion I try to make at first so much as able life pictures of the spiders. The genital pictures follows later ...

Arno

Katja Duske

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #15 am: 2009-10-25 09:03:00 »
Hallo Arno,

hast Du die "Außenfotos" auch zu Hause gemacht, sprich Natur nachgebaut, oder sind die wirklich aus Norwegen?

LG Katja

Lars Friman

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #16 am: 2009-10-25 09:11:15 »
Nee, das macht er auch?

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #17 am: 2009-10-25 11:25:12 »
Hallo Katja,

es ist ganz einfach. Vorort mache ich Landschaftsaufnahmen, für mich als Erinnerung und als „Lebensraumtypen“. Wenn ich Spinnen sammle, entscheide ich bei jedem Exemplar, ob ich es zuhause nochmal lebend fotografieren will, oder ob das nicht nötig/möglich ist, weil davon z.B. schon genug Fotos existieren oder weil die Spinne die lange Reise sowieso nicht überleben würde. Also kommt sie entweder in ein Gefäß mit etwas Moos (je nachdem, wie feuchtigkeitsbedürftig mir die Art vorkommt) oder direkt in Alkohol.

Wenn ich von einer Exkursion zurückkehre, nehme ich meist noch ein paar Materialien (Steine, ein Stück Rinde oder Moos) aus dem Sammelgebiet mit.

Die lebenden Spinnen versuche ich zuhause so bald als möglich abzufotografieren. Dazu verwende ich entweder die mitgebrachten Materialien als Kulisse (das ist etwas zeitaufwendiger aber die Fotos werden natürlicher) oder ich fotografiere einfach im Suppenteller. Oft mache ich auch beides – man sieht dann sehr schön, wie unterschiedlich die Tiere auf verschiedenen Untergründen wirken können.

Inzwischen hat sich aber auch schon ein gewisses Arsenal an Steinen, Holz usw. in meiner Wohnung angesammelt, auf dass ich zu Not zurückgreifen kann.

Manchmal habe ich Lust, direkt Vorort Spinnen zu fotografieren. Der Vorteil dabei ist, dass die Spinnen im eigenen Habitat nicht verstört sind und weniger Fluchtreaktionen zeigen. Die Nachteile: Die schwere Fotoausrüstung muss den ganzen Tag herumgeschleppt werden und ich finde aus Zeitgründen höchstens ein viertel der Arten wie auf reinen Sammelexkursionen. Außerdem ist mir bei solchen Aktionen auch schon die ein oder andere Spinnen auf nimmer wiedersehen entwischt, was immer besonders ärgerlich ist.

Die Fotos zuhause entstehen mit zwei getrennt positionierbaren Blitzen rechts und links neben dem Motiv, welche vom Fotoapparat per Infrarot ausgelöst werden. Das so entstehende Licht ist sehr plastisch und gut steuerbar. Dieses Arrangement in der Natur aufzubauen würde sehr viel Aufwand bedeuten (abgesehen vom Mitschleppen). Darum würde ich draußen auf einfachere Möglichkeiten zurückgreifen (z.B. Ringblitz), was wieder Einbußen bei der Qualität der Bilder bedeutet.

Also hat sich diese Prozedur (mitnehmen und zuhause künstliche Kulisse bauen) inzwischen als die praktikabelste erwiesen.

Arno

Antje Schulte

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #18 am: 2009-10-25 19:25:38 »
Genial! Ist das schön! *seufz* :-)

Antje

Katja Duske

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #19 am: 2009-10-25 21:42:06 »
Hallo Arno,

das sind echt gute Anregungen dabei. Mein Problem ist momentan noch, daß ich eine Spinne sofort einfange, wenn ich sie sehe, damit sie nicht abhauen kann. Hinterher denke ich dann immer: Mann Du hast schon wieder vergessen, vorher Fotos zu machen. Aber ich werde das zu Hause auch mal nachzustellen versuchen. Immer nur die Fotos in der Tasse finde ich auch nicht so schön. Ich möchte auch mal welche in "natürlicher" Umgebung.

LG Katja

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #20 am: 2009-10-25 23:05:22 »
Heute habe ich noch einige Spinnen fotografiert und einige Genitalien. Die Fotos sind aber noch nicht alle bearbeitet.


1. Diese trächtige Linyphiide ist Centromerita bicolor (also die zweite Art der Gattung, siehe oben). Ich glaube auch, dass das Die Spinne ist, die Glenn versucht hat zu bestimmen.
Glenn, I think its your spider ...
Auch mein Exemplar war etwas größer als in der Literatur beschrieben. Das zugegebenermaßen trächtige Weibchen maß 4,5 mm (1,5 mm Prosoma.L.).

2. Die Epigynen der beiden Scottina-gracilipes-Weibchen von oben.

Arno
« Letzte Änderung: 2009-10-25 23:07:29 von Arno Grabolle »

Glenn Halvor Morka

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #21 am: 2009-10-26 00:21:58 »
Nice, Arno! :)

I see foreward to see the picture of my specie. :) My thought is that your specie is quite lighter on the abdomen than mine. If it is a different specie, or a color variation, will be exiting to know.


 -Glenn.
« Letzte Änderung: 2009-10-26 10:23:06 von Glenn Halvor Morka »
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Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #22 am: 2009-10-27 16:48:11 »
Eine leichte aber krankschreibungspflichtige Krankheit zwingt mich z.Z. das Haus zu hüten, was natürlich der Aufarbeitung der Norwegen-Spinnen zugute kommt.

Das ist Zelotes latreillei, was bei der Größe (8 mm) schon zu vermuten war ... Epigyne unten.


Und weitere Linyphiiden:
2. Wie schon vermutet handelte es sich bei einer der größeren dunklen Linyphiiden um Macrargus rufus
3.–5. Auch diese ist keine Überraschung, aber neu für mich: Labulla thoracica. Diese Art war im fetten Moos, dass in Wäldern über Blockhalden hing, nicht selten. Ich fand sowohl Jungtiere, als auch ein reifes Weibchen.
6.–8. Jetzt habe ich auch mal diese beeindruckende Epigyne gesehen, die Martin neulich fotografiert hat: Helophora insignis

Arno

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #23 am: 2009-10-28 23:19:53 »
Wetere Arten:

1. Cryphoeca silvicola (wie oben schon vermutet). Es war ein Prachtexemplar von 3,7 mm länge.

2. Die Springspinne von weiter oben ist tatsächlich Pseudeuophrys erratica. Ich habe die Art zum ersten mal genital bestimmt. Hat eine komische Epigyne fast ohne äußerliche Strukturen und auch die Vulva besteht eigentlich nur auf zwei kleinen bohnenförmigen Samentaschen.

3. Drepanotylus uncatus, eine in feuchten Lebensräumen vorkommende Linyphiide. KL: 2,9 mm. In diesem Fall hat es mit dem Interaktiven Bestimmungsschlüsel sehr gut geklappt. Hat eine sehr markante mickeymaus-förmige Epigyne.

4. Hier habe ich es gar nicht erst mit den Bestimmungssystem versucht, weil ich mir sicher war, dass es eine Centromerus-Art ist. Nach einigem Hin- und Herblättern im Roberts stieß ich dann aber auf größere Ähnlichkeiten in der Nachbargattung Meioneta. Dort passte M. saxatilis ganz gut. Um das nochmal zu überprüfen, schaute ich auch im Schlüssel der Uni Bern nach. Dort gab es dann eine nahe verwandte Art, die erst 1993 von Schikora beschrieben wurde: M. mossica. Letztere unterscheidet sich nur durch einige ganz feine Details am Palpus von M. saxatilis. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Männchen zu M. mossica gehört.
Nach der Checkliste im Internet ist noch keine einzige Meioneta-Art in Norwegen gemeldet.

Arno
« Letzte Änderung: 2009-10-28 23:24:00 von Arno Grabolle »

Glenn Halvor Morka

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #24 am: 2009-10-29 01:33:38 »
Nice!

Interesting found of Meioneta mossica. I can`t see any registrations of this specie before. This Norwegian checklist is not updated for a while, and I dont know if any individs are found lately. Anyhow, our spider conservator Kjetil Aakra has a profile on this forum, and this finding of yours is surely very interesting for him. It would be cool with a new specie for Norway! :)


Glenn.
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Kjetil Åkra

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #25 am: 2009-10-29 11:07:56 »
Hi Arno.

Very interesting to read about your excusion and your finds.

I am sorry to say that Agyneta mossica is not new to Norway. I discovered this species back in 2000. The reason you don't see any Meioneta in the checklist is that I chose to follow certain Finnish and Russsian authors in treating Meioneta as a synonym of Agyneta. So, look under Agyneta and you'll find them!

I actually wrote an article in the Norwegian Journal of Entomology about the discovery. it was a revision of all available material of A. (M.) saxatilis and I thus presented all known records at the time of both A. saxatilis and A. mossca. I think it was my first publication after having graduated, actually.

Anyways, here's some drawings I made (scanned from the article) of the distinguishing characheristics of the species.



The known records were presented in two maps in the article, here's some new ones I've made since:


A. saxatilis


A. mossica

The reference to the article is: Agyneta mossica (Schikora, 1993) (Araneae, Linyphiidae) in Norway. Norw. J. Entomol. 47: 95-99.

Best regards,

Kjetil

pfeiffer

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #26 am: 2009-10-29 15:53:22 »
Many thanks, Kjetil!

Was it here that the synonomy was proposed (or where)?

Aakra, K., 2000b. Agyneta mossica (Schikora, 1993) (Araneae, Linyphiidae) in Norway. Norw. J. Entomol. 47: 95-99.

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #27 am: 2009-10-29 19:31:49 »
Hallo Kjetil

Thanks for your detailed answer. I was thinking, such like this must be the reason for the lack of Meioneta-species in the Norway list. But I didn't find any clue for this in Platnicks catalog.

What do you think about my specimen. Is it mossica? I've found only 1 tooth on the paracymbium (arrow) and the tibial apophysis seems to be less rounded (double arrow).



If you be interested, I can send you the complete list of species, I'd found (if I will finished the determination). As I've seen in your distribution maps, I think nobody collected spiders in this area before me ... or am I wrong? Its around N: 61°08'54" E: 5°10'59"

Arno

Arno Grabolle

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #28 am: 2009-10-29 23:07:26 »
Diese beiden hier sind Halorates reprobus. Ich fand sie zusammen in einem Netz zwischen Steinen in der Brandungszone der Meeresküste. Sie müssen an dieser Stelle ab und zu Meereswasser ausgesetzt gewesen sein. Die Beschreibung zur Ökologie der Art passt auch genau dazu: „Meeresküsten und Salzebenen“ (Roberts, SoGB II). Ich habe sogar das Gefühl, dass schon der Gattungsname auf eine gewisse Beziehung zu Salz hindeutet. Genitalien kommen morgen.




And here is my yellow Philodromus for Glenn ...
(BTW: your spider didn't arrive until today)



Arno
« Letzte Änderung: 2009-10-29 23:09:07 von Arno Grabolle »

Kjetil Åkra

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Re: Norwegen Oktober 2009
« Antwort #29 am: 2009-10-30 10:42:30 »
Hi.

No, I didn't propose the synonym. It was done in this paper: Saaristo, M. I. & S. Koponen 1998. A review of northern Canadian spiders of the genus Agyneta (Araneae, Linyphiidae), with descriptions of two new species. Can. J. Zool. 76: 566-583.

Here is what Platnick has to say about the synonymy:

"N.B.: not a senior synonym of Meioneta Hull, 1920 (or of Aprolagus Simon, 1929 and Syedrula Simon, 1929, which are instead considered junior synonyms of Meioneta) per Wunderlich, 1973b: 418, contra Saaristo, 1973b: 461; some authors (such as Tanasevitch, 1988) continue to regard Meioneta Hull, 1920 as a subgenus of Agyneta (contra Millidge, 1977 and Merrett, Locket & Millidge, 1985), but as Saaristo & Koponen (1998) provided no additional evidence and there still seems to be substantial disagreement, those species are listed separately here, even though that has necessitated some new combinations."

In my check list I tried to follow Platnick throughout, but I made an exception for these two genera (made clear in the introduction) as I could see the similarities and found it a natural grouping. I am not so much in favour of this splitting of genera that has taking place in recent years, especially amongst the group we used to call "Lepthyphantes", but as most of them seem to be based on good characters we have no choice but to follow them, of course.

When I publish a new updated check list (which I must do soon if Glenn keeps up his findings!) I'll probably use Meioneta again, I think it is best to be 100 % in agreement with Platnick.

If you find only one tooth on the paracymbium it is mossica. It seems to be a very godo character and I haven't found any intermediaries in my material.

If would be very interested in a species list as you are right, there has been very little collection in that part of Western Norway. As a matter of fact we do have a few "white spots" on the Norwegian map still, but I am trying my best to rectify that. Two yars ago I went on a 5-day excursion to Finmark collecting spiders. I found one species new to Norway and some new regional records. besides, the trip itself was fantastic. I could post some photos here if you guys are interested. I got pictures of lanscapes, animal life and of course, spiders! I brought a friend who is a profesional photographer with me and he got some fantastic shots.

Glenn and me are also working on a major book on Norwegian spiders which we hope to have published next year. In that regard I would be very interested in using some of your photos, if possible, as they are of Norwegian spiders and we want to illustrate as many species as possible.

Best regards,

Kjetil