Autor Thema: Ecuador 2016  (Gelesen 7585 mal)

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #60 am: 2016-10-21 08:31:23 »
Ich habe immer noch Schwierigkeiten, diese Art einer Familie zuzuordnen ...

Araneae-spec_Ecuador-Quito_16-09-14_02.jpg
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Eckdaten:
- nächtlicher Jäger, tagsüber unter Steinen
- bis etwa 10 mm lang, flacher Körperbau
- fast unbehaart, v.a. Prosoma
- Beine mit gut entwickelter Fuß-Scopula, Fangscopula und ausklappbaren Fangstacheln
- Beine auffällig gleich lang
- auffällig lange, außen kolbig verdickte Pedipalpen.
- läuft schnell, gleichmäßig, kann dann aus dem Laufen heraus noch mal spurten. Laufverhalten erinnert an Coriinidae/Trachelidae.
- Cheliceren ziemlich groß und kräftig
- baut nachts ein lockeres, fast unsichtbares Wohngespinst, welches eher ein Tunnel mit Öffnung vorne und hinten ist, weniger ein Sack.
- Sie nimmt auch relativ große Beute, keine Spezialisierung

Ich bin beim Recherchieren auf die Corrinidae-Gattung Creugas gestoßen, welche ähnlich aussieht. Der WSC listet eine Art für Ecudor: Creugas berlandi Bonaldo, 2000

Es scheint sich wie gesagt um eine euriöke Art zu handeln, die sich als Kulturfolger anbietet – ähnlich Harpactea rubicunda oder Dysdera erythtina bei uns.

Arno

Gordon Ackermann

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #61 am: 2016-10-27 18:13:53 »
Arno, hattest du eine Sammelgenehmigung beantragt? Du scheinst ja doch einige Tiere exportiert zu haben...

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #62 am: 2016-10-27 22:30:36 »
... ähm ...  ::)  Es waren keine 100. Es war ja keine Sammelexkursion. Nur Urlaub mit etwas Spinnen-Freigang ;)

BTW: Die große Cupiennius bimaculatus von weiter vorne war wohl subadult und hat sich heute Nacht gehäutet. Sie ist nun ganz schön groß. Auch die paar Ctenidae Jungtiere entwickeln sich in etwas feuchteren Terrarien mit Moos und Bodengrund scheinbar gut. Ichhabe das scheinbar mehr Arten mitgenommen, als anfangs gedacht. In Schummerlicht am Urwaldboden sah alles irgendwie gleich aus.

Arno

Bastian Rast

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #63 am: 2016-10-29 00:13:39 »
Hi Arno,

Die Vogelspinne aus Beitrag #53 ist eine Avicularia hirschi. Das passt zum Fundort der Erstbeschreibung und auch die Zeichnung auf dem Opisthosoma ist recht eindeutig zuzuordnen.

Gruss Basti

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #64 am: 2016-10-29 00:27:30 »
Danke Bastian! Hätte nicht gedacht, dass man mit so einem Schnappschuss zu einer Artbestimmung kommt.

Arno

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #65 am: 2016-10-29 10:32:29 »
Hier mein größter Fund – das ausgewachsene Weibchen einer weiteren Ctenidae. Sie hat sich inzwischen sehr fett gefressen. Vielleicht baut sie ja einen Kokon.

Ich fand sie im Amazonas-Randgebiet abends in der Dämmerung an einem Betonpfahl am Straßenrand. Sie ist etwa 2 cm lang.

Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_01-female.jpg
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*Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_04-female-gross.jpg (254.91 KB . 1500x1034 - angeschaut 233 Mal)
Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_04-female-detail.jpg
*Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_04-female-detail.jpg (241.7 KB . 1000x800 - angeschaut 235 Mal)

Das Stück Holz, auf dem ich es fotografiert habe, lag zur Reaktivierung für ein par Tage bei nasskaltem Wetter draußen auf dem Balkon. Als ich die Einzelfotos für einen Stack schnell hintereinander auf der Kamera durchblätterte, sah ich schon mysteriöse kleine Punkte, die sich auf jedem Bild woanders befanden. Und beim Nachbearbeiten des Bildes konnte ich überall diese Baby-Collembolen finden.

Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_01-female-Detail.jpg
*Ctenidae-spec3_Ecuador-Tena_16-10_01-female-Detail.jpg (134.75 KB . 800x600 - angeschaut 228 Mal)

Es ist für mich erstaunlich, wie extrem die Größenunterschiede zwischen Organismen (sogar eines Stamms) sein können.

Arno

Jonathan Neumann

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #66 am: 2016-10-29 22:40:05 »
Wofür muss denn das Holz reaktiviert werden, damit es natürlicher aussieht?

Diese große Ctenide erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus Philodromus und Dolomedes.

LG,
Jonathan
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Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #67 am: 2016-11-01 22:20:40 »
@Jonathan: Ja. Ich beware einige dieser Materialien zu Hause auf, Steine, Rinde, Boden, damit ich schnell einen Untergrund für Fotos zur Hand habe. Nicht alles ist immer leicht zu besorgen. Und das Holz wird dabei sehr trocken und verliert jegliches Leben. Deshalb habe ich einige Holzstücke/Steine mit Moos und Flechten auch ständig auf dem Balkon gelagert.

Eine weitere, diesmal männliche Ctenidae.

Ctenidae-spec4_Ecuador-Tena_16-10_01-male.jpg
*Ctenidae-spec4_Ecuador-Tena_16-10_01-male.jpg (116.54 KB . 1000x631 - angeschaut 199 Mal)
Ctenidae-spec4_Ecuador-Tena_16-10_03-male.jpg
*Ctenidae-spec4_Ecuador-Tena_16-10_03-male.jpg (71 KB . 1000x653 - angeschaut 207 Mal)

Und eine kleine Wolfspinne, die mich an Pardosa erinnert.

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*Lycosidae-spec_Ecuador-Banos_16-10_01-female.jpg (174.1 KB . 1000x739 - angeschaut 208 Mal)

Die hübsche junge „Ctenidae“, die ich oben schon mal zeigte, habe ich neulich dabei erwischt, wie sie ihr Umfeld für die bevorstehende Häutung vorbereitet hat. Sie hat nach Cribellaten-Manier mit einem Hinterbein Fangwolle gebürstet. Auch die anderen Exemplare, die ich von dieser Art fand haben in ihren Gefäßen inzwischen etwas Fangwolle ausgelegt und das Weibchen, dass ich fand, bewachte ihren Kokon, der ebenfalls mit cribellater Wolle umgeben war (ähnlich einer Zoropsidae). Heißt das nun, dass es keine Ctenidae, sondern eine Zoropsidae ist? Die Augenstellung scheint deutlich cteniid zu sein.

Ctenidae-spec_Ecuador-DosMangas_16-10_02-juv.jpg
*Ctenidae-spec_Ecuador-DosMangas_16-10_02-juv.jpg (201.43 KB . 1000x1291 - angeschaut 199 Mal)

Arno

Rainer Breitling

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #68 am: 2016-11-03 10:37:21 »
Hallo Arno,
Ich habe den Verdacht, dass die "hübsche junge Ctenidae" eine Acanthocteninae-Art ist, vielleicht Acanthoctenus sp. Die systematische Einordnung dieser Gruppe ist immer noch unklar. Sie wurden lange zwischen Ctenidae und Zoropsidae hin- und hergeschoben, und hatten eine Zeit lang auch ihre eigene Familie. Ramirez und da Silva sind sich beide trotz ausführlicher Analysen nicht ganz sicher, wohin sie diese cribellaten Arten stellen sollen, und in den grossen genetischen Studien fehlte die Gruppe leider.
Beste Grüsse,
Rainer

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #69 am: 2016-11-03 14:31:09 »
Wenn ich mal etwas vermuten darf: Auf mich machen Zoropsidae und Ctenidae einen so ähnlichen Eindruck (jetzt wo ich beide Gruppen lebend kenne), dass ich mir auch eine Familie mit (älteren) cribellaten und jüngeren (ecribellaten) Vertretern vorstellen könnte (as gibt es ja bei andernen Familien auch). Bis auf die fehlende cribellate Spinnerei (jnd der dazugehörigen Organe) sehe ich grobanatomisch nur ganz viele Gemeinsamkeiten. Und wenn dann noch Übergangsformen existieren.

Andererseits geht der Trend wohl z.Z. eher in Richtung Familienteilung (-> Corinnidae/Trachaelidae/Phrurolitidae) ...

Die Art lebet übrigens eher an offenen, trockenen Stellen (zurückgedrängter Wald, semiruderal) unter Steinen – also eher Zoropsiden-typische Fundorte.

Arno

Rainer Breitling

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #70 am: 2016-11-04 19:26:30 »
Noch ein kleiner Nachtrag zur Zoropsidae/Ctenidae-Problematik: Polotow und Kollegen hatten Acanthoctenus doch bereits genetisch untersucht. Nach ihren Ergebnissen bleibt die Gattung vorerst bei den Ctenidae im weitesten Sinne, und zwar einschliesslich der Psechridae, die etwas überraschend als Schwestergruppe von Acanthoctenus auftauchen. Eine nähere Verwandtschaft zu Zoropsidae ist demnach auszuschliessen, denn die werden in dem gleichen Artikel mit  den Zorocratidae und Tengellidae synonymisiert (entsprechend den Tengelloids in da Silvas morphologischer Analyse), während Ctenidae zu den Lycosoidea gehören, also näher mit Thomisidae, Oxyopidae, Lycosidae und Pisauridae verwandt sind. Aber das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit sicher noch nicht gesprochen.
Beste Grüsse,
Rainer

Siegfried Huber

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zur Geißelspinne
« Antwort #71 am: 2016-11-10 22:29:42 »
von Bild Amblypygi-spec_Ecuador-DosMangas_16-10_01-gross.jpg
Du hast die nicht zufällig mitgenommen? Sieht nach erstem Eindruck wie ein Phrynus aus, aber die Gattung ist bisher nicht aus Ecuador gemeldet?!
Siegfried

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #72 am: 2016-11-10 22:53:28 »
Doch, das Bild ist bei mir hier im Fotostudio entstanden. Besonders stolz bin ich auf den realistisch wirkenden Untergrund ;)

Das Tier erfreut sich immer noch (offenbar) bester Gesundheit. Es sitzt in einem nüchternen, trockenen Gefäß (scheint eher Trockenheit zu mögen) und frisst ab und zu ein Heimchen. Es ist nur 1 cm lang. Wächst sie noch?

Arno

Siegfried Huber

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #73 am: 2016-11-10 23:47:39 »
Hallo,
ob sie noch wächst, kann ich nicht sagen. Es gibt recht kleine Phrynus-Arten, aber auch recht große. Heterophrynus werden sogar sehr groß, aber das kann man am Foto nicht unterscheiden. Wenn Du mal eine Exuvie hast, probier ich gerne mein Glück..
Siegfried

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #74 am: 2016-11-10 23:59:16 »
Ok, Danke :)

Arno

Arno Grabolle

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #75 am: 2016-11-13 00:03:32 »
Überraschung! Eine kleine Agelenide aus dem Dschungel trägt Kokon an den Spinnwarzen ...

Lycosidae_spec1_Ecuador-Tena_16-11_01-female.jpg
*Lycosidae_spec1_Ecuador-Tena_16-11_01-female.jpg (89.49 KB . 1000x759 - angeschaut 121 Mal)

Die etwa 5 mm lange Spinne fand ich am Waldboden, wo sie im Wurzelbereich von Pflanzen ein räumlich recht ausladendes Deckennetz baute. Ihr Männchen saß noch im Netz, doch es entkam. Das Weibchen nahm ich mit und es hat auch hier im Terrarium ein Trichternetz gebaut und sich schön fettgefressen. Heute saß es im Netz und trug einen „Pardosa-Kokon“ mit sich herum. Ich staunte nicht schlecht.

Arno

Armen Seropian

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Re: Ecuador 2016
« Antwort #76 am: 2016-11-14 13:27:00 »
Fantastic observation!