Autor Thema: Australien 2017  (Gelesen 23279 mal)

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #180 am: 2017-05-04 19:52:15 »
Danke John für die Bilder. Das war wirklich ein toller uriger Bach und der war eigentlich nur ein paar Meter von der Straße weg, bequem zu Fuß zu erreichen.

Überhaupt muss man sagen, dass die Pisauriden in AU eine dankbare Gruppe sind. Man findet sie wirklich überall. Auch an noch so kleinen Bachläufen gab es große Dolomedes (wie oben von John gezeigt) und oft auch Megadolomedes.

Dieses M.-australianus-Jungtier …
Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_02-juv.jpg
*Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_02-juv.jpg (239.83 KB . 1000x650 - angeschaut 293 Mal)
Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_01-juv.jpg
*Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_01-juv.jpg (257.21 KB . 1000x685 - angeschaut 310 Mal)

fanden wir z.B. in dem etwa 2 m langen und 3 m breiten Felsspalt, durch den man gehen musste, um zum „Amphitheater“ zu gelangen.

AmphiTheater_CaravonNP_17-03_03.jpg
*AmphiTheater_CaravonNP_17-03_03.jpg (335.89 KB . 800x1200 - angeschaut 304 Mal)

Ein ausgewachsenes Weibchen fanden wir später mitten auf einem Wanderweg, der einen Bachlauf überquerte.
MossGarden_CaravonNP_17-03_01.jpg
*MossGarden_CaravonNP_17-03_01.jpg (445.72 KB . 800x1145 - angeschaut 297 Mal)
Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_04-female.jpg
*Megadolomedes-australianus_CarnarvonNP_17-03_04-female.jpg (255.51 KB . 1000x735 - angeschaut 302 Mal)

Megadolomedes müsste eigentlich Megapisaura heißen. Die Tiere sehen aus wie riesige Pisauras. Sie haben extrem lange Beine und biegsame Tarsen (Pseudosegmente). Das Weibchen habe ich dann eingefangen und brauchte dafür das größte Gefäß, dass ich hatte. Auf dem Wasser war es viel zu schnell. Es tauchte dann unter und lief unter Wasser auf dem Untergrund. Dabei war es nicht so schnell und ich fing es kurzerhand unter Wasser in das mit Wasser gefüllte Gefäß und schüttete das Wasser danach durch einen Spalt zwischen Deckel und Gefäß wieder aus.

Arno

Jonas Wolff

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Re: Australien 2017
« Antwort #181 am: 2017-05-06 01:11:09 »
Mit Robert waren wir auch Pisauriden fangen in Mt. Glorious bei Brisbane. Es gab auch eine kleine Pisauriden-Art, die nachts dort massenhaft auf Blaettern sass und tagsueber gar nicht zu finden war. Das hat uns ein Hobby-Naturfotograf gezeigt, den Robert dazu eingeladen hatte (Robert kannte die Tiere zuvor nur von seinen Fotos - es ist eine unbeschriebene Art). In und um Brisbane in den trockeneren Waeldern ist Dendrolycosa extrem haeufig. Die sehen ein wenig wie Pisaura aus und machen grosse, dichte Netze in Zweigen mit einem mit trockenem Laub getarnten Unterschlupf - habt ihr bestimmt auch gesehen.

Martin Lemke

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Re: Australien 2017
« Antwort #182 am: 2017-05-08 09:28:18 »
Wie ich sehe, war die Klapp-Gesiebekiste auch dabei! Habt Ihr auch Streu gesiebt? War da wirklich gar nichts drin? Und was ich mich bei all der australischen Exotik frage: Gibt es dort nur relativ große Spinnen? Keine kleinen von < 2mm?

Martin
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Jonas Wolff

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Re: Australien 2017
« Antwort #183 am: 2017-05-08 12:02:10 »
Ne ne, die meisten Arten sind klein bis sehr klein. Das trifft auch fuer ganze Familien der suedlichen Hemisphaere zu, z.B. Orsolobidae, Archaeidae, Synotaxidae usw.. Durch die Wahl der Fotomotive besteht da nur ein gewisser Bias. Linyphiidae sind aber z.B. extrem selten und nur durch einige Erogoninae vertreten die wohl mal durch Balooning oder synanthrop eingewandert sind.
Die Klapp-Gesiebekiste ist vor allem in den Regenwaeldern bisher nuetzlich gewesen, z.B. in den Bergwaeldern Tasmaniens, in den Blue Mountains und zuletzt bei Brisbane. Selbst da ist die Streuschicht aber kaum vergleichbar mit der eines gemaessigten Laubwaldes (1-5 cm, dann kommt schon Sand oder Gestein und selten ist da was an Humus dazwischen. Im Trockenwald nuetzt die Kiste allenfalls um den Borken-Schutt an der Stammbasis von Eukalyptusbaeumen durchzusieben. Die Spinnen in der Streu sind meist ziemlich klein und merkmalslos und schwer ueberhaupt in eine Familie einzuordnen, so mein Eindruck. Das betrifft vor allem die schlecht definierten Stiphidiidae, Amaurobiidae, Amphinectidae, Desidae etc.

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #184 am: 2017-05-17 10:25:04 »
Mal wieder ein paar Spinnen:

noch mal die Springspinne vom Stein (hatte ich oben schon mal gezeigt):
Salticidae-spec_Emmaville_17-03_02.jpg
*Salticidae-spec_Emmaville_17-03_02.jpg (283.64 KB . 1000x745 - angeschaut 238 Mal)

zwei Lycosiden aus Injune (Nachtexkursion). Die kleinere, bläulich schimmernde Art hat mich sehr überrascht. Sie baut verschließt ihre Röhre mit einer Falltür, die genau so aussieht, wie die einer Nemensidae. Aber sie öffnet sie anders herum. Dann liegt der Deckel vor ihr unter ihren Vorderbeinen. Wenn sie gestört wird kann sie ihn so beim zurückziehen einfach zuziehen.
Ich habe noch aufnahmen von einer anderen Stelle, auf denen man das besser sieht.
Lycosidae-spec_Injune_17-03_01.jpg
*Lycosidae-spec_Injune_17-03_01.jpg (245.76 KB . 1000x698 - angeschaut 234 Mal)
Lycosidae-spec2_Injune_17-03_01.jpg
*Lycosidae-spec2_Injune_17-03_01.jpg (226.41 KB . 1000x755 - angeschaut 235 Mal)

Eine Oxyopes aus dem Carnarvon NP
Oxyopes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg
*Oxyopes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg (98.32 KB . 1000x707 - angeschaut 231 Mal)

Auch die Arkys haben wir im Carnarvon NP gefunden (hatte John oben schon gezeigt)
Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_01-male.jpg
*Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_01-male.jpg (185.16 KB . 1000x780 - angeschaut 238 Mal)
Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_02-male.jpg
*Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_02-male.jpg (120.54 KB . 1000x786 - angeschaut 241 Mal)

In überhängenden Blättern von Palmen (etwa in Kopfhöhe) lebte diese interessante Pholcide. Das Opisthosoma ist ganz kurz und kugelig und wird über (bzw. eigentlich unter) das Prosoma geklappt getragen.
Pholcidae-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg
*Pholcidae-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg (68.81 KB . 1000x687 - angeschaut 238 Mal)

Und in trockenen, steppenartigen Bereichen fand ich in Grasbüscheln eine weitere langgestreckte Miturgidae. Es ist aber eine andere Art, evtl. sogar eine andere Gattung als die „Tibellus-Miturgidae“ vom Anfang unserer Tour.
Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg
*Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg (126.96 KB . 1000x642 - angeschaut 229 Mal)
Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg
*Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg (86.97 KB . 1000x543 - angeschaut 232 Mal)

Arno

Michael Schäfer

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Re: Australien 2017
« Antwort #185 am: 2017-05-17 10:27:35 »
War der Springer schon tot oder "sitzt" der so eigenartig da?

Gruß
Micha
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Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #186 am: 2017-05-17 12:08:14 »
Nein, sie war noch quicklebendig. Ich habe es auch erst auf den Fotos gesehen, dass die Haltung etwas „krank“ aussieht. Sie hatte versucht, sich besonders flach zu machen und der Stein war schon ziemlich heiß. Vielleicht hat es was damit zu tun.

Ich war nur froh, dass sie so schön still hielt.

Arno

Michael Schäfer

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Re: Australien 2017
« Antwort #187 am: 2017-05-17 13:43:53 »
Sehr seltsam - so völlig ohne Körperspannung hätte ich das Tier tatsächlich für tot oder zumindest betäubt gehalten. In Australien ist halt alles "ein wenig" anders.

Gruß
Micha
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John Osmani

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Re: Australien 2017
« Antwort #188 am: 2017-05-17 21:28:57 »
Mal wieder ein paar Spinnen:

noch mal die Springspinne vom Stein (hatte ich oben schon mal gezeigt):
Salticidae-spec_Emmaville_17-03_02.jpg
*Salticidae-spec_Emmaville_17-03_02.jpg (283.64 KB . 1000x745 - angeschaut 238 Mal)

zwei Lycosiden aus Injune (Nachtexkursion). Die kleinere, bläulich schimmernde Art hat mich sehr überrascht. Sie baut verschließt ihre Röhre mit einer Falltür, die genau so aussieht, wie die einer Nemensidae. Aber sie öffnet sie anders herum. Dann liegt der Deckel vor ihr unter ihren Vorderbeinen. Wenn sie gestört wird kann sie ihn so beim zurückziehen einfach zuziehen.
Ich habe noch aufnahmen von einer anderen Stelle, auf denen man das besser sieht.
Lycosidae-spec_Injune_17-03_01.jpg
*Lycosidae-spec_Injune_17-03_01.jpg (245.76 KB . 1000x698 - angeschaut 234 Mal)
Lycosidae-spec2_Injune_17-03_01.jpg
*Lycosidae-spec2_Injune_17-03_01.jpg (226.41 KB . 1000x755 - angeschaut 235 Mal)

Eine Oxyopes aus dem Carnarvon NP
Oxyopes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg
*Oxyopes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg (98.32 KB . 1000x707 - angeschaut 231 Mal)

Auch die Arkys haben wir im Carnarvon NP gefunden (hatte John oben schon gezeigt)
Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_01-male.jpg
*Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_01-male.jpg (185.16 KB . 1000x780 - angeschaut 238 Mal)
Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_02-male.jpg
*Arkys-walckenaeri_CarnarvonNP_17-03_02-male.jpg (120.54 KB . 1000x786 - angeschaut 241 Mal)

In überhängenden Blättern von Palmen (etwa in Kopfhöhe) lebte diese interessante Pholcide. Das Opisthosoma ist ganz kurz und kugelig und wird über (bzw. eigentlich unter) das Prosoma geklappt getragen.
Pholcidae-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg
*Pholcidae-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg (68.81 KB . 1000x687 - angeschaut 238 Mal)

Und in trockenen, steppenartigen Bereichen fand ich in Grasbüscheln eine weitere langgestreckte Miturgidae. Es ist aber eine andere Art, evtl. sogar eine andere Gattung als die „Tibellus-Miturgidae“ vom Anfang unserer Tour.
Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg
*Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg (126.96 KB . 1000x642 - angeschaut 229 Mal)
Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg
*Miturgidae-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg (86.97 KB . 1000x543 - angeschaut 232 Mal)

Arno

Sehr schön! Danke für`s Zeigen Arno!

Die "Falltür-Lycosidae" war in der Tat sehr interessant!

Großes Lob auch hier an Arno, der sie mit wirklich viel Geduld und Akrebie aufgespührt hat!

Wolfsspinnen die Falltüren bauen scheinen ja nicht gerade bekannt zu sein.

Weiß jemand mehr über dieses Thema? Gibt es auch Arten in Europa die das machen?

John Osmani

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Re: Australien 2017
« Antwort #189 am: 2017-05-17 21:33:07 »
 
Hier nochmal das gleiche Tier mit Falltüre

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #190 am: 2017-05-17 23:12:27 »
... das ist ein anderes. Das von mir hatte ich auf meiner Nachtexkursion in Injune fotografiert. Deins haben wir zwei Tage später auf dem Rückweg vom Arkadia Valley gefunden. Davon habe ich auch noch Fotos (noch nicht bearbeitet), auch von der geschlossenen Falltür ...

Ich glaube, die Gattung nennt sich Hoggicosa und die hübsche zweifarbige, die wir im Museum in Brisbane noch gesehen haben, gehört auch dazu.

IMAG3184.jpg
*IMAG3184.jpg (89.64 KB . 600x451 - angeschaut 211 Mal)
(mit dem Handy durch die Wand eines Kunststoffterrariums fotografiert)

Arno

Ulrich Kursawe

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Re: Australien 2017
« Antwort #191 am: 2017-05-18 07:05:55 »
...
(mit dem Handy durch die Wand eines Kunststoffterrariums fotografiert)
...

Angeber  ;D !  Nein, im Ernst, das Foto ist wirklich gut geworden, insbesondere unter diesen Bedingungen. Ist aber auch ein hübsche Spinne. Welches Handy hast Du benutzt?

Viele Grüße, Uli

Martin Lemke

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Re: Australien 2017
« Antwort #192 am: 2017-05-18 08:55:50 »
Bezohenm auf das Handy von Arno:
Welches Handy hast Du benutzt?

Mal sehen, wie weit meine Typenkenntnis reicht. Ich schätze, HTC.

Martin
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Jonas Wolff

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Re: Australien 2017
« Antwort #193 am: 2017-05-18 09:06:48 »
Sehr seltsam - so völlig ohne Körperspannung hätte ich das Tier tatsächlich für tot oder zumindest betäubt gehalten. In Australien ist halt alles "ein wenig" anders.

Gruß
Micha

Es gibt hier einige Salticiden-Arten, die aehnlich Sparassiden solche 'laterigraden' Beinstellungen haben - meist solche die sich in irgend welche Ritzen oder unter Borke verbergen. Neben den Holoplatys-Arten, die Arno weiter oben schon gezeigt hatte, auch die.

Michael Schäfer

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Re: Australien 2017
« Antwort #194 am: 2017-05-18 11:42:33 »
Man lernt nie aus! Danke Jonas!
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John Osmani

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Re: Australien 2017
« Antwort #195 am: 2017-05-20 16:27:26 »

Die schöne Lycosidae aus dem Museum die Arno gezeigt hat ist Hoggicosa bicolor

Die hat Dr.Raven in Westaustralien in der Wüste gesammelt

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #196 am: 2017-06-05 23:27:11 »
Ich muss euch leider noch mit ein paar australischen Spinnen nerven, da kommt noch einiges (u.a. die schönste Plattbauchspinne der Welt) ...

Hier kommen nun die versprochenen Bilder der Hoggicosa mit Deckel auf und Deckel zu. Es war noch ein Jungtier, vllt. 10 mm lang:
Hoggicosa-spec_Injune_17-03_03-juv.jpg
*Hoggicosa-spec_Injune_17-03_03-juv.jpg (169.18 KB . 1000x677 - angeschaut 168 Mal)
Hoggicosa-spec_Injune_17-03_05-juv.jpg
*Hoggicosa-spec_Injune_17-03_05-juv.jpg (245.96 KB . 1000x729 - angeschaut 173 Mal)

Die Tiere sitzen scheinbar tags wie nachts an ihren offenen Röhren und ziehen bei Störung im Rückwärtsgang den Deckel ziemlich geschickt hinter sich zu. Sie kommen aber nach einer Minute schon wieder raus.
Dieses größere Tier (wahrscheinlich ein Weibchen) hatten wir schon gezeigt. Das haben wir ausgegraben. Auf diesem Bild habe ich mal nichts geputzt ;)
Hoggicosa-spec_Injune_17-03_01.jpg
*Hoggicosa-spec_Injune_17-03_01.jpg (177.09 KB . 1000x675 - angeschaut 171 Mal)

Ganz in der Nähe, an einer trockenen, felsigen, locker bewaldeten Stelle fand ich diese Argoctenus. Ich liebe diese Gattung, das sind einfach schöne Spinnen (und davon kommen noch mehr).
Argoctenus-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg
*Argoctenus-spec_ArcadiaValley_17-03_01.jpg (278.54 KB . 1000x744 - angeschaut 172 Mal)
Argoctenus-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg
*Argoctenus-spec_ArcadiaValley_17-03_02.jpg (145.43 KB . 1000x520 - angeschaut 168 Mal)

Und noch eine der vielen Dolomedes spec. (ich hatte auf der Köln-Exkursion dauernd davon geschwärmt). Dieses Exemplar saß direkt neben dem Wanderweg im Carnarvon Canyon an einem lächerlich kleinen Bach. Auf dem Hinweg hatte ich schon versucht, Fotos zu machen. Dann war sie aber unter den Stamm ins Wasser gehuscht. Auf dem Rückweg saß sie noch besser als vorher auf dem Stamm und ich konnte Fotos schießen.
Dolomedes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg
*Dolomedes-spec_CarnarvonNP_17-03_01.jpg (306.22 KB . 1000x765 - angeschaut 175 Mal)

In den Bunya Mauntains habe ich an einem Nachmittag trotz drohendem Regenwetters eine Wanderung unternommen und bin tatsächlich ziemlich nass geworden. Der Mut wurde am Ende jedoch durch diesen Blick von einem märchenhaft wirkenden Lookout bei durchbrechender Abendsonne belohnt :)
BunyaMountains_17-03_04.jpg
*BunyaMountains_17-03_04.jpg (304.48 KB . 1500x467 - angeschaut 172 Mal)

Arno

Jonas Wolff

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Re: Australien 2017
« Antwort #197 am: 2017-06-06 07:37:45 »
Sehr schoen.
Die eine Argoctenus hat sich letzte Nacht zum Maennchen reif gehaeutet. Ich habe die Spinne kaum wieder erkannt - die Beinlaenge hat sich verdreifacht, bei konstanter Koerperlaenge. Auch wenn ich eine relative Beinverlaengerung bei Maennchen von anderen Spinnen kenne - so extrem habe ich das noch nie gesehen.

BTW: Ich dachte du bist mit Umzug beschaeftigt?

Jörg Pageler

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Re: Australien 2017
« Antwort #198 am: 2017-06-06 20:22:05 »
Toll! Der Blick in die Bunya Mountains sieht direkt urweltlich aus. Bist Du sicher, daß Du nur nach Australien und nicht auch 100 Millionen Jahre in die Vergangenheit gereist bist?  ;)

Jörg

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #199 am: 2017-06-06 20:43:34 »
;) jaja. kurz bevor ich diesen Lockout erreichte, kam mir ein australisches Twen-Pärchen entgegen, in Bermuda-Shorts und Flipflops. Ich wollte sie erst fragen, wie weit es noch ist, aber als ich die Strandsadalen sah, wusste ich, es kann nur noch ein paar hundert Meter sein.

Die beiden waren natürlich vom nahegelegenen Parkplatz aufgestiegen und hatten nicht den 8 km Weg durch den Regen genommen. Aber ich liebe besonders diese Situationen, wenn man bei trüben Wetter oder gar bei Regen losgeht und am Ende mit so einem Sonnenuntergang belohnt wird. Unterwegs hatte ich ziemlich mit mir gehadert, ob ich umkehren soll, weil ich irgendwann völlig durchnässt war.

@Jonas: Ist das diese Art/Exemplar? Das ist ja toll. Ich wusste gar nicht, dass du noch einige lebend behalten hast, bzw. dass tatsächlich noch welche leben. Es kommen gleich noch Bilder einer anderen Art, die evtl. schon zu einer Nachbargattung gehören (vielleicht aber auch Argoctenus) ...

ps: ja, ich packe auch weiter ein. Aber zwischendurch gönne ich mir auch ein wenig Rechnerzeit ;)

Arno

Jonas Wolff

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Re: Australien 2017
« Antwort #200 am: 2017-06-07 02:50:53 »
@Jonas: Ist das diese Art/Exemplar? Das ist ja toll. Ich wusste gar nicht, dass du noch einige lebend behalten hast, bzw. dass tatsächlich noch welche leben. Es kommen gleich noch Bilder einer anderen Art, die evtl. schon zu einer Nachbargattung gehören (vielleicht aber auch Argoctenus) ...

Ja, zwei dieser Argoctenus, die du mir geschickt hast, habe ich bis eben gehalten. Sie sind sehr zaeh und wachsen langsam. Das reife Maennchen habe ich eingeschnapst und geht zur ID ans Australian Museum. Bei dem anderen Tier warte ich noch auf die Reifehaeutung.
Von den Blue Mountains-Miturgiden habe ich auch noch einige, v.a. die von den trockenen Hochplateaus sind noch lange nicht reif.

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #201 am: 2017-06-07 08:45:54 »
Hier also eine weitere „Argoctenus“. Die Art lief am Steppen-Boden zwischen schütterem Bewuchs herum und hatte kaum Ambitionen, sich in den Grasbüscheln zu verstecken. Scheinbar setzt sie auf ihre gute Tarnung und den flachen Körperbau. Es sind subadulte Weibchen und Männchen

Argoctenus-spec_Injune_17-03_01.jpg
*Argoctenus-spec_Injune_17-03_01.jpg (259.79 KB . 1000x746 - angeschaut 154 Mal)
Argoctenus-spec_Injune_17-03_03-samale.jpg
*Argoctenus-spec_Injune_17-03_03-samale.jpg (265.44 KB . 1000x790 - angeschaut 154 Mal)

Ich habe mich hier darauf eingelassen, direkt im Lebensraum mit Tageslicht zu fotografieren (das betrifft auch die Hoggicosa-Fotos oben). Das Licht bot sich an, die Sonne zog sich gerade etwas zu – schönes diffuses Tageslicht. Das sah auf den 1. Blick gut aus. Jetzt beim Stacken, musste ich aber feststellen, dass doch einige Ebenen verwackelt sind. Die Fotoqualität ist also nicht ganz High-End. Beim nächsten mal muss ich wohl mit der ISO noch weiter hoch gehen.

Arno

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #202 am: 2017-06-08 08:39:52 »
Nun, wie versprochen, die wohl schönste Gnaphoside der Welt:

Ceryerda-cursitans_ArcadiaValley_17-03_02.jpg
*Ceryerda-cursitans_ArcadiaValley_17-03_02.jpg (234.01 KB . 1000x688 - angeschaut 144 Mal)
Ceryerda-cursitans_ArcadiaValley_17-03_01.jpg
*Ceryerda-cursitans_ArcadiaValley_17-03_01.jpg (261.89 KB . 1000x906 - angeschaut 148 Mal)

Als ich sie fand (in trockenem Totholz) wusste ich gar nicht, wo ich die einordnen soll – am ehesten dachte ich noch an die Corriniden. Aber auf den Fotos sah die Augenstellung schon gnaphosidenartig aus (auch wenn sie extrem vergrößert sind). Und beim stöbern im Netz fand ich dann Bilder der auffälligen Art. Ceryerda cursitans ist ein monotypischer Endemit Westaustraliens (the Prowling Inland Spider).

Es ist total verrück, sie laufen zu sehen. Wen sie nicht gerade schnell rennt, sondern sich langsam tastend ein Versteck sucht, hat man das Gefühl, sie hätte 20 Beine. Diese kontrastreich geringelten Beine machen einen kirre im Kopf ...

Ich musste sie für die Fotos übrigens mit CO2 aus einer Sprudelflasche betäuben.

Arno

Michael Schäfer

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Re: Australien 2017
« Antwort #203 am: 2017-06-08 08:45:07 »
Wirklich schick und dass obwohl es sich um keine Springspinne handelt ;) Gab es den farblich passenden Untergrund gleich zur Spinne dazu?

Ich musste sie für die Fotos übrigens mit CO2 aus einer Sprudelflasche betäuben.

Das sieht man dem Tier (zumindest auf dem zweiten Foto) aber diesmal nicht wirklich an.

Gruß
Micha

PS: Warum zeigt es mir das 1.Bild zweimal an?
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Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #204 am: 2017-06-08 12:04:38 »
... das war schon der „glückliche Moment“, wenn die Spinne gerade wieder erwacht, aber noch nicht die Kraft hat, richtig loszulaufen. Trotzdem hätte ich mir eine selbstbewusstere Pose mit gestreckten Beinen gewünscht ;)

Das Holz habe ich irgendwo in der Gegend aufgesammelt. Sie lebte aber genau an so einem Totholz. Ökologisch also diesmal genau auf den Punkt.

Ich hatte übrigens während der Reise schon ein kleines Arsenal an Steinen / Holz / Moos angesammelt, dass ich immer wieder in den Kofferaum des Mietwagens legte und von Station zu Station mitnahm ... fast wie zu Hause ... ;-)

Arno

John Osmani

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Re: Australien 2017
« Antwort #205 am: 2017-06-08 20:09:20 »
Ich finde diese Lycosidae die Falltüren baut echt faszinierend-davon scheint es ja mehrere Arten in Australien zu geben

In Kürze kommt übrigens ein neuer Fieldguide zu den Spinnen Australiens raus:

http://www.publish.csiro.au/book/6899/

https://www.amazon.de/Field-Guide-Spiders-Australia-ebook/dp/B0714HW8BM/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1496945780&sr=8-1&keywords=A+Field+Guide+to+Spiders+of+Australia

Mit 1300 Bildern sicher sehr umfangreich

Eveline Merches

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Re: Australien 2017
« Antwort #206 am: 2017-06-08 20:48:37 »
Die schönste Gnaphoside der Welt, eine passende Beschreibung. Sie sieht aus wie gemalt, klar und gleichmäßig und das bei Spinnen, die fast nichts sehen.

Eveline
Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist Geduld.

Jörg Pageler

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Re: Australien 2017
« Antwort #207 am: 2017-06-08 21:08:23 »
Moin Arno,

ja, die Gnaphoside ist wirklich klasse! An die Sternenhimmel-Corinnidae kommt sie zwar nicht ran, aber trotzdem ...  ;D

OT: Mich würde interessieren, wie das "Betäuben mit CO2 aus einer Sprudelflasche" praktisch vor sich geht.

Viele Grüße,
Jörg

Arno Grabolle

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Re: Australien 2017
« Antwort #208 am: 2017-06-08 21:46:28 »
OT: Mich würde interessieren, wie das "Betäuben mit CO2 aus einer Sprudelflasche" praktisch vor sich geht.

Wir Arachnologen machen ja sowieso komische Sachen. Aber bei dieser Betäubungs-Methode komme ich mir (in der fiktiven Selbstbetrachtung) immer vor wie aus der Geschlossenen entlaufen ...

Prinzip: Das im Sprudelwasser enthaltene CO2 reicht aus, um kleinere Spinnen für eine ganze Weile zu betäuben. Man muss es da nur raus und ins Fanggefäß mit der Spinne rein bekommen ohne dass die Spinne nass wird. Dafür gießt man aus einer frischen Sprudelflasche (große Volumina sind angebracht) etwa die Hälfte ab, um Gasraum für das CO2 zu frei zu machen, schraubt sie wieder zu und schüttelt sie kräftig. Das CO2 wird frei und sammelt sich in der oberen Hälfte der Flasche. Nun kommt dass, wobei einem besser niemand uneingeweihtes zuschaut: Man öffnet die Flaschen und gießt (tatsächlich gießen) das CO2 vorsichtig in das (klein gewählte) Fanggefäß mit der Spinne drin (Flaschenhals direkt am Gefäßhals). CO2 ist schwerer als „normale Luft“ und „läuft“ deshalb tatsächlich in das Fanggefäß. Das sieht man aber nicht. Man sieht wirklich gar nichts. Es erfordert einen festen Glauben an sich selbst und die Gesetze der Physik, um das mit der gebotenen Ernsthaftigkeit durchzuziehen ... wenn es klappt, merkt man an der Reaktion (müder werden) der Spinne, dass sich tatsächlich die CO2-Konzentration im Gefäß erhöht.

Nun wartet man noch ein wenig, bis die Spinne wirklich eingeschlafen ist und kann sie dann herausnehmen, drapieren, Fotografieren usw.

Das kann man mit dem selben Sprudelwasser vielleicht 2–4 mal wiederholen. Dann reicht die Konzentration nicht mehr aus. Im Labor der Uni von Jonas gab es eine mannshohe CO2-Druckflasche mit Schlauch und Dosierpistole – das war ein Segen. Man kam sich vor, wie ein Wissenschaftler, weniger wie ein Mentalist ;)

Arno

Jörg Pageler

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Re: Australien 2017
« Antwort #209 am: 2017-06-09 10:52:03 »
Danke für die Hinweise, Arno!
Das ist eine pfiffige Methode. Ich kann mir vorstellen, daß man einige Spinnen abduscht, bevor man das Verfahren perfektioniert.;)

Jörg