Autor Thema: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017  (Gelesen 996 mal)

Simeon Indzhov

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Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« am: 2017-03-31 20:57:32 »
Heute Nachmittag waren wir zusammen mit der Arachnologin Maria Naumova und mit einer ihrer Kolleginnen (Herpetologin) an den genannten Orten. Dort wurden u. A. jeweils zwei Bodenfallen gesetzt.
Ihr kennt schon Buhowo (vorwiegend Kiefermonokulturen um die Stadt). Die Landschaft bei Kremikovtsi ist jedoch anders. Wir waren neben einer ehemaligen offenen Karriere, die jetzt Wasser drin hat. Darüber sind die Hänge trocken und nackt und sonnig (schön für Gnaphosidae).
Dort ist übrigens der zweite Fundort von Synaphris lehtineni in Bulgarien (Publikation erscheint vermutlich dieses Jahr) und auch der erste Fundort von Lycosa tarantula (wir fanden heute aber nur Löcher, die ihnen gehören könnten).

Arten, die ich gesammelt habe und bei mir halte
(Alles unter Steinen gesammelt)
Drassodes sp juv
Dysdera cf longirostris f
Harpactea sp juv, zufällig mit der Dysdera mit dem Detritus in der Schachtel gefallen
Salticidae spec

Weitere Tiere, die ich gesammelt habe, direkt in Alkohol überführt, und an Maria Naumova gegeben habe:
Haplodrassus signifer 1m
Agyneta sp subadult
Phrurolithus sp subadult
Gnaphosidae indet juv
- insgesamt blöde Ausbeute (auch der Haplodrassus soll dort eine häufige Art sein)

- nicht gesammelte Tiere:
Diverse Pardosa
Titanoeca sp
Zelotes sp


Dann Buhowo:
Tiere, die sich bei mir - lebend oder tot - befinden
Gnaphosidae sp - ich denke dieselbe Art wie diese, sie ich damals aus Versehen tötete
Inermocoelotes sp I - juveniles Männchen
Inermocoelotes sp II - vermutlich eine subsubadulte jurinitschi
Eine Tegenaria cf sylvestris (muss überprüfen) campestris (warum verzichtete ich jedoch auf ein Männchen?!) überlebte die Reise nicht

Nicht von mir gesammelte Tiere:
Amaurobius pallidus
Aulonia subadult
Dysdera longirostris
Harpactea rubicunda
Scotophaeus scutulatus
Xysticus acerbus an einer sonnigen Stelle
Zodarion sp subadult


Nicht gesammelte Tiere:
Drassodes
Eratigena agrestis
Pardosa

Fotos von Kremikovtsi, letzte mit Echse

Simeon

Simeon Indzhov

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #1 am: 2017-03-31 21:07:35 »
Ein Loch, in dem Lycosa leben sollte

Simeon Indzhov

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #2 am: 2017-03-31 21:30:22 »
Das blöde ist, dass ich einen kleinen Gärtnerschaufel und eine bequeme Pinzette verloren habe. Ab einen Moment ist mir anscheinend der kleine Beutel mit den Instumrenten zu schwer erschienen und ich habe ihn nach einem Steinumdrehen nicht wieder genommen :P
Simeon

Sylvia Voss

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #3 am: 2017-04-01 00:29:21 »
Die Landschaft bei Kremikovtsi ist jedoch anders. Wir waren neben einer ehemaligen offenen Karriere, die jetzt Wasser drin hat.

Simeon

Schöne Expedition, ich hatte überlegt, was eine offene Karriere sein soll aber weil Du diese Habitatbilder geschickt hast : es sieht aus wie ein ehemaliger Tagebau (Kies /Sandgrube ?) wir nennen solche später daraus entstandenen Seen auch gern "Baggersee" ...
Das im Hintergrund ist Sofia ?
LG
Sylvia

Simeon Indzhov

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #4 am: 2017-04-01 07:14:13 »
Zitat
Tagebau
Danke! Ich hatte das Wort dafür vom Geografieunterricht ganz vergessen.

Ich denke nicht, dass das Sofia ist. Sofia sollte rechts sein, am Fuße von Vitoscha-Gebirge, ein Teil dessen man rechts auf dem Bild sieht. Das könnte der ehemalige metallurgische Betrieb sein (muss auf der Karte anschauen (wir waren auf dem nördlichen Ufer des "Sees")
Simeon

Arno Grabolle

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #5 am: 2017-04-01 10:04:39 »
... „Tagebau“ ... es gibt schon recht ulkige, fast poetische Wortschöpfungen im Deutschen. Ein Tag ist eine Zeit-Periode. Den kann man nicht bauen. Gestern erfuhr ich zufällig, dass das deutsche Wort „Doppelgänger“ Eingang ins Englische gefunden hat (doppelganger).

Hi Simeon,

Schöner Bericht! Bei uns in Deutschland sind solche ehemaligen Tagebaue oft interessante Hotspots, an denen seltene, südliche Arten vorkommen. Das scheint in Bulgarien ähnlich zu sein. Die offenen, gestörten Flächen mit Neigung heizen sich wahrscheinlich stark auf.

Ich habe in meiner Sammel-Gürteltasche neben Gefäßen usw. immer zwei Messer dabei. Ein Opinel (klassische französische Messerschmiede) zum Schneiden von Obst usw. unterwegs und ein ganz billiges pseudo Armee-Dschungel-Rambo-Angebermesser, dass ich für ein paar Euro mal irgendwo gekauft habe. Die Klinge ist kaum scharf, lässt sich aber aufgeklappt sehr gut arretieren. Es ist komplett aus Metall (auch der Griff) und sehr robust. Damit grabe ich schon seit Jahren erfolgreich Mygalomorphen, Lycosen usw. aus. Selbst in Australien hat das funktioniert.

Der Vorteil ist, ich habe es automatisch immer dabei (man darf es natürlich nach dem Graben nicht vergessen wieder einzustecken ;). Oft stolpert man unerwartet über solche Erdlöcher und hat dann keine Schaufel eingesteckt. Vorteil 2: mit einem Messer (auch wenn es relativ stumpf ist) kann man unterirdische Wurzeln durchschneiden. Viele Mygalomorphe bauen ihre Baue im Wurzelbereich von Bäumen. Und mit der relativ schmalen Spitze kann man gut unterirdische Steine heraushebeln.

Arno

Simeon Indzhov

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #6 am: 2017-04-01 10:46:07 »
Wir hatten eine ähnliche Diskussion mit Maria Naumova. Sie hatte ein Messer mit Wolfram-bedeckter Klinge dabei, die seit Jahren zum Ausgraben und Platzierung von Bodenfallen verwendet wurde. Es sei zwar nicht scharf, dafür aber sei geeignet für Graben.
Simeon

Armen Seropian

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #7 am: 2017-04-01 11:22:38 »
Hm...I have seen at least a thousand borrows of Lycosa and Geolycosa, but none of them had a diagonal construction and such an opening. To me it looks more like a Gryllus campestris/bimaculatus borrow.

Sylvia Voss

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #8 am: 2017-04-01 20:28:29 »
... „Tagebau“ ... es gibt schon recht ulkige, fast poetische Wortschöpfungen im Deutschen. Ein Tag ist eine Zeit-Periode. Den kann man nicht bauen. Gestern erfuhr ich zufällig, dass das deutsche Wort „Doppelgänger“ Eingang ins Englische gefunden hat (doppelganger).


Arno

 :)
Aber das kommt doch vom hellen Tag über der Erde und der dunklen Nacht unter der Erde ;)
Erz- und Kohleabbau untertage (also in den nacht- dunklen Tiefen) oder eben im Tage- Bau (oberirdisch im taghellen Raum der Natur)...
Und ja es haben noch viele andere poetisch deutsch Wörter ihre Wege ins Englische gefunden wie "Kindergarten"
Ich finde aber auch, dass das Deutsche eine unglaublich wortgewaltige sehr facettenreiche und ausgesprochen poetische Sprache ist!

Zum Grabemesser würde das ein bisschen viel OT und ich möchte Simeons thread nicht sprengen deswegen mache ich mal einen neuen Thread zu Grabemesser auf.
LG
Sylvia

Simeon Indzhov

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Re: Kremikovtsi & Buhowo, 31.03.3017
« Antwort #9 am: 2017-09-22 23:01:30 »
Auch hier ein paar Reminiszenzen:

Die als subadult unbekannte männliche Salticidae war diese nach der Reifehäutung :D :
IMG_20170920_193235.jpg
*IMG_20170920_193235.jpg (184.06 KB . 901x785 - angeschaut 53 Mal)

Die männliche "Inermocoelotes" (die jüngere starb leider noch während meiner Asenovgrad-Reise) häutete sich zum letzten mal vor einem Monat und entpuppte sich als... Urocoras longispinus

Übrigens wurde mir berichtet, dass die Lycosa "tarantula" doch einfach L.praegrandis war: alle dort gefangenen Männchen waren diese Art