Autor Thema: Hochmiesing  (Gelesen 1035 mal)

Arno Grabolle

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Hochmiesing
« am: 2017-08-02 23:40:31 »
Eine weitere Alpenwanderung, diesmal etwas weiter östlich, vis-a-vis mit dem Wendelstein auf der anderen Talseite.

Der Berg war nicht ganz so hoch (knapp 1900m). Der Gipfel ist stark mit Latschenkiefern bewachsen. Etwas abseits des Weges und der touristischen „Lagerstellen“ fand ich gen Nachmittag ein Stück südlich geneigten Hang mit feinem kurzen Rasen, wenigen eingestreuten Steinen und einer Fels-Abbruchkante mit angrenzendem Mini-Geröllfeld. Dieser Lebensraum erwies sich nicht nur äußerlich als sehr attraktiv sondern schien auch sehr gesund (im ökologischen Sinne) zu sein. Dort fand ich dann Edelweiß, viele Spinnenarten und im Weggehen ind er Abendsonne sogar eine kleine Kreuzotter.

Eigentlich wollte ich hier Talavera montana finden, die Christoph Muster hier schon einmal nachgewiesen hat. Das gelang mir leider nicht. Bei den Springspinnen war wahrscheinlich ein Synageles-hilarulus-Weibchen der bedeutendste Fund (geht an Micha für Fotos).

Beim Abstieg in der Abendsonne kam ich dann noch am Soinsee und einem Wasserfall vorbei.

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Arno

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #1 am: 2017-08-02 23:46:11 »
Spinnen (noch nicht so viele fotografiert):

Die allgegenwärtige Haplodrassus signifer, die meisten Tiere mit Kokon:
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Eine hübsche Rasen-Pardosa-Art, die noch bestimmt werden muss.
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... und endlich sicher bestimmt: Pardosa nigra Das Männchen musste schnell fotografiert werden (war heute schon gestorben). Es sind nun noch ein paar Jungtiere in Haltung bei mir.
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Die große Art lebt auf Kalkblockhalden – eigentliche eine kleine Variante von Acantholycosa pedestris.

Arno

Martin Lemke

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Re: Hochmiesing
« Antwort #2 am: 2017-08-02 23:53:39 »
Willste nicht mal ein paar Spinnen fürs GBOL-Projekt einschnapsen? Da gibt es bestimmt viele der dem Projekt noch ganz fehlenden Arten. Nicht nur Springspinnen. Ich werde wahrscheinlich doch nicht in die Alpen fahren, weil mir das einfach zu anstrengend ist, so weit zu fahren. Aber mal sehen.

Martin

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #3 am: 2017-08-03 23:04:27 »
@Martin: erst mal nicht.

Anmerkungen zu den Spinnen:

Die kleine Pardosa heißt P. blanda.



An großen, frei stehenden Felsblöcken fand ich wieder (wie schon oft in früheren Jahren) große Mengen Philodromus vagulus – eine Art aus der aureolus-Gruppe mit markant lang gezogener Ebigyne. Die Weibchen sitzen zu dieser Zeit fast exponiert auf ihren Eikokons, welche flach an den Felsen gesponnen und mit einer festen Schicht Seide überzogen sind. Leider hatte ich an den Stellen keine Lust, die Fotoausrüstung herauszuholen (es war direkt am breiten Forstweg und ich mag es nicht, wenn vorbeikommende Leute interessiert gucken und nachfragen, während ich mich mit angehaltenem Atem und komplett angespanntem Körper auf Makrofotos konzentrieren muss). Dabei wären es einfache Motive gewesen, denn die Weibchen laufen nicht weg sondern sitzen wie angewurzelt auf ihren Gelegen.

Was mich nun wundert ist, dass die Art als selten bezeichnet wird und, kaum Informationen respektive Abbildungen existieren. Dabei scheint sie in den Alpen weit verbreitet und stellenweise ausgesprochen abundant zu sein. An einem größeren Felsbrocken, der neben dem Forstweg lag, zählte ich aus dem Stand, ohne zu suchen, 6 Exemplare. Wird die Art nicht nachgewiesen, weil sie an Felsen lebt (unsichtbar für Bodenfallen, Klopfschirme und Streifkescher)?

Ich kann jetzt erst mal nur Epigynen-Fotos fürs Wiki anfertigen. Wann ich das nächste Mal in die Berge komme weiß ich noch nicht und ob sie dann noch „brüten“, ist die Frage.

Arno

Tobias Töpfer

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Re: Hochmiesing
« Antwort #4 am: 2017-08-04 00:58:22 »
Im Allgäu habe ich P. cf. vagulus auch schon gefunden. Aber ohne genitale Bestimmung taugen die Bilder leider nichts.

Hast du eigentlich schon A. pedestris oder sogar Sitticus longipes gefunden? Letzte Woche waren die im Wallis in Blockschutthalden ziemlich häufig. Aber die Arten leben wahrscheinlich etwas höher.

Im Wallis hatte ich auch eine Pardosa gefunden, die ich auf die Schnelle als P. nigra abgestempelt habe. Schön, dass es von der Art jetzt gute Fotos im Wiki gibt.

Tobias

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #5 am: 2017-08-04 07:15:30 »
Hi Tobias,

ja genau, das ist sie. Schön, dass du wenigstens Fotos hast, auch wenn wir sie nicht 100%ig sicher zuordnen können. Jetzt ist meine Beschreibung oben nicht mehr ganz so abstrakt ;)

In meiner Jugend war ich mit meinen Eltern fast jedes Jahr in den Alpen im Sommerurlaub und da meist in den Dolomiten (Brixen). Von dort aus sind wir fast jeden Tag gewandert und in dieser Zeit habe ich auch A. pedestris, S. longipes etc. gefunden. damals hab eich das noch nicht richtig ausgewertet, geschweige denn fotografiert. Es ist mir auch erst in späteren Jahren bewusst geworden, was für „Schätze“ ich da habe liegen lassen.

Eine A. pedestris hatte ich allerdings sogar mal stümperhaft eingeschnapst. Das Exemplar existiert immer noch. Daher stammt das Epigynen-Foto im Wiki (ich habe das Tier vor ein paar Jahren exhumiert).

Hier war ich jetzt noch nicht hoch genug. Aber, wie ich in den Verbreitungskarten gesehen habe, scheint zumindest A. pedestris auch schon hier in der Nähe (z.B. im Karwendel) vorzukommen.

Wie kommt es, dass du so viel in den Alpen unterwegs bist? Lebst du nicht in Leverkusen?

In begrenztem Maße kann ich auch Gastspinnen-Fotoaufträge annehmen ;) Und Michael Schäfer wartet schon lange auf eine Sitticus longipes für seine Fotodokumentation aller Springspinnen Europas.

Arno

Jürgen Guttenberger

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Re: Hochmiesing
« Antwort #6 am: 2017-08-04 11:05:55 »
Servus Arno,
mit welcher Kamera fotografierst du die Landschaftsaufnahmen? Die Bilder sind wunderschön, aber für meinen Geschmack etwas zu "farbintensiv".
Die sehen schon fast etwas "unnatürlich" aus, wie die Postkarten, die man davon kaufen kann ;D.

Herzlich Willkommen bei uns in Bayern ;)

Gruß Jürgen

Tobias Töpfer

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Re: Hochmiesing
« Antwort #7 am: 2017-08-04 23:48:56 »
Mittlerweile wohne ich in Bonn, versuche aber jede Gelegenheit wahrzunehmen, in die Berge zu kommen. Dabei wird aber meistens die Kamera verschiedenen organisatorischen Gründen geopfert. Ich wollte immer schon mal nur zum Fotographieren/Sammeln in die Alpen fahren, da ist aber bisher nichts draus geworden.

Sitticus longipes habe ich auch schon im Allgäu und in den Lechtaler Alpen gefunden. Das lässt vermuten, dass die Art im Karwendel auch zu finden sein sollte (in höheren Lagen ab etwa 2300 m schätzungsweise). Vielleicht ist ja ein Erstnachweis für Deutschland drin.

Tobias

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #8 am: 2017-08-05 00:10:31 »
@Jürgen: Danke!

Die Landschaftsfotos entstehen mit der selben Kamera, wie die Makros (EOS 5D Mark III). Aber dafür ist auch weniger die Kamera verantwortlich, als vielmehr meine intensivere Nachbearbeitung. Im Vergleich mit den meisten anderen werden die Bilder bei mir fast immer extrem nachbearbeitet. Z.B. verschmelze ich oft Einzelbilder zu Panoramen oder baue aus mehreren Belichtungsstufen ein Bild zusammen. Dann werden die Kontraste und Dynamik oft partiell angepasst, Schärfe nachgeregelt. Vielleicht habe ich es dabei ab und zu ein wenig übertrieben ;)

Auf der Tour im Karwendel (Gumpenspitze) war das Wetter aber auch mit „Schuld“. Die Luft in der Höhe war so glasklar, dass die Farben und Kontraste auch in Natura übernatürlich wirkten. Ich konnte mich kaum satt sehen an diesen Aussichten.

@Tobias: Wenn du mal was planst, kannste ja bescheid sagen. Ich bin ja jetzt hier ;)

Arno

John Osmani

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Re: Hochmiesing
« Antwort #9 am: 2017-08-05 11:36:11 »

Klasse Bilder Arno!

Die Kreuzotter ist scheinbar noch ein  Jungtier

Hast du da oben keine Hüpfer gefunden?

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #10 am: 2017-08-05 21:13:54 »
Doch, aber die gehen an Michael Schäfer. Wann und ob er sie fotografiert/ausstellt, ist seine Sache.

In diesem Fall Heliophanus aeneus, Sitticus rupicola und Synageles hilarulus.

Arno

Arno Grabolle

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Re: Hochmiesing
« Antwort #11 am: 2017-08-06 20:43:09 »
@Tobias Töpfer: Ich habe dein Foto mal mit in den Artikel im Wiki aufgenommen, damit es ein Kopfbild gibt. Wenn irgendwann jemand ein sicher bestimmtes Bild liefern kann, kann man es ja noch mal austauschen.

Arno

Michael Schäfer

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Re: Hochmiesing
« Antwort #12 am: 2017-11-07 14:19:27 »
Als Nachtrag noch eines von Arnos Mitbringseln in Form eines S. rupicola - Weibchens. Das passende Männchen gibt es in Arnos Exkursionsbericht zur Gumpenspitze.

Gruß
Micha
Meine neusten Foto-Projekte zeigen Springspinnen aus Rhodos und Spanien .