Autor Thema: Micrommata virescens - Haltung  (Gelesen 1445 mal)

Arne Willenberg

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Micrommata virescens - Haltung
« am: 2017-10-19 05:31:54 »
Liebe Spinnenfreunde,

ich habe mir zwei juvenile Micrommata virescens, ein Männchen und ein Weibchen, mit nach Hause genommen und möchte diese nun gern bis zu ihrer Reife halten. Besonders auf ein erwachsenes Männchen freue ich mich, da ich ein solches noch nie gesehen habe. Zwar war mir bisher auch der Fund eines erwachsenen Weibchens vergönnt, aber die jungen Weibchen sehen ja schon so aus wie die alten, nur eben kleiner.
Muss ich nun bei der Aufzucht der Tiere, welche jetzt jeweils etwa 4 mm groß sind, etwas besonderes beachten? Zur Zeit hat jedes sein eigenes Honigglas (Durchmesser 8 cm, Höhe 11 cm). Als Bodengrund ist ein Moospolster Brachythecium rutabulum (nur für die, die es ganz genau wissen wollen ;)), sowie Dolden und Stengel der Petersilie. Ich denke, dass das Moos die notwendige Feuchtigkeit hält und dabei aber Staunässe verhindert.
Über Tipps und Anregungen freue ich mich!

Herzliche Grüße
Arne


Simeon Indzhov

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #1 am: 2017-10-19 07:38:44 »
Ich halte seit Juli ein Tier in einer einfachen tic-tac Schachtel 4x1x5,5 cm, füttere es mit Fliegen oder Fliegenmaden, und sprühe Wasser ab und zu. Es hat sich in dieser Periode glaube ich 2-3 mal gehäutet, und ist glaube ich jetzt subadult (Weibchen), und scheint sich bald nochmals zu häuten. Ich hatte noch ein Tier, das aber aus unbekannten Gründen subadult starb.

Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #2 am: 2017-10-19 22:12:10 »
Die sind noch einfacher als Cheiracanthium. Sparassiden benötigen wirklich überhaupt nichts (wie Simeon schon sagt).

Arno

Arne Willenberg

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #3 am: 2017-10-19 22:30:10 »
Hallo Simeon, Hallo Arno,

 Auch wenn Ihr beide bestätigt, dass diese Art ausgesprochen bescheiden zu halten ist, werde ich statt Tic-Tac-Dosen, doch meine schön eingerichteten Honiggläser verwenden. Es soll ja nicht nur den Spinnen gefallen, sondern auch meiner Frau ;)!

Herzliche Grüße
Arne

Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #4 am: 2017-10-19 22:47:14 »
Klar. Also meine haben auch so Gläser ... Foto von eben. Die große ist z.B. Eusparassus dufouri

IMAG3897.jpg
*IMAG3897.jpg (127.28 KB . 600x990 - angeschaut 190 Mal)

Arno

Simeon Indzhov

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #5 am: 2017-10-19 22:49:46 »
Mich interressiert eher der Netzbauer links davon im Glas :D

Arne Willenberg

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #6 am: 2017-10-19 23:06:48 »
Arno, das sieht schön aus, bei Dir. Ich habe leider nicht so viel Platz, so dass die Gläser enger stehen müssen. Im Moment rücke ich sie immer noch auf dem Schreibtisch hin und her. Ich werde mir erst am Wochenende im Bücherregal für die neue Tierhaltung Freiraum schaffen, indem ich ein paar der Ordner der Projekte der letzten Jahre in den Keller bringe. Man guckt ja doch nicht mehr rein und hat das meiste sowieso auf Festplatte gespeichert. Ja wenn ich so über dieses Vorhaben nachdenke ..., dann hab ich ja ganz viel Platz für Honiggläser :D

Herzliche Grüße
Arne

Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #7 am: 2017-10-19 23:13:53 »
... und das ist nur die obere Etage. Das Regal hat zwei Böden ... ;)

Aber es leert sich zusehens. Das sieht nach Exkursionsreisen wesentlich voller aus und der Fußboden ringsherum ist dann auch belegt. Ich war schon länger nicht mehr unterwegs.

Arno

Arne Willenberg

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #8 am: 2017-10-22 20:44:05 »
Hier noch meine Pfleglinge:



Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #9 am: 2017-10-22 20:48:48 »
Süß, die sind ja noch recht klein.

Arno

Arne Willenberg

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #10 am: 2017-10-23 06:01:09 »
Zitat
Süß
- ja, Arno, das finde ich auch! Dieses, tatsächlich auch bei diesen Spinnchen vorhandene "Kindchenschema", zumindest nehme ich das so war,  rührt mich schon sehr an! Das zu Beginn dieses Themas von mir eingestellte Foto zeigt ein Micrommata-Mädchen, was schon etwas größer war. Allerdings hab ich dieses wieder in die Freiheit entlassen, noch bevor ich auf die Idee kam, die Art bis zur Reife zu pflegen. Dann gelang es mir nur noch, diese Winzlinge zu fangen. Die freigelassene "Große" muss eben allein zurecht kommen :(!, während die Kleinen nun umsorgt, gehegt und gepflegt werden. Bestimmt habe ich von diesen Winzlingen auch länger was :).

Im Spinnenatlas von BELLMANN ist auch ein solches juveniles Männchen abgebildet, mit dem Hinweis, dass es kurz vor der Überwinterung steht. Nun hab ich ja zwei Möglichkeiten, wie ich mit meinen Pfleglingen verfahre: 1.) Ich stelle die Fütterung irgendwann ein und überwintere die Tiere kalt (vielleicht auf dem Balkon). Oder aber, 2.) Ich halte die Tiere über den Winter bei Zimmertemperatur und füttere dann auch weiter.

Was ist besser? Bei der zweiten Variante geht die Entwicklung sicherlich schneller und die Tiere werden "vor ihrer Zeit" erwachsen. Hat eine warme und damit eigentlich unnatürliche Überwinterung Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder Paarungsbereitschaft der reifen Tiere? Denn, wenn es klappen sollte, dass meine beiden Spinnen groß und geschlechtsreif werden, möchte ich dann gern auch versuchen, diese zu verpaaren.

Über Antworten auf diese Fragen freue ich mich sehr!

Herzliche Grüße
Arne



Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #11 am: 2017-10-23 23:12:51 »
Also, ich verstehe diese Gedanken, die man sich hier immer ums „Kaltstellen“, Überwindern usw. macht. Spinne sind doch keine Sukkulenten ;)

Ich halte die Spinnen im Winter nie anders als im Sommer. Einige Arten stellen im Winter dann das Fressen fast ein, das haben Michael Schäfer und ich z.B. unabhängig voneinander an Eusparassus aus Griechenland festgestellt. Wahrscheinlich ist es für diese Arten wichtig, in der beutetierarmen Winter-Periode Kräfte zu sparen, auch wenn die Temperaturen Aktivitäten zulassen würden. Hiesige Arten brauchen diese Selbstbeschränkung vielleicht gar nicht und entwickeln sich einfach weiter.
Aber auch bei Mitteleuropäischen Arten gibt es Winterpausen. Das musst du bei Micrommata einfach mal ausprobieren.

Irgendwie ginge für mich der Sinn der Spinnenhaltung im Winter ein wenig verloren, wenn ich sie auf dem Balkon kälteschlafen ließe. Da habe ich ja nichts davon. Ich will ja auch im Winter ein paar lebende Tiere zum Beobachten und Pflegen haben ;)

Arno

Arne Willenberg

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #12 am: 2017-10-24 05:17:13 »
Danke Arno für Deine Meinung und Erfahrungen,

Zitat
Spinne sind doch keine Sukkulenten ;)
tatsächlich blühen sehr viele Kakteen nur nach kalter Überwinterung. Aber auch in der Terraristik, bei der Haltung von Reptilien und Amphibien, die ursprünglich aus gemäßigten oder mediterranen Klimaverhältnissen stammen, wird in der Regel eine kühle Ruheperiode über den Winter empfohlen, damit sich die Pfleglinge gesund entwickeln und vor allem auch in Paarungsstimmung kommen. Daraus resultierte meine Frage.
Zitat
Irgendwie ginge für mich der Sinn der Spinnenhaltung im Winter ein wenig verloren, wenn ich sie auf dem Balkon kälteschlafen ließe. Da habe ich ja nichts davon.
Sinn macht die Haltung über den Winter auf dem Balkon, ohne dass ich die Tiere zu sehen bekomme, dennoch für mich, weil ich dann die Tiere wirklich im Frühjahr weiter beobachten kann und mir nicht erst neue Tiere in der Natur suchen und fangen muss. Das macht vor allem bei seltenen Arten Sinn. Gut, im konkreten Fall brauch ich ja im Frühjahr nur wieder auf die Wiese zu gehen und könnte sicherlich leicht neue Individuen der Art finden, wenn nicht die Wiese noch im Spätherbst oder im Frühjahr umgeackert oder mit Gülle befrachtet wird, dann wäre es dort mit Micrommata virescens und vielen anderen Arten vorbei.

Ich werde "meine" Spinnen im kühlen Schlafzimmer halten. Dort haben sie auch etwas vom Winter und ich kann ich sie trotzdem weiter beobachten. Zum Fotografieren kommen sie dann eben für kurze Zeit in das für mich wohl temperierte Arbeitszimmer.

Herzliche Grüße
Arne

Ulrich Kursawe

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #13 am: 2017-10-24 08:25:08 »
Hallo Zusammen,

in der Vogelspinnenhaltung ist die "Überwinterung" von Arten aus den gemäßigten Klimazonen auch ein heißes Thema, über das mit geradezu religiösem Eifer "diskutiert" (d.h. gestritten) wird. Das kann soweit gehen, dass dann Arten von der Südhalbkugel, beispielsweise aus dem Grammostola rosea/porteri - Komplex, während unseres Sommers zur Überwinterung in einen Kühlschrank gepackt werden.
Meiner Meinung nach muß jeder selbst wissen, wieviel Aufwand er da betreiben möchte, es ist durchaus möglich, dass das vielleicht bei einigen Arten für  erfolgreiche Nachzucht-Versuche hilfeich sein kann.  Beschränkt man sich auf die reine Haltung, ist es sicher nicht  unbedingt nötig, meine G. cf. rosea ist schon über 20 Jahre alt und ich habe sie noch nie überwintert.

Viele Grüße, Uli
« Letzte Änderung: 2017-10-24 19:46:52 von Ulrich Kursawe »

Michael Schäfer

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #14 am: 2017-10-24 09:25:18 »
Hallo,

ich sehe das wie Arno, zumindest was Arten betrifft, die nicht aus Mitteleuropa stammen. Die Temperatur ist da meines Erachtens eher zweitrangig. Ich halte alle meine Tiere bei Zimmertemperatur - auch über den Winter. Trotzdem fressen fast alle über diese Jahreszeit viel weniger oder kommen kaum noch aus ihrem Gespinst. Häutungen um diese Zeit beobachte ich sehr, sehr selten. Meist warten die Tiere tatsächlich bis zum zeitigen Frühjahr damit. Ich hatte schon Geschwister aus dem selben Gespinst, da wurden die ersten im September reif und der Rest erst im März - und das bei gleicher Ernährung und gleichem Reife-Stadium. Vielleicht richten sich die Tiere weniger nach der Temperatur sondern mehr nach dem Licht bzw. der abnehmenden Tageslänge.

Gruß
Micha



Meine neusten Foto-Projekte zeigen Springspinnen aus Fuerteventura und Kreta.

Arno Grabolle

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #15 am: 2017-10-24 19:57:49 »
Dass, was Micha beschreibt, habe ich auch schon in wissenschaftlichen Arbeiten gelesen (z.B. die sehr detaillierte Beschreibung des Lebens von Coelotes terresris von Tretzel, 1961).

@Ulrich: ich glaube, Micrommata ist zum Glück nicht so kompliziert, wie manche Vogelspinne ;)

Ich wäre ja gespannt, ob die Art wirklich eine Winterpause macht, auch wenn es warm bleibt. Ich weiß nicht, ob dieses Verhalten alle Spinnen aus gemäßigten Breiten betrifft, bzw. sogar Spinnen aus dem Mittelmeerraum (wie oben schon angemerkt)? Vielleicht betrifft es einfach alle stenochronen Arten, weil die sonst bei einem wehr warmen Winter völlig aus dem Rhythmus kämen.

Arno

Roman Pargätzi

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Re: Micrommata virescens - Haltung
« Antwort #16 am: 2017-11-01 22:58:43 »
Salü zäma,

Bei uns tummeln sich zwei Arten in grösserer Zahl sowohl im Keller als auch draussen: Eratigena atrica und Parasteatoda tepidariorum. Tiere beider Arten bleiben im Kellergeschoss, wo die Temperatur z. T. auf 5–8 Grad fällt, den ganzen Winter über aktiv.
Da ich in der kältesten Zeit draussen (am Kompost, in den Ritzen einer Trockenmauer) keine Eratigena finde, auch keine frischen Netze, nehme ich mal an, dass die zumindest sehr inaktiv sind.
Die Gewächshausspinnen draussen verkriechen sich nicht etwa, sondern bleiben an ihrem «Wohnort», und da sieht man: fällt die Temperatur unter Null, erstarren sie, wird es wärmer, fangen sie an, sich zu bewegen. Abgesehen davon, dass die einen oder anderen Tiere von Vögeln geerntet werden, scheint mir, dass der schwere Frost des letzten Winters die Reihen der ÜberwintererInnen etwas gelichtet hat.
Spinnen weiterer Arten gelangen mit nicht frostsicheren Pflanzen in den Kellergang und bleiben da über den Winter recht aktiv.

Herzlich, Roman