Autor Thema: Wie kann man die Abgabe von Proben an Museen vereinfachen?  (Gelesen 356 mal)

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13894
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Ich habe dieses Jahr gesammeltes Material an verschiedene Museen gegeben. Leider dauert es mit der Übernahme solcher Proben viel länger als ich es mir vorgestellt hatte. Gläschen, aber vor allem Sammlungs-Kartons, sind teuer und je länger ich auf mein Leergut warten muss, desto mehr muss ich teuer nachkaufen; ich rede von ein paar hundert (!!!) Euro.

Bei einem Museum ging es schnell, bei zwei anderen lagen die Proben Monate lang herum, bis die Bearbeitung angekündigt wurde und über 2 Monaten danach habe ich  trotzdem weder Röhrchen noch Kartons zurück bekommen, noch habe ich irgend etwas weiteres zum Stand der Dinge erfahren (ich will ja auch keine Nerv-Mails schicken, denn ich weiß, dass diese Arbeit irgend wie zwischengeschoben werden muss). Ich will mich hier nicht beschweren, sondern eine praktikabele Lösung entwickeln, die alle beteiligten hilft, den Aufwand zu minimieren.

Es wäre also zu wünschen, den Aufwand für alle beteiligten so gering wir möglich zu halten. Den Idealfall stelle ich mir so vor:

Ich liefere fertig eitkettierte Proben sortiert an, der Kurator oder wiss. Mitarb. packt die Proben in die Sammlung und liest eine Exceltabelle ein. Arbeitsaufwand < 1 h. Das Museum bezahlt mir die Röhrchen und übernimmt dafür meine.

Ein Kontingent an Probennummern müsste ich vorab erhalten, um sie selber zuteilen zu können. Ein einheitliches Etikettierungs-Schema wäre zu wünschen. Noch besser wäre ein einheitliches Verfahren für alle Museen.

Was muss auf die Etiketten gedruckt werden?

- Nummer (museumsspezifisch aus Kontingent)
- Datum
- Biotop, Ort
- Koordinaten
- leg.
- det.

mit Bleistift: Artname

Dazu:
Exceltabelle mit Nummer, Daten, Artname Anzahl je geschlecht/Reife

Ich bitte um konstruktive Lösungsvorschläge.

Beispiel GBOL
Im GBOL-Projekt bekomme ich alkoholgefüllter Röhrchen mit Sammlungsnummern, die ich dann mit Proben befülle. Das wäre das einfachste Verfahren. Zusätzlich gebe ich eine Exceltabelle mit den Funddaten ab. Damit könnte ich mich am meisten anfreunden. Etiketten kann der Kurator oder ein Mitarbeiter dann selber drucken. Für mich ist der Fall erledigt, wenn ich die Proben verschickt habe und es muss nichts weiter abgerechnet werden.

Martin

Tobias

  • Gast
Re: Wie kann man die Abgabe von Proben an Museen vereinfachen?
« Antwort #1 am: 2017-12-17 14:24:11 »
Es gibt dafür keine wirklich praktikable Lösung. Die einzige Lösung wäre: Mehr wissenschaftliches und technisches festangestelltes Personal für Naturkundemuseum und nicht zwei Festangestellte (Kurator & TA) pro Fachgebiet, und der Kurator muss nebenher noch Verwaltungsaufgaben erledigen.

Entweder man füllt deine Proben um, erstellt eine Liste dazu und legt sie in der Datenbank als Sammlung Lemke ab (vergibt eventuell noch Pseudonummern an die Einzeldatensätze). Dann gehen die Gläschen zurück und deine Sammlung wird separiert gelagert und in der Regel nie wieder angeschaut und irgendwann entsorgt, wenn man zwanzig Jahre kein Arachnologe am Haus ist und Proben teilweise eingetrocknet sind. Oder man integriert Teile davon in der Taxonomischen Sammlung und, falls vorhanden, in so etwas wie eine Studiensammlung für größere Datensätze. Für ersteres muss die definitiv jemand nachbestimmen. D.h. nicht einfach drübergucken und sagen ok Art xy nach Roberts, sondern das muss absolut taxonomisch schlagfest sein und Genitalien usw. müssen sauber eingelagert in Genitalgläschen usw. werden, wenn sie separiert wurden. Das dauert. Dazu kommt das Anlegen von Fundorten, EUNIS usw. usw., je nachdem wie aufwendig man das Ganze in der Datenbank gestalten will. Zudem übernimmt man in die taxonomische Sammlung nicht jeden Datensatz, wenn schon mehrere Datensätze/Reihen aus dem Gebiet vorliegen. Das muss man anhand der vorliegenden Proben entscheiden. So oder so gibt es da kaum richtige Automatismen. Jedes Museum hat eine andere Forschungsausrichtung (taxonomisch, ökologisch, Regional, international usw.), und es ist überhaupt nicht wünschenswert, hier einheitliche Verfahren anzustreben, um möglichst schnell unsystematische Proben aus einem regional begrenzten Gebiet massenweise in die Sammlungen zu bringen. Während wir in Karlsruhe durchaus ökologische Datenpakete in den Sammlungen anstreben, hat das Senckenberg aufgrund seiner derzeitigen taxonomischen Forschungsausrichtung auf Asien z.B. hier weniger Interesse, wenn die Arten aus Deutschland schon in der Sammlung vorliegen.

Also wenn die zwei Kartons und Gläschen, die bei mir stehen hundert Euro gekostet haben, würde ich die nicht mehr kaufen, bzw. mir einfach anderes System überlegen, das weniger finanzielle Verantwortung und zeitliche Restriktion auf die handvoll Mitarbeiter von Museen überträgt. Wieso gibst du sie überhaupt aus der Hand, wenn sie so teuer sind und du sie so dringend brauchst? Man kann das Ganze auch mit Eppendorfgefäßen und einer Styroporplatte plus Frischhaltefolie so gestalten, dass es unter 10 Euro pro hundert Gläschen kostet (eigene Erfahrung).
Ich schick dir am Montag die Proben komplett zurück. Es ist einfach so, dass ich für die Integration solcher Mengen in die Datensammlung im Prinzip komplett drei oder Vier Tage  investieren muss, da dein Material teilweise in die Taxosammlung muss und ich das Nachsichten sollte. Die Zeit habe ich derzeit frühestens im Frühjahr. Und ich sehe  nach der Mitteilung hier schon wieder Komplikationen wie letztes Mal auf mich zukommen, auf die ich in (und sicherlich auch andere) keine Lust habe.

Tobias

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 13894
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Wie kann man die Abgabe von Proben an Museen vereinfachen?
« Antwort #2 am: 2017-12-18 06:04:21 »
Also wenn die zwei Kartons und Gläschen, die bei mir stehen hundert Euro gekostet haben, würde ich die nicht mehr kaufen, bzw. mir einfach anderes System überlegen

Die kosten vielleicht 40 €, aber das ist auch nicht das, was bei mir in einem Jahr zusammen kommt, sondern ein Bruchteil davon; in Deinem Fall, glaube ich, sind das Proben aus Winter/Frühjahr 2017 (ich weiß es nicht mehr).

Ich bin daher schon auf größere Kartons umgestiegen in denen nicht 100 sondern 200 Proben Platz finden.

Zitat
Wieso gibst du sie überhaupt aus der Hand, wenn sie so teuer sind und du sie so dringend brauchst? Man kann das Ganze auch mit Eppendorfgefäßen und einer Styroporplatte plus Frischhaltefolie so gestalten, dass es unter 10 Euro pro hundert Gläschen kostet (eigene Erfahrung).


Die Pappschachteln mit den Gläschen sind sehr gut handhabbar. Im Gegensatz zu Eppendorfern, kann man die Gläschen hinstellen und ebenfalls im Gegensatz zu den Eppendorfern, sind sie wirklich dicht. Styroporplatten habe ich bislang nicht gehabt (ich ziehe auch unmweltrfreundliche Materialien vor). Aber ich denke, die Packungsdichte wird nicht so optimal sein und mechanisch weniger robust. Und im Schlafzimmer Löcher in Styroporplatten zu bohren, stelle ich mir auch nicht so schön vor. Die billigste Lösung ist nicht immer die beste. Für mich ist es wichtig, dass die Proben möglichst wenig Platz einnehmen.

Meine allerersten Proben habe ich in Form unsortierter nummerierter Eppendorfer in einer Blechdose ohne Exceltabelle abgeliefert (Senckenberg 2006), nach 4-5 Jahren wurden die in die Sammlung eingegliedert. Sowas macht dem Museum unnötig Arbeit. Ich denke, wenn möglich, sollte man die Proben sortiert abliefern. Das ist der erste wichtige Schritt in Richtung Aufwandminimierung.

Ich habe auch kein Problem damit, mir einmal ein ausreichend großes Kontingent an Schachteln zuzulegen. Ich hatte aber gedacht dass es zwei bis drei Monate dauert, bis ich mein Leergut zurück habe. Ähnlich wie bei der ersten Sendung. Die Information, dass Du es erst im Frühjahr einpflegen könntest, hatte ich nicht.

Zitat
Ich schick dir am Montag die Proben komplett zurück.


Angesichts dessen, dass Du es warst, der die Abgabe von Proben an Museen allgmein und auch konkret, sie ans Museum in Karlsruhe zu geben, angeregt hattest, finde ich dies sehr enttäuschend.

Dann sag' doch gleich: Schade, dass ihr Eure Proben alle weg werft, aber wir können sie auch nicht aufnehmen, anstatt eine Lanze dafür zu brechen, die Dir ins Museum zu schicken. Es hat mir einen Haufern Mehraufwand beschert, die Proben für Karlsruhe zu katalogisieren, geordnet abzulegen und mit einer individuellen Exceltabelle zu versehen. Was wäre denn gewesen, wenn 5 Leute Deinem Aufruf gefolgt wären?

Zitat
Es ist einfach so, dass ich für die Integration solcher Mengen in die Datensammlung im Prinzip komplett drei oder Vier Tage  investieren muss, da dein Material teilweise in die Taxosammlung muss und ich das Nachsichten sollte. Die Zeit habe ich derzeit frühestens im Frühjahr.

In dieser Größenordnung liegt mein Zeitaufwand auch. Weil ich vieles nicht geschafft habe, quillt mir der Arbeitsplatz über vor unbearbeiteten Proben. Aber es gibt eben auch noch viel anderes zu tun.

Bis zum nächsten Frühjahr wären das natürlich viel mehr proben. Ich habe ja schon alles an drei verschiedene Sammlungen verteilt.

Zitat
Und ich sehe  nach der Mitteilung hier schon wieder Komplikationen wie letztes Mal auf mich zukommen, auf die ich in (und sicherlich auch andere) keine Lust habe.

Ich habe mir wirklich Gedanken gemach: "Hoffentlich sieht Tobias hierin nicht wieder einen Affront gegen sich – kannst Du das überhaupt schrieben?" Aber es musste eine Lösung gefunden werden. Am besten eine für alle. Es macht doch keinen Sinn, wenn Museen sagen, wir möchte Proben haben, aber weil deren Annahme Arbeit macht, nehmen wir keine Proben an.

Es ist doch nicht so, dass ich meine Proben bei Euch entsorgen will. Du wolltest sie haben und darum habe ich mir Arbeit aufgehalst.

Wo bleibt Deine Lebenserfahrung? Es ist nicht ungewöhnlich, wenn etwas Neues nicht auf Anhieb reibungslos klappt. Das kann man doch nicht zum Anlass nehmen, alles über den Haufen zu werfen und grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich z.B. habe kaum eine Ahnung, in welcher Weise meine Proben im Museum behandelt werden müssen und welche Arbeitsschritte nötig sind. Wenn ich darüber nichts weiß, kann ich mich danach nicht richten.

Ich hatte wirklich gehofft, hier ein paar Ideen einzufangen, um den Aufwand zu minimieren und die Idee besser zum Laufen zu bringen.

Übernehme die Proben bitte, wenn Du im Frühjahr Zeit dafür hast.

Martin

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1657
Re: Wie kann man die Abgabe von Proben an Museen vereinfachen?
« Antwort #3 am: 2017-12-18 13:33:17 »
Hallo Martin,

Ich denke, einiges der Frustration (auf beiden Seiten) lässt sich mit einem grundlegenden Missverständnis erklären: ich denke, solange Du arachnologisch aktiv bist, dann sollte Dein Sammlungsmaterial für Dich wertvoller sein als für jeden anderen. Warum sollte ein Museum, mit seinem minimalen Etat, Interesse haben, Deine Proben zu übernehmen, die Materialkosten zu bezahlen, und dann alles auch noch umgehend zu bearbeiten (für einige hundert Euro Arbeitsaufwand), wenn Du die Exemplare selber doch nur entsorgenswert findest? Ich fürchte, eine perfekte Lösung für jeden Sammler lässt sich da nicht finden.

Persönlich finde ich den Gedanken schrecklich, eine sorgfältig aufgebaute Spinnensammlung in den Müll zu geben, oder auch nur einzelne Aufsammlungen wegzuwerfen. Wenn ein Schmetterlingssammler seine Exemplare im Kamin verheizen würde, hielte ihn doch jeder für einen Banausen und Vandalen. Sowas sollte dauerhaft bewahrt bleiben, also seinen Weg in ein Museum finden, wenn es dann Zeit ist:



Warum sollte das bei einer Spinnensammlung anders sein? Bloss weil sie nicht ganz so oberflächlich ästhetisch erscheint? Dafür ist sie platzsparender zu lagern. Der wissenschaftliche Wert (Belegexamplare zu faunistischen Studien, Vergleichsmaterial für taxomische Arbeiten, Ausbildungsmöglichkeiten für die nächste Arachnologengeneration, Dokumentation historischer Verbreitungsmuster, Material für unerwartete neue wissenschaftliche Analysen...) ist doch unbestritten. Wer weiss denn, wann eine neue Veröffentlichung feststellt, dass Metellina mengei aus zwei Geschwisterarten besteht, deren wissenschaftlich höchst bedeutsame Verbreitungsgrenze quer durch Schleswig-Holstein verläuft und sich nur anhand Deiner Examplare klären lässt? Oder welche Allerweltsspinne als nächste ultrasensibel auf das neuste Insektizid reagiert, so dass sich in 30 Jahren ihr Aussterben nur anhand Deines Alkoholmaterials rekonstruieren lässt?

Sorgfältiges Etikettieren, Aufbewahren und Registrieren sind die Grundvoraussetzungen, damit das Material am Ende der arachnologischen Karriere in der geeigneten Museumsammlung willkommen ist und zukünftigen Generationen erhalten bleibt. Die Sammlung von Frantisek Miller wurde 20 Jahre nach seinem Ableben noch faunistisch bearbeitet, und die Privatsammlungen von John Murphy und Eric Duffey (25.000 und 6000 Proben) waren im Manchester Museum auch höchst willkommen, auch wenn die vollständige Einarbeitung in die Sammlung Jahre dauern kann. Deswegen noch ein weiterer Tipp: Einmachgläser (sehr günstig bei IKEA zu haben) sind für die langfristige Lagerung geeigneter als Pappkartons, und trocknen auch nicht gleich aus, wenn der Kurator mal ein paar Jahre braucht, um das Material durchzuschauen. Dann kommt es auch nicht zu dem Horrorszenario, dass die eingetrockneten Proben irgendwann weggeschmissen werden. Ein Umfüllen der Proben sollte aber auf jeden Fall vermieden werden; eine Eingangsnummer in jedes Gläschen zu geben und in der Datenbank zu verzeichnen, kann auch ein Praktikant oder Freiwilliger übernehmen, aber die Tiere verlustfrei umzufüllen, würde ich selbst erfahrenem Personal nicht zumuten wollen.

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias

  • Gast
Re: Wie kann man die Abgabe von Proben an Museen vereinfachen?
« Antwort #4 am: 2017-12-18 14:04:13 »
Um eins mal zu anzumerken: Gerade, weil Material weggeworfen wurde, habe ich gesagt, schicke es lieber mir. Hätte ich gewusst, dass ich das dann in wenigen Monaten einarbeiten soll (und Gläschen umfüllen muss etc.), hätte ich das natürlich gelassen. bei dem Treffen in Kassel ging es vor allem auch darum, die Tiere überhaupt irgendwo zu lagern, anstatt sie weggzuwerfen, d.h. als Konglomerat in den Schrank stellen.

Tobias