Autor Thema: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt  (Gelesen 1885 mal)

John Osmani

  • ****
  • Beiträge: 1953
Jahrgedächtnis und Nachruf zum Tod meines Freundes Dr. Günter Schmidt
(Deutscher Arachnologe)*10.05.1926 Lübeck - † 23.12.2016 Deutsch Evern

Am 23.12.2016 verstarb nach langer schwerer Krankheit Dr. Günter Schmidt. Jeder der sich mit Spinnen und insbesondere mit Vogelspinnen beschäftigt, dem wird sein Name geläufig sein.

Dr. Schmidt war Gründungs- und erstes Ehrenmitglied der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft e.V., sowie Ehrenmitglied der American Tarantula Society und der Arachnida Schweiz.

Sein umfangreiches Schaffen, das über 140 neue Spinnenarten, davon alleine über 50 neu beschriebene Vogelspinnenarten und über 90 neue Spinnenarten aus anderen Familien umfasst (siehe Anhang), ist beispiellos in der Geschichte der deutschsprachigen Arachnologen. Er war/ist damit einer der bedeutendsten und produktivsten Arachnologen seiner Zeit, und mit Abstand der erfolgreichste und wichtigste deutschsprachige Vogelspinnenkundler überhaupt. Bevor ich zu seiner Arbeit als Arachnologe komme, möchte ich kurz auf das Leben von Dr. Schmidt eingehen.

Günter Schmidt wurde am 10.Mai 1926 in der Hansestadt Lübeck geboren. Schon früh erkannten seine Eltern seine beiden außergewöhnlichen Begabungen: die Biologie und die Musik. Seine ersten Berührungen mit Spinnen machte er, wie so oft bei Arachnologen, im heimischen Garten seiner Eltern.

Das Naturhistorische Museum am Lübecker Dom besuchte er mit seinen Eltern schon als Fünfjähriger, und war dort fasziniert von den präparierten Ausstellungsstücken und der Naturaliensammlung. Sein Vater, ein Vetter von Ernst Bade, einem bekannten Pionier der Vivaristik, unterstütze sein frühes Interesse und schenkte ihm neben Bades „Handbuch für Naturaliensammler“ auch die 2. Auflage von „Brehm`s Tierleben“. Doch der Wissenshunger des angehenden Arachnologen war zu groß für die wenigen Spinnen die er in diesem damaligen Standartwerk über die Tierwelt vorfand. So entschloss er selbst Spinnen zu sammeln, zu pflegen, und sie nach ihrem Ableben als Trockenpräparate in Zigarrenkisten aufzuheben. Gefördert wurde er dabei von einem in Lübeck stadtbekannten Entomologen der dem Jungen zeigte wie man Spinnen und Insekten präpariert und wie man sie aufbewahrt.

Auch seine musikalische Begabung kam schon sehr früh zum Vorschein. Schon mit 8 Jahren kauften seine Eltern ihm ein Klavier, und ließen ihn im Klavierspiel unterrichten. Bis ins hohe Alter war er ein begeisterter Pianist, der vor allem Werke von Brahms, Chopin und auch eigene Kompositionen spielte.

Aufgrund der 1935 erfolgten Strafversetzung seines 1933 von den Nazis degradierten Vaters (eines Finanzbeamten) nach Schwerin, besuchte er dort das humanistische Gymnasium das er 1943 mit dem Abitur abschloss. Er studierte dann mit kriegsbedingten Unterbrechungen Biologie an den Universitäten Breslau, Rostock, Gießen und Hamburg. Nach dem Abschluss seines Diploms promivierte er später noch an der Universität Mainz. Sein beruflicher Werdegang als Biologe führte ihn 1955 zunächst in eine Forschungsstation für Tierernährung. Von 1959 bis zu seiner Pensionierung 1986 war er im Bereich medizinische Forschung in verschiedenen pharmazeutischen Unternehmen tätig. Seit 1964 war er verheiratet mit einer vor ein paar Jahren verstorbenen Kinderärztin. Ihre gemeinsame Tochter verstarb leider schon als Kind.

Dr. Schmidt war ein ungewöhnlich fleißiger und sehr produktiver Publizist. Und zwar nicht nur in Sachen Arachnologie. Er veröffentlichte insgesamt etwa 637 wissenschaftliche Arbeiten und 19 wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Bücher. Unter seinen nichtarachnologischen Publikationen finden sich Arbeiten und Bücher über Nagetiere, Pathologie der Nagetiere, Tierernährung, Fischpathologie, Terraristik, Aquaristik und verschiedene medizinische Bereiche.

Seine Hauptaktivität galt jedoch seiner großen Liebe zur Arachnologie. Auch hier war er unglaublich produktiv. So veröffentlichte er über 500 wissenschaftliche Arbeiten und 5 Bücher über Spinnen und Spinnentiere. Davon allein ca. 170 Arbeiten über Vogelspinnen. Sein Standartwerk über Vogelspinnen erschien erstmals 1986 als Buch und erlebte vier Auflagen. Sein Buch über giftige und gefährliche Spinnentiere erlebte zwei Auflagen und gilt ebenfalls als Standartwerk in diesem Bereich. Sein Buch „Spinnen“ aus dem Jahr 1980 war eines der ersten populärwissenschaftlichen Bücher über Spinnen in Deutschland.

Seine erste Arachnologische Arbeit erschien schon 1947 und behandelte die Spinnenausbeute einer Exkursion des Zoologischen Institutes der Universität Rostock in den Harz. Kurz vor der Gründung der DDR verließ er Rostock und setzte sein Biologiestudium in Hamburg fort. Dort untersuchte er ab 1952 die Spinnen die mit Bananen nach Hamburg über den Seeweg eingeschleppt wurden. Damals waren das noch sehr viele Spinnen verschiedenster Arten die aus allen Teilen der Welt nach Hamburg gelangten. Über diese Thematik hat er in mehreren Arbeiten umfassend publiziert. Durch eine mit Bananen eingeschleppte Vogelspinne war er 1952 auch einer der Ersten die in Deutschland eine Vogelspinne besaß. Er beschäftigte sich auch als einer der Ersten mit eingeschleppten „Giftspinnen“. In den 60er und 70er Jahren beschäftigte er sich vor allem auch mit den Spinnen Europas, der Kanaren, der Azoren und der Kapverden. Er promovierte 1975 mit einer Arbeit über die Spinnenfauna der Kanarischen Inseln bei der Universität Mainz. Seine Aktivitäten verlagerten sich zusätzlich in viele Teile der Welt. Unteranderem bereiste er Russland, Australien, Süd-und Mittelamerika, Sri Lanka, Madagaskar und Teile Afrikas. Seit den frühen 80er Jahren begann er sich intensiv mit Vogelspinnen zu beschäftigen, die seit dem sein Hauptarbeitsgebiet wurden. Er beschrieb wie schon anfangs erwähnt über 50 neue Vogelspinnenarten. Aber auch über 90 für die Wissenschaft neue Spinnenarten aus anderen Spinnenfamilien.

Viele der von Dr. Schmidt beschriebenen Vogelspinnenarten sind heute aus der Terraristik nicht mehr wegzudenken. Er entwickelte und publizierte als einer der Ersten einen Bestimmungsschlüssel für Vogelspinnen. Von 1993 – 1995 war er Hauptschriftleiter des „Arachnologischen Magazins“. Aus den Abonnenten dieses kleinen Arachnologischen Publikationsorgans erwuchs die Gründung der DeArGe e.V. Dr. Schmidt war hierbei eine treibenden Kraft zur Gründung des Vereines im Jahr 1995. Schon damals genoss er großes Ansehen unter Arachnologen weltweit was ihm auch die erste Ehrenmitgliedschaft und die Mitgliedsnummer 1 bei der DeArGe einbrachte. Von den taxonomisch arbeitenden Vogelspinnenforschern war er weltweit, und insbesondere unter den deutschsprachigen, zweifellos mit Abstand der erfolgreichste. Von 1961 bis 1999 besuchte er deutsche, europäische und internationale Arachnologie-Kongresse auf denen er seine Arachnologischen Arbeiten bei Vorträgen präsentierte. Dr. Schmidt war ein unermüdlicher Arachnologe, der sein ganzes Leben, seine Freizeit, sein Dasein der Wissenschaft unterordnete. Er war unerbittlich wenn es ihm darum ging wissenschaftliche Position zu verteidigen von denen er felsenfest überzeugt war. Ich habe ihn immer als eine Art „Marcel Reich-Ranicki der Arachnologie“ gesehen-Was Marcel Reich-Ranicki für die deutsche Literatur war, war Dr. Günter Schmidt für die Arachnologie: Knallhart in der Sache, und mit unbedingter Liebe und Hingabe der Arachnologischen Wissenschaft verpflichtet.

Meine erste persönliche Begegnung mit Dr. Schmidt ergab sich im Rahmen einer von der DeArGe durchgeführten Arachnologischen Exkursion ins Melbecker Moor in der Lüneburger Heide vor über 20 Jahren. Ich erlebte ihn dort als einen außergewöhnlich guten Kenner der einheimischen Spinnenfauna. Er kannte jede noch so kleine und unscheinbare Spinnenart, und sein enormes arachnologisches Wissen und seine Weisheit machte auf uns alle einen unglaublich großen Eindruck. Seit diesem Zeitpunkt verband mich eine tiefe väterliche Freundschaft mit ihm. Ich hatte die große Freude und Ehre ihn auf mehreren Exkursionen und Reisen zu begleiten, und ich habe mit ihm über 20 Jahre eine sehr intensive, ungewöhnlich herzliche und ergiebige Korrespondenz geführt. Dr. Günter Schmidt war ein ganz außergewöhnlicher Mensch. Er war ein wirkliches Universalgenie. Ich habe in meinem bisherigen Leben nur selten Menschen kennengelernt die solch ein enormes Wissen im Bereich der Naturwissenschaften, der Philosophie, der Politik, der Historik, der Kunst, der Musik und der Literatur hatten. Ich bin sehr dankbar für all das was ich von ihm lernen durfte. Dr. Schmidt schrieb unglaublich schöne Gedichte, von denen einige in Form eines Buches publiziert wurden. Er war wie schon erläutert ein großartiger Musiker, ein begnadeter Pianist und Komponist. Er war erfüllt von ganz großer Begeisterung und Neugier für viele Dinge des Lebens-insbesondere für die kleinen und unscheinbaren.

Und er war eben auch ein ganz großer Arachnologe.

Ein Arachnologe, vor dessen Lebensleistung sich jeder der sich für Spinnen und/oder Vogelspinnen interessiert mit Respekt und Hochachtung verbeugen sollte.

Ein ganz großer Arachnologe ist von uns gegangen.

Behalten wir ihn und sein Arachnologisches Werk in ehrenvoller Erinnerung.


Anhang

Von Dr.Günter Schmidt et al.nach World Spider Catalog neu für die Wissenschaft beschriebenen Spinnenarten
(Ein paar davon sind revidiert bzw. bearbeitet, diese sind mit einem => gekennzeichnet)

AGELENIDAE
Agelena gonzalezi Schmidt, 1980
 
ANYPHAENIDAE
Anyphaenoides octodentata (Schmidt, 1971)
Hibana flavescens (Schmidt, 1971)
 
ARANEIDAE
Neoscona parva Schmidt, 1973 => syn.Neoscona subfusca (C. L. Koch, 1837)
Zygiella minima Schmidt, 1968
 
CLUBIONIDAE
Elaver lutescens (Schmidt, 1971)
 
CTENIDAE
Anahita zoroides Schmidt & Krause, 1994
Chococtenus acanthoctenoides (Schmidt, 1956)
 
CORINNIDAE
Castianeira scutata Schmidt, 1971
Corinna anomala Schmidt, 1971
Falconina albomaculosa (Schmidt, 1971)
Simonestus separatus (Schmidt, 1971)
 
DICTYNIDAE
Brigittea guanchae (Schmidt, 1968)
Dictyna tarda Schmidt, 1971
Dictyna fuerteventurensis Schmidt, 1976
 
DYSDERIDAE
Dysdera silvatica Schmidt, 1981
Dysdera bandamae Schmidt, 1973
 
EUTICHURIDAE
Cheiracanthium gobi Schmidt & Barensteiner, 2000
Cheiracanthium halophilum Schmidt & Piepho, 1994
 
FLISITATIDAE
Filistata canariensis Schmidt, 1976
 
GNAPHOSIDAE
Australoechemus celer Schmidt & Piepho, 1994
Australoechemus oecobiophilus Schmidt & Piepho, 1994
Berlandina piephoi Schmidt, 1994
Scotognapha brunnea Schmidt, 1980
Scotophaeus bifidus Schmidt & Krause, 1994
Scotophaeus hierro Schmidt, 1977
Scotophaeus mauckneri Schmidt, 1956
Scotophaeus typhlus Schmidt & Piepho, 1994
Setaphis gomerae (Schmidt, 1981)
Xerophaeus oceanicus Schmidt & Jocqué, 1983
 
LINYPHIIDAE
Minicia gomerae (Schmidt, 1975)
Tenuiphantes leprosoides (Schmidt, 1975)
 
LYCOSIDAE
Alopecosa palmae Schmidt, 1982
Alopecosa canaricola Schmidt, 1982
Alopecosa hoevelsi Schmidt & Barensteiner, 2000
Alopecosa obscura Schmidt, 1980
Allocosa caboverdensis Schmidt & Krause, 1995
Pardosa aquatilis Schmidt & Krause, 1995
 
MIMETIDAE
Mimetus comorensis Schmidt & Krause, 1994
 
OECOBIIDAE
Oecobius doryphorus Schmidt, 1977
 
OXYOPIDAE
Oxyopes caboverdensis Schmidt & Krause, 1994
Oxyopes crassus Schmidt & Krause, 1995
 
PHILODOROMIDAE
Thanatus arenicola (Schmidt, 1976)
Gephyrota viridipallida (Schmidt, 1956)
Philodromus bicornutus Schmidt & Krause, 1995
Rhysodromus petrobius (Schmidt & Krause, 1995)
 
PHOLCIDAE
Metagonia duodecimpunctata Schmidt, 1971
Metagonia flavipes Schmidt, 1971
Metagonia lingua (Schmidt, 1956)
Metagonia striata Schmidt, 1971
Modisimus globosus Schmidt, 1956
Psilochorus minimus Schmidt, 1956
 
PRODIDOMIDAE
Zimirina gomerae (Schmidt, 1981
 
PISAURIDAE
Conakrya wolffi Schmidt, 1956
 
SALTICIDAE
Eris riedeli (Schmidt, 1971)
Menemerus dimidius (Schmidt, 1976)
Pellenes marionis (Schmidt & Krause, 1994)
Psecas rubrostriatus Schmidt, 1956
Phlegra bifurcata Schmidt & Piepho, 1994
 
SELENOPIDAE
Selenops comorensis Schmidt & Krause, 1994
 
SPARASSIDAE
Olios antiguensis columbiensis Schmidt, 1971
Olios corallinus Schmidt, 1971
Rhitymna flava Schmidt & Krause, 1994
 
TETRAGNATHIDAE
Dolichognatha comorensis (Schmidt & Krause, 1993)
Pachygnatha mucronata comorana Schmidt & Krause, 1993
Mecynometa gibbosa Schmidt & Krause, 1993
Pholcipes bifurcochelis Schmidt & Krause, 1993
Tetragnatha strandi melanogaster Schmidt & Krause, 1993
Tetragnatha torrensis Schmidt & Piepho, 1994
Leucauge comorensis Schmidt & Krause, 1993
Leucauge moheliensis Schmidt & Krause, 1993
 
THERAPHOSIDAE
Acanthoscurria acuminata Schmidt & Tesmoingt, 2005
Acanthoscurria bollei Schmidt, 2005
Acanthoscurria borealis Schmidt & Peters, 2005
Acanthoscurria hirsutissimasterni Schmidt, 2007
Aenigmarachne sinapophysis Schmidt, 2005
Aphonopelma bicoloratum Struchen, Brändle & Schmidt, 1996
Avicularia hirschii Bullmer, Thierer-Lutz & Schmidt, 2006
Avicularia urticans Schmidt, 1994
Bonnetina tanzeri Schmidt, 2012
Brachypelma andrewi Schmidt, 1992
Brachypelma auratum Schmidt, 1992
Brachypelma boehmei Schmidt & Klaas, 1993
Brachypelma klaasi (Schmidt & Krause, 1994)
Brachypelma verdezi Schmidt, 2003
Chilobrachys huahini Schmidt & Huber, 1996
Citharacanthus livingstoni Schmidt & Weinmann, 1996
Cyrtopholis flavostriata Schmidt, 1995
Euathlus pulcherrimaklaasi (Schmidt, 1991) => Bumba pulcherrimaklassi (Schmidt, 1991)
Eucratoscelus pachypus Schmidt & von Wirth, 1990
Grammostola fossor Schmidt, 2001
Haplocosmia nepalensis Schmidt & von Wirth, 1996
Haplopelma vonwirthi Schmidt, 2005
Lasiodorides longicolli Schmidt, 2003
Lasiodorides polycuspulatus Schmidt & Bischoff, 1997
Lasiodorides striatus (Schmidt & Antonelli, 1996)
Maraca horrida (Schmidt, 1994) => Bumba horrida (Schmidt, 1994)
Megaphobema peterklaasi Schmidt, 1994
Megaphobema velvetosoma Schmidt, 1995
Nesipelma insulare Schmidt & Kovarik, 1996
Nhandu chromatus Schmidt, 2004
Nhandu coloratovillosus (Schmidt, 1998)
Ornithoctonus costalis (Schmidt, 1998)
Pamphobeteus petersi Schmidt, 2002
Pamphobeteus ultramarinus Schmidt, 1995
Paraphysa peruviana Schmidt, 2007 => Nomen dubium
Phormictopus atrichomatus Schmidt, 1991
Psalmopoeus langenbucheri Schmidt, Bullmer & Thierer-Lutz, 2006
Pseudhapalopus spinulopalpus Schmidt & Weinmann, 1997
Reversopelma petersi Schmidt, 2001
Selenobrachys philippinus Schmidt, 1999 => Orphnaecus philippinus (Schmidt, 1999)
Selenocosmia arndsti (Schmidt & von Wirth, 1991)
Selenocosmia barensteinerae (Schmidt, Hettegger & Matthes, 2010)
Selenocosmia dichromata (Schmidt & von Wirth, 1992) => Orphnaecus dichromatus (Schmidt & von Wirth, 1992)
Selenocosmia kovariki (Schmidt & Krause, 1995)
Selenocosmia peerboomi (Schmidt, 1999)
Tapinauchenius brunneus Schmidt, 1995
Tapinauchenius cupreus Schmidt & Bauer, 1996
Tapinauchenius elenae Schmidt, 1994
Thrixopelma cyaneolum Schmidt, Friebolin & Friebolin, 2005
Trixopelma lagunas Schmidt & Rudloff, 2010
Thrixopelma ockerti Schmidt, 1994
Thrixopelma pruriens Schmidt, 1998
 
THERIDIIDAE
Argyrodes insectus Schmidt, 2005
Argyrodes scapulatus Schmidt & Piepho, 1994
Coleosoma africanum Schmidt & Krause, 1995
Latrodectus erythromelas Schmidt & Klaas, 1991
Paidiscura orotavensis (Schmidt, 1968)
Tidarren levii Schmidt, 1957
Theridion luteitarse Schmidt & Krause, 1995
Theridion mysteriosum Schmidt, 1971
Theridion musivivoides Schmidt & Krause, 1995
Theridion musivivum Schmidt, 1956
 
THOMISIDAE
Carcinarachne brocki Schmidt, 1956
Synema trimaculosum Schmidt, 1956
 
TITANOECIDAE
Titanoeca guayaquilensis Schmidt, 1971
 
TRACHELIDAE
Trachelas daubei Schmidt, 1971
Trachelas santaemartae Schmidt, 1971
Trachelas uniaculeatus Schmidt, 1956
 
ULOBORIDAE
Uloborus parvulus Schmidt, 1976
Uloborus plumosus Schmidt, 1956
Uloborus rufus Schmidt & Krause, 1995

Zu Ehren von Dr. Günter Schmidt wurden drei Vogelspinnenarten nach ihm benannt:

Aphonopelma schmidti Smith, 1995 => syn.Aphonopelma chalcodes Chamberlin, 1940
Cyrtopholis schmidti Rudloff, 1996
Cyriopagopus schmidti von Wirth, 1991
« Letzte Änderung: 2017-12-24 08:38:10 von John Osmani »

Tobias

  • Gast
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #1 am: 2017-12-23 12:55:43 »
De mortuis nihil nisi bene ... aber muss das sein? Zumal sind wir kein Vogelspinnenforum, und zweitens ist mir das doch sehr unkritisch geschrieben, besonders an Stellen wo man sich eigentlich zurückhalten müsste.

Tobias


John Osmani

  • ****
  • Beiträge: 1953
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #2 am: 2017-12-23 13:42:38 »
Hi Tobias!

Ich finde nicht das dieser Beitrag diesem Forum in irgendeiner Form schadet und es geht auch nicht um Vogelspinnen

Klar ist er persönlich, denn es ist ja auch ein mein persönlicher Nachruf auf ihn

Aber es geht auch um einen Deutschen Arachnologen, sein Leben und sein Werk









« Letzte Änderung: 2017-12-24 08:02:23 von John Osmani »

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1708
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #3 am: 2018-02-01 16:43:26 »
Eigentlich hatte ich nicht geplant, mich zu diesem sehr persönlichen Beitrag öffentlich zu äussern, aber je mehr ich mir das arachnologische Gesamtwerk von Dr. Schmidt betrachte, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass in diesem Nachruf einige wichtige Aspekte dieser sehr komplexen Persönlichkeit ein wenig zu kurz kommen. Dabei ist Dr. Schmidts Beitrag ja gerade für die ambitionierten Amateurarachnologen hier im Forum von grossem Interesse – nicht immer als nachahmenswertes Beispiel, aber sicher als lehrreiches Anschauungsmaterial.

Deshalb hier ein paar ergänzende Anmerkungen, die versuchen den Facettenreichtum von Dr Schmidts arachnologischem Wirken etwas weiter zu beleuchten (es ist ein recht langer Text geworden, aber vielleicht lässt sich ja das eine oder andere Detail für die Arachnologenbiografien im Wiki verwenden).

Es ist zum Beispiel kein Geheimnis, dass Schmidt gelegentlich wortreich mit dem Rest der arachnologischen Welt in Konflikt geriet. Selbst mit einem langjährigen Weggefährten und derzeitigen 1. Vorsitzenden der von ihm selber mitgegründeten DeArGe kommunizierte er zeitweilig nur noch über seine Anwälte. Da war dann auch schon mal die Rede von “unverschämten Lügen” und “beleidigenden und zusammengelognen Artikelchen” aus der Feder von Dr. Schmidt… Seine eigene Sicht der Dinge hat er selber in einem öffentlichen Kommentar ausführlich beschrieben.

Woher kam dieser Antagonismus, wenn sich Dr. Schmidt doch, wie in obigem Nachruf beschrieben, durch “sein enormes arachnologisches Wissen und seine Weisheit” auszeichnete?

Als Schmidt in den 50er Jahren sein arachnologisches Wirken begann, hatte in der zoologischen Systematik gerade die tiefgreifendste Revolution seit Darwin stattgefunden. Die Synthetische Evolutionstheorie verband zum ersten Mal erfolgreich die Erkenntnisse von Evolutionsbiologie, Genetik, Zoogeografie und Populationsbiologie zu einem überzeugenden Bild der Entstehung der Artenvielfalt. Etwa zur selben Zeit entwickelte Willi Hennig seine grundlegenden Methoden für die Rekonstruktion von evolutionären Beziehungen und deren Berücksichtigung in der zoologischen Systematik. Wegweisende Werke wie Ernst Mayrs Systematics and the Origin of Species, from the Viewpoint of a Zoologist (1942), Willi Hennigs Grundzüge einer Theorie der phylogenetischen Systematik (1950) und viele mehr waren bereits zu Schmidts Studienzeiten erschienen.

Dennoch machte Schmidt sich diese bahnbrechenden wissenschaftlichen Fortschritte nie zu eigen. Dadurch bleiben seine zahlreichen Beiträge zur Systematik zwar umfangreich, aber oberflächlich, und wurden in der akademischen Welt im besten Fall belächelt und häufiger als unkritisch und irreführend abgelehnt. Er teilte damit das Schicksal eines anderen streitbaren und hochproduktiven Arachnologen der vorhergegangen Generation, Embrik Strand. Wie sehr Dr. Schmidt bereits bei seinen allerersten arachnologischen Arbeiten, zu den Bananenspinnen, den Anschluss an die moderne Entwicklung verpasst hatte, wird deutlich, wenn man diesen Veröffentlichungen mit denen von Otto Kraus (1930–2017) vergleicht, der etwa zur selben Zeit in Frankfurt promovierte: dessen methodische Innovationen, sorgfältige Genitalillustrationen und Synonymielisten, evolutionsbiologische und zoogeografische Erörterungen sucht man bei Schmidt vergebens.

Dazu kam, dass Schmidt in seinem Enthusiasmus auch schon mal weit über das Ziel hinausschoss: einige seiner Beiträge gehören zu den Klassikern der arachnologischen Fehlleistungen.

Zum Beispiel beschrieb er voller Begeisterung die Paarung von zwei Spinnen aus unterschiedlichen Gattungen (Echinotheridion gibberosum, Tidarren pseudogibberosum) – das wäre natürlich ein ganz unerhörtes Verhalten! –, nur stellte sich leider heraus, dass das Männchen falsch identifiziert war, und nicht nur zur selben Gattung, sondern sogar zur selben Art gehörte wie das Weibchen.

Und von den Komoren beschrieb Schmidt das Männchen einer der häufigsten und bekanntesten tropischen Tetragnathiden (Tylorida striata) als eine neue Art und Gattung, Sternospina concretipalpis, weil die beiden Palpen angeblich zu einer in der ganzen Spinnenwelt einmaligen funktionellen Einheit fusioniert waren, und spekulierte sogar über den ungewöhnlichen Begattungsmechanismus, den ein solcherart fusionierter Pedipalpus erfordern würde. Von dem naheliegenden Gedanken, dass ein solcher Mechanismus evolutions- und entwicklungsbiologisch höchst unplausibel wäre, liess er sich dabei nicht aufhalten. Später stellte sich dann heraus, dass die Palpen bloss enorm verdreckt und durch den Schmutz zusammengeklebt waren...

Wunderlich ist zudem der Ansicht, dass mehr als ein Drittel von Schmidts kanarischen „Bananenspinnen“ falsch bestimmt oder benannt wurden (S. 197): „Generationen von Araneologen werden künftig noch die zahllosen Fehlbestimmungen – und in deren Folge irrtümlichen Schlussfolgerungen – dieses Autors zu entwirren haben” – was dadurch erschwert werde, dass von Schmidt untersuchtes Belegmaterial in zahlreichen Fällen in den angegebenen Museumssammlungen nicht aufzufinden sei (S. 279). Ähnliche Klagen hört man auch von den Vogelspinnenkundigen.

Auch in seinen populärwissenschaftlichen Werken lässt sich eine gewisse Nachlässigkeit gegenüber akademischen Konventionen beobachten. Zum Beispiel basieren seine Arachnologenbiografien im Vogelspinnenband der Neuen Brehmbücherei weitgehend auf wörtlichen Zitaten aus Bonnets Bibliographia araneorum, ohne entsprechenden Literaturverweis – ein klares Übersetzungsplagiat. Zusätzlich pikant ist dabei, dass Schmidt im Französischen wohl nicht ganz trittsicher war, was zu zahlreichen sinnentstellenden Fehlinterpretationen führt: aus Pierre André Latreilles Eintritt ins Priesterseminar, wird da zum Beispiel sein Eintritt in den Militärdienst (falls es sich da nicht um eine bewusste kirchenkritische Parodieübersetzung handelt), und wenn Bonnet über Baron Walckenaer schreibt, dass dieser nach seinem Studium am Polytechikum dank seiner finanziellen Unabhängigkeit auf eine feste Anstellung verzichten konnte, um sich stattdessen als Privatier seinen Forschungen zu widmen, verdreht Schmidt die Aussage in ihr Gegenteil und behauptet, erst eine Anstellung am Polytechnikum habe die wissenschaftlichen Aktivitäten ermöglicht. Ein fantasievolles Missverständnis liegt auch Schmidts geradezu ehrabschneidender Behauptung zugrunde, Walckenaer sei 1793 der „Amtsanmassung“ angeklagt worden und deswegen ausser Landes geflohen; tatsächlich war er, wie Bonnet klar macht, des „modérantisme“ beschuldigt worden; ihm wurde also vorgeworfen, ein „Moderater“ zu sein, und damit kontrarevolutionär – während der Terrorherrschaft ein lebensgefährlicher Vorwurf, der einen ganz schnell unter die Guillotine brachte, aber wohl kaum moralisch verwerflich. Der Reverend Pickard-Cambridge beginnt laut Schmidt sein Theologiestudium mit der Priesterweihe (wenn es doch so einfach wäre!), und Tamerlan Thorell verbringt seine italienischen Jahre in „Senna“ (Siena?), statt (korrekt) in Genua. Ganz gewagt wird es dann bei Lodovico di Caporiacco: der hatte sich laut Bonnet als junger Student an Mussolinis „Marsch auf Rome“ beteiligt (und war auch später ein hochaktives Mitglied der Faschistischen Partei) – mit Schmidts „Übersetzung“ wird aus der aktiven Teilnahme an der faschistischen Machtübernahme ein (völlig fiktiver) Studienbeginn in Rom. An sich ist dieser kreative Dilettantismus eher belustigend als beunruhigend, aber man kann sicher verstehen, dass so manchem kritischen Leser bei der Vorstellung mulmig wird, ein ähnlich fantasievoller Ansatz könnte auch dem Kern des wissenschaftlichen Werkes zugrunde liegen.

Für den angewandten Arachnologen, der sich für die wissenschaftlichen Debatten wenig begeistert, und nur auf den praktischen Nutzen einer Arbeit Wert legt, ist es aber ein anderer grosser Mangel in Dr. Schmidts Werk, der ins Auge fällt: bei aller musischen Begabung, scheint ihm das zeichnerische Talent weitgehend gefehlt zu haben. Kaum eine seiner vielen Veröffentlichungen, einschliesslich der vielen Erstbeschreibungen, z.B. von den Kapverden, Komoren und Kanarischen Inseln, enthält brauchbare Illustrationen der bestimmungsrelevanten Merkmale. Das ist um so erstaunlicher, als auch auf diesem Gebiet zu Schmidts Studienzeiten gerade ein Quantensprung stattgefunden hatte. Die detaillierten mikroskopischen Untersuchungen von Spinnengenitalien, die man zu dieser Zeit bei Blauvelt (1936), Wiehle (1937), Machado (1941), Tullgren (1944), Lohmander (1945) oder Miller (1947) findet, waren von einer noch nicht gesehenen Qualität und sind auch später selten wieder erreicht oder gar übertroffen worden. Schmidt nahm sich daran leider kein Beispiel, ganz im Gegensatz zu anderen Mitgliedern seiner Arachnologengeneration, und fällt mit den groben Zeichnungen in seinen Arbeiten noch hinter das Niveau der Simon’schen Spätwerke zurück.

All das mindert natürlich in keiner Weise die Verdienste Dr. Schmidts um die Förderung der Spinnenbegeisterung. Und dieses Forum, mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zum Erfahrungs- und Informationsaustausch, macht es der nächsten Generation sicher einfacher, auf seinem Werk fortzubauen und auch in der Amateurarachnologie ein Niveau zu erreichen, das sich vor wissenschaftlichen Ansprüchen nicht verstecken muss.

Beste Grüsse,
Rainer

Jürgen Guttenberger

  • ****
  • Beiträge: 2584
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #4 am: 2018-02-03 17:22:07 »
@Rainer, da hast du ja einige Argumente zusammengetragen, die Recherche war mit Sicherheit sehr zeitaufwendig, auf die Schnelle kann ich das jetzt garnicht in mich einlesen, aber auf jedem Fall ein interessanter Lese-Stoff.
Was mich dieser Beitrag hier aber mal wieder lehrt ist, daß ich Informationen, egal um was es sich gerade handelt, nicht immer "einfach so" unkritisch hinnehmen sollte.

Dankeschön dafür!

Gruß Jürgen

Arno Grabolle

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 14437
    • mein g+
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #5 am: 2018-02-03 18:37:13 »
... ist aber sehr lesenswert! Danke Rainer.

Wunderlich Seitenhiebe gegen Schmidt waren mir auch schon bekannt.

Arno

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 14313
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #6 am: 2018-02-05 14:48:09 »
Es ist wohl meinem Fokus auf die hier heimischen Arten zu zollen, dass ich mit Schmidt bislang kaum Berührung hatte.

Martin
Dies ist ein Bekenntnis

Bastian Drolshagen

  • ****
  • Beiträge: 1136
  • MTB 6916 FTW!!!
    • Dipluridae.de
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #7 am: 2018-02-05 19:56:29 »
hi,
ich kam ein wenig mit den Schmidt'schen Methoden in Berührung: Ischnothele ecuadorensis Schmidt, 1956. Einzelfund aus einer Bananenkiste, die - wie sollte es anders sein - aus Ecuador stammen sollte.
Ebenso wie Pterinochilus mamillatus beschrieben, ohne dass auch nur mit einem einzigen Typus abgeglichen wurden.
Ich erinnere mich immer an die Fotos von Schmidt Typusexemplaren (Exhuvien) von denen gesagt wurde sie sähen aus, als "hätte man sie mit einem Hammer untersucht".
Weiter erinnere ich mich an den zweimaligen Versuch der Etablierung neuer Unterfamilien der Theraphosidae, welche binnen kürzester Zeit in der Luft zerissen wurden, da sie jeglicher Grundlage entbehrten. Ich stimme Wunderlich insgesamt zu und würde da wirklich zu harten Maßnahmen greifen: Aufgrund der allgemein bekannten Nachlässigkeiten von Schmidt müsste eigentlich jede Art bei der keine eindeutige Typuslokalität (Bananenspinnen, sowie kommerziell eingeführte Arten), kein untersuchbarer und nicht komplett fragmentierter Typus (Exhuvien), sowie keine absolut eindeutige Beschreibung (Diagnose bis Familienebene und Differenzialdiagnose zu anderen Arten muss möglich sein; d.h. es wurde mit vorhandenem Typusmaterial abgeglichen falls nötig) vorhanden ist erstmal als nomen dubium angesehen werden.

Jonathan Neumann

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 5618
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #8 am: 2018-02-05 21:09:39 »
Das ist ja stark, danke Rainer und Basti!

LG,
Jonathan
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

Tinto von Matsieng, eines meiner Lieblingslieder

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 14313
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #9 am: 2018-02-06 04:01:03 »
Harte Worte aus der DeArge:
ich kam ein wenig mit den Schmidt'schen Methoden in Berührung: Ischnothele ecuadorensis Schmidt, 1956. Einzelfund aus einer Bananenkiste, die - wie sollte es anders sein - aus Ecuador stammen sollte.

Immerhin lag hier ja auffindbares Typusmaterial im Senckenberg-Museum vor und konnte von Coyle überprüft werden.

Zitat
Ich erinnere mich immer an die Fotos von Schmidt Typusexemplaren (Exhuvien)
...
Verstehe ich richtig? Hat er Arten nach Exhuvien beschrieben?

Martin
Dies ist ein Bekenntnis

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1708
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #10 am: 2018-02-06 08:49:18 »
Zitat
Ich erinnere mich immer an die Fotos von Schmidt Typusexemplaren (Exhuvien)
...
Verstehe ich richtig? Hat er Arten nach Exhuvien beschrieben?

Ja, in der Tat. Pterinochilus leetzi (jetzt P. murinus) wurde in der Tat nach den Exuvien von zwei Exemplaren beschrieben, mit der Anmerkung "Beide Weibchen leben noch. Sie sollen nach ihrem Tode beschrieben und im MNHN, Paris, deponiert werden." Dazu schreibt Gallon später: "However, the actual types were never subsequently deposited at MNHN (C. Rollard, pers. comm.). Leetz provided me with a preserved female (described below), which was one of the two specimens from which moults were originally sent to Schmidt (A. Leetz, pers. comm.)." Man sieht also die Schwierigkeiten, die sich bei einem solchen Vorgehen ergeben.

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 14313
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #11 am: 2018-02-06 10:01:12 »
Man sieht also die Schwierigkeiten, die sich bei einem solchen Vorgehen ergeben.

Dieses Vorgehen sollte zweifelsohne die Interessen eines Terrastikes schützen.

Danke, erst jetzt kann ich die ziemlich harsche Kritik von oben nachvollziehen. In der Beschreibung von Pterinochilus leetzi ahnt man, was Rainer mit minderer Qualität der Zeichnungen bestimmungsrelevanter Teile meint.

Und immer wieder zeigt uns Rainer, wie wichtig es ist, Originalveröffentlichungen zu lesen. Dank des WSC ist diese verfügbar wie nie zuvor.

Neugierig geworden, habe ich mir mal seine letzte Beschreibung angesehen (Acanthoscurria hirsutissimasterni Schmidt, 2007). Darin gibt es nur eine einzige Zeichnung, nämlich eine wenig anspruchsvolle Bleistiftzeichnung der Spermathek, die nicht viel her gibt:
Acanthoscurria hirsutissimasterni Schmidt 2007.jpg
*Acanthoscurria hirsutissimasterni Schmidt 2007.jpg (4.86 KB . 300x160 - angeschaut 167 Mal)

Auch diese Art wurde nach einer Exuvie beschrieben und nach dem Tod sollte das Tier in die Senckenbergsammlung. Als Holotypus ist allerdingt nur die präparierte Spermathek der Exuvie hinterlegt (KatNr 57843) – interessant ist hier der Unterschied zwischen Zeichnung und Foto. Ein ganzes Tier fehlt in der Senckenbergsammlung.

Martin
« Letzte Änderung: 2018-02-06 12:13:15 von Martin Lemke »
Dies ist ein Bekenntnis

Bastian Drolshagen

  • ****
  • Beiträge: 1136
  • MTB 6916 FTW!!!
    • Dipluridae.de
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #12 am: 2018-02-06 12:26:56 »
hi,
Ein ganzes Tier fehlt in der Senckenbergsammlung.
Genau das ist das Problem. Woher wissen wir denn, dass es sich überhaupt um eine Art aus besagter Gattung handelte? Kann ja quasi alles mögliche sein..

Rainer Breitling

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 1708
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #13 am: 2018-02-06 17:05:19 »
Ich erinnere mich immer an die Fotos von Schmidt Typusexemplaren (Exhuvien) von denen gesagt wurde sie sähen aus, als "hätte man sie mit einem Hammer untersucht".

Die Qualität der Abbildungen lässt sich nicht immer ganz einfach einschätzen, wenn man mit den betreffenden Arten nicht näher vertraut ist. Vor allem die Vogel- und Bananenspinnen sind für mich nicht einfach zu beurteilen, und sie sind sicher nicht alle ganz unbrauchbar. Aber ein paar ausgewählte Zeichnungen sind vielleicht allgemein erhellend. Da ist zum Beispiel dieser Pedipalpus einer unbeschriebenen Theridiide:

SchmidtTheridiidaeUnbeschrieben.jpg
*SchmidtTheridiidaeUnbeschrieben.jpg (238.68 KB . 695x960 - angeschaut 165 Mal)

"Mit dem Hammer untersucht" passt bei diesem Quetschpräparat wohl ganz gut, und dass da perspektivisch einiges danebengegangen ist, sieht wohl jeder, der schon mal einen Theridiiden-Palpus unter dem Mikroskop genauer angeschaut hat.

Manchmal gibt es Vergleichsabbildungen von anderen Autoren, die den Konstrast verdeutlichen, wie bei dieser Kugelspinne, Tidarren cuneolatum, die ausser durch Schmidt auch von Barbara Knoflach illustriert wurde:

TidarrenCuneolatum.jpg
*TidarrenCuneolatum.jpg (113.41 KB . 662x324 - angeschaut 170 Mal)

Man kann kaum glauben, dass die Zeichnung aus einer von Schmidts Erstbeschreibungen dasselbe Tier zeigt.

Und dann gibt es da noch diesen "Klassiker", Theridion melanostictum, wo die Zeichnung von Schmidt (oder, wahrscheinlicher, seinem Ko-Autoren) gar nicht so schlecht aussieht, bis man sie genauer anschaut und mit den Darstellungen anderer Zeichner vergleicht:

TheridionMelanostictum.jpg
*TheridionMelanostictum.jpg (314.75 KB . 800x706 - angeschaut 168 Mal)

Na, lässt sich die Schmidt-Abbildung im Vergleich zu den Bildern von Levy, Knoflach und Duperré problemlos erkennen? Kleiner Tipp: es ist die Zeichnung, bei der im Präparat die Spermatheken abgerissen sind und deshalb (ganz gattungsuntypisch) fehlen -- was natürlich gleich Anlass zur Beschreibung einer "neuen" Art gab: Theridion melanoplax! Unter diesem Namen wird dieser Nachweis noch immer im WSC geführt. Könnte glatt aus dem Lehrbuch der Phantomspinnenarten stammen ;)

Beste Grüsse,
Rainer

Martin Lemke

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 14313
  • TK 2130 Lübeck, Schleswig-Holstein, Germany
    • Spinnenerfassung in SH
Re: Jahrgedächntnis und Nachruf zum Tod von Dr.Günter Schmidt
« Antwort #14 am: 2018-02-07 07:04:59 »
Das ist schon fast ein Lehrbuch für Anfängerfehler.

Um aus der Kritik auch positives zu schöpfen, habe ich einen Thread zum anatomischen Zeichnen begonnen, welcher hier off topic wäre

Martin
Dies ist ein Bekenntnis

Siegfried Huber

  • ****
  • Beiträge: 1219
noch was wegen Exuvienbeschreibung
« Antwort #15 am: 2018-02-13 12:56:42 »
Hallo,
zur Ergänzung: auch Chilobrachys huahini Schmidt & Huber, 1996 wurde nach einer Exuvie beschrieben. Ich war dagegen, aber er hat sich nicht beirren lassen damals. Allerdings habe ich mittlerweile das 'echte' Tier am Senckenberg in Frankfurt hinterlegt - es war am Ende sehr viel größer als die ursprüngliche Exuve. Ich hatte auch Gelegenheit, die damals hinterlegte Exuvie zu sehen: es sind nur noch Splitter übrig..
Siegfried