Autor Thema: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.  (Gelesen 761 mal)

Katharina Heuberger

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Fundort: München, Südbalkon, 5. Stock, in trockenen Stängeln von Kornraden; Datum: 23. August; Größe geschätzt 10 mm. Kann man sie mit den Fotos bestimmen=
« Letzte Änderung: 2018-08-24 17:25:34 von Katja Duske »

Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #1 am: 2018-08-23 23:20:21 »
Na, die Familie weißt du doch (lange Vorderbeine, kurze Hinterbeine)  ;)

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #2 am: 2018-08-24 10:16:42 »
Jetzt habe ich mich bei den von Euch bestimmten Spinnen mal auf die Suche gemacht. Bei "Cheiracanthium" bin ich auf diese Aussage gestoßen: "Bei Gattungstypisch ist ein deutlich verlängertes 1. Beinpaar." Liege ich richtig? Das würde dann heißen, die sind langfristig bei mir eingezogen :)

Martin Lemke

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #3 am: 2018-08-24 10:36:37 »
Aber die Bilder dazu hast Du Dir doch wohl hoffentlich angesehen, oder? Die weitere Ähnlichkeit mit Cheiracanthium dürfte sehr nahe bei 0 liegen.

Vielleicht kommst Du auf dieser Seite weiter: Familienübersichten (ich sehe gerade, dass wir die Schwelle für Laien etwas komfortabler einrichten sollten)

HTH, Martin
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Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #4 am: 2018-08-24 11:47:19 »
Hallo Martin,

zu deiner rhetorischen Frage: klar habe ich mir die Bilder angeschaut, ich habe mich aber vor allem an dem einzigen mir genannten konkreten Merkmal orientiert: verlängerte Vorderbeine. Und nun habe ich auch mit deiner Übersichtsseite weitergeforscht. Ich komme aber nicht weiter. Mir fehlt einfach das Instrumentarium oder ein Bestimmungsschlüssel für Laien, mit dem ich mich stückweise vorwärts tasten kann. Ich kann die Größe und die Farbe sehen, den Ort und die Jahreszeit eingrenzen. Springspinnen kann ich noch ganz gut trennen. Dann bin ich leider ratlos.

Bei mir geht es konkret darum, die Biodiversität auf einem Wildpflanzenbalkon zu dokumentieren, um andere Menschen auch zu motivieren, ihre Geranien gegen einheimische Wildpflanzen zu tauschen. Dazu schreibe ich einen Blog (https://wildermeter.de/redaktion/), engagiere mich in verschiedenen Vereinen und eigenen Initiativen und erstelle dafür Artenlisten (https://wildermeter.de/wilde-tiere-a-z/) und halte demnächst auch Vorträge dazu. Bei Wildbienen habe ich mir inzwischen schon Wissen und Literatur zur Bestimmung angeeignet, ich kann auch eine Blaumeise von einem Rotschwänzchen unterscheiden, aber bei den Spinnen fehlt mir irgendwie der Blick.

Ich dachte bisher, dieses Forum sei auch für Laien-Anfragen da. Wenn das nicht gewünscht ist, wie ich deiner zweiten für mich genervt klingenden Antwort auf einen Beitrag von mir interpretiere, dann muss ich mein Glück halt woanders versuchen. Das fände ich aber sehr schade, da ihr ja die Experten seid. Ich würde mich deshalb im Sinne der Artenvielfalt in der Stadt über Euere Unterstützung weiter sehr freuen.

Herzliche Grüße
Katharina

Simeon Indzhov

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #5 am: 2018-08-24 12:13:14 »
Ach nein, es war einfach als ein harmloses Rätsel gemeint.
Simeon

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #6 am: 2018-08-24 12:21:34 »
Na, da bin ich aber froh :) Auf Facebook habe ich nun den Tipp Xysticus spec. erhalten. Liege ich da richtig? Ich habe nur mit den von Euch bestimmten Funden auf dem Balkon gesucht. Ich hatte eine Krabbenspinne aus dem Garten meiner Mutter eingestellt, Misumena vatia, das stimmt. Aber da wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, dass es dieselbe Familie sein könnte. Also, ich bin einfach absolut auf Euch angewiesen. Ich rate auch gerne weiter, ich lerne auch etwas dazu beim Lesen und Vergleichen. Bei mir dauert es aber sicher noch sehr lange, bis sich das in abrufbares Wissen niederschlägt.

Simeon Indzhov

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #7 am: 2018-08-24 12:28:46 »
Also nicht schummeln ;)
Aber ja, Xysticus stimmt, etwas in richtung cristatus/kochi (unser Thomisidae-Spezialist ist aber nicht so aktiv in letzter Zeit, um genauer zu sagen)

Die auffällig kurzen Hinterbeine, der relativ flache Körper und die robusten, beborsteten, seitwärts orientierten Vorderbeine sind Thomisidae-typisch

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #8 am: 2018-08-24 12:39:47 »
Lieber Simeon, ich danke Dir für die Bestimmung. Das reicht für die Dokumentation völlig aus. Und ich versuche mir die Erkennungsmerkmale einzuprägen. Ich freue mich, weil nun eine neue Art in der Liste habe, auch wenn sie nur bis zur Gattung bestimmt ist :) Kann man einschätzen, wie viele verschiedene Arten ein Fachmann auf 2 Quadratmetern "verwildertem" Balkon finden könnte, wenn er suchen würde? Herzliche Grüße, Katharina

Martin Lemke

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #9 am: 2018-08-24 20:39:13 »
Natürlich ist die von mir genannte Seite eine Seite für Laien. Und ja, ich habe festgestellt, dass diese Seite gelinde gesagt, nicht sehr hilfreich ist – das sollten wir verbessern; leider fehlt mir selber im Moment die Zeit dafür. Deine Antwort zeigt uns auch, wie hilflos Laien davor stehen können. Wenn man einigermaßen versiert ist, sieht man auf einen Blick, dass das die Gattung Xysticus aus der Familie der Krabbenspinnen ist. Und die krabbenähnliche Beinhaltung ist hier namensgebend.

spinne_kornradenspreu_1.jpg
*spinne_kornradenspreu_1.jpg (31.98 KB . 300x260 - angeschaut 188 Mal)

Erkennst Du auf Deinem Foto die krabbenartigkeit der Beinstellung?

Wir können die Einstiegsseiten für Laien nur dann verbessern, wenn wir wissen, die ein Laie denkt. Wir sind also auf Deine Fehler angewiesen, um zu lernen, wo die Fallstricke liegen. Wenn wir nur einfach sagen: Das ist ein Xysticus sp. lernen wir nichts und Du auch nicht. Also bitte nimme es uns nicht krumm, wenn wir nur erst mal Tipps geben.

Martin
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Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden
« Antwort #10 am: 2018-08-24 23:24:05 »
Kann man einschätzen, wie viele verschiedene Arten ein Fachmann auf 2 Quadratmetern "verwildertem" Balkon finden könnte, wenn er suchen würde? Herzliche Grüße, Katharina

Das ist schwierig abzuschätzen. Ein Habitat A (z.B. Balkon) kann auch als ökologische Senke wirken. D.h., man findet Arten, die aber eigentlich aus einem Quellhabitat B (z.B. eine angrenzende Wiese) stammen und in Habitat A nicht überleben bzw. stabile Populationen aufbauen können, durch Abwanderungen usw. aber immer wieder mal dort gefunden werden. Auf dem Balkon ist das Hauptproblem, vergleichbar wie bei Dachbegrünungen, die Überwinterung. Das Substrat friert wesentlich stärker durch als am Boden (und damit auch eventuell überwinternde Spinnen), da Streuauflage, Volumen usw. fehlt. Dazu kommen Störungen durch Einsaaten im Frühjahr usw. Ein Balkon ist für die meisten Spinnen daher kein Lebensraumersatz, weil sie ihren Lebenszyklus, der meist auf ein Habitat beschränkt ist, nicht vollenden können. Einige kleine ganzjährige Linyphiiden werden sich sicherlich in den Sommermonaten dort fortpflanzen können, dazu kommen typische Hausspinnen (Scytodes, Amaurobius) usw., die aber nicht auf eine Bepflanzung angewiesen sind.

Ganz anders ist das mit Bestäubern, die Pflanzen vor allem als Polen- und Nektarquelle nutzen. Eine naturnahe Bepflanzung auf dem Balkon ist für viele Wildbienen in der Stadt eine wichtige Nahrungsquelle und trägt nachweislich zur Erhöhung der Bestäubervielfalt bei. Westrich und Co. propagieren das ja auch, belegen das aber eher mit eigenen Beobachtungen und nicht unbedingt mit Daten. Simao et al. (2018) hingegen haben sehr schön experimentell in den USA nachgewiesen, dass selbst sehr kleine Pflanzungen (wie sie eben Bürger leisten können) von für Wildbienen wertvolle Pflanzen die Artendichte sehr gut erhöhen können /https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1365-2664.13085). Daher gilt für Bestäuber "jeder Quadratmeter zählt", während für Spinnen in der Stadt andere Lebensräume und Faktoren wichtig sind, z.B. die Pflegefrequenz öffentlicher Grünflächen.(https://link.springer.com/article/10.1007/s11252-018-0786-2).

Tobias

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #11 am: 2018-09-03 14:39:12 »
Hallo Martin, entschuldige bitte die verspätete Antwort. Ich glaube, ich habe nicht die richtige Einstellung gewählt, dass ich bei weiteren Antworten eine E-Mail bekomme und habe deine Antwort deshalb nun verspätet gefunden. Die roten Linien finde ich sehr anschaulich und didaktisch wertvoll :) Danke für die Skizze! Und: Ich rate gern, aber so ein Tipp, worauf ich achten sollte, wäre anfangs hilfreich. Ich freue mich sehr, dass ihr Euch weiterhin mit Laien wie mir Arbeit macht. Danke und bis zum nächsten Mal. Herzliche Grüße, Katharina ***

Natürlich ist die von mir genannte Seite eine Seite für Laien. Und ja, ich habe festgestellt, dass diese Seite gelinde gesagt, nicht sehr hilfreich ist – das sollten wir verbessern; leider fehlt mir selber im Moment die Zeit dafür. Deine Antwort zeigt uns auch, wie hilflos Laien davor stehen können. Wenn man einigermaßen versiert ist, sieht man auf einen Blick, dass das die Gattung Xysticus aus der Familie der Krabbenspinnen ist. Und die krabbenähnliche Beinhaltung ist hier namensgebend.

spinne_kornradenspreu_1.jpg
*spinne_kornradenspreu_1.jpg (31.98 KB . 300x260 - angeschaut 188 Mal)

Erkennst Du auf Deinem Foto die krabbenartigkeit der Beinstellung?

Wir können die Einstiegsseiten für Laien nur dann verbessern, wenn wir wissen, die ein Laie denkt. Wir sind also auf Deine Fehler angewiesen, um zu lernen, wo die Fallstricke liegen. Wenn wir nur einfach sagen: Das ist ein Xysticus sp. lernen wir nichts und Du auch nicht. Also bitte nimme es uns nicht krumm, wenn wir nur erst mal Tipps geben.

Martin

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #12 am: 2018-09-03 14:59:05 »
Hallo Tobias, vielen herzlichen Dank für Deine umfassende Antwort und die interessanten Informationen zu Spinnen vs. Bestäubern und die interessanten Links! Darf ich deine Antwort als O-Ton auf meinem Blog veröffentlichen? Hab ich ja schon mal gemacht zu einer Spinnenbeobachtung (https://wildermeter.de/gruenliche-spinne-auf-muenchner-suedbalkon/).

Noch eine Rückfrage: Könnte man dennoch sagen, die Spinnen wandern auf den Balkon ein, weil es dort etwas zu Fressen gibt? Evtl. dienen die Spinnen ja dann auch wieder Wespen und Meisen als Futter, so dass sie zumindest eine Rolle in der Fresskette spielen würden, auch wenn sie den Winter nicht überleben?

Unter dem Balkon haben wir auf einer Wiese Artenanreicherung mit Wildpflanzen als Bewohnerprojekt gemacht. Die wird nur noch zweimal gemäht. Aber, so wie ich dich verstehe, würde eine Spinne nicht vom Balkon im Winter runter auf die Wiese klettern, sondern einfach auf dem Balkon erfrieren, korrekt?

Mit Paul Westrich habe ich schon mal länger telefoniert, er hat mir bei der Bestimmung von Brutzellen von Wildbienen in meinem Meisenkasten geholfen und mich ermutigt, mit der naturnahen Bepflanzung weiter zu machen. Er hatte ja auch jahrelang einen Balkon, auf dem er eigene Beobachtungen gemacht hat.

Vielen Dank nochmal und herzliche Grüße
Katharina

Kann man einschätzen, wie viele verschiedene Arten ein Fachmann auf 2 Quadratmetern "verwildertem" Balkon finden könnte, wenn er suchen würde? Herzliche Grüße, Katharina

Das ist schwierig abzuschätzen. Ein Habitat A (z.B. Balkon) kann auch als ökologische Senke wirken. D.h., man findet Arten, die aber eigentlich aus einem Quellhabitat B (z.B. eine angrenzende Wiese) stammen und in Habitat A nicht überleben bzw. stabile Populationen aufbauen können, durch Abwanderungen usw. aber immer wieder mal dort gefunden werden. Auf dem Balkon ist das Hauptproblem, vergleichbar wie bei Dachbegrünungen, die Überwinterung. Das Substrat friert wesentlich stärker durch als am Boden (und damit auch eventuell überwinternde Spinnen), da Streuauflage, Volumen usw. fehlt. Dazu kommen Störungen durch Einsaaten im Frühjahr usw. Ein Balkon ist für die meisten Spinnen daher kein Lebensraumersatz, weil sie ihren Lebenszyklus, der meist auf ein Habitat beschränkt ist, nicht vollenden können. Einige kleine ganzjährige Linyphiiden werden sich sicherlich in den Sommermonaten dort fortpflanzen können, dazu kommen typische Hausspinnen (Scytodes, Amaurobius) usw., die aber nicht auf eine Bepflanzung angewiesen sind.

Ganz anders ist das mit Bestäubern, die Pflanzen vor allem als Polen- und Nektarquelle nutzen. Eine naturnahe Bepflanzung auf dem Balkon ist für viele Wildbienen in der Stadt eine wichtige Nahrungsquelle und trägt nachweislich zur Erhöhung der Bestäubervielfalt bei. Westrich und Co. propagieren das ja auch, belegen das aber eher mit eigenen Beobachtungen und nicht unbedingt mit Daten. Simao et al. (2018) hingegen haben sehr schön experimentell in den USA nachgewiesen, dass selbst sehr kleine Pflanzungen (wie sie eben Bürger leisten können) von für Wildbienen wertvolle Pflanzen die Artendichte sehr gut erhöhen können /https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1365-2664.13085). Daher gilt für Bestäuber "jeder Quadratmeter zählt", während für Spinnen in der Stadt andere Lebensräume und Faktoren wichtig sind, z.B. die Pflegefrequenz öffentlicher Grünflächen.(https://link.springer.com/article/10.1007/s11252-018-0786-2).

Tobias

Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #13 am: 2018-09-03 15:29:32 »
Kommt drauf an, in welcher Höhe der Balkon ist :-). Wenn sie kein geeignetes Überwinterungshabitat findet, kann ich mir gut vorstellen, dass eine Krabbenspinne auf die Wiese aus dem ersten Stock nach unten abwandert. Aus dem 5. Stock würde ihr das aber sicherlich schwerfallen. Vielleicht fliegt sie noch mit dem Fadenfloß davon, aber das kommt auch auf das Stadium an. Eventuell bleibt sie auch dort und erfriert. Das ist aber ganz schwer zu sagen und sicherlich artabhängig. Die Frage ist natürlich, was sonst mit ihr auf ihrer Wanderung in der Stadt passiert wäre.
Gesamtökologisch findet daher sicherlich mehr Einbindung durch den Balkon statt, als wenn die Spinne auf der nächsten Straße überfahren wird, das ist sicher. Eine gezielte Einwanderung will ich aber nicht unterstellen. Die bleiben halt da, wo sie Futter finden, also auch einem Balkon, wenn sie dort hingelangen. Und sicher, die werden auch gefressen, gerade an so exponierten Stellen. Dazu gibt es sogar eine Untersuchung, die zeigt, dass an Vogelfutterstellen mehr Käfer gefressen werden, indirekt natürlich auch, weil solche Flächen oft schön übersichtlich gestaltet sind (https://link.springer.com/article/10.1007/s11252-014-0404-x). Lockt man also Vögel auf den Balkon mit Körnerfutter, mampfen die einem sicherlich auch die Arthropoden weg.

Man muss sich das ökologisch so vorstellen, dass, wenn die Grünflächen in der Stadt jetzt nur aus Balkonen bestehen würden, die Spinnen im Winter ein ziemliches Problem hätten, mal ganz abgesehen von sonstigen Mangel an Lebensraum. Sind aber Quell- und Überwinterungsflächen da, stellen solche Balkone auch Übergangshabitate, z.B. für Tiere, die durch das Fadenfloßfliegen hingelangen, dar. Nur im Winter brauchen sie halt fast unbedingt eine Alternative. Natürlich hängt das auch vom Winter ab. Bei mir in Karlsruhe gibt es Winter, da frieren meine Kästen natürlich nicht durch.

Du kannst den Beitrag gerne veröffentlichen, nimm nur diesen Satz heraus: Westrich und Co. propagieren das ja auch, belegen das aber eher mit eigenen Beobachtungen und nicht unbedingt mit Daten

Das könnte jemand in den falschen Hals bekommen.

Tobias

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #14 am: 2018-09-03 15:42:02 »
Dankeschön! Das mache ich so, den Satz lass ich weg. Ich bin nun erst mal zwei Wochen weg, danach mache ich ein Posting. Dann sag ich dir hier Bescheid, wenn es online ist.

Welche Pflanzen hast du in deinen Kästen?

Du kannst den Beitrag gerne veröffentlichen, nimm nur diesen Satz heraus: Westrich und Co. propagieren das ja auch, belegen das aber eher mit eigenen Beobachtungen und nicht unbedingt mit Daten

Das könnte jemand in den falschen Hals bekommen.


Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #15 am: 2018-09-10 11:42:39 »
Hi Katharina,

in meinen Kästen ist nichts allzu Kompliziertes oder Großes. Kornrade, Kornblumen, Ähriger Ehrenpreis,  versch. Sedum und Dachwurze, Oregano, versch. Minzen, Thymian, Rucola, sowas eben.

Tobias

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #16 am: 2018-09-23 10:12:54 »
Hallo Tobias, ich schreibe jetzt den angekündigten Blog-Artikel (siehe oben). Ich habe noch eine Rückfrage zur Überwinterung von Spinnen auf meinem Balkon. Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Ort ist, um weiter zu fragen. Wenn nicht, dann entschuldige ich mich jetzt schon dafür. Also: Ich hab mir das Buch "Biologie der Spinnen" von Rainer Foelix gekauft. 2. Auflage von 1992. Auf Seite 264f im Kapitel 9.5.2 Überwinterung steht, dass überwinternde Spinnen oft erstaunlich kälteresistent sind und es rätselhaft ist, warum Spinnen mit realtiv geringer Kälteresistenz selbst sehr strenge Winter überleben können. Und da steht, wie du geschrieben hast, dass etwa 85 % unserer heimischen Spinnenfauna vor allem in der Bodenzone überwintert. Das sind lt. dem Buch 0 - 15 cm. Zurück zum Balkon: Ich habe Blumenkästen mit 15 cm Tiefe, aber auch größere Töpfe von 20 cm bis 60 cm Tiefe. Aber natürlich ohne ausgeprägte "Streuschicht". Aber ich habe einen Holzrost auf dem Estrich, unter dem sich Erde und Laub angesammelt hat, das ich dort lasse und ich habe eine Ecke, wo ich das Laub des Wilden Weins den ganzen Winter liegen lasse. Könnte es nicht sein, dass dann so eine Spinne einen tieferen Topf oder den Laubhaufen zum Überwintern aufsucht und überlebt? Die oberen 15 cm im Freiland frieren doch auch oft durch?

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #17 am: 2018-09-23 10:28:48 »
Hier ein Foto vom kleineren Balkon im Mai 2018 zur besseren Illustration der Frage. Könnte man spinnenfreundliche Maßnahmen ergreifen, um das Überleben des Winters wahrscheinlicher zu machen, ähnlich den Nisthilfen für Insekten? Oder sind die Ansprüche zu unterschiedlich und ein Balkon dann doch einfach zu naturfern?

Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #18 am: 2018-09-23 16:50:04 »
Es stimmt, die meisten Spinnen sind erstaunlich kälteresistent.

Allerdings: z.B. Mestre et al. 2018 zeigten (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0167880918303591), dass Spinnendichten- und die Diversität in Agrarlandschaften vor allem in Gehölzen und Krautstreifen nach dem Winter deutlich höher als im Acker selbst sind. Bestimmte Arten bevorzugten dabei auch bestimmte Überwinterungshabitate. Diese gilt es daher nachzuahmen. Ein Krautstreifen (Randstreifen) auf dem Balkon ist schwierig nachzuahmen (da gibt es ja natürlich auch oft Moosauflage, abgestorbene Pflanzen usw.), allerdings kann eine Kiste mit Laub oder ein Laubhaufen durchaus nützlich sein, denke ich. Ich habe selbst so eine Kiste auf dem Balkon (als Kompost für nichtstinkende Küchenabfälle), darin lebt im Sommer einiges (Kurzflügelkäfer usw.). Ich schaue mal diesen Winter, was ich so drin finde. Daran habe ich garnicht gedacht.

 Ich kann mir gut vorstellen, dass darin auch eine Spinne überwintern kann, wenn die Kiste groß und tief genug ist (eine normale Obstkiste mit 40 cm Tiefe müsste aber reichen). Ein Haufen hat eventuell  einen ähnlichen Effekt, ist aber natürlich schwieriger auf dem Balkon zu behalten (bei mir würde es denn einfach wegwehen  ;D) und weniger gut zu schichten.

Eventuell überwintern Spinnen auch in Blumentöpfen. Aber wie gesagt, die Auswinterungschance halte ich darin für deutlich größer. Man müsste einen arachnologisch arbeitenden Physiologen fragen, was da das unmittelbare Problem für Spinnen im Winter bei Frost darstellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es an den schneller wechselnden Temperaturen im Tagesverlauf liegt, da fast kein Puffer vorhanden ist, ähnlich wie ja bei Pflanzen, die frei stehen, im Vergleich mit solchen 100 m weiter im Wald.

Man müsste das mal ausprobieren und dann differenzieren, was man darin findet. Wenn sich im Frühjahr für Häuser untypische Arten in so einer Kiste finden (z.B. eben Krabbenspinnen), haben die darin sehr wahrscheinlich auch erfolgreich überwintert.

Tobias

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #19 am: 2018-09-23 18:27:23 »
Hallo Tobias, danke auch für diese ausführliche Antwort. Ich werde dann diesen Winter einfach so eine Obstkiste mit Laub und Moos anbieten. Das hilft dann zwar der Spinnenwelt insgesamt nicht viel weiter beim Mangel an geeigneten Lebensräumen, aber zumindest hilft es vielleicht "meinen" Balkonspinnen weiter. Danke sehr auf jeden Fall sehr für Deine Zeit und Mühe, auf mein spezielles Balkon-Anliegen so ausführlich einzugehen! Ich poste dann hier noch den Link, wenn der Beitrag online ist. Herzliche Grüße, Danke, Katharina 

Katharina Heuberger

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #20 am: 2018-09-23 19:38:02 »
Hallo Tobias, der Artikel ist jetzt online: https://wildermeter.de/spinnen-per-fadenfloss-auf-den-wilden-meter/ Ok so? Leider geht das bei dem Theme nicht, den Link zur Verfügung zu stellen, solange der Beitrag nicht veröffentlicht ist. Danke nochmals und herzliche Grüße, Katharina

Tobias Bauer

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Re: Spinne auf Balkon an vertrockneten Kornraden => Xysticus sp.
« Antwort #21 am: 2018-09-23 23:09:03 »
Is ok so, und nix zu danken. Ich habe ja auch was bei gelernt.

Na ja, viele solcher Kleinprojekte haben natürlich auch einen hohen pädagogischen Wert, wenn sie durch deinen Blog abgeschaut werden. Wer sich näher mit seinen Balkonbewohnern beschäftigt, ist wesentlich sensitiver gegenüber weiteren tierischen Bewohnern der Stadt eingestellt, und auch eher bereit, etwas zu mehr in seiner direkten Umgebung zu tun, als "nur" eine Kiste mit Laub auf den Balkon zu stellen bzw. diesen zu bepflanzen ("nur"= eventuell auch mal auf eine ökologische Gestaltung des Stadtparks hinzuweisen usw.).

Tobias