Autor Thema: Axiocam 105 color  (Gelesen 2455 mal)

Viktoria Wegewitz

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Axiocam 105 color
« am: 2018-09-26 16:52:58 »
... macht das Sinn?

Gruß Viktoria
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Wolfgang Schlegel

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #1 am: 2018-09-26 20:38:48 »
   Hallo Viktoria,

falls hier jemand mitliest, der schon mit Zeiss-Mikroskopkameras gearbeitet hat, kann derjenige mehr dazu sagen; sonst wäre es eine gute Idee, die Frage bei www.mikroskopie-forum.de zu stellen.

Bei der Firma Zeiss kann man natürlich so ungefähr alles in Premiumqualität bekommen, was man gebrauchen könnte, Axiocam-Kameras, ZEN-Software und motorisierte Mikroskope - aber das will auch entsprechend bezahlt sein. Was Fotoqualität aus der Kamera angeht, könnte ich mir denken, dass man dasselbe deutlich billiger bekommen kann.

   Gruß aus Stuttgart
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Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #2 am: 2018-09-27 11:34:29 »
... macht das Sinn?

Deine Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten.

Fotografierem am Bino führt grundsätzlich zu schlechten Ergebnissen. Auch mit guten Kameras. Dass sowas von Markenherstellern angeboten wird, ist eher ein Ärgernis. Ich würde heute nie wieder ein Bino in Trino-Ausführung kaufen. An einem aufrechten Mikroskop sieht die Sache anders aus. Da sind exzellente Fotos möglich.

Grundsätzlich ist aber eine konventionelle Spiegelreflexkamera zum selben Preis erheblich besser ausgestattet. Ob man für eine Axiocam 105 color 1.200 € investieren möchte, sollte man sich daher genau überlegen. Allein für Aufnahmen mit Blitzlicht wäre eine Spiegelreflex definitiv die bessere Wahl.

Bei der Firma Zeiss kann man natürlich so ungefähr alles in Premiumqualität bekommen, was man gebrauchen könnte

Aber auch hier gilt: Fotos am Bino haben mindere Qualität.

Martin
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Viktoria Wegewitz

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #3 am: 2018-09-27 12:39:10 »
Hallo Martin,

danke, dass du mit dazu beigetragen hast, von der Idee mit der 5M Pixel kamera für soviel Geld wegzukommen.

Ich versuche es nochmal mit der Canon 1300d und dem minderwertigen Adapter. Leider habe ich keine 20.000 Euro für ein aufrechtes Mikroskop.

Gruß Viktoria
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Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #4 am: 2018-09-27 13:11:22 »
Ein aufrechtes Mikroskop mit eingebauter Kamera gibt es von Zeiss schon für knapp 7.500 €; aber das ist auch reichlich happig. Ich hatte schon erwogen, sowas anzuschaffen und darauf längerfristig zu sparen, aber dann beschloss ich, dafür lieber Infrastruktur an der Uni Hamburg zu benutzen. Die Bahnfahrt hin und zurück kostet ca 30 €. Das müsste ich schon 250 mal machen, damit sich die Anschaffung lohnt. Das brauche ich ja nicht dauernd.

Wenn es nicht vollautomatisch laufen muss, geht auch ein viel billigeres Mikroskop mit Fotoadapter. Du kennst doch die guten Fotos von Pierre Oger; er hat für sein Mikroskop um und bei 1000 € ausgegeben und eine billige Mikroskopkamera. Die billige Mikroskopkamera erwies sich jedoch als untauglich und somit Fehlinvestition; er musste dann etwas besseres kaufen. Wenn Du aber schon eine Spiegelreflex hast, brauchst Du eigentlich nur ein Mikroskop mit entsprechendem Adapter. Am Bino zu fotografieren ist nur frustrierend, weil man einfach keine guten Fotos hinbekommt.

Ich mache meine Genitalfotos mit LM DSLR Makroskope mit selbstgebautem Stativ aus Holz und Stackshot. Da stelle ich ein, von wo bis wo (Anfangs- und Endposition) und welcher Schrittweite (z.B. 2 μm); dann laufen mal eben 200 Bilder mit Blitzlicht automatisch durch. Sowas will ich nicht von Hand machen müssen. Das kostet natürlich Geld, aber die Bilder sind sehr gut; allerdings ist der Vergrößerungsfaktor nicht variabel. Ein Mikroskop hätte üblicherweise eine Wechseloptik, aber dafür muss man von Hand stacken.

Als Stackprogramm kann ich nur Heliconfocus empfehlen und ist sein Geld wert; der Support ist exzellent, wenn es mal Probleme gibt. Aber Viele nutzen die Freeware CombineZ oder das Programm Zerene Stacker.

HTH

Martin
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Jürgen Guttenberger

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #5 am: 2018-09-28 07:37:47 »
Ich fotografiere mit zwei Systemen am Mikroskop, einmal mit einer alten Spiegelreflexkamera Nikon D300 mit weit über 400000 Aufnahmen auf dem Buckel und mit einer spiegellosen Systemkamera Canon EOS M3. Der Unterschied dieser beiden Systemen liegt, wie der Name schon andeutet im Spiegel. Der mechanische Verschluss und der Spiegelschlag aller DSLR-Kameras verursacht Schwingungen und somit bei größeren Maßstäben "Verwacklungen" auf den Bildern. Spiegellose Kameras haben "meistens" einen elektronischen Verschluss, der erschütterungsfrei arbeitet. Außerdem kann man bei Reinigunsarbeiten, Sprichwort Staubeinschlüsse= Würmchenbildung auf den fertigen Stacks) bei Spiegellosen eher an den Sensor.
Für mich ein klarer Vorteil für die Systemkameras. Außerdem ist der Verschluss und Spiegel der DSLR-Kameras ein Verschleißsteil und wenn es denn zu einem Defekt an der Kamera kommt, sind diese beiden Komponenten oft dafür verantwortlich. Beim Fotografieren am Mikroskop-Bino verwendet man ja oft die Stack-Methode, so dass hier im Laufe der Zeit eine sehr hohe Anzahl an Aufnahmen entsteht. Mich persönlich schreckt dieser Gedanke ab, eine teure DSLR-Kamera nur für diese Art der Fotografie zu verwenden.
Meine Nikon D300 werde ich in Kürze ersetzen, wo die Reise hingeht kann ich aktuell noch nicht sagen (DSLR-Spiegellos), aber auf dem Bino-Mikroskop verwende ich seit ich die Spiegellose habe, meistens diese.

Ich verwende ebenfalls als Stackingprogramm Helicon focus und bin damit sehr zufrieden, vor allem weil die Anwendung in deutscher Sprache zur Verfügung steht.
Es gibt ausser die von Martin erwähnten Programm auch noch ein sehr gutes kostenloses, nämlich http://www.picolay.de/

Grüße
Jürgen

Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #6 am: 2018-09-29 18:37:20 »
Schwingungen und somit bei größeren Maßstäben "Verwacklungen" auf den Bildern.

Ich habe festgestellt, dass Schwingungen zumindest bei meiner Nikon D810 praktisch keine Rolle spielen und auch externe Erschütterungen beim Blitzen nicht den Stack verderben (z.B. wenn nebenan die Waschmaschine im Schleudergang läuft). Daher lasse ich die Spiegelvorauslösung weg. Die D810 nutze ich ausschließlich für diese Form der Fotografie. Eine gute Mikroskopkamera hätte das selbe gekostet, hätte aber wesentlich weniger Komfort geboten.

Stünde ich heute vor der Entscheidung für eine entsprechende Kamera, würde ich wohl eher zu einer spiegellosen Sony Alpha 7 greifen, weil Sony auch die Sensoren herstellt, die in den Nikon DSLR verwendet werden.

Martin
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Wolfgang Schlegel

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #7 am: 2018-09-29 19:05:40 »
Die Frage, ob so eine Anschaffung Sinn macht, lässt sich eigentlich nur beantworten, wenn man berücksichtigt, was genau man damit bezweckt.

Ich selber fotografiere nicht am Bino, bin aber davon überzeugt, dass Martin recht hat mit "Fotos am Bino haben mindere Qualität". Wenn es um hochwertige Fotos von Motiven mit Größen um die 2 mm geht, dürfte auch ein monokulares Mikroskop einem guten Makroobjektiv unterlegen sein. Da empfiehlt sich also letzteres. Man stößt damit an Grenzen, wenn die abzubildenden Objekte kleiner werden.

Wenn es darum geht, seine Präparationen unter dem Bino zu dokumentieren, könnte eine Lösung mit so einer Axiocam schon Sinn machen. Zusammen mit einem Stemi hätte man dann eine Kombination, die optimal auf die Steuersoftware von Zeiss abgestimmt sein müsste. Für hochwertige Genitalaufnahmen bräuchte man dann wohl noch ein zweites monokulares, und es könnte bestimmt nicht schaden, wenn die beiden dann auch noch für automatisierte Stacks motorisiert wären...

Derartige Träumereien habe ich nach einem Blick in die Preislisten von Zeiss eingestellt. In diesem Zusammenhang: die Axiocam 105 wird von Zeiss auf der Präsentations-Website als geeignet für "Aufgaben in der Qualitätssicherung, wo Geschwindigkeit entscheidet" beworben, und der gute Grund dafür dürfte sein, dass diese Kamera nur eine Farbauflösung von 8 Bit pro Farbkanal liefern kann. Für schöne Fotos wird man gelegentlich an einer höheren Auflösung froh sein, wenn man ein kontrastarmes Motiv aufspreizen möchte. Die höhere Farbauflösung kann man mit 12 Bit von Zeiss auch bekommen in Form der Axiocam 305 - die ungefähr das dreifache kostet.

Ich habe meine ersten Aufnahmen am Mikroskop vor knapp 10 Jahren mit einer kompakten Canon Powershot A70 gemacht, die ich schlicht auf das Okular eines einfachen alten Mikroskops von Hertel & Reuss aufsetzte (ein derartiges Mikroskop kann man bei ebay jederzeit für 150 € und manchmal mit Glück für weniger als 50 € bekommen). Natürlich hatte die Qualität der Aufnahmen noch Luft nach oben, aber man konnte durchaus etwas erkennen. Mehr als die 3.2 Megapixel der A70 wären überflüssiger Overhead gewesen, wie man aus der Apertur der Mikroskop-Objektive und der abgebildeten Fläche errechnen kann. Inzwischen benutze ich eine EOS M der ersten Serie mit vermutlich demselben minderwertigen Adapter, den Viktoria angesprochen hat, und wäre stark daran interessiert, mal die Ergebnisse eines Vergleichstests mit dem LMscope-Adapter zu sehen, der immerhin nicht völlig unbezahlbar ist. Übrigens finde ich meinen jetzigen Adapter gar nicht soo unbrauchbar, er funktioniert aber nicht mit jedem Objektiv gleich gut.

Grüße,
Wolfgang
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #8 am: 2018-09-29 19:42:45 »
Noch ein Wort zum Blitzen:

Ein Problem habe ich beim Aufnehmen bildereicher Stacks. Ich blitze mit der Nikon mit dem Makroblitz-Kit R1C1 und verbrauche damit Massen an CR123A-Lithium-Batterien, welche ich mittlerweile in Großpackungen kaufe (z.B. 20 Stück). Wenn so ein 150 Bilder-Stack durchläuft, werden die Lithium-Batterien teilweise heiß und verlieren rasch an Kapazität – zeitweilige Blitzausfälle sind die Folge. Manchmal muss ich schon am nächsten Tag eine neue Lithium-Batterie einlegen. Ich denke schon darüber nach, einen Studio-Blitz einzusetzen. So ein Massenverbrauch an Lithium-Batterien ist nicht nur teuer, sondern belastet auch das Gewissen eines an sich umweltbewußten Menschen.

Allerdings liegt das Investtionsvolumen auch wieder bei rund 200 €.

[...]und wäre stark daran interessiert, mal die Ergebnisse eines Vergleichstests mit dem LMscope-Adapter zu sehen, der immerhin nicht völlig unbezahlbar ist.

Da ich unser Wiki damit bebildere, kann ich die gewünschten Vergleichsfotos sofort liefern:
Die präparierte Vulva von Mimetus laevigatus und die Epigyne von Araneus diadematus:


Die Skala ist 0,5 mm lang.

Diese kleinen Objekte zum Fokussieren mit dem Programm (ich nehme Helicon Remote1, das beim Kauf von Helicon Focus dabei ist) zu finden, ist eine kleine Übung für sich. Da kann man eventuelle wahnsinnig werden, aber ich habe inzwischen Übung und schaffe das ganz gut.

Martin


Zu 1: In meinen Augen interessante alternative Shareware wäre Control my Nikon, bzw. Control my Canon; andere ensprechende Software hat mich bisher nicht sonderlich begeistern können.
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #9 am: 2018-09-29 19:51:00 »
Hallo Zusammen,

nur eine Frage zum Verständnis, benutzt ihr "Bino" synomym zu "Stereomikroskop"? Es gibt ja auch "normale" aufrechte Mikroskope die einen Binokular-Aufsatz haben, aber die habe nur einen Strahlungsteiler und  erzeugen keinen Stereo-Effekt.

Selbst Stereomikroskope mit Fototubus liefern niemals so gute Bilder, da der Fototubus nur in einen der beiden Strahlungsgänge "eingehängt" ist (per Strahlungsteiler). Auf der Page von LMScope ist das ganz gut erklärt: https://www.lmscope.com/de/Stereomikroskope_in_der_Fotodokumendation.html

Wenn man dann, wie ich, noch einen relativ minderwertigen Fotoadapter benutzt (so etwas hier: https://www.amazon.de/Mikroskope-Kompatibel-MonoKular-Trinokular-Anschl%C3%BCssen/dp/B005OZ5NXU ), dann ist die Fotoqualität schon recht bescheiden (unscharf, massive chromatische Aberration etc.), auch wenn das für Bestimmungsfotos durchaus ausreicht.

Viele Grüße, Uli

Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #10 am: 2018-09-29 19:55:00 »
nur eine Frage zum Verständnis, benutzt ihr "Bino" synomym zu "Stereomikroskop"?

Ja, genau. Ich weiß gar nicht, woher das kommt. Mir wurde das mal so gesagt. Wenn ich im Web nach Bino[cularen] suche, werden mir immer nur Fernrohre angezeigt.

Martin
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #11 am: 2018-09-29 20:34:54 »
Und noch ein paar Pedipalpen mit LMScope:

Gongylidium rufipes


Zora manicata

Einen Hinweis noch zu LMScope: Der Inhaber hat mir 300 € für einen "Schaden" für ein Stativ abgezogen, das ich zurück schickte. Das einzige, das ich damit gemacht hatte, war es auszupacke, aufzubauen und auszuprobieren. Hier nennt man solche Leute Strauchdiebe oder Schlitzohren.

Martin
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #12 am: 2018-09-29 21:48:28 »
Ja, "Bino" ist üblicher Sprachgebrauch der Leute, die unter einem Stereomikroskop präparieren (man spart sich immerhin vier Silben).

Zum Vergleich die "minderwertigen" Bilder.

Ich blitze dabei gar nicht, sondern arbeite mit Tageslicht oder selbstgebauter LED-Beleuchtung. Das kann zu recht langen Belichtungszeiten führen, aber da ich meine Stacks inzwischen durch Schrittmotoren automatisiert habe, stört mich das weniger; ich stehe beim Fotografieren nicht unter Zeitdruck. Wenn ich jeden Tag -zig Epigynen zu knipsen hätte, wäre das wohl anders.

Wolfgang
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #13 am: 2018-09-29 23:25:07 »
Zum Vergleich die "minderwertigen" Bilder.

Da ist durchaus ein Qualitätssprung erkennbar. Allein der LMScope-Fotoadapter meines hochwertigen Binos (war im Kaufpreis enthalten) würde allein um 800 € kosten. Wenn man einließlich Kamera ein paar Tausender in die Bino-Fototechnik investiert hat, kann man mit solchen Resultaten nicht zufrieden sein. An den Kanten sind bei Dir die Bildbereiche im Licht abgesoffen, andere Bereiche sind blau, wo kein Blau hin gehört. Ich hatte mit Farbverschiebungen zu kämpfen, wogegen ich spezielle Software einsetzte, mit welcher man die gut eliminieren konnte ohne alles in Graustufen umwandeln zu müssen. Das schlimmste war jedoch, dass man die Bilder trotz Stacking nie richtig scharf bekommen konnte.

Bei den von mir gezeigten Pedipalpen sind auch ein paar weniger bedeutende Details unscharf, weil der Stack nicht lang genug war. Aber das ist etwas ganz anderes als wenn es gar nicht erst möglich wäre, alles scharf abzubilden.

Martin
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #14 am: 2018-09-30 01:18:02 »
@Wolfgang: Versuche mal anstatt eines weißen Hintergrundes einen neutral grauen Hintergrund zu nehmen. Graukarte im besten Fall (die nehme ich auch) oder etwas anderes graues.

Martin
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #15 am: 2018-09-30 02:20:35 »
@Martin: Wenn ich das richtig mitbekommen habe, verwendest Du eines der speziell aufs Fotografieren zugeschnittenen LM-Makroskop-Objektive. Das spielt bei der Abbildungsqualität wohl auch eine Rolle, nicht nur der Kameraadapter. Meine beiden Beispielbilder sind immer noch mit dem obenerwähnten alten Mikroskop gemacht, eines mit einem 0.10er, das andere mit einem 0.30er Objektiv. Wahrscheinlich kriege ich da auch mit dem besseren Adapter nicht so ein Optimalresultat - aus optischen wie mechanischen Gründen. Ich plane die Anschaffung eines besseren Mikroskops, sobald ich mal wieder einen akuten Anfall von Wohlstand habe. Sollte der Anfall stark genug sein, gibt's noch einen Adapter dazu. Der Schwachpunkt bei meiner jetzigen Ausstattung dürfte jedenfalls nicht die Kamera sein.

Beim Hintergrund war ich unentschlossen, welcher Helligkeitsgrad mir rein ästhetisch besser gefällt. Man sollte wohl erwarten, dass Grau im Zweifelsfall die besseren Kanten ergibt.

@Viktoria: ich bitte um Verzeihung, der Thread droht langsam in eine allgemeine Fotografie-Diskussion auszuarten.

Wolfgang
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #16 am: 2018-09-30 07:59:09 »
Der Schwachpunkt bei meiner jetzigen Ausstattung dürfte jedenfalls nicht die Kamera sein.

Absolut nicht. Selbst eine ältere Kamera dürfte einer Axiocam 105 color überlegen sein. Wenn auch 5 Megapixel auf den ersten Blick ausreichend erscheinen, brauch man aber in der Praxis doch auch Ausschneidereserve (>= 10 Megapixel reichen). Von Synchronisation mit Blitzlicht ganz zu schweigen. Allerdings haben nur die besseren Modelle ausreichend Features zur Belichtung mit manuellen Objektiven (ein Mikroskop hat nun mal keine Blendensteuerung). Eine gute Einsteigerkamera (bei mir damals die Nikon D90) reicht meist nicht aus; ich musste mir deshalb eine neue DSLR kaufen, nämlich die D7100.

Zitat
Beim Hintergrund war ich unentschlossen, welcher Helligkeitsgrad mir rein ästhetisch besser gefällt. Man sollte wohl erwarten, dass Grau im Zweifelsfall die besseren Kanten ergibt.

Es geht bei meinem Vorschlag nicht primär, um Ästhetik, sondern um den Weißabgleich der Kamera. Bei den Digitalfotos von Genitalien ist üblicherweise das meiste Hintergrund. Ein weißer Hintergrund würde von der Kamera so belichtet, als sei der Hintergrund grau; das Bild wird also zu dunkel.

Und wenn dieser eben Neutralgrau ist, bleiben die natürlichen Farben Deines Objektes besser erhalten erhalten. Allerdings muss ich auch bei solchen Bildern hinterher oft in Photohop die Farbsättigung etwas zurücknehmen.

Bei Youtube gibt es einige interessante Clips zum Thema Weißabgleich und Graukarte. Ich finde dieses Video mit Thomas Kuhn sehr gut: Belichtungsmessung, weil es zeigt, wie wichtig das Neutralgrau in der Digitalfotografie ist.

Zitat
@Viktoria: ich bitte um Verzeihung, der Thread droht langsam in eine allgemeine Fotografie-Diskussion auszuarten.

Wir sind nicht wirklich off topic (OT); diese Fragen hängen alle miteinander zusammen.

Zu meiner Ausrüstung: Ja, ich habe etwas spezielleres von LMScope. Aber die Bilder von Pierre Oger zeigen, dass es auch mit einem hinreichend guten aufrechten Mikroskop geht.

Das, was die Werbung vermittelt, nämlich dass man nur eine gute Kamera zu kaufen braucht, trifft auf unsere eher speziellen Fotografieanforderungen wirklich nicht zu. Mein Lernweg hat viel Geld gekostet. Unsere Erfahrung kann aber Dritten (z.B. Viktoria) helfen, eine Abkürzung zu nehmen und somit nicht so viel Geld in Fehlinvestitionen zu versenken. Beim Kauf der Kamera also darauf achten, ob sie automatisch mit manuellen Objektiven zurecht kommt. Die Zahl der Megapixel ist nicht so wichtig; das heißt, wenn man eine ältere kauft (z.B. Canon EOS 5D Mark ii) ist man sehr gut ausgerüstet. Wenn also anschaffen, dann doch gleich Vollformat, weil ein großer Sensor weniger rauscht. Sicher reicht auch ein anderes Modell, aber die 5D Mark ii gibt es gebraucht beim Händler mit wenig Auslösungen schon um 700 €. Das aktuelle Modell ist Mark IV und kostet über 3.000 €, gebraucht > 2.000 €.

Und natürlich: Man sollte keine Jpeg-Fotos machen, sondern RAW-Fotos, weil man in der Nachbearbeitung mehr Möglichkeiten hat. Helicon Focus kann direkt RAW-Fotos stacken und im DNG-Format (Adobe RAW-Format) speichern; dann bleiben nach dem Stacken in Photoshop alle Möglichkeiten erhalten.

Martin
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Ulrich Kursawe

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #17 am: 2018-09-30 11:57:55 »
Hallo Viktoria,

ich sehe das ganz ähnlich, ich benutze auch ein Stereo-Zoom-Mikroskop mit Fototubus, den oben erwähnten Adapter und meine alte Canon EOS 600d.:

Setup.jpg
*Setup.jpg (72.19 KB . 300x457 - angeschaut 148 Mal)

Zum Stacken benutze ich ebenfalls ZereneStacker und Ouf-Of-the-Camera JPEG's. Raw-Umwandlung lohnt sich bei der Bildqualität meiner Meinung nach nicht und macht auch nur dann wirklich Sinn, wenn man genau weiß was man tut. Mich da einzuarbeiten, ist mir momentan zu zeitaufwendig.

Mit dem "Bino" kann man sich halt auch mal eine komplette Spinne anschauen und das ganze Setup hat  auch weniger als 1000 € gekostet. Durch den größeren Abstand zwischen Objekt und Objektiv kann man auch problemlos eine leistungsfähige und preiswerte LED-Ringleuchte einbauen und hat dann auch genug Licht.  Viel besser als so wird es dann allerdings nicht:  https://forum.arages.de/index.php?action=dlattach;topic=22904.0;attach=178981;image

Für die schwierigen Bestimmungsfälle (die Martin ja häufiger unterkommen als mir) braucht man dann aber schon eine bessere Fotoqualität um die Feinstrukturen zu erkennen und die Bilder mit dem LMScope-Aufbau sind ja auch exzellent!

Viele Grüße, Uli

PS: Bin ich jetzt schon senil, oder habe ich auf einen Beitrag von Viktoria geantwortet, der inzwischen verschwunden ist?

Viktoria Wegewitz

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #18 am: 2018-09-30 13:18:56 »
Sorry, Uli, ich hatte meinen letzten Post gelöscht.

Ich kann mir kein aufrechtes Mikroskop kaufen, da ich auch mal kleinere Vergrößerungen brauche, und ich für zwei Geräte keinen Platz habe.

Die Frage, die ich noch habe, mein derzeitiges Bino, Optika SZM-2, ist ganz schön matschig. Welchen Sprung müsste ich machen, dass ich trotz Binotechnik, bessere Fotos machen kann? Würde das stemi 305 etwas bringen? So dass die Bilder nicht optimal, aber zumindest knackiger werden?

Das Leben ist ein Kompromiss. Und danke für die interessante Diskussion.

Gruß Viktoria
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Viktoria Wegewitz

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Ulrich Kursawe

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #20 am: 2018-09-30 13:44:57 »
Hallo Viktoria,

da bin ich ja beruhigt  :).  Zu deinem Bild: Mit ein wenig Bildbearbeitung (in Gimp) sieht das doch gar nicht schlecht aus:

2018-07-20-11.02.01 ZS PMax-2forum.jpg
*2018-07-20-11.02.01 ZS PMax-2forum.jpg (146.3 KB . 400x534 - angeschaut 335 Mal)

Ob das mit einem Stemi305 noch besser wird kann ich dir leider auch nciht sagen. Es ist halt auch ein Stereomikroskop nach dem Greenough-Prinzip.

Viele Grüße, Uli

Viktoria Wegewitz

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #21 am: 2018-09-30 14:27:33 »
Cool, Uli, das ist besser!

Ich werde mich wohl den Rest des Tages mit Bildbearbeitung beschäftigen.

Gruß Viktoria
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Ulrich Kursawe

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #22 am: 2018-09-30 14:43:57 »
Hallo Viktoria,

das ist auf jeden Fall die billigste Vorgehensweise  :D. In diesem Fall habe ich wirklich nur ein paar Klicks gebraucht, mit etwas Auwand geht das bestimmt noch besser. Ich benutze Gimp 2.8.10 und folgende Arbeitsschritte:

1) Colors->Auto->White Balance
2) Colors->Levels: Gamma von 1,0 auf 1,5 (zum Aufhellen)
3) Filters->Enhance->Unsharp Mask  (zum Schärfen, auch wenn man das bei dem Namen nicht vermuten würde)
4) Image->Scale: Width = 400 (Etwas verkleinern lässt das Bild schärfer wirken und spart Speicherplatz)

Das ist, wie schon gesagt, noch recht primitiv, aber oft schon recht wirkungsvoll. Wenn der automatische Weißabgleich unbefriedigend wirkt (zu "brutal", falsche Farben etc.), reicht auch oft die automatische Kontrastspreizung oder die HSV-Spreizung (die "mildeste" Variante). Beim Gamma-Wert muß man etwas probieren, der beste Wert variiert von Fall zu Fall.

Viele Grüße, Uli

Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #23 am: 2018-09-30 19:45:11 »
Würde das stemi 305 etwas bringen?

Das Stemi 305 hat eine exzellente Qualität. Es ist auf jeden Fall eine Klasse besser als Novex RZ.

Bei diesem Foto:


Kann man mit TheGimp (aktuell ist Version 2.10) ncht mehr viel rausholen. Gegen die Frabverschiebung fällt mir nichts besseres aus, als die Sättigung für Blau und Magenta auf Null zu schrauben. Dadurch versinken die blauen und pinken Teile in Schwarz und das Bild wird noch schlechter, weil Details verschwinden:

2018-07-20-11.02.01 ZS PMax-2forum-gimp210.jpg
*2018-07-20-11.02.01 ZS PMax-2forum-gimp210.jpg (133.04 KB . 400x534 - angeschaut 121 Mal)

Martin
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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #24 am: 2018-09-30 20:29:42 »
Hallo Martin,

es gibt auch für Gimp ein Plugin um die chromatische Aberration zu korrigieren, aber das hat seine Grenzen und hilft in diesem Fall auch nicht wirklich. Man kann durch Verschiebung der Farbbalance  noch ein wenig herausholen, aber ich denke, für eine Bestimmung wäre das letztendlich irrelevant. Möchte man die Fotos veröffentlichen (z.B. im Wiki) sind die Ansprüche u.U. höher, aber ob die Härchen nun lila oder schwarz sind, spielt für die Determination sicher keine entscheidende Rolle, die Hauptsache ist doch, man kann möglichst viele Details erkennen.

Viele Grüße, Uli

Viktoria Wegewitz

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #25 am: 2018-09-30 21:02:23 »
Ich denke, es sind alle Szenarios durchgespielt worden und ich werde darüber nachdenken, welche Möglichkeiten ich verwirklichen kann und möchte.

Jetzt bin ich um einiges schlauer...😊

Einen schönen Abend
Viktoria
Grüße Viktoria

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #26 am: 2018-10-01 01:27:42 »
Hallo  Victoria
Mit GIMP kannst Du ganz einfach die Farben, Helligkeit Kontraste etc korrigieren, hier weniger Blau zB etc habe nur mal 2 Schritte vollzogen als Beispiel (nicht um das Foto zu schönen) ... GIMP ist für Bildbearbeitung wirklich toll.
LG
Sylvia

Martin Lemke

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #27 am: 2018-10-01 08:24:20 »
Schlussendlich kann man aus einem schlechten Foto durch Nachbearbeitung kein gutes machen.

Wie Uli schon sagt, man kann ein Foto soweit aufbereiten, dass zum Bestimmen ausreicht (für solche Fälle sind blaue Haare unproblematisch).

Ins Wiki sollen nur Fotos besserer Qualität. Allerdings verfolgen wir fürs Wiki den Ansatz: "Lieber ein mäßig gutes als gar keins". Wenn später besseres Bilder verfügbar sind, können schlechtere gelöscht werden.

Der hier als Beispiel gezeigte Palpus von Linyphia hortensis (?) ist ja nicht in Wiklickeit von ventral knack gelb.

Martin
DAS waren noch Zeiten: Nowegen 2011.

Viktoria Wegewitz

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #28 am: 2018-10-01 09:29:03 »
Hallo Martin,

ich hatte damals die Palpen als Linyphia triangularis bestimmt. Wie gut, dass das Bild nochmal aufgegriffen wurde. Ich bemühe mich sonst die Bestimmungen zum Abschluß zu bringen. Irgendwie vergessen...

https://forum.arages.de/index.php?topic=24602.msg147347#msg147347

Gruß Viktoria
Grüße Viktoria

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Wolfgang Schlegel

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Re: Axiocam 105 color
« Antwort #29 am: 2018-10-01 15:46:46 »
   Hallo Viktoria,

das war schon triangularis aus dem Drei-Arten-Thread; das ersieht man in diesem Falle aus den Habitusbildern leichter als aus dem Pedipalpen. Aber um eine der Damen, mit denen Du ihn verkuppeln wolltest, solltest Du Dich noch kümmern.

   Gruß aus Stuttgart
Nach stundenlangem Besinnen
Ähneln sich alle Spinnen.