Autor Thema: Herbstfarben (Metellina)  (Gelesen 440 mal)

Wolfgang Schlegel

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Herbstfarben (Metellina)
« am: 2018-10-15 20:15:29 »
Nur einige Bilder von Metellina-Rücken. Die gibt's im schwäbischen Wald in unterschiedlichen Farbtönen. Das ist jetzt nicht direkt ein Rätsel, um welche Art es sich handelt; ich könnte keine genitalmorphologisch abgesicherte Lösung bieten. Ich wäre aber interessiert daran, ob und nach welchen Kriterien der eine oder andere Leser hier Wahrscheinlichkeiten für eine Artzuordnung sieht.

   Gruß aus Stuttgart
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Roman Pargätzi

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #1 am: 2018-10-16 22:22:25 »
Salü Wolfgang,

Das erste Unterscheidungsmerkmal bei Weibchen der beiden Arten ist für mich die Grösse. Da gibt es Exemplare, die eindeutig der einen oder anderen Art zuzuordnen sind, sind doch die M. segmentata im Vergleich mit den M. mengei normalerweise Riesen. Das heisst natürlich nicht, dass man so alle Weibchen festlegen kann.

Bei den reifen Männchen ist, wie im Wiki dargelegt, die Beborstung des ersten Beinpaars eindeutig unterschiedlich; bei subadulten M. mengei-Männchen fehlen die langen Borsten jedoch.

Bezüglich der Zeichnung möchte ich nochmals betonen, dass ich hier bloss von einer lokalen Erfahrung ausgehe, die nicht generalisierbar sein muss. Wenn das Blattpaar oben vorne auf dem Hinterleib in der Längsrichtung breit – das tönt jetzt doof, aber wie soll ich das sonst sagen – und eher nach hinten gerichtet ist, haben wir es hier mit einer M. segmentata zu tun. Meist sind diese "Blätter" hell, aber v. a. bei roten Tieren muss das nicht sein. Die M. mengei-"Blätter" sind in der Längsrichtung gestaucht, eher parallele Striche, die ganze Zeichnung erscheint schärfer. Die gelben und roten Weibchen sind hier immer M. segmentata; die M. mengei sind hier schwarz-braun-weiss. Das heisst nun wiederum nicht, dass nicht auch eine M. segmentata eine in der Längsrichung gestauchte Zeichnung aufweisen kann, das scheint hier aber eher bei Männchen vorzukommen.

Wären Deine Beispiele von hier, sähe ich ausser bei Nr. 3, 6 und 7 hier M. segmantata, wobei mir eine derart gelbliche M. mengei wie die Nr. 3 und 7 hier noch nicht untergekommen ist. Die Nr. 6: eine junge M. segmentata, die noch am Umfärben vom Jugendkleid her ist? Bei der Nr. 7 bin ich mir völlig im Unklaren.

Nun bin ich gespannt, ob sich die hiesige lokale Erfahrung schon am ersten anderen Ort als nicht anwendbar erweist.

Hilfreich wäre es, wenn die Tiere alle etwa im selben Massstab abgebildet wären.

Herzlich, Roman

Jonathan Neumann

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #2 am: 2018-10-18 16:07:45 »
Hallo Viktoria,

Für mich ist das Phylloneta.

LG,
Jonathan

EDIT: Viktoria hat ihren Beitrag gelöscht.
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

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Wolfgang Schlegel

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #3 am: 2018-10-19 01:44:28 »
   Hallo Roman,

sei bedankt für Deine Ausführungen. Die Körperlängen in mm sind dem folgenden Bild zu entnehmen. Alle Tiere waren Weibchen, und mit Ausnahme von Numero 2 waren alle erwachsen. Ich werde noch Ventralansichten nachreichen.
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Wolfgang Schlegel

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #4 am: 2018-10-19 20:08:37 »
Nun noch die Ventralansichten und die Epigynen der lebenden Tiere; leider nicht immer gut fotografiert.

Zur Jahreszeit: No. 3 habe ich am 28. Mai gefunden, No. 2 habe ich Ende Juni als Spiderling ein paar Kilometer weiter von einem Brückengeländer gepflückt und daheim großgezogen; das Foto ist von 14. Oktober. Die anderen sind aus der klassischen Herbstspinnenzeit von Ende August bis Ende September.

No. 3, No. 5, No. 7 und No.8 sind vom selben Standort, die übrigen verteilen sich auf die weitere Umgebung.
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Roman Pargätzi

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #5 am: 2018-10-22 11:40:10 »
Salü Wolfgang,

Da mir die Unterschiede der Epigynen der beiden Metellina-Arten aus den diversen Zeichnungen bei araneae. Spinnen Europas bisher nicht klar geworden sind – bei Haralds Beispiel im Spinnenwiki sieht’s zwar sehr deutlich aus – möchte ich es nicht wagen, die Tiere anhand der Epigynenfotos zu bestimmen. In meinem bescheidenen Beobachtungsbereich habe ich den Vorteil, dass ich warten kann, bis die Tiere ganz ausgewachsen sind, und da ergeben sich aus der Endgrösse, dem Auftauchen von Männchen bei den Netzen der Damen in den allermeisten Fällen eindeutige Resultate.
Hier ist es auch so, aber das ist vielleicht wiederum lokal, dass die Spiderlinge von M. segmentata gelblichweiss mit einem schwarzen Fleick auf dem Po sind, diejenigen von M. Mengei dunkel.
Zur "klassischen Herbstspinnenzeit" ist zu sagen, dass erwachsene M. Mengei im Herbst ebenfalls vorkommen. Einzelne Erwachsene M. segmentata überleben hier bis in den Winter.

Herzlich, Roman

Wolfgang Schlegel

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #6 am: 2018-11-01 18:45:48 »
Noch einige Nachträge mit Meinungen aus der Literatur:

Die Gesamtlängen sind bei weiblichen Individuen keine Konstanten; das Opisthosoma kann da ja kräftig anwachsen; Die Prosomalängen meiner 8 Metellinas sind nahe an 2.5 mm; mit zwei Ausnahmen: die Nummer 3 kam auf nur 1.8 mm, die Nummer 6 auf 2.2 mm. In der Literatur habe ich bisher nur bei Bösenberg (in Zoologica, Band 14, 1901, S. 48f) und Almquist (Swedish Araneae, 2005, S. 114f) Werte zu Prosomalängen gefunden. Bösenberg gibt hier für reife Weibchen bei mengei 2.5 mm, bei segmentata 3 bis 3.5 mm an; Almquist bei mengei 1.55 bis 2.56 mm, bei segmentata 1.81 bis 3.20 mm.

Von einem weiteren Merkmal ist noch in Bezug auf die Ventralansicht des Opisthosomas die Rede; Wiehle schreibt über mengei (Die Tierwelt Deutschlands, Spinnentiere, 1931, S. 119ff): "Der dunkle Mittelstreifen ist nur im vorderen Teile in der Mitte der Länge nach aufgehellt, im hinteren Abschnitt erkennt man zwei Paar heller Flecke (am besten bei Alkoholmaterial sichtbar), von denen das vordere Paar das größere ist. Diese Fleckenzeichnung kann gut zur oberflächlichen Unterscheidung benutzt werden." Almquist nennt das Merkmal auch. Nach meinen 8 Ventralansichten bin ich aber nicht zuversichtlich, dass damit viel anzufangen ist, jedenfalls scheint es kein "Alles oder nichts"-Merkmal zu sein.

Nummer 3 hätte ich mit der größten Wahrscheinlichkeit von allen bei mengei einsortiert: neben der geringeren Größe bereits im Mai hochschwanger und schon draußen am Waldweg in Ventralansicht durch einen warmen braunen Farbton aufgefallen. Auf dem Bild weiter oben ist das ventrale Fleckenpaar nicht gut zu erkennen, es wird vom Netz verdeckt. Unten noch ein anderes Bild desselben Tiers; die Flecken sind nur andeutungsweise sichtbar.

Von Bösenberg unten noch die gezeichneten Dorsalansichten; ich bin mir nicht sicher, ob Romans Vorstellungen darin wiederzufinden sind (mengei ist links).
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Roman Pargätzi

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #7 am: 2018-11-02 13:06:15 »

Von Bösenberg unten noch die gezeichneten Dorsalansichten; ich bin mir nicht sicher, ob Romans Vorstellungen darin wiederzufinden sind (mengei ist links).

Salü Wolfgang,

Doch, schon: die linke Spinne ist – nimm die Prosomabreite als Referenz – viel kleiner als die rechte; die Blattzeichnung links ist rechtwinklig zur Körperachse, rechts schräg nach hinten gerichtet (das hintere Blatt ist nicht weiss, vermutlich ein rotes Tier).

Herzlich, Roman

Roman Pargätzi

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Re: Herbstfarben (Metellina)
« Antwort #8 am: 2018-11-02 13:32:12 »

Nummer 3 hätte ich mit der größten Wahrscheinlichkeit von allen bei mengei einsortiert ...

Da sind wir uns offenbar einig. Das einzige Tier, das ich auf den ersten Blick als M. M. einschätzte. :-)

Herzlich, Roman