Autor Thema: Klärungsbedarf für Artstatus Troxochrus scabriculus/cirrifrons  (Gelesen 1016 mal)

Martin Lemke

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Siehe: http://wiki.spinnen-forum.de/index.php?title=Troxochrus_cirrifrons#Taxonomie

Es wäre ein wichtiger Meilenstein der Arachnologie, Troxochrus scabriculus zu züchten um nachzuweise, dass T. cirrifrons nur eine morphologische Variante der erstgenannten Art ist – oder eben nicht. Ich könnte versuchen, Exemplare dieser Art zu beschaffen, aber ich kann keine Spinnen züchten. Da benötige ich einen Partner im Boot. Hat jemand Interesse?

Lt. Atlas ist erst ab April mit dem Auftreten dieser Art zu rechnen. Es ist also noch Zeit bis zum Start.

Martin
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Jonathan Neumann

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Guten Abend Martin,

soweit ich weiss, bestreitet Gabriele Uhl den Bärenanteil ihrer Forschung mit solchen Zwergspinnen. Ihre Doktoranden / Studenten züchten verschiedene heimische Arten im großen Stil , da ja mehrere hundert pro Versuch gebraucht werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie dir da helfen könnte, zumal das genau in ihr Themengebiet reinpasst.

LG,
Jonathan
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Martin Lemke

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Danke für den Hinweis. Vielleicht sind die an dem Thema ja schon dran? Ich weiß sowieso nicht, ob ich Troxochrus überhaupt lebend von anderen Arten trennen kann.

Martin
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Tobias Bauer

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Ich finde ja, Ockham's razor hätte am Ende besser als A.C. Doyle gepasst, weil die Synonymie ist ja die einfachere Erklärung als ein gemeinsames Vorkommen zweier morphologisch fast identischer Arten.  ::)

Tobias

Rainer Breitling

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Mit dem Doyle-Zitat wollen sie vielleicht nur die logische Schwäche ihrer Argumentation hervorheben: https://rationalwiki.org/wiki/Holmesian_fallacy
Occam's razor hilft hier auch nicht unmittelbar, denn die beiden Hypothesen sind ja zunächst von ähnlicher Komplexität. Ich tendiere zwar auch stark in dieser Richtung, aber die Entscheidung wirklich überzeugend zu begründen, fällt mir spontan sehr schwer.
Beste Grüße,
Rainer

Tobias Bauer

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Klar fehlt Züchtung und weiterführende Analyse, aber der stärkste Hinweis ist für mich ist das sex Ratio bei größeren Populationen, die Phänologie und die Ökologie. Selbst die Entling et al. Daten überzeugen mich nicht, dass die zwei Formen unterschiedliche Nischen besetzen. Das vor allem die cirrifrons-Form ab und zu in trockeneren Habitaten (in sehr kleinen Zahlen) alleine vorkommen soll, kann auch ein Hinweis darauf sein, dass das eine Art Mangelform ist. Das kennt man ja von etlichen Tiergruppen aus suboptimalen Habitaten. Es spricht alles dafür, dass es kein Niche partitioning bei diesen "Arten" gibt (weder abiotisch-ökologisch noch phänologisch), was, zumindest für mich, kaum zu erklären wäre, die andere Hypothese dagegen recht leicht. Ich kenne jedenfalls keinen solchen Fall mit zwei so extrem stark überlappenden Nischen zweier Schwesterarten, und recht ordentliches Niche partitioning kennt man ja inzwischen selbst von Plankton (http://science.sciencemag.org/content/311/5768/1737). Insgesamt hätte man das vlt. etwas breiter in der Arbeit angehen müssen, ist aber nur meine Meinung. Ich bin ja der Überzeugung, dass in wenigen Jahrzehnten solche ökologischen Argumente auf derselben Ebene gewertet werden wie genetische oder weitere Laborergebnisse.

Grüße,
Tobias
« Letzte Änderung: 2018-12-07 13:04:40 von Tobias Bauer »

Rainer Breitling

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Plausibel ist das alles schon, aber besteht nicht trotzdem die Gefahr eines confirmation bias?  Wenn die Genitalien sich unterscheiden, dann gibt man sich damit auch ohne Nischenunterschiede (und ohne genetische Trennung) zufrieden, und findet alle möglichen Argumente, warum man trotzdem gute Arten vorliegen hat. Sind denn die Nischen von Enoplognatha ovata/latimana, Erigone atra/dentipalpis, Pocadicnemis juncea/pumila, Centromerita concinna/bicolor, Thyreostenius parasiticus/biovatus oder Eratigena atrica/saeva wirklich überzeugender getrennt? Oder selbst Tibellus oblongus/maritimus und Alopecosa pulverulenta/cuneata? Gibt es dazu detaillierte Analysen? Oder nur Anekdoten, die ähnlich zu bewerten sind, wie die berichteten Unterschiede im Auftreten der Troxochrus-Formen? Wie gesagt, ich bin durchaus auf der Seite der Autoren, was die Schlussfolgerung angeht, frage mich aber, ob die Argumentation auch dann überzeugend wäre, wenn ich nicht bereits voreingenommen wäre.
Beste Grüße,
Rainer

Tobias Bauer

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 :D touché, aber klar, das gehört für viele Artenpaare zumindest in ähnlicher Weise wie in dieser Arbeit überprüft.

Tobias

Pierre Oger

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Personally I find both species at the same time and at the same place in my garden (grass with moss).
Given I never found different females, I consider the synonymisation is correct.

Theo Blick

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