Autor Thema: spontaner Kokon  (Gelesen 483 mal)

Viktoria Wegewitz

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spontaner Kokon
« am: 2019-03-16 12:10:05 »
Hallo,
am 3.9.2018 habe ich an einer Eiche durch Klopfen eine Spinne gefangen, die laut meiner Aufzeichnungen von mir als Philodromus mit Fragezeichen deklariert wurde. Ich habe sie in ein Plastikgefäß überführt und regelmäßig mit Drosophila und Wasser versorgt. Im Dezember habe ich sie nicht mehr gesehen und ehrlich gesagt, war es mir zu teuer, jede Woche Drosophila hydei zu kaufen. Somit habe ich die Pflege eingestellt und das Gefäß in eine Ecke gestellt. Am 21.1.2019 habe ich zufällig geschaut und einen Kokon, ca. 15mm, entdeckt. Jede Woche habe ich wegen der Luftfeuchtigkeit unten ins Gefäß Wasser gespritzt. Heute habe ich den Kokon untersucht und mehrere Eier entdeckt. Bri der weiteren Sezierung ist mir aufgefallen, dass im Inneren der weißen Kügelchen sich harte gelbe Kugeln befinden. Ich denke, Parthenogenese kann man ausschließen und es ist auch unwahrscheinlich, dass die Spinne spontan unberfruchtete Eier gelegt hat. Jedenfalls habe ich so auf die Schnelle nichts darüber im Netz gefunden. Somit habe ich übersehen, dass ich ein adultes, befruchtetes Weibchen gefangen hatte. Warum ist die Entwicklung der Eier gestoppt? War doch die trockene Luft Ursache dafür?

Leider habe ich es versäumt, vorher ein Foto der Spinne zu machen. Es wäre miserabel geworden, aber besser als gar nichts.
Grüße Viktoria

Nach der Spinne ist vor der Spinne!

Viktoria Wegewitz

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #1 am: 2019-03-16 12:39:50 »
Ich lasse den Rest mal so, wie es ist. Vielleicht entwickelt sich noch etwas - oder habe ich alles zerstört?
Grüße Viktoria

Nach der Spinne ist vor der Spinne!

Simeon Indzhov

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #2 am: 2019-03-16 13:43:09 »
Der Kokon sieht verschimmelt aus. War das Gefäß ventiliert genug?
Simeon

Viktoria Wegewitz

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #3 am: 2019-03-16 13:57:54 »
Das hatte ich vergessen, zu erwähnen. Den Verdacht hatte ich zwischendurch auch, Simeon, als sich die Farbe von weiß nach gelblich änderte. Am oberen Rand hatte ich mit einer Nadel rundrum ins Plastik kleine Löcher gestochen.
Grüße Viktoria

Nach der Spinne ist vor der Spinne!

Simeon Indzhov

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #4 am: 2019-03-16 14:01:14 »
Ich denke, es ist nicht genug. Ich sehe viel Wasser am Boden. Wie lange hat es gedauert, bis dieses Wasser verdampfte?
Und was passierte mit der Spinne? Gestorben, gefallen und auch verschimmelt? Sind da Reste zu finden?

Wolfgang Schlegel

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #5 am: 2019-03-16 18:17:38 »
   Hallo Viktoria,

so ganz ausschließen kann man es nicht, dass die Spinne unbefruchtete Eier gelegt hat; auch über Parthenogenese bei Spinnen wird seit mehr als hundert Jahren immer wieder berichtet. Foelix führt dazu Gunnarsson und Andersson an, aber es gibt eine Menge weiterer Literatur.

Ich habe es mehrfach erlebt, dass ich Spinnenweibchen gehalten und ein passendes Männchen gesucht, aber nicht gefunden habe. Öfters haben die Weibchen dann Kokons gebaut. Manchmal war der Kokon leer, manchmal waren unbefruchtete Eier drin. Meistens sind die dann zu den von Dir beschriebenen harten gelben Objekten verschrumpelt. Offensichtliche Parthenogenese hatte ich nur einmal bei einem Cheiracanthium-mildei-Weibchen, das ich subadult gefangen hatte. Aus deren Gelege schlüpften immerhin zwei Jungspinnen, die von normalen mildei-Jungspinnen äußerlich nicht zu unterscheiden waren. Ich habe danach versucht, dasselbe Ergebnis mit anderen mildei-Weibchen noch einmal zu erreichen, was mir nicht gelang.

Deine Spinne hat wohl noch ihr möglichstes versucht, bevor sie den Löffel abgegeben hat. Ob die Umweltbedingungen ein Schlüpfen verhindert haben oder ob keines von den Eiern über eine lebensfähige haploide Genausstattung verfügte, wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen.

   Gruß aus Stuttgart

Nach stundenlangem Besinnen
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Viktoria Wegewitz

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #6 am: 2019-03-16 18:44:31 »
Eine übrig gebliebene Spinne kann ich nicht mehr identifizieren und ich weiß auch nicht genau, wie lange noch Flüssigkeit im Gefäß war, bis es vollständig verdampft war. Was ich weiß ist, dass wenn ich nochmal Spinnen in Pflege nehme, und ich wußte am Anfang nicht, dass es den ganzen Winter dauern würde, werde ich besser planen und parallel eine Fliegenzucht laufen lassen. Außerdem werde ich dann in den Aluminium-Deckel, ich denke die vorhandenen Gefäße eignen sich gut, ein Fenster schneiden und ein Fliegengitter oder ähnliches draufkleben.

Danke Simeon für deine Einschätzung und danke Wolfgang, da werde ich mich ein bisschen einlesen, das mit dem Fortpflanzen ohne Männer interessiert mich.
Grüße Viktoria

Nach der Spinne ist vor der Spinne!

Simeon Indzhov

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #7 am: 2019-03-16 19:11:29 »
Zum eigentlichen Thema könnte ich noch beitragen, dss ich bei einigen Spinnen in Gefangenschaft "Phantomkokons" ohne Befruchtung beobachtet habe (Oxyopes heterophthalmus, Philodromus margaritatus zB), die sind dann aber abgetrocknet und nichts hat sich entwickelt. Parthenogenese scheint bei den üblichen Spinnen schwierig stattzufinden. Lediglich Höhlen- und Bodenbewohner scheinen welche zu praktizieren (Coelotes troglocaecus, Vertreter der Symphytognathidae un Ochyroceratidae, die Männchen von Triaeris stenaspis und Pseudomaro aenigmaticus sind nie gefunden worden).

Viktoria Wegewitz

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #8 am: 2019-03-16 21:30:43 »
Hallo Wolfgang,

ich habe das von dir erwähnte Paper angefordert. Ist es möglich, hier nochmal zu fragen, wenn etwas unklar ist?

Grüße Viktoria

Nach der Spinne ist vor der Spinne!

Wolfgang Schlegel

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #9 am: 2019-03-16 22:42:26 »
    Hallo Viktoria,

klar ist das möglich - allerdings ist mir in diesem Zusammenhang auch jede Menge unklar, und ich bin da kaum auf dem neuesten Stand der Forschungen. Interessieren tut's mich aber auch, obwohl ich ein Mann bin. Anscheinend ist wenig über Spinnenarten bekannt, die Parthenogenese als nachdrücklich verfolgte Vermehrungsstrategie nutzen (gut untersucht ist Simeons Beispiel Triaeris stenaspis), aber es haben immer wieder Leute darüber berichtet, dass in Einzelfällen aus unbefruchteten Eiern Jungspinnen geschlüpft sind, wobei sehr wenig über deren weiteres Schicksal zu lesen ist (haploid? diploid? fertil? phänotypisch Männchen oder Weibchen?). Wenn ich mehr Zeit hätte und wenn das so einfach wäre, hätte ich mich schon mal praktisch mit der Darstellung von Chromosomensätzen bei Spinnen beschäftigt - die Präparation muss aber ziemlich anspruchsvoll sein. Wenn Parthenogenese funktioniert, kann sie für die Spinnenmutter eigentlich nur nützlich sein.
Nach stundenlangem Besinnen
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Tobias Bauer

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #10 am: 2019-03-17 11:12:09 »
Die Männchen von Pseudomaro aenigmaticus sind bekannt, aber Teil einer größeren Revision und deswegen noch nicht beschrieben worden.

https://arages.de/zeitschrift/arachnologische-mitteilungen/detail/Article/two-subterranean-dwelling-spiders-new-to-slovakia-araneae-linyphiidae.html

Simeon Indzhov

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Re: spontaner Kokon
« Antwort #11 am: 2019-03-17 11:57:20 »
@Tobias danke!