Autor Thema: Alopecosa pulverulenta?  (Gelesen 499 mal)

Martin Lemke

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Alopecosa pulverulenta?
« am: 2019-05-14 20:04:21 »
Auch die häufigen Arten können Probleme beim Bestimmen bereiten. Ich frage erstmal ohne Foto, da meine Fotoeinrichtung nach lager Bestimmungsabstinenz im Moment vollgeräumt und daher nicht einsatzfähig ist.

Ich habe ein ♂, das ich genital als A. pulverulenta nennen möchte, aber in paar Details lassen mich hadern.

a) Eine Lamelle neben der kleinen seitlich gerichteten Spitze, die ich erst für einen Fremdkörper hielt, welche aber fest sitzt. In Haralds Zeichnung rot angedeutet:
Alopecosa_pulverulenta_palp_und_HLovbrekke-Lamelle.jpg
*Alopecosa_pulverulenta_palp_und_HLovbrekke-Lamelle.jpg (100.45 KB . 499x782 - angeschaut 160 Mal)

b) Prosomafärbung
Das Tier hat nicht so einen breiten grauen Prosmastreifen, wie die Fotos im Wiki. Das Prosoma ist orangebraun dunkelbraun übertönt. In der Mitte befindet sich an haarloser oragebrauner Streifen.

Gibt es ähnliche Arten, die ich mir mal genauer ansehen sollte? Das Opisthosoma ist in schlechtem Zustand; man kann eine angedeutete Lanzettzeichnung ("Zeichnungsform 1" im Wiki – Alopecosa-Artikel) gerade noch erkennen.

Martin

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Simeon Indzhov

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #1 am: 2019-05-14 20:34:34 »
Ich habe bei je einem Männchen von pulverulenta, cuneata und trabalis nachgeschaut. Bei pulverulenta und trabalis ist die lamellose Konduktorspitze (der Konduktor befindet sich in kanonischer ventraler Position unterhalb vom Embolus und ist ein flacher, nur am rande stark sklerotisierter Sklerit) in ventraler Richtung gefaltet und man sieht es gaz gut von ventro-prolateral. Bei cuneata ist dies weniger prominent.
Simeon

Martin Lemke

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #2 am: 2019-05-14 20:52:55 »
Körperlänge 6,5 mm, Beine inhomogen übertönt, aber weder geringelt, noch gesprenkelt. Biotop: Trockenes Weideland in Elbnähe, Hamburg (Naturschutzgebiet Borghorster Elblandschaft – natürlich mit Genehmigung).

Notfalls steuere ich im Laufe der Woche noch Fotos bei.

Martin
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Wolfgang Schlegel

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #3 am: 2019-05-15 22:51:49 »
   Hallo zusammen,

ich glaube, man tut gut daran, da nicht nur die genitalen Merkmale zu berücksichtigen. Bei cuneata-Männchen werden die verdickten vorderen Tibien von keinem Autor angezweifelt, und für trabalis wäre das Tier sehr klein geraten. Habitusmäßig wird pulverulenta eine sehr große Variabilität bescheinigt. Und nach meinen immer noch nicht abgeschlossenen Literaturrecherchen habe ich aktuell den Eindruck: wenn man ein Tier aus der pulverulenta-Gruppe (mit Ausnahme von cuneata-Männchen und riesengroßen trabalis) als was auch immer bestimmt hat, besteht immer noch eine von Null verschiedene Restwahrscheinlichkeit, dass es sich doch um aculeata handelt. Ich möchte aber keinen Defätismus verbreiten; wenn jemand das völlig anders sieht, entschuldige ich mich hiermit und berufe mich auf meinen Status als Lernender.

   Gruß aus Stuttgart
Nach stundenlangem Besinnen
Ähneln sich alle Spinnen.

Rainer Breitling

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #4 am: 2019-05-16 08:55:47 »
Bei cuneata-Männchen werden die verdickten vorderen Tibien von keinem Autor angezweifelt, ... Habitusmäßig wird pulverulenta eine sehr große Variabilität bescheinigt. ... Und nach meinen immer noch nicht abgeschlossenen Literaturrecherchen habe ich aktuell den Eindruck: wenn man ein Tier aus der pulverulenta-Gruppe ... als was auch immer bestimmt hat, besteht immer noch eine von Null verschiedene Restwahrscheinlichkeit, dass es sich doch um aculeata handelt.
Ich sehe das auch so: die Gruppe ist schwierig. Nach den Barcodes fallen sie in zwei Gruppen (BOLD:AAB0819 und BOLD:AAE5793), die voneinander nur um 2.73% getrennt sind. Der erste Cluster enthält Alopecosa aculeata [514 Examplare], Alopecosa taeniata [35], Alopecosa pinetorum [8] (!), Alopecosa pulverulenta [2]. Der zweite Alopecosa pulverulenta [65 Exemplare], Alopecosa cuneata [38], Alopecosa trabalis [11], Alopecosa taeniata [2]. Die mit wenigen Exemplaren vertretenen Arten kann man vielleicht mit Fehlidentifizierungen erklären, bei den anderen geht das nicht so einfach. Innerhalb der Cluster sind A. pulverulenta und A. cuneata völlig bunt gemischt, und auch A. taeniata und A. aculeata scheinen kaum zu trennen.

Dafür gibt es viele mögliche Erklärungen, aber sie alle erfordern wohl, dass sich die Arten ohne Fitnessprobleme miteinander kreuzen können und das zumindest im Fall von pulverulenta/cuneata auch regelmässig tun. Jetzt habe ich die Frage: wie wurde denn gezeigt, dass es sich wirklich um zwei Arten handelt, und nicht um eine einzige Art mit einem auffallenden Polymorphismus der Männchen und evtl. damit korrelierenden kleineren Unterschieden in Habitus und Genitalien? Hat jemand dazu Literatur gesehen? Kreuzungsexperimente vielleicht? Oder Aufzuchtversuche, die zeigen, dass auch in gemischten Populationen aus den Kokons der Weibchen immer nur Nachwuchs der mütterlichen Form erhalten wird? Oder gibt es andere Argumente, die für eine echte Artgrenze sprechen?

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #5 am: 2019-05-16 09:23:57 »
Das Problem ist, dass viele Leute auch einfach nicht Alopecosa bestimmen können, aber es meinen zu können oder es gerne wollen. Man sieht das ein wenig daran, wie in diesem Fall an die Bestimmung rangegangen wurde. Dazu gehört eine ordentliche Portion Literaturrecherche (eigentlich alle Kronestedt-Arbeiten über die Gattung) und Präparationsfähigkeiten, z.B. muss man bei Männchen von A. aculeata/taeniata den Embolus sauber rausoperieren können. Dazu Vergleichsmaterial aus einer Sammlung.

Alopecosa taeniata/aculeata lassen sich z.B. ohne Probleme anhand der Merkmale in Kronestedt (1990) identifizieren. Alopecosa trabalis fehlzubestimmen, naja, das ist eigentlich schwieriger. Alopecosa cuneata/pulverulenta ist in der Tat das schwierigste Paar.

Es bestehen große Unterschiede in der Balz bei pulverulenta/cuneata. Pulverulenta-Männchen klopfen z.B. regelmäßig mit dem Abdomen auf den Boden (als einzige Art der Gruppe!), während cuneata-Männchen das nicht tun. Bei cuneata muss das Weibchen zudem erst eines der verdickten Beinglieder greifen, damit das Männchen zur Paarung "zugelassen" wird. Zudem zeigen sich Unterschiede in der Länge verschiedener Beinsegmente. Alles in Kronestedt (1990). Für mich sind das sehr deutlich differenzierte Merkmale, und man darf nicht vergessen, dass die verdickten Tibien bei cuneata wahrscheinlich eine chemische Substanz abgeben, die das Weibchen zur Paarung stimuliert. Ich finde in diesem Fall den Barcode überinterpretiert, vor allem unter dem Aspekt, dass aktuell gezeigt wurde, dass es sich bei den Lycosidae in der Tat wie früher schon vermutet um eine evolutionär sehr junge Familie handelt (Piacentini & Ramirez 2019). Der Umkehrschluss aus der Idee, dass es sich bei diesen zwei Arten trotzdem um eine handelt, wäre, die Aussagekraft von unterschiedlichen, klar ritualisierten Verhaltensweisen zur Artabgrenzung allgemein zu verneinen.
man weiß ja in etwa, dass sehr nahe verwandte Arten über den Barcode in einigen Fällen kaum zu trennen sind, z.B. auch Walckenaria antica/alticeps, und hier bestehen ja sehr deutliche und klare Unterschiede in den Genitalien.
Tobias

Rainer Breitling

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #6 am: 2019-05-16 10:56:06 »
...man darf nicht vergessen, dass die verdickten Tibien bei cuneata wahrscheinlich eine chemische Substanz abgeben, die das Weibchen zur Paarung stimuliert. [...]
Ich finde in diesem Fall den Barcode überinterpretiert, vor allem unter dem Aspekt, dass aktuell gezeigt wurde, dass es sich bei den Lycosidae in der Tat wie früher schon vermutet um eine evolutionär sehr junge Familie handelt (Piacentini & Ramirez 2019). Der Umkehrschluss aus der Idee, dass es sich bei diesen zwei Arten trotzdem um eine handelt, wäre, die Aussagekraft von unterschiedlichen, klar ritualisierten Verhaltensweisen zur Artabgrenzung allgemein zu verneinen.
Ich finde das nicht so einfach. Die geschwollenen Tibien, mit dem assoziierten Poren- und Drüsenapparat und dem korrelierten Paarungsverhalten in beiden Geschlechtern, sind ja ein sehr komplexes Merkmal, für das zahlreiche Gene zusammenarbeiten müssen. So etwas evolviert nicht einfach mal auf die Schnelle; Männchen und Weibchen müssen sich ja auch abstimmen. Selbst wenn, wie von Fisher gefordert, solche Merkmalskomplexe als genetisch gekoppeltes Supergene vererbt werden, so dass der Prozess nicht durch ständige Rekombination verlangsamt wird, ist für die Entstehung und Selektion in grossen Populationen eine gewisse Zeit nötig. Ganz sicher mehr als für das Divergieren der mitochondrial vererbten Barcodes, die ja nicht rekombinieren, so dass Mutationen viel leichter akkumulieren. Ich habe das Gefühl, dass hier gerade die Komplexität der Unterschiede gegen eine harte Artgrenze spricht. Das klingt paradox, aber wie würdest Du sonst erklären, dass die Barcodes so bunt gemischt sind? Mich erinnert der Fall halt an Maevia inclemens, und ich sehe in den Kronestedt-Arbeiten noch keinen klaren Beweis, der dieses Szenario ausschliessen würde (gleiche Häufigkeit der Formen ist ja keine prinzipielle Bedingung). Aber vielleicht übersehe ich da ja etwas? Wie würdest Du die Barcodes denn interpretieren, ohne regelmässige Hybridisierung ohne Fitnessnachteile anzunehmen? Fehlbestimmung ist da ja auch auszuschliessen; dafür haben Astrin und Kollegen schon gesorgt.

Zitat
...man weiß ja in etwa, dass sehr nahe verwandte Arten über den Barcode in einigen Fällen kaum zu trennen sind, z.B. auch Walckenaria antica/alticeps, und hier bestehen ja sehr deutliche und klare Unterschiede in den Genitalien.
Na, das ist aber eine leichte Übertreibung, oder? Die beiden wurden doch jahrelang selbst von sehr erfahrenen Arachnologen für zumindest im männlichen Geschlecht ununterscheidbar gehalten.

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #7 am: 2019-05-16 11:45:25 »
Du lockst mich jetzt natürlich in dein Fachgebiet, von dem ich weniger/keine Ahnung habe. Ich muss das jetzt erst mal rekapitulieren. Du sagst, die Komplexität des Merkmals (Tibia) wäre zu groß, um gemischte Barcodes zu rechtfertigen, und wenn das zwei "gute" Arten mit diesen Merkmalen wären, wären auch die Barcodes eindeutig, weil das Merkmal an sich längere Zeit bräuchte zu evolvieren als es zwei Barcodes tun = die Barcodes sollten bei zwei Arten mit solchen Merkmalen auch eindeutig sein.

Eventuell wäre ab und zu stattfindende "unidirectional hybridization" eine Erklärung. Wenn eine der Arten selten ist (und sie kommen ja öfters zusammen vor), akzeptieren Weibchen in Einzelfällen aggressiv werbende Männchen der anderen Art als Partner. Daraus entstehende Fitnessteile einzelner Individuen (eventuell komplette Ausfälle der Männchen?) der Nachkommenschaften werden durch die allgemein hohe Fitness der Wolfspinnenpopulationen wieder wettgemacht. Die Familie gehört aktuell ja zu den erfolgreichsten Spinnenfamilien, und zahlentechnisch dürften einzelne Hybridisierungsereignisse kaum evolutionäre Nachteile auf die Gesamtpopulation haben, trotzdem könnte das zur Mischung der Barcodes führen. Aber wie gesagt, ich bin da nicht drin.

Ich habe ab nächster Woche für 6 Wochen eine Praktikantin. Wir werden mal beide Arten suchen und versuchen zu züchten, bzw. ich übergebe ihr das als Aufgabe in der Zeit, dann hat sie eine Aufgabe.

Tobias

Rainer Breitling

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #8 am: 2019-05-16 13:51:53 »
Du lockst mich jetzt natürlich in dein Fachgebiet,...
;D Ein Experte bin ich auf dem Gebiet auch noch nicht, aber das "Barcode-Rätsel" interessiert mich jetzt natürlich schon eine Weile.

Zitat
Ich muss das jetzt erst mal rekapitulieren. Du sagst, die Komplexität des Merkmals (Tibia) wäre zu groß, um gemischte Barcodes zu rechtfertigen, und wenn das zwei "gute" Arten mit diesen Merkmalen wären, wären auch die Barcodes eindeutig, weil das Merkmal an sich längere Zeit bräuchte zu evolvieren als es zwei Barcodes tun = die Barcodes sollten bei zwei Arten mit solchen Merkmalen auch eindeutig sein.
Genau. Tibia + Poren + Drüsen + männliches Paarungsverhalten + weibliches Paarungsverhalten, und das alles aufeinander abgestimmt. Da muss eine ganze Reihe von Genen gemeinsam mutiert und selektiert werden, wahrscheinlich in mehreren Schritten. Währenddessen driften die Barcodes unweigerlich auseinander.

Zitat
Eventuell wäre ab und zu stattfindende "unidirectional hybridization" eine Erklärung. Wenn eine der Arten selten ist (und sie kommen ja öfters zusammen vor), akzeptieren Weibchen in Einzelfällen aggressiv werbende Männchen der anderen Art als Partner. Daraus entstehende Fitness[nach]teile einzelner Individuen (eventuell komplette Ausfälle der Männchen?) der Nachkommenschaften werden durch die allgemein hohe Fitness der Wolfspinnenpopulationen wieder wettgemacht. Die Familie gehört aktuell ja zu den erfolgreichsten Spinnenfamilien, und zahlentechnisch dürften einzelne Hybridisierungsereignisse kaum evolutionäre Nachteile auf die Gesamtpopulation haben, trotzdem könnte das zur Mischung der Barcodes führen. Aber wie gesagt, ich bin da nicht drin.
Ich kann mir das nicht so recht vorstellen: nehmen wir an, ein gemischtes Pärchen der beiden Arten hybridisiert und der Nachwuchs hat keinen Fitnessnachteil, dann haben die beiden im Durchschnitt genau zwei überlebende Nachkommen, die sich selber fortpflanzen. Davon ist im Durchschnitt nur eines ein Weibchen (Fussnote: Wolbachia ist in diesem Zusammenhang relevant), das den Barcode an die Folgegeneration weitergeben kann. Dieses Weibchen hätte den Barcode ihrer Mutter, würde sich aber mit einem Männchen der väterlichen Art paaren müssen, ebenso wie ihre Töchter. In jeder folgenden Generation gäbe es wieder im Durchschnitt bloss eine einzige Tochter mit dem passenden Barcode. Durch rein stochastische Prozesse würden sich solche "Introgressionen" also schnell totlaufen und nicht durch die neue Art verbreiten. Wenn zusätzlich ein Fitness-Nachteil besteht, die Hybride also seltener zur Fortpflanzung kommen als "reinerbige" Exemplare, ist es noch unwahrscheinlicher, dass sie ihren Barcode weitergeben können. Man muss also entweder annehmen, dass solche Kreuzungen erstaunlich oft vorkommen, oder dass die Hybride einen Fortpflanzungsvorteil haben. Letzteres kann passieren, wenn die eine Art eine Wolbachia-Infektion hat, die sich durch die andere, vorher uninfizierte Art ausbreitet, und dabei den Barcode "mitnimmt". Es gibt Hinweise, dass zumindest Alopecosa pulverulenta oft entsprechend infiziert ist. Aber auch dann ist so ein Mechanismus nur plausibel, wenn sich die entstehenden Hybridweibchen problemlos mit der Vaterart fortpflanzen, also nicht steril sind oder durch abweichende Präferenzen im Sexualverhalten gestört. Ist das denkbar? Und sowas scheint auch immer nur einmal pro Infektion möglich, denn wenn beide Arten erstmal vollständig infiziert sind, dann gibt es ja keinen Vorteil mehr für infizierte Weibchen. Aber wie gesagt, ein Experte bin ich da nicht, und vielleicht gibt es ja noch andere Szenarien, die das Muster erklären können.

Zitat
Ich habe ab nächster Woche für 6 Wochen eine Praktikantin. Wir werden mal beide Arten suchen und versuchen zu züchten, bzw. ich übergebe ihr das als Aufgabe in der Zeit, dann hat sie eine Aufgabe.
;) Super. Ich bin gespannt auf die Resultate. Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass die Paarung wahllos quer durch die Arten ablaufen wird; meine Vorsage wäre vielmehr, dass keine postzygotischen Hybridisierungsschranken bestehen. Wenn man also eine interspezifische Paarung hinbekommt (z.B. indem man das Weibchen vorher mit CO2 betäubt), sollten die Zahl und Gesundheit der Nachkommen genauso gut sein, wie bei einem intraspezifischen Kontrollversuch. Die zweite Vorhersage wäre, dass Morphologie und Verhalten gekoppelt vererbt werden, und dass beide einen dominant-rezessiven Erbgang haben, also keine Zwischenformen auftreten, die ja ganz sicher bei der weiteren Fortpflanzung benachteiligt wären.

Beste Grüsse,
Rainer

Tobias Bauer

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #9 am: 2019-05-16 13:55:17 »
Das einzige Problem wird eventuell, die Weibchen vorher korrekt zu bestimmen. Ich hoffe mein arachnologisches Auge lässt mich da nicht im Stich.

Tobias

Rainer Breitling

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #10 am: 2019-05-16 16:32:46 »
Das einzige Problem wird eventuell, die Weibchen vorher korrekt zu bestimmen. Ich hoffe mein arachnologisches Auge lässt mich da nicht im Stich.
Wenn die Probe gross genug ist, dann geht's doch auch ganz elegant als Blindstudie... :)
Rainer

Jürgen Guttenberger

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #11 am: 2019-05-16 17:24:18 »
Das einzige Problem wird eventuell, die Weibchen vorher korrekt zu bestimmen. Ich hoffe mein arachnologisches Auge lässt mich da nicht im Stich.

Tobias

Entschuldige Martin, aber die passt jetzt wunderbar hier rein.
Hab die Dame heute als Testobjekt für unterschiedliche Fotoobjektive benutzt und eben anhand der Vulva bestimmt.
@Tobias, was denkst du.....



Gruß Jürgen

Tobias Bauer

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #12 am: 2019-05-17 14:20:40 »
höhö, da kann ich ja nur verlieren. Für mich sieht das aufgrund der Prosomazwischenbehaarung und des verbreiterten Spießflecks nach A. pulverulenta aus.

Tobias

Martin Lemke

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #13 am: 2019-05-17 18:43:58 »
Entschuldige Martin, aber die passt jetzt wunderbar hier rein.

Macht nichts. Die Fachsimpeleien unser beider Experten überfordern mich und bringe mich in meiner Frage keinen wesentlichen Schritt weiter. Ich muss zusehen, dass ich mein Fotoequipment in Gang bekomme. Vorher kann ich nichts konstruktives zur Aufklärung beisteuern.

@Tobias: Ich bin froh, dass ich es inzwischen beherrsche, Vulven zu präparieren (gestern Porrhomma microphthalmum), mit welcher Art Werkzeug man einen Embolus präparieren kann, ist mir ein Rätsel. Geht das, ohne den Palpus zu zerstören? Zur Präparation der Vulven meist eher kleinen Arten (z.B. Porrhomma) benutze ich eine sehr feine Kanüle. Was nimmt man für einen Embolus?

Martin
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Sylvia Voss

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #14 am: 2019-05-17 19:16:17 »
Danke Tobias für die Schilderung zur Balz. Habe heute gerade wieder mehrere Paare hier beobachtet und die Männchen (die für mich ohne die Verdickungen prima vista Alopecosa cf pulverulenta waren, auch nach den Fotos) haben ausnahmslos das Klopfen mit dem Opisthosoma auf dem "Boden" (große Felsbrocken) gezeigt. Das nur diese Art bei dieser Artengruppe das so macht ist interessant. Hatte hier schon mal überlegt, das Balzen als Video mit mobile aufzunehmen... aber mobile ist eben nicht so einfach mit dem Ranzoomen ohne Verwackeln...
Ich lern hier einfach mal weiter mit... interessante Diskussion...
LG
Sylvia

Jürgen Guttenberger

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #15 am: 2019-05-18 08:33:56 »
@Tobias: Ich bin froh, dass ich es inzwischen beherrsche, Vulven zu präparieren
Ich auch, aber manchmal klappte es einfach nicht so wie es soll. Bei dieser doch recht großen Alopecosa sind mir beide Einführungsgänge abgerissen, lag wohl an meiner Konzentration. Denke aber, die Art kann man trotzdem noch festmachen.
höhö, da kann ich ja nur verlieren. Für mich sieht das aufgrund der Prosomazwischenbehaarung und des verbreiterten Spießflecks nach A. pulverulenta aus.

Tobias

Ich war mir habituil zuerst auch recht sicher, schau mal du bitte noch drauf.

Epigyne
Epigyne frei
Vulva frei

wie oben schon geschrieben sind mir die Einführungsgänge abgerissen :'(

Gruß Jürgen

Tobias Bauer

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #16 am: 2019-05-19 23:08:05 »
Rechts sieht man ja noch, wo die Spermatheken entspringen, das spricht für pulverulenta. Die reißen leicht ab, großflächig ausstechen und Gewebereste nur mit einer sehr spitzen Nadel entfernen. Sobald die Spermatheken sich anfangen zu bewegen, würde ich eher versuchen, das Gewebe durch die weitere Behandlung unsichtbar zu machen, als es zu entfernen. Die Chance ist immens hoch, dass die Spermatheken sonst abreißen.

Tobias

Martin Lemke

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #17 am: 2019-05-21 16:07:24 »
Nun habe ich endlich ein Habitus-Foto meines Tieres (beim Stacken des Palpus stürzt HF aus unerfindlichen Gründen immer ab):

Alopecosa_cf_pulverlulenta.jpg
*Alopecosa_cf_pulverlulenta.jpg (100.93 KB . 800x526 - angeschaut 51 Mal)

Martin
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Jürgen Guttenberger

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #18 am: 2019-05-22 09:37:35 »
Nun habe ich endlich ein Habitus-Foto meines Tieres (beim Stacken des Palpus stürzt HF aus unerfindlichen Gründen immer ab):

Das Problem hab ich auch seit der 7.5.1 Version, mit dem neuen Update zui7.5.4 ist es wieder gut. Ich dachte, meine Speicherkapazität auf dem Rechner wäre zu gering, hab meine ganzen Fotos deswegen auf eine externe Festplatte abgelegt, dauerte 6 Stunden :o, brachte aber keine Besserung.
Jetzt funktioniert es wieder.

Hast du eine ältere Version noch auf dem Rechner? Probiers mal aus....

Gruß Jürgen

Martin Lemke

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #19 am: 2019-05-22 11:47:05 »
Hier noch ein Foto des Palpus. Die angesprochene Membran ist darauf leider nicht zu sehen.

Alopecosa_cf_pulverulenta-LP.jpg
*Alopecosa_cf_pulverulenta-LP.jpg (84.94 KB . 533x800 - angeschaut 33 Mal)

@Jürgen: Zuhause konnte ich das problemlos stacken; das Problem besteht auf einem anderen Rechner mit anderer Grafikkarte. An Mangel an Arbeitsspeicher kann es nicht liegen.  Hier habe ich 64 GB RAM und auf dem Problemrechner 32 GB.

Daheim:
Rechner-HL.png
*Rechner-HL.png (3.52 KB . 427x71 - angeschaut 33 Mal)

Martin


BTW: Seht Ihr das Habitusfoto auch so krebsrot? Wenn ja, muss ich unbedingt meinen Bildschirm des Zweitrechners kalibrieren.
DAS waren noch Zeiten: Nowegen 2011.

Martin Lemke

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Re: Alopecosa pulverulenta?
« Antwort #20 am: 2019-05-22 12:10:37 »
Verwirrend ist eigentlich nur das unbehaarte Prosoma. Gibt es Einwände gegen die Diagnose als A. pulverulenta?

Martin
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