Autor Thema: Hypsosinga pygmaea nigriceps  (Gelesen 132 mal)

Simeon Indzhov

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Hypsosinga pygmaea nigriceps
« am: 2019-05-19 22:47:01 »
Am 21.04.2019, im Südpark, Sofia, Bulgarien, fand ich an einem der Teiche, in Ufervegetation, ein kleines Hypsosinga-Weibchen (ca. 3 mm KL, grob mit Lineal gemessen). Das Exemplar hat die Epigyne von H. pygmaea, allerdings ein etwas anderes Habitus - ungefähr wie dem von H. heri, insbesondere wegen des schwarzen Kopfes. Ich habe mir die Beschreibung von H. p. nigriceps angeschaut; die von Kulczyński beschriebenen Unterschiede in Färbung von der Nominatform (die ich nur auf Fotos kenne) kann ich bis auf die breite weiße Medianlinie nachvollziehen (bei meinem Exemplar ist sie nicht so ausgesprochen weißlich und auch schmäler als die einiger typischer Exemplare auf Fotos; ich vermute allerdings, dass dieses Merkmal Guaninablagerungabhängig und somit variabel ist, ähnlich wie bei anderen Araneidae). Auch scheint der Autor die dunklen Zeichnungen apikal an den Beinsegmenten überinterpretiert zu haben; ich sehe lediglich einen leichten "Schatten". Hauptsache aber, Cephalothoraxfärbung ist wie beschrieben.

Heute konnte ich an einem benachbarten Teich bei ähnlichen Fundumständen eine weitere weibliche Hypsosinga einfangen; ich dachte, es sei dieselbe Form, aber siehe da! ; zu Hause stellte ich fest, dass es H. heri ist! Dieses Exemplar ist sichtbar größer und rötlicher, hat entsprechend eine andere Epigyne, und unterscheidet sich in einigen anderen Details: helles Sternum, heller Bereich vor der Epigastralfurche, rötlichere Farbe, deutlichere Verdunkelung an den Cheliceren, fehlende ventrale Stacheln an Tibia IV (Chaetotaxie habe ich nicht genauer angeschaut). Der Kopf ist allerdings derselbe. H. heri befindet sich auf Vergleichsbildern stets links.

Die Identität von nigriceps wartet immernoch ab, da ich noch kein Männchen habe. Ich kann aber golgendes vermuten:
Die Form ist entweder eine eigenständige Art, oder eine geographische Form (sie wurde aus der Türlei beschrieben). Ich kann natürlich ausschließen, dass es sich um subadulte Exemplare von H. heri handelt - trotz der schwächeren Sklerotisation der Epigyne von nigriceps hat diese gut entwickelte Atria und ist größer als die von H. heri, desweiterem ist diese Epigyne ja von H. pygmaea gut bekannt. Eine Größenvariabilität-verwandte Epigynenvariabilität würde ich auch ausschließen - die Beinbestachelung und weitere Zeichnungelemente, die ich für stabil halten würde, sprächen - wie auch beim obigen Fall - eher dagegen. Eine Hybridisation kann ich natürlich nicht eindeutig ausschließen - beim kurzen Bildervergleich scheinen die Männchen von pygmaea und heri unterschiedlich zu sein, aber ich weiß nicht, inwiefern solche Unterschiede bei den funktionalen Komponenten eine Paarung rein mechanisch hindern würden; ich kenne die Morphologie der Gruppe noch schlechter als die anderer Araneidae.

PS eine Vulva zeige ich, sobald ich mindestens ein weiteres Weibchen habe

Simeon