Autor Thema: Gibbaranea bituberculata? <=  (Gelesen 305 mal)

Viktoria Wegewitz

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Gibbaranea bituberculata? <=
« am: 2019-06-08 21:39:10 »
Hallo,

28.5.2019, 6,8mm, Streifkescher in niedriger Vegetation, Südharz in Sachsen-Anhalt.

MMn sitzen die hinteren Medianaugen auf keinem deutlichen Augenhügel. Auch der Fundort spricht gegen G. omoeda.

« Letzte Änderung: 2019-07-05 17:02:23 von Viktoria Wegewitz »
Grüße Viktoria

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Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata?
« Antwort #1 am: 2019-06-09 00:14:19 »
Nachtrag: Noch mehr kann ich das Exemplar nicht kippen, um eine günstige Position der Epigyne hinzukriegen. Ich müsste sie zerstören. Vielleicht weil die KL so klein ist.

Noch ein Binobild:

Irgendwas stimmt da nicht.
Grüße Viktoria

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Simeon Indzhov

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Re: Gibbaranea bituberculata?
« Antwort #2 am: 2019-06-09 00:42:40 »
Hm, warum stimmt das nicht? Bei omoeda sollen die lateralen Teile (nach H. Løvbrekkes Zeichnung) näher aneinander sein, und die hat ja einen anderen Augenregion. Hast Du zusätzlich auch ein Ventralbild der Epigyne?
Simeon

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata?
« Antwort #3 am: 2019-06-09 01:10:38 »
Mmh, ich meinte nur, ich kriege es nicht hin, ein ordentliches Ventralbild der Epigyne zu machen. Meine Vermutung war nur die, dass dieses Exemplar besonders klein ist und vielleicht deshalb alles etwas verschoben ist.

Danke, Simeon, soll ich das Prosoma abtrennen, um einen mehr anterioren Winkel hinzukriegen, oder ist die Bestimmung 100% sicher?
Grüße Viktoria

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Simeon Indzhov

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Re: Gibbaranea bituberculata?
« Antwort #4 am: 2019-06-09 01:15:39 »
Kannst Du die Spinne an der Petriwand stützen? Oder Watte/ein stück Wet Wipe am Gefäßboden setzen, so dass das Objekt fixiert wird? Die einzelnen störenden Fäden, wenn vorhanden, können entfermt werden

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata?
« Antwort #5 am: 2019-06-09 10:25:05 »
Und so?

Soll ich versuchen, die Endogyne zu präparieren?
Grüße Viktoria

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Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #6 am: 2019-07-04 22:00:55 »
Hallo,

als Information für alle, die es interessiert. Ich hatte am Tag des Fanges die Spinne in 70%igen, vergällten EtOH überführt. Darin lag sie bis zum 11. Juni. Danach transferierte ich das Exemplar in 70%igen, reinen EtOH, etwas Höherprozentiges hatte ich nicht zur Hand. Ich schickte die Probe - da ich das Ganze ausprobieren wollte und aus Neugier - zu Advanced Identification Methods AIM fürs Barcoding. Nach drei mißglückten Versuchen wurde aus Kulanz eine erneute Lysis durchgeführt - genug Material war ja vorhanden - wobei nach der Amplifikation nur ein schwaches PCR-Produkt entstand. Jedenfalls konnte keine brauchbare Sequenzierung durchgeführt werden. Da ich vorher einen Vertrag unterschreiben musste, zahle ich jetzt 120 Euro und habe kein Ergebnis. Ich kann allen, die vielleicht auf die Idee kommen, Barcoding durchzuführen, nur nahelegen, Spinnen von Anfang an in reinen EtOH aufzubewahren. Mein Ethanol wurde mit MEK (Methylethylketon) und Bitrex (Denatoniumbenzoat) vollvergällt. Ob diese Zusätze so mit DNA interagieren, dass keine PCR funktioniert, kann ich nicht sagen.
Grüße Viktoria

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Ulrich Kursawe

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #7 am: 2019-07-04 22:14:29 »
Hallo Viktoria,

dieses Phänomen scheint schon länger bekannt zu sein, ich bin vor einiger Zeit durch eine Rundmail der ESA darauf aufmerksam geworden: https://forum.arages.de/index.php?topic=25382.msg151259#msg151259.  Schade, dass Du das jetzt auf die "harte Tour" bestätigt hast.

Viele Grüße, Uli

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #8 am: 2019-07-04 22:17:43 »
Hallo Uli,

danke für dein Mitgefühl! Mir war das Risiko bewusst, ich dachte, dass der Zeitraum der "Inkubation" eine Rolle spielt - anscheinend nicht.
Grüße Viktoria

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Simeon Indzhov

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #9 am: 2019-07-04 23:41:47 »
Mist! Es ist wirklich teuer! Übrigens; das Tier wird wohl morphologisch bestimmbar sein, ich muss nur das Posterior  der Epigynen meiner bituberculata und omoeda anschauen; die sind unterdchiedlich, ich habe nur vergessen, welche wie aussieht

Wolfgang Schlegel

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #10 am: 2019-07-05 03:33:48 »
   Hallo Viktoria,

Mitgefühl auch meinerseits angesichts solchen Einsatzes.

Es wird zwar bei diversen Gelegenheiten vor vergälltem Alkohol zu Barcoding-Zwecken gewarnt, aber normalerweise ohne spezifische Erwähnung von Wirkmechanismen einzelner Vergällungsmittel (falls es dazu doch Arbeiten gibt, wäre ich für Links dankbar). Allgemein würde ich fulminante Reaktionen mit DNA nicht erwarten, sonst müssten die Vergällungsmittel hochgiftig sein. Spezielle Reaktionsmechanismen mit denaturierter DNA wären vorstellbar, oder irgendein Einfluss auf die PCR.

Bedeutsam war aber wohl eher die geringe Konzentration des Alkohols. 70% Alkohol bedeuten 30% Wasser, das Gewebswasser der Spinne kommt dann noch dazu. Auch Spinnen dürften über ein breites Spektrum verschiedener Nucleasen verfügen, die bei einem toten Tier noch gut funktionieren, solange sie nicht (beispielweise durch Wasserentzug) denaturiert werden. Im lebenden Organismus sind sie sauber getrennt von der DNA, nach dem Tod bricht diese Ordnung zusammen, und die Nucleasen fangen an zu mampfen, bei Zimmertemperatur erheblich schneller als im Kühlschrank. Dass man nach wenigen Wochen schon gar nichts mehr zu analysieren findet, hätte ich trotzdem nicht erwartet.

Für Arachnologen wäre es wohl eine sinnvolle Vorgehensweise, die Genitalien beizeiten vom Rest der Spinne zu trennen, wenn man sie auf übliche Weise präparieren will, und für DNA-Sequenzierungen die Restspinne in möglichst hochprozentigen Alkohol einzulegen - wenn der ohne Vergällungsmittel ist, kann das sicher nicht schaden.

   Gruß aus Stuttgart
Nach stundenlangem Besinnen
Ähneln sich alle Spinnen.

Tobias Bauer

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #11 am: 2019-07-05 10:00:18 »
Wir nehmen 80%  verg. Alkohol, und wir hatten selten Probleme beim frischen Material laut Chef. Daher kann das gut sein, dass es am Wasser liegt.


Tobias

Rainer Breitling

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #12 am: 2019-07-05 11:12:33 »
Hallo Viktoria,
Schade, dass es beim ersten Versuch nicht gleich geklappt hat. Vielleicht hattest Du einfach Pech. Eine interessante Erfahrung war es sicher trotzdem. In welcher Form schickt man das Material denn ein? Das ganze Tier? Oder nur ein paar Beine? Und gibt es Mengenrabatt, wenn man mehrere Exemplare untersuchen möchte?
Beste Grüße,
Rainer

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #13 am: 2019-07-05 11:46:46 »
Hallo Rainer,

anbei die mir zugeschickte Anleitung zur Probenvorbereitung. Ob es einen Mengenrabatt gibt, kann ich dir nicht sagen.
Grüße Viktoria

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Rainer Breitling

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #14 am: 2019-07-05 12:52:44 »
Vielen Dank!
Rainer

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #15 am: 2019-07-05 16:25:48 »
Hallo,

gerade habe ich die Rechnung von AIM erhalten. Ich bekomme 50% Rabatt. ;D Die eingesparte Differenz werde ich in eine 1 l Flasche 99,6% igen Ethanol von Carl Roth investieren, unabhängig ob ich den Barcoding-Service sobald nochmal in Anspruch nehme. Mal sehen, wie weit ich damit komme.

@Simeon: Das wäre toll, wenn du dein Referenzmaterial verwenden könntest, um die Art oldschool zu bestimmen.
Grüße Viktoria

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Simeon Indzhov

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #16 am: 2019-07-05 16:30:06 »
Ich habe faulerweise in den Almquist nachgeschaut und es ist G.bituberculata ohne Zweifel. G.omoeda hat dorsad konvergierende Seiten des Epigynen-Posteriors

Viktoria Wegewitz

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Re: Gibbaranea bituberculata? => Gibbaranea cf. bituberculata
« Antwort #17 am: 2019-07-05 16:33:01 »
Danke Simeon und danke auch Tobias und Wolfgang!
Grüße Viktoria

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