Autor Thema: Parasteatoda tepidariorum Paarungsstrategien  (Gelesen 162 mal)

Hans-Juergen Thorns

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Parasteatoda tepidariorum Paarungsstrategien
« am: 2019-07-31 13:54:58 »
Hallo,
vor gut einer Woche habe ich an einer Hauswand nahe beieinander sitzend ein adultes Männchen und subadultes Weibchen von P. tepiadariorum gefunden. Ich hab sie zusammen in einem Miniterrarium 8 x 8 x 8 cm untergebracht. Am nächsten Morgen war das Weibchen frisch gehäutet. Es wurde vom Männchen begattet, eine Strategie, die ja wohl bei Spinnen häufiger vorkommt. Ich hab das Männchen zunächst nicht entnommen. Es war dann am nächsten Morgen aufgefressen.
Am Samstag hab ich ein weiteres Männchen gefunden und zum Weibchen gesetzt. Dieses hatte inzwischern ein Gespinst angelegt. Sofort nach Einsetzen des Männchens machte das Weibchen im Gespinst zuckend-schlagende Beinbewegungen. Daraufhin lief das Männchen auf das Weibchen zu, sprang aber nach Erstkontakt mit einem Riesensatz zurück. Kurz danach kam es erneut zum Weibchen und wurde aufgefressen.
Am Montag gabs einen dritten Versuch mit einem weiteren Männchen. Das Weibchen begann sofort wieder mit dem Beine zucken. Das Männchen kam kurz dazu, wich dann aber schnell zurück, legte in einer noch nicht zugesponnenden Ecke des Terrariums ein eigenes Gespinst an und begann zu balzen: kurze Aufschläge des Hinterleibes, dazwischen heftiges Körperzittern mit Beinstrampeln. Das Weibchen kam dazu, drehte seine Bauchseite zum Männchen, liess sich begatten und wich wieder zurück. Das Männchen blieb unbehelltigt und sitzt auch heute, zwei tage später, noch in seinem Balzgespinst.
Ich hab dazu noch ein paar Videoschnipsel, die sind aber noch unbearbeitet.
VG Hans-Jürgen

Hans-Juergen Thorns

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Re: Parasteatoda tepidariorum Paarungsstrategien
« Antwort #1 am: 2019-08-01 14:47:08 »
hier noch der Link zum Video:
https://youtu.be/nADtoJ51E9E
VG Hans-Jürgen

Roman Pargätzi

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Re: Parasteatoda tepidariorum Paarungsstrategien
« Antwort #2 am: 2019-08-05 22:19:12 »
Salü Hans-Jürgen,

Ja, bei der Paarung der Gewächshausspinnen haben eindeutig die Damen das Sagen. Habe das in den letzten Jahren auch zwei Mal beobachten können (https://forum.arages.de/index.php?topic=3046.msg26028#msg26028 [1. 7. 2010], https://forum.arages.de/index.php?topic=3046.msg131131#msg131131 [6. 7. 2016]).
Die Pärchen bleiben oft lange zusammen, wobei sie vor dem Bau des ersten Kokons eng beieinander hocken, sich z. T. gar mit einem Bein betasten oder beim anderen Tier einhängen. Wie es zur ersten Annäherung kommt, habe ich noch nicht gesehen. Nach dem Fabrizieren des ersten Kokons scheinen die Männchen etwas Abstand zu halten, tigern auch gern um das Weibchen herum, warten wohl, bis dieses sich wieder paaren will. Herumvagierende Konkurrenten werden abgewehrt, wobei ich noch nie ein Kampfgetümmel mit Beisserei o. Ä. beobachtet habe, sondern jeweils ein taktisches Geplänkel mit Weglocken, Vorstössen und Rückziehern, ... Die Damen scheint das nicht zu interessieren, sie greifen jedenfalls nicht ein.
Was mir noch nie untergekommen ist: eine männliche Gewächshausspinne als Beute eines Weibchens, wobei Letztere vor anderen, selbst grossen Spinnen nicht Halt machen (was bei Zitterspinnen auch mal böse enden kann). Unwillkommene Männchen werden hier mit den langen Vorderbeinen "weggeprügelt". Ob es sein könnte, dass die Terrariensituation (nicht genug Ausweichmöglichkeiten, zu rasche "Annäherung" durch das Dazugeben des Männchens) zu den kannibalischen Vorfällen führt?

Herzlich, Roman