Autor Thema: Was gibt es für Spinnen in der Arachnologischen Sammlung SMNK Karlsruhe?  (Gelesen 466 mal)

Tobias Bauer

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Hallo zusammen,

ich habe mir vorgenommen (eigentlich seit 3 Jahren), in nächster Zeit immer mal wieder Fotos von lebenden Spinnen oder Präparaten aus der Arachnologischen Sammlung des Museums Karlsruhe (SMNK) hier in diesen Thread zu posten, die ich für die Arbeit usw. mache. Das soll auch ein wenig verdeutlichen, wie wertvoll und einzigartig eine gutgeführte Museumssammlung sein kann. Es werden sowohl europäische wie auch Spinnen von anderen Kontinenten sein. Anfangen möchte ich mit zwei (weiblichen) Vetretern aus der Neotropis-Sammlung: Micrathena clypeata (Walckenaer, 1805) und Alpaida bicornuta (Taczanowski, 1878). In Mittel- und Südamerika gibt es unzählige solcher Stachelaraneiden aus ganz unterschiedlichen Gattungen. Für viele gilt Mycrathena clypeata als deren sympathischster Vertreter, weil sie wie ein (stacheliges) Herzchen aussieht. Die meisten unserer Tiere in der Sammlung stammen aus der ökologischen Feldarbeit von Hubert Höfer, Manfred Verhaag und Florian Raub, die v.a. in den 2000ern mehrere ökologische Großprojekte in Südamerika durchführten.

Fundort: Beide stammen aus Panguana, Peru (Primärwald), gesammelt im Juni 1985


Micrathena clypeata, Weibchen


Alpaida bicornuta, Weibchen


Gruß
Tobias

Tobias Bauer

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So, gleich der nächste Beitrag. Diesen lustigen Vertreter mag der eine oder andere noch kennen. Es ist das Weibchen von Vankeeria catoptronifera  Bosselaers, 2012, die Simone Ballini, Eveline Merches und ich 2015 in Südtirol entdeckt haben, obwohl die Art eigentlich nur aus Griechenland bekannt ist. Das unbeschriebene Männchen liegt uns auch vor, ich komme aber partout zeitlich nicht dazu, es zu ordentlich beschreiben, zudem wäre ein weiterer italienischer Fundpunkt ganz nett. Wir vermuten, dass die Art eventuell nicht heimisch für Europa ist.




Gruß
Tobias

Tobias Bauer

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Letztes Jahr haben zwei meiner Bachelor-Studenten ihren Abschluss zu Spinnen auf blühenden invasiven Neophyten im urbanen Raum im Vergleich mit heimischer Vegetation gemacht. Ein besonders interessantes Ergebniss aus ihrer Untersuchung war, dass auf von Amerikanischen Goldrutenarten dominierten Standorten signifikant mehr Krabbenspinnen zu finden waren als auf Plots mit entsprechender heimischer Vegetation, die typischerweise und gerne von Goldruten ersetzt wird. jeder gute Feldökologe weiß, dass Goldruten sehr auffällig blühen, und auch von einer ganzen Reihe Blütenbesucher besucht werden. Daher erscheint es dem Arachnologe nur natürlich, dass die gut sehenden Krabbenspinnen keinen Unterschied zwischen den beiden Typen machen, und gerne auch auf Goldruten sitzen. Ein schöner Nebeneffekt war, dass wir eine ganze Reihe Ebrechtella tricuspidata für die Sammlung bekommen haben, die inzwischen aber leider schon den Großteil ihrer Farbe in Alkohol verloren haben. Hier noch ein frischeres Bild eines Weibchens vom letzten Sommer.


Sylvia Voss

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Finde ich eine tolle Idee das hier zu machen. Vielen Dank Tobias (für die Idee UND die Arbeit die damit verbunden ist) das ist wunderbar. Freu mich schon auf die nächsten Kandidaten.
LG
Sylvia

Jonathan Neumann

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starke Idee bitte weiter so!

und ja wenn ich jemandem Krabbenspinnen zeigen will, habe ich auchs chion festgestellt, dass Goldruten ne sichere Kiste sind,

LG,
Jonathan
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Tobias Bauer

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So, ein neuer Beitrag. Die harmlose und ungefährliche Kugelspinne Nesticodes rufipes gibt esin vielen Futtertierzuchten hier in Mitteleuropa, und wir haben auch einige Tiere in der Sammlung aus unserem Keller, wo man auf eine stabile Population trifft, deren Vorfahren wahrscheinlich mal mit Futterlieferungen ankam. Die meisten Bilder in diesem Thread haben übrigens Praktikanten gemacht, die oft nach kurzer Zeit bessere Bilder als ich am Automontage-Gerät machen. Anbei ein Männchen vom letzten Jahr.



Tobias

Jonathan Neumann

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Hm wovon leben die in den Kellern?
Das frage ich mich auch immer bei Pholcus, Kellerasseln?

LG,
Jonathan
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Jonathan Neumann

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Wobei ich finde, dass ein museums Keller vll noch dürftige ist als ein normaler Hauskeller?

Lg,
Jo
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Sylvia Voss

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Naja, ich weiß nicht, ich kenne ziemlich belebte Klinik -Keller ... kann mir nicht vorstellen, dass Museumskeller dauernd begast , desinfiziert oder sonstwie behandelt werden... aber wer weiß, was man da so macht...
LG
Sylvia

Jürgen Guttenberger

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. Die meisten Bilder in diesem Thread haben übrigens Praktikanten gemacht, die oft nach kurzer Zeit bessere Bilder als ich am Automontage-Gerät machen.

Die Bilder sind gut, hast du mal ein Foto von so einem Automontage-Gerät oder einen link dazu? Ich kann mir da nichts darunter vorstellen.

Gruß Jürgen

Tobias Bauer

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Aus den Publikationen:

Software  Automontage©  (Syncroscopy,  Cambridge,  UK)  mit  einer  Leica DFC  495  Digitalkamera,  angeschlossen  an  ein  Leica  Z6 APO  (Leica  Microsystems,  Wetzlar,  Deutschland)....

Das ist 'ne riesige Anlage, aber durchaus schon etwas älter (merkt man auch). Zudem nicht ganz optimal für untergetauchte Präparate. Trockenpräparate kommen deutlich besser raus, dazu kommt, dass z.B. Straßenverkehr einen deutlichen Einfluss auf die Bildqualität nimmt. Eine große Baustelle in der Nähe verursacht mitunter so starke Mikrovibrationen, dass ich keine Bilder machen kann.

Tobias