Autor Thema: Literatur zur Methodenabhängigkeit der Artenzusammensetzung  (Gelesen 323 mal)

Viktoria Wegewitz

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Hallo allerseits,

kann mir jemand Literatur zu diesem Thema empfehlen, insbesondere bezogen auf Klopfschirm, Kescher, Gesiebekiste und Handaufsammlung?

Ein gutes neues Jahr
Grüße Viktoria

Du kriegst das Mädchen aus dem Wald aber den Wald nicht aus dem Mädchen.

Martin Lemke

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Re: Literatur zur Methodenabhängigkeit der Artenzusammensetzung
« Antwort #1 am: 2020-01-09 22:52:24 »
Ich wüsste nicht, dass es so einen Artikel gäbe. Ich wollte selber mal so einen Artikel verfassen, bin aber davon abgekommen, weil es zu aufwändig ist, alle verfügbaren Methoden adäquat zu vergleichen. Leider ist die Bodenfalle "die Standardmethode" schlechthin und andere Methoden werden gemeinhin als optional angesehen. Dadurch gibt es eine Schieflage in den Befunden und es werden sogar Dominanzen daraus abgeleitet, obwohl offensichtlich ist, dass bei Bodenfallen nicht in erster Linie die Abundanz einer Art im Gelände gemessen wird, sondern ihre Laufaktifivität. So werden besonders laufaktive Arten (i.d.R. Lycosidae) stets als dominante Arten herausgestellt, ohne mit dieser Methode überhaupt die Möglichkeit zu haben, festzustellen, welche Art die inidviduenreichste an dem beprobten Standort überhaupt ist.

Wenn ich anstatt mit der Bodenfalle mit dem Sauger auf eine Wiese gehe, sind die dominanten Arten eher Bathyphantes gracilis und Pachygnatha degeeri. Da hängt viel von den Methoden ab. So wurden in der vorletzten Roten Liste der Spinnen Schleswig-Holsteins (1998), welche überwiegend auf Nachweisen aus Bodenfallen basierte, z.B. relativ häufige Arten wie Hyptiotes paradoxus (damals als extrem selten) oder Agalenatea redii (damals G) völlig falsch eingestuft. Viele Arten, z.B. Araneus angulatus, wurden dadurch vollkommen übersehen.

Wenn Du Literatur suchst, musst Du sie Dir zusammen suchen*), wobei der Sauger in der Regel fehlt. Mühlenberg (1993) Freilandökologie wäre vielleicht ein passender Einstieg. Dort werden wenigstens die Standardmethoden thematisiert. Mit Glück im Antiquariat zu bekommen (zum Einscannen sind mir rund 500 Seiten zuviel). Vielleicht gibt es aber auch ähnliches neueres Buch zu dieser Thematik.

Martin


Das Inhaltsverzeichnis zu Mühlenberg gibt es im Netz: www.gbv.de/dms/bs/toc/120812762.pdf

Ganze Bücher gibt es zwar nicht bei Amazon, aber anderswo: https://www.zvab.com/buch-suchen/titel/freiland%F6kologie/autor/m%FChlenberg/

*) Da kann ich sicher aus meinem Fundus einiges beisteuern
Profil bei Researchgate.net

DAS waren noch Zeiten: Norwegen 2011.

Viktoria Wegewitz

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Re: Literatur zur Methodenabhängigkeit der Artenzusammensetzung
« Antwort #2 am: 2020-01-10 12:36:21 »
Hallo Martin,

danke für die Tipps und das Angebot, auf deinen Fundus zugreifen zu können. Das kann mitunter sehr hilfreich sein, auch für andere Literatur, auf die ich keinen Zugriff habe. Das angesprochene Thema werde ich erstmal zurückstellen. Vielleicht komme ich nochmal darauf zurück. Mühlenberg habe ich mir bestellt, da mir der Inhalt in jedem Fall interessant erscheint.
Grüße Viktoria

Du kriegst das Mädchen aus dem Wald aber den Wald nicht aus dem Mädchen.

Rainer Breitling

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Re: Literatur zur Methodenabhängigkeit der Artenzusammensetzung
« Antwort #3 am: 2020-01-10 14:00:45 »
Zwei möglicherweise interessante Artikel zum Thema:

Churchill & Arthur 1999 Measuring Spider Richness: Effects of Different Sampling Methods and Spatial and Temporal Scales, LINK

Green 1999 Sampling method and time determines composition of spider collections, LINK

Wenn Du bei Scopus, Web of Science oder Google Scholar schaust, wer diese Arbeiten zitiert, findest Du sicher noch einige ähnliche Studien, z.B. Bali et al. 2019 Comparing pitfall trapping and suction sampling data collection for ground-dwelling spiders in artificial forest gaps, LINK

Beste Grüsse,
Rainer