Autor Thema: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine  (Gelesen 237 mal)

Martin Lemke

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Link mit Cover bei Amazon

Hier die leicht abgewandelte und unten ergänzte Rezension, die ich eben bei Amazon als Produktbewertung abgeschickt habe:

Papierverschwendung (nur ein Stern, weniger geht leider nicht)
Wer sich wie ich, eine systematische Darstellung von Spinnengiften und ihrer Wirkung vorstellt, wird mit diesem kleinen Büchlein nicht glücklich werden. Die Zusammenstellung der behandelten Spinnenfamilien wird auf die „wichtigsten“ begrenzt, ohne irgendeine Angabe, warum der Autor gerade diese Familien als wichtiger als andere einstuft.

Die Angaben erwecken den Eindruck irgendwo herausgesucht worden zu sein. Die Angaben der einzelnen Abschnitte sind uneinheitlich und somit nicht miteinander vergleichbar. Das bedeutet, das Buch taugt nicht als Quellenmaterial für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Spinnengifte.

Zur Trichternetzspinne Agelena labyrinthica wird lapidar angegeben, der Biss könne Schwellungen und Schmerzen an der betroffenen Extremität verursachen. Keine näheren Angaben zum Gift, was ja Thema des Buches sein sollte. Oft wird nur etwas zu Symptomen eines Bisses berichtet und nichts zum Gift. Über die Hauswinkelspinne Eratigena atrica plaudert der Autor in der Ich-Form: „Mit neun Jahren wurde ich von einer adulten Eratigena atrica gebissen“ und beschreibt die Symptome, die er in seiner Kindheit wahrnahm. Das ist keine wissenschaftliche Fachpublikation. Ich wüsste nicht, wer das passende Publikum für so ein Buch sein sollte.

Am meisten bringt mich auf die Palme, dafür kann der Autor nichts, dass mir für die Rücksendung dieser Papierverschwendung, 3,50 € berechnet werden. Ein Großbrief kostet 1,55 € Porto.

Wolfgang Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine, 150 Seiten, knapp 15 schlecht lesbare Seiten Literaturquellen und Register der behandelten Arten.

Z. B. Araniella cucurbitina wird auf Seite 67 angegeben (keine andere Araniella). Diese Seite hat knapp 17 Textzeilen, von denen 8,5 darauf verwendet werden, zu beschreiben, was ein Radnetz ist. Der Rest des Textes gibt an, dass Araneus und Argiope die auffälligsten Gattungen bekanntesten Radnetzspinnen der Familie Araneidae seien, dass die Gifte von Araneus gemma und Argiope bruennichi auf den nächsten Seiten beschrieben würden und dass das Gift von Neoscona arabesca die Bindung von Glutamat im Gehirn von Ratten blockiere. Der Rest der Seite wird von einem Bild von Araniella cucurbitina ausgefüllt (immerhin wird diese Art auch auf dem Cover des Buches gezeigt); Bildunterschrift: "Abb. 22 Araniellla cucurbitina eine kleine, jedoch höchst attraktive Vertreterin aus der Familie Araneidae." – Das ist wirklich der Hammer! Über das Gift von A. cucurbitina steht in dem Buch überhaupt nichts! Nur dass der Autor diese Art attraktiv findet.

So setzt sich das Buch fort. Mir hat es nach ein paar Seiten gereicht. Ich werde nie wieder nachts spontan ein Buch bestellen.

Meine Bewertung: (5 x Daumen runter)
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Jonathan Neumann

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #1 am: 2020-01-30 22:21:37 »
Guten Abend Martinm

danke für diesen lustig Bericht :D.

Von dem Autor halte ich auch nix zu viel - sein Internetauftritt ist mir auch ziemlich suspekt.

lg,
jonathan
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Martin Lemke

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #2 am: 2020-01-31 07:17:02 »
Mir fällt gerade auf, dass kein Verlag angegeben wurde; nur "Printed in Germany by Amazon Distribution GmbH Leipzig". Ein Print on demand-Projekt im Eigenverlag?

Auf seiner autobiographischen Seite gibt der Autor an, 1990 in Bozen geboren zu sein, in Innsbruck Biologie studiert zu haben und dass er sich schon seit seiner Kindheit für Gifitge Tiere aller Art interessiert habe. Nichts, das ihn zu diesem Thema besonders qualifiziert.

Das Kapitel zu Thomisidae zeigt Fotos von Xysticus sp., Thomisus onustus und Heriaeus sp. mit praktisch nichts zu deren Giften. Lediglich zu Heriaeus melloteei wird angegeben: "Aus dem Gift von Heriaeus melloteei konnten Billen et. al (2008) zwei Toxine isolieren, die eine inhibierende Wirkung auf Natriumkanäle aufweisen. Die beiden Toxine tragen die Namen Hm-1 und Hm-2 ... " usw. – Was soll man mit solchen "Informationen" anfangen?
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Tobias Bauer

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #3 am: 2020-01-31 10:58:20 »
Schreib bitte eine Kurzrezension für die AraMit  :P

Martin Lemke

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #4 am: 2020-01-31 15:33:02 »
Amazon veröffentlich anscheinend nur gute Rezensionen.

Ich glaube nicht, dass die Leser der AraMitt das Klienetel für so einen Schmonz sind. Ich habe schon einen anderen Artikel aus Zeitmangel zurück gestellt; eher würde ich den nochmal aufgreifen. Außerdem helfe ich Viktoria bei ihrem ersten Artikel – das erscheint mir lohnender.

Bei Amazon 3 Bewertungen mit je 5 Sternen. Es ist mir ein Rätsel, wie man das Buch "super spannend" (Rezensent Gerlach Norbert – anscheinend auch so ein Gifttier-Fan), "Tolles Buch, super aufgebaut und sehr informativ" (Rezensent kr) oder "Sehr schön strukturiertes Buch. Informativ und gut zu lesen. Tolle Bilder und allgemein interessant gestaltet. Auf jeden Fall empfehlenswert!" (Rezensent kira) finden kann. Beim ersten Rezensenten habe ich den Eindruck, dass er das Buch nicht mal kennt. Gefälligkeits-Rezensionen?

Martin
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Sylvia Voss

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #5 am: 2020-01-31 16:47:45 »
 ;D
Als ich vor Jahren meinen dermatologischen Vortrag zu den Tiergiften/ Diagnostik / Therapie verfasste, habe ich natürlich eine sehr umfangreiche Recherche betrieben...
da stößt man irgendwann auch mal auf den Namen Wolfgang Dibiasi. Deswegen mußte ich gleich "aah ja, der schon wieder"  -Schmunzeln, als ich diesen Namen hier las... Als ich damals im Rahmen der erwähnten Recherche dessen Webseite sah und mir ein paar seiner Videos angesehen hatte, habe ich mir das unter "eitler Selbstdarsteller" abgehakt. Auch wenn er manche Sachen sehr gut darstellt und auch Material sammelt, was andere so nicht besprechen... Aber ich habe mal getestet, wie biologische und medizinische Laien seine Videos finden und war sehr erstaunt: manche waren von dem Kerl "richtig hin und weg", "weil er Dinge erklärt, die man so richtig gut versteht und vorher nicht wußte"... das war so allgemein der Tenor unter den Begeisterten. Das ist vielleicht auch eine Ursache für die guten Rezensionen (eine andere wäre : sich welche kaufen, will ich jetzt aber nicht unterstellen)

Das Buch was Du da rezensiert hast Martin, wollte ich mir eigentlich auch kaufen, habe das aber nun verworfen ;-))) (Deswegen werde ich dazu auch nichts einschätzen können aus meiner medizinischen Sicht... aber das muß ja auch nicht sein ...)  Wobei man vielleicht , zumindest was die von Dir kritisierten (oft nicht logisch zusammen passenden) Sammmelsurium -artigen Infos zu verschiedenen Giften betrifft, ein bisschen Nachsicht üben muß : es gibt einfach nicht wirklich viele und gute Info's genau zu diesen Giften. Daher hat er wahrscheinlich einfach alles eingebaut, was er finden konnte... und deswegen wahrscheinlich dieser merkwürdige Eindruck, den Du hast.

Danke jedenfalls für den Hinweis, der mich vor einer sinnlosen Geldausgabe bewahrt hat :-)
LG
Sylvia

Jonathan Neumann

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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #6 am: 2020-01-31 19:41:55 »
Hallo Martin,

Die positiven Rezensionen sind mir auch aufgefallen. Ich vermute, dass das entweder fake accounts von ihm sind, oder Freunde.

Übrigens war ich erst traurig, weil deine nicht zu finden waren. Vllt werden sie erst später veröffentlicht?

@sylvia,danke für deine Schilderung mit der Aussen Wirkung für andere, sehr lehrreich.

Lgjo
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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #7 am: 2020-01-31 20:16:43 »
es gibt einfach nicht wirklich viele und gute Info's genau zu diesen Giften. Daher hat er wahrscheinlich einfach alles eingebaut, was er finden konnte...

Genau das ist mein Eindruck von dem Buch! Wahllos und unstrukturiert zusammengesucht. Wenn ich Toxine systematisch darstellen will, sollte man das systematisch machen Gattung für Gattung; das wäre vielleicht aufschlussreich. Aber statt dessen nennt er Argiope bruennichi (Verbreitungsgebiet: Europa bis Japan) mit Araneus gemma (Verbreitung USA und Kananda) nahezu in einem Satz. Wenn man keine Informationen mitzuteilen hat, sollte man kein Buch darüber schreiben. Das sieht ganz nach Eigenverlag aus. Ein Verlag hätte das Buch nicht veröffentlich. Heute gibt es ja so Services wie "Schreib' Dein Buch selber" da gibt es eine Fülle von Angeboten und niemand ist da, der das MS kritisch durchsieht. Hauptsache der Kunde (=Autor) zahlt.

@Jonathan: Ich bin auch gespannt, ob meine Rezension noch kommt oder ob die unterdrückt wird, weil Amazon das Buch druckt.

Martin
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Re: Buchrezension: Dibiasi 2019 Spinnen und ihre Toxine
« Antwort #8 am: 2020-01-31 21:21:26 »
@Jonathan: Ich bin auch gespannt, ob meine Rezension noch kommt oder ob die unterdrückt wird, weil Amazon das Buch druckt.

Ich werde sie nochmal abschicken. In der Liste meiner Produktbewertungen ist sie nicht enthalten.

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