Autor Thema: Uloborus plumipes: Problem für einheimische Arten (Problematic for native specie  (Gelesen 489 mal)

Jutta Passarge

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Uloborus plumipes: Problem für einheimische Arten? (Problem for native species?)
Hallo, eine Frage: Wir haben im Haus (Norddeutschland) gerade eine Massenvermehrung von Uloborus plumipes. Eingezogen sind die ersten Exemplare wie so oft nach einem Besuch im Gartenzentrum. Normalerweise lassen wir alle Spinnen im und um das Haus in Ruhe, aber anders als einheimische Arten, haben sich diese jetzt im Haus explosionsartig vermehrt, und die neue Generation hat schon wieder überall ihre Kokons aufgehängt... Da kommen wir nicht mehr darum herum einzugreifen. Ist es verantwortungsvoll, sie draussen auszusetzen, wo sie zumindest den Sommer überleben könnten, oder wäre das im näheren Umkreis das Ende der einheimischen Spinnen? (Im Haus scheinen sie die einheimischen Spinnen zu verdrängen.)

Hi there, a question about Uloborus plumipes: can they be problematic for native species in the sense of outcompeting them (when occuring in extremely large numbers) outside during summer time? Location: Northern Germany

Jutta Asamoah

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Hallo Namensvetterin,

leider bin ich keiner der Spinnenexperten, aber ich hatte die gleiche Frage gestellt, als mir jemand Faunenverfälschung vorwarf, weil ich meine Federfüßchen weitergebe. Die Antwort, die ich hier erhielt war eindeutig: Da die Spinnen in Deutschland nicht im Freien überleben können, werden sie entsprechend nicht mit heimischen Spinnen konkurrieren.
Ich "züchte" sie seit letzten Sommer und verschenke regelmäßig Kokons an andere Wintergartenbesitzer, auch zwei Gärtnereien haben in ihren Glashäusern einige meiner Exemplare. Sind tolle Schädlingsvertilger und verursachen keinerlei Probleme.

Liebe Grüße in den Norden
Jutta

Tobias Bauer

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Handelt es sich dabei wirklich um Uloborus plumipes? Ein Bild würde weiterhelfen. Ich kenne keine Berichte über Massenvermehrungen in normal beheizten Wohnhäusern. Zudem müsste es bei euch auch extrem viele Fluginsekten als Nahrung geben, das gibt es in Innenräumen nur, wenn man dort Pflanzen züchtet.

Ich würde die Art nicht draußen aussetzen, aber ökologisch schädlich sind sie aktuell nicht. Ich habe noch nie eine im Freiland gefunden und kenne keine Artikel, die die Art als invasiv benennen. Das kann sich natürlich, wie bei allen gebietsfremden Arten, mit ändernden Umweltbedingungen durchaus auch ändern.

Tobias

Jonathan Neumann

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Ich "züchte" sie seit letzten Sommer und verschenke regelmäßig Kokons an andere Wintergartenbesitzer, auch zwei Gärtnereien haben in ihren Glashäusern einige meiner Exemplare. Sind tolle Schädlingsvertilger und verursachen keinerlei Probleme.

und die Gärtnereien hatten vorher echt noch gar keine von denen?

LG,
Jonathan
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Jutta Passarge

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Hallo Namensvetterin ;-), Tobias und Jonathan,

ob es wirklich Uloborus plumipes ist, ist natürlich eine gute Frage. Ich bin zwar Biologin, aber "nur" Mikrobiologin ohne Ahnung von Spinnentaxonomie. Vielleicht liege ich also falsch, aber der Einzug bei uns zusammen mit drei großen Zimmerlinden aus dem Gartenzentrum erschien mir für diese Art typisch? Eine gute Kamera habe ich auch nicht, aber so weit mein Smartphone das hergibt, habe ich mal ein Foto von einem Exemplar gemacht. Im Hintergrund leicht verschwommen sieht man einen Kokon, der gerade aufgegangen ist.

Dann die Frage, ob der Ausdruck Massenvermehrung übertrieben ist. Mir kommt es jedenfalls sehr viel vor: Ich zähle allein an der Decke bis zu 8 erwachsene Exemplare pro Quadratmeter und dazu 10-12 Kokons, ebenfalls pro Quadratmeter. Das Ganze dann auf ca. 20 Quadratmetern, und das ist nur die Decke... In den (großen) Zimmerpflanzen fange ich erst gar nicht an zu zählen. Spätestens wenn alle Kokons aufgegangen sind, haben wir hier also schon eine ziemlich "Invasion". Wovon sie sich alle ernähren, ist mir, um ehrlich zu sein, auch ein Rätsel. Wir hatten eine Zeit viele kleine Fliegen (Art und Ursprung unbekannt), das ist aber auch schon eine Weile her. Natürlich kommen immer mal wieder Insekten durch die Fenster herein, aber dass sich so viele Spinnen davon ernähren können, wundert mich auch, auch wenn sie ja eher klein sind.

Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität. Besser bekomme ich es leider nicht hin.

Jutta Passarge

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Spinne closeup April 2020.png
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Tobias Bauer

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Sieht schon danach aus. Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht erklären. Die Dichte ist schon exorbitant hoch. Die einfachste Methode wäre wahrscheinlich absammeln und in die Gefriere oder in Spiritus, der in der Gefriere stand, dann entsorgen. Oder absaugen, und dann Beutel entsorgen.

Tobias

Jonathan Neumann

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Hallo Jutta,

diese kleinen  Fliegen könnten Trauermücken sein. Die können sich, auch bei wenigen Töpfen, in Massen entwickeln und das genügt den Uloborus.

Ich würde die Spinnen walten lassen und mal Farbformen vergleichen :).

Lg,
Jonathan
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Jutta Asamoah

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Hallo Jutta,

das ist wirklich ne sehr große Anzahl pro Quadratmeter. Das bringe ich nicht einmal mit Wintergarten, Zufütterung und liebevoller Ansprache zustande.
Du könntest sie auch einfach dem nächsten Bekannten mit Wintergarten, Glashaus oder einem Botanischen Garten o.ä. anbieten.
Nach meiner Erfahrung tun sie zumindest den Zitterspinnen nichts zuleide, sondern leben nebeneinander her.
Haben ja weder Gift, noch sind sie schnell...

Wärst du nicht so weit weg, hätte ich sie persönlich abgeholt inklusive Kokons. Als Schädlingsbekämpfer bei Zimmerpflanzen sind die Viecher doch unschlagbar.

Grüße aus dem Süden
Jutta

Jutta Passarge

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Viele Dank für alle Reaktionen!

Trauermücken wären als Art denkbar. Es waren sehr viele, und sie kamen schnell - möglicherweise zusammen mit den Spinnen in den Zimmerlinden aus dem Gartenzentrum eingeschleppt. Dann kam die erste Welle der Spinnenvermehrung und damit das Ende der kleinen Fliegen/Mücken. Da sind diese Spinnen schon sehr effektiv, keine Frage.

Mit "absammeln und in die Gefriere oder in Spiritus" oder Staubsaugereinsatz tue ich mich sehr schwer... Deshalb dachte ich, vielleicht schaffen sie es im Frühling/Winter, draußen zu überleben, hoffentlich ohne dabei alles aus dem Gleichgewicht zu bringen. Obwohl das natürlich nur eine Verschiebung des Problems ist, denn spätestens im Winter ist es dann vorbei.

Liebe Namensvetterin, es ist wirklich schade, dass Du sie nicht aufnehmen kannst. Das wäre die ideale Lösung, aber per Post verschicken, ist wohl kaum eine Option. Der erste Kokon, der aufging, hatte ca. 40 Jungtiere. (Zumindest war das die ungefähre Anzahl der Winzlinge, die ich ein paar Tage später gezählt habe.) Wenn hier in Kürze alle Kokons aufgehen, haben wir locker zweitausend Spinnen auf kleinstem Raum... Damit könnte man vermutlich ein komplettes Gewächshaus bevölkern. Hier in der Gegend wüßte ich aber leider niemanden, der sie haben wollte. (Die einzigen Leute mit Wintergarten ekeln sich vor Spinnen.)

Jutta Passarge

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Ich würde die Spinnen walten lassen und mal Farbformen vergleichen :).

Lg,
Jonathan

Was meinst Du mit "Farbformen vergleichen"?

PS: "Walten lassen" wird bei der Riesenmenge leider schwierig...

Jonathan Neumann

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Die Kölnnen von hellgelb bis fasts chwarz alle Schattierungen aufweisen. Und sie haben manchmal eine Keilzeichnung.

Schau mal in die Galerie:
https://wiki.arages.de/index.php?title=Uloborus_plumipes

LG,
Jonathan
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Jutta Passarge

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Die Kölnnen von hellgelb bis fasts chwarz alle Schattierungen aufweisen. Und sie haben manchmal eine Keilzeichnung.

Schau mal in die Galerie:
https://wiki.arages.de/index.php?title=Uloborus_plumipes

LG,
Jonathan

Interessant, danke! Bisher sehe ich nur sehr dunkle Exemplare. Ich schätze, die Erwachsenen stammen vermutlich alle aus einem Kokon, der mit einer Zimmerlinde aus dem Gartenzentrum kam (oder sonst von nur ganz wenigen erwachsenen Gartenzentrum Exemplaren). Also vermutlich ziemliche Inzucht in unserer Küche...  ;)

Jonathan Neumann

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aus einem Kokon können alle Farbvarianten entstehen, wenn ich mich recht entsinne.

LG,
Jonathan
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Jutta Passarge

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aus einem Kokon können alle Farbvarianten entstehen, wenn ich mich recht entsinne.


Interessant, danke!

Anders als ich das von unseren "normalen" Hausspinnen kenne, waren 2 Tage nach dem Schlüpfen des ersten Kokons (der Rest ist noch dicht) allerdings alle Winzlinge spurlos verschwunden. Entweder haben sie sich erstmal irgendwo verkrochen oder ... Kannibalismus? Gibt es Letzteres bei diesen Spinnen?

Jonathan Neumann

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Ja, Kannibalismus kommt vor, aber hier bei Uloborus eher unwarscheinlich.

Vermutlich hatten sie sich einfach schon verteilt.

LG,
Jonathan
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Jutta Passarge

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aus einem Kokon können alle Farbvarianten entstehen, wenn ich mich recht entsinne.

LG,
Jonathan

So ist es auch hier: Jetzt haben wir auch andere Farben dazubekommen.  :)

Noch sind übrigens alle drinnen. Ich bringe es irgendwie nicht übers Herz sie rauszuschmeißen, wo die Nächte ja jetzt wieder kühler werden. Sieht ein bisschen aus wie moderne Kunst an der Decke mit den ganzen Spinnen und Kokons... ;D und bei geöffneten Schiebetüren zum Wald mangelt es auch nicht an Beutefliegen.

PS: Man muss den "Look" mögen, ist vermutlich nicht jedermanns Traum in Sachen Wohnungsdekoration, aber glücklicherweise hat hier niemand Spinnenphobie. ;)