Autor Thema: Araniella sp. mit Parasit  (Gelesen 142 mal)

Ulrich Kursawe

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Araniella sp. mit Parasit
« am: 2020-05-23 11:20:01 »
Servus,

gestern ist mir eine Araniella sp. untergekommen, die einen recht stattlichen Parasiten mit sich herumträgt. Läßt der sich eigentlich nur herumtragen, oder schädigt er die Spinne auch? Es sah mir jetzt nicht so aus, als würde er sich von der Spinne ernähren, zumindest macht die noch einen ganz gut genährten Eindruck.

Viele Grüße, Uli

Sylvia Voss

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #1 am: 2020-05-23 21:14:01 »
Der tötet die Spinne durch seine Lebensweise am Ende...meist sind es bei Araniella Polysphincta - Larven (Ichneumonidae sp)...
LG
Sylvia

Ulrich Kursawe

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #2 am: 2020-05-23 21:50:02 »
Hallo Sylvia,

vielen Dank für die Erläuterungen, das scheint in der Tat für die Spinne nicht gut auszugehen. Habe auf den Hinweis hin gleich einen interessanten Artikel gefunden, wo speziell auch auf Spinnen der Gattung Araniella eingegangen wird: https://dailyparasite.blogspot.com/2015/08/polysphincta-boops.html . Da bin ich wohl nicht die einzige Gefahr für die Spinnen im Garten ... ::).

Viele Grüße, Uli

Sylvia Voss

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #3 am: 2020-05-24 22:39:35 »
Hallo Uli
Danke für diesen Link, diesen Artikel kannte ich noch nicht!
Ja, die  Natur hat es mit manchen Kreisläufen sehr grausam eingerichtet... irgendwo (ich glaube bei Albert Schweitzer) hatte ich mal - sinngemäß - vor sehr langer Zeit gelesen "ich bin Leben das Leben muss von Leben das Leben will" Es ging da um die Ehrfurcht vor allem Leben, die uns abhanden gekommen ist... Keiner Spezies ausser dem Homo nimmersapiens gelang es - auf meist sehr grausame Weise- ganz viele andere Spezies (und auch menschliche) auf dieser Erde auszurotten. Der kleinen Ichneumonidae sei also verziehen...
LG
Sylvia 

Tobias Bauer

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #4 am: 2020-05-25 00:56:40 »
Ja, die  Natur hat es mit manchen Kreisläufen sehr grausam eingerichtet... irgendwo (ich glaube bei Albert Schweitzer) hatte ich mal - sinngemäß - vor sehr langer Zeit gelesen "ich bin Leben das Leben muss von Leben das Leben will" Es ging da um die Ehrfurcht vor allem Leben, die uns abhanden gekommen ist...

Dem Mensch war nie eine "Ehrfurcht" vor anderen Arten inhärent. Wie erklärst du dir sonst das "Naturvölker" in den meisten nicht-afrikanischen Bereichen der Welt schon lange vor der Industrialisierung oder dem Kontakt mit der Westlichen Welt große Teile der Megafauna (bswp. Moa, Elefantenvogel; beinahe die komplette australische Großtierfauna; kleine mediterrane Elefantenarten...) durch Jagd ausgerottet haben? Nicht der moderne Mensch ist das Problem, sondern die Natur des Menschen an sich. Man kann da jetzt viele Schuldige suchen: Dichotome Denkweise im antiken Griechenland (Mensch und Tier), Schöpfungslehre im Christentum... Es ändert nichts daran, dass der Mensch überall dort, wohin er sich ausbreitete, bereits frühzeitig und vor dem Entstehen einer Philosophischen Abwertung anderer Lebewesen ein massives Aussterben von Arten verursacht oder beschleunigt hat.

Tobias

Martin Lemke

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #5 am: 2020-05-25 07:08:44 »
... Philosophischen Abwertung anderer Lebewesen

Ich muss gestehen, dass ich das nie so betrachtet habe, geschweige denn darüber nachgedacht, aber das ist einleuchtend.

Danke für diese Erhellung.

Ich habe mir einfach angewöhnt, das Töten unter Tieren (einschließlich Mensch) ganz wertfrei zu betrachten. Dichotonie: Sobald man dem Menschen eine besonders gut oder schlecht bewertete Sonderrolle zuschreibt, kommt man genau hier an. Damit sind in letzter Konsequenz auch alle human induzierten Katastrophen (z.B. Fukushima) natürlich. So kommen wir wieder zu grundlegenden Fragen der Philosophie und der Frage, wie zu sehen, es am richtigsten ist, denn die Schwierigkeit ist, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, aus welchen es auszuwählen gilt. Objektivität gibt es nicht, es ist schlussendlich eine Entscheidung, wie man es betrachten will.

Martin
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DAS waren noch Zeiten: Nowegen 2011.

Ulrich Kursawe

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Re: Araniella sp. mit Parasit
« Antwort #6 am: 2020-05-25 09:24:44 »
Servus,

ich denke, auch wenn Tobias sicher recht hat mit seinen Ausführungen, kann man sich doch die Frage stellen, ob nicht auch zum damaligen Zeitpunkt die Ausrottung von Tierarten für die menschliche Entwicklung  eher kontraproduktiv war. Damals waren die Menschen aber vermutlich noch sehr viel stärker in den Dualismus von Jäger und Gejagtem eingebunden und ich denke, dass sich diese Frage für sie damals einfach nicht gestellt hat und somit auch keine "bewußte" Entscheidung war.
 Inzwischen hat sich aber das Zerstörungspotenzial von Hono sapiens extrem erweitert und wenn die Entwicklung der "menschlichen Natur" (in philosophischer, ethischer, moralischer etc. Hinsicht) damit nicht Schritt hält, wird das vermutlich irgendwann katastrophal enden. Auch sind wir inzwischen (zumindest) in einigen Teilen der Erde in der glücklichen Situation, solche Entscheidungen bewußt treffen zu können, da sich das Verhältnis von Jäger und Gejagtem extrem zu unseren Gunsten verschoben hat.
Wenn man also die Ausrottung bestimmter Tierarten vorantreibt oder auch nur billigend in Kauf nimmt, ist das immer häufiger eine Entscheidung, die nicht zufällig mangels Alternativen getroffen wird, sondern mehr oder weniger bewußt. Darin liegt dann schon eine gewisse "Grausamkeit" (wenn man es denn so nennen will) und ich denke darauf hat Sylvia auch Bezug genommen, wenn ich das korrekt interpretiert habe.

Auf jeden Fall ist das eine sehr interessante Diskussion.

Viele Grüße, Uli