Autor Thema: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt  (Gelesen 494 mal)

Adam Mezes

  • Beiträge: 5
Liebe alle!

Eine Freundin von mir hat diese interessante Struktur auf dem Holzboden des Dachbodens ihres Hauses in Siebenbürgen in Sfântu Gheorghe gefunden. Sie hat es letzten September gefunden.

Der Eikokon und "die Wand" beide waren durch Spinnennetz fest am Boden befestigt. Die Detrituswand selbst war mit Spinnenseide verwoben. Wir haben einige ungarische Arachnologen kontaktiert, aber bisher konnte uns niemand sagen, welche Familie oder Arten von Spinnen solche Konstruktionen herstellen.
Könnte uns jemand helfen?

Danke sehr,
Adam

Detrituswand.jpg
*Detrituswand.jpg (423.45 KB . 1072x1832 - angeschaut 180 Mal)

Tobias Bauer

  • Kerngruppe
  • ******
  • Beiträge: 1598
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #1 am: 2020-07-07 23:29:39 »
Das sieht spannend aus. Ich habe davon aber auch noch nie gelesen. Wisst ihr denn, welche Arten/Gattungen auf dem Dachboden vorkommen? Das wäre eine Möglichkeit, das einzugrenzen.

Jonathan Neumann

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 6099
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #2 am: 2020-07-08 06:15:29 »
Hallo Adam,

war der Kokon unter etwas versteckt (also lag etwas oben drauf) oder war der so frei?

LG,
Jonathan
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

Tinto von Matsieng, eines meiner Lieblingslieder

Adam Mezes

  • Beiträge: 5
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #3 am: 2020-07-08 09:03:40 »
Es tut mir leid, ich muss etwas korrigieren, ich erinnerte mich falsch: Die Struktur wurde nicht im Dachboden, sondern in einem Holzschuppen für Brennholz neben dem Haus gefunden. Das Haus liegt übrigens nicht im Wald, sondern in der Stadt.

Jonathan, als sie es fanden, war nichts darüber. Also war es nicht wie bei den Finsterspinnen, dessen Kokonscutzstrukturen zwischen zwei Holzoberflächen eingeklemmt sind. Es war einfach im Freien.

Tobias, sie sagt, dass sie dort bisher nur Trichternetzspinnen gesehen hat.

adam

Guido Hammer

  • *
  • Beiträge: 72
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #4 am: 2020-07-08 10:03:20 »
Könnte das vielleicht auch ein Mottenkokon sein? Vielleicht lohnt es sich zusätzlich in einem darauf spezialisiertem Forum nachzufragen?

Jonathan Neumann

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 6099
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #5 am: 2020-07-08 10:07:43 »
Mein erster Gedanke war ja Netzflügler-Kokon. Das Problem ist aber, dass man die Spinnenexuviem im Kokon sehen kann beim letzten Foto. Also bestimmt kein insekt.

LG,
jonathan
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

Tinto von Matsieng, eines meiner Lieblingslieder

Guido Hammer

  • *
  • Beiträge: 72
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #6 am: 2020-07-08 10:51:12 »
Total übersehen. Erst richtig gucken, dann Senf dazugeben :)
Sorry

Tobias Bauer

  • Kerngruppe
  • ******
  • Beiträge: 1598
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #7 am: 2020-07-08 13:24:05 »
Ich zermarter mir seit gestern den Kopf darüber. Der Kokon der meisten Hausspinnen ist gut bekannt. Trichternetzspinnen (Agelenidae) verweben den oft im Netz und zeigen sogar intraspezifische Variationen (hängende u. angeklebte Eikokons). Auch Oeocobiidae bauen einen vollkommen anderen Kokon, Pholciden tragen ihn herum, Scotophaeus beschützen ihre nur dünn eingewobenen Eier... Ich frage mich auch, ob der Detritusring aus irgendweinem anderen Grund dort sein könnte, aber bisher habe ich keine logische Erklärung dafür.

Tobias

Jutta Asamoah

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 222
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #8 am: 2020-07-08 16:10:22 »
Hallo Adam,

ich habe leider keine Ahnung von Spinnenkokons, bin mir aber ziemlich sicher, dass...

1. es keine synanthrope Spinnenart in Ungarn gibt, die ein derart auffälliges Gebilde herstellen kann, die ungarischen Arachnologen und den Arachnologen hier im Forum unbekannt wäre.

2. es generell keine derartigen Spinnenbauwerke in Europa gibt, da zumindest irgendetwas Ähnliches bei einer anderen familie oder Gattung bekannt sein müsste (da synanthrop).

3. der Ring durch verrottetes organisches Material (Holzring, Strohring) oder durch Lebewesen, die eine ringförmige Struktur bilden (Schleimpilze, echte Pilze, Insekten) entstanden ist. Die Anhäufung des Detritus der Umgebung kann durch die Oberflächenstruktur des Materials bedingt sein (klebrig, feucht).

4. die Spinne sich den Ring als geschützte Stelle aussuchte für ihren Kokon und vielleicht auch für ihren Unterschlupf oder ihn zusätzlich, als mit Fäden ausgekleidetes Fangareal nutzte.

5. vielleicht hat euch auch nur jemand einen Streich gespielt und den Kokon dort mittig platziert?

Nur Hirngespinste, aber vermutlich wahrscheinlicher, als die Möglichkeit, dass eine europäische Spinne selbst so einen Ring fabriziert um ihre Brut zu schützen und alle Experten nichts davon wissen. Ich schreibe europäisch, weil es angeblich im peruanischen Regenwald eine Spinne gibt, die einen runden Zaun um ihren Kokon baut, zumindest findet man Fotos davon.

Liebe Grüße
Jutta

Ps: Ich wette um einen Monat Kehrwoche, dass mindestens drei meiner Vermutungen stimmen.




Jonathan Neumann

  • Aktive Mitarbeiter
  • *****
  • Beiträge: 6099
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #9 am: 2020-07-08 20:33:52 »
Huhu,

hm mein Gefühl/meine Intuition meint, dass das keine netzbauende Spinne ist.

Anhäufung oder Klebenbleiben durch Zufall würde ich ausschliessen, da das super perfekt aussieht.

eine eingeschleppte Art könnte vllt sein? Eine gute Empfehlung wäre mal nachts den Schuppen von aussen und innen abzuleuchten...

An einen Streich glaube ich nicht

LG,
Jonathan

PS:Wie gut, dass wir in Norddeutschland keine Kehrwoche haben, da kann mir nix passieren!
CHAENA MONNA MOKOPUNG aus Afihla Majantja Vol 3.

Tinto von Matsieng, eines meiner Lieblingslieder

Adam Mezes

  • Beiträge: 5
Re: Eikokon durch kreisförmige Detrituswand geschützt
« Antwort #10 am: 2020-07-09 08:43:02 »
Liebe Jutta, Guido, Jonathan und Tobias, vielen Dank für die Antworten!

Wahr, es ist seltsam, dass die Struktur bisher niemand identifizieren konnte; ich glaube aber auch nicht, dass meine Freundin uns einen Streich gespielt hat, ich kenne sie als eine Person, die die Natur respektiert und sie ist eine häufige Teilnehmerin in unserer Amateurgruppe von Spinnen-Enthusiasten :-)

Über Synanthropie. Denkt ihr, dass vielleicht der Holzschuppen im Garten auch nicht-synanthropische Spinnen beherbergen kann? Nicht sicher.

Die Pilzen-Ursprung der "Wand" ist eine Möglichkeit, aber sie sagt, als sie die Wand öffneten, diese auch mit Spinnenseide zusammengewebt war. Natürlich kann ich das nicht verifizieren, ich war nicht da.

Ich denke, Jutta's 4. Vorschlag könnte eine Möglichkeit sein. Vielleicht, eine Finsterspinne zuerst einen Schutzraum für sich und den Kokon geschafft hat, und später die obere Holzoberfläche entfernt wurde. Danach eine andere Spinne den jetzt offenen Raum für ihren Kokon genuzt hat. Was denkt ihr? (Ich bringe eine Amaurobius fenestralis-Struktur an, die ich letzte Woche fotografiert habe).

adam

Afenestralis_AMezes.jpg
*Afenestralis_AMezes.jpg (365.39 KB . 853x640 - angeschaut 101 Mal)